An die Zins-Gichtlinge des Finanzamtes Bonn-Außenstadt: Sollen wir spekulieren für Verzugszinsen?

Die Zinsphantasien des Bonner Finanzamtes
Die Zinsphantasien des Bonner Finanzamtes

Gestern erklärte ich noch vollmündig, wie unsere öffentlich gemachten Service-Ärgernisse die Anbieter zur Umkehr bewegten und unsere Anliegen in Erfüllung gingen. Heute beschreibe ich einen Fall, bei dem mein netzöffentliches Bekenntnis wohl chancenlos ist. Es geht um das Finanzamt Bonn-Außenstadt. Vorbemerkung: Wir haben weder ein Konto in der Schweiz, noch irgendwelche Ambitionen, dubiose Zocker-Geschäfte in Steueroasen zu unterstützen. Wir kennen den Unterschied von Brutto und Netto, bilden brav nach dem Eichhörnchen-Prinzip Rücklagen für die Steuerabgaben und tasten das Tagesgeld-Konto erst an, wenn der Steuerbescheid ins Haus flattert.

Für das Steuerjahr 2011 haben wir unsere Unterlagen pünktlich vor dem 31. Dezember 2012 abgegeben. Alles wurde geprüft, es gab nicht eine einzige Beanstandung. Soweit so gut. Der Steuerbescheid ist erst vor einigen Tagen zugestellt worden. Das Finanzamt Bonn Außenstadt brauchte für unsere recht überschaubare Steuererklärung 14 Monate, um uns mitzuteilen, was denn nun an Vater Staat abgedrückt werden muss. Für diese Zeit berechnet uns der zuständige Mitarbeiter Verzugszinsen von rund 5 6 Prozent, obwohl wir fast in masochistischer Manier im vergangenen Jahr mehrmals nachfragten, wann denn nun endlich der Steuerbescheid eintrifft, schließlich brauchen wir Planungssicherheit für die laufende Steuerschuld und müssen kalkulieren, was von unseren Rücklagen übrig bleibt und was für die Zukunft an Reserven vorhanden sein muss.

Dass sich der Fiskus dann auch noch für die eigene Untätigkeit mit 56-prozentigen Verzugszinsen belohnt, ist eine Frechheit. Aber noch frecher ist die Begründung des Mitarbeiters:

„Sie konnten schließlich in dieser Zeit mit dem Geld ‚arbeiten‘.“

Was wird einem hier eigentlich nahegelegt? Sollen wir irgendwelche Geschäfte am grauen Finanzmarkt machen und Fonds von Firmenjägern zeichnen, die mit ihren dubiosen Methoden mittelständische Unternehmen ausbluten lassen, um üppige Renditen ohne realwirtschaftliches Risiko zu „verdienen“? Soll ich die provisionsgetriebenen Finanzprodukte der Banken kaufen, die uns vor fünf Jahren in die Finanzkrise getrieben haben?

Wir müssen die Rücklagen liquide halten, da nur schwer berechenbar ist, in welchem Arbeitstempo unsere Steuererklärung bearbeitet wird und eine Zahlungsaufforderung bei uns eintrudelt. Entsprechend können diese Gelder nur auf ein Tagesgeldkonto mit einer mageren Verzinsung von 1,1 Prozent gehen. Die Niedrig-Zinspolitik ist für Kreditnehmer ein erfreulicher Tatbestand, für klassische Geldanlagen aber nicht.

In einer Fußnote möchte ich noch erwähnen, dass das Finanzamt zum wiederholten Male Kirchensteuern berechnet hat, obwohl ich vor Ewigkeiten dem klerikalen Glaubenszirkus den Mittelfinger mit Austritt gezeigt habe. Alle Unterlagen liegen der Behörde vor, trotzdem scheint ein Alzheimer-Virus im System zu stecken. Aber jetzt wird es noch lustiger. Der Betrag für die Kirchensteuer ist mir gut geschrieben worden, aber nicht die Verzugszinsen, die auch für diese Abgabe berechnet wurden.

Jetzt reicht es, liebwerteste Zins-Gichtlinge des Finanzamtes Bonn Außenstadt. Wir legen gegen diese fragwürdige Zinspolitik Widerspruch ein.

Was könnte man denn noch so machen? Dienstaufsichtsbeschwerde, Klagen oder?????

Ein Gedanke zu “An die Zins-Gichtlinge des Finanzamtes Bonn-Außenstadt: Sollen wir spekulieren für Verzugszinsen?

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