Netzökonomie: Über den blinden Fleck der „Netzgemeinde“

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Ob man nun als Social Web-Nerd in einer Filterblase gefangen ist oder nicht, ob man das als konstruierte Wirklichkeit bezeichnet oder nicht, ob man seinen Edgerank auf Facebook kennt (der ist mir übrigens so etwas von wurscht – auch die Frage, ob er tot ist oder nicht) oder nicht: Christine Dingler hat einen wichtigen Punkt in ihrem Blogpost aufgeworfen:

„Ich für meinen Teil bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mir weniger Gedanken um Facebook-Ads, Twitter-Accounts, Google+-Communities und andere Plattformen machen möchte, sondern mehr um die Mechanismen hinter dem, was wir als Social Web bezeichnen: Wie verändert der digitale Wandel das Unternehmen, das Produkt und die Abteilungen? Wie werden wir zukünftig Wissen managen, uns weiterbilden und zusammenarbeiten? Was im Grund auch viel spannender ist, da Plattformen kommen und gehen, die Mechanismen aber bleiben.“

Voll ins Schwarz getroffen. Man darf sich nicht nur mit den Werkzeugen beschäftigen, sondern muss die Veränderungen im Blick haben, die sich aus der Logik des Netzes ableiten.

Christoph Kappes hat sich dazu einige kluge Gedanken gemacht.

Etwa die These, die so manch einem Politiker hinter die Ohren geschrieben werden müsste:

Wirtschaft, die im Internet stattfindet, kann kaum mehr sinnvoll abgegrenzt werden von solcher, die nicht im Internet stattfindet.

Digitalisierung der Landwirtschaft, Robotereinsatz in der Altenpflege, Online-Marktplätze für Handwerker sind nur einige Phänomene, die auch traditionelle Branchen auf den Kopf stellen.

Inwiefern ändert also die Digitalisierung die Ökonomie im Ganzen? Welche Effekte hat Crowdfunding auf Banken und auf das Verhältnis von Unternehmer und Kunden, entsteht eine neue Graswurzelbewegung für Manufakturen, was bewirkt die Repair-Bewegung im Umweltschutz, was bleibt vom stationären Einzelhandel übrig und wie sehen unsere Innenstädte in Zukunft aus?

Was bewirken digitale Kopien und die unendliche Verfügbarkeit von virtualisierten Gütern und Dienstleistungen oder das Phänomen Streaming als Erscheinung ohne Substrat (Kappes-Formulierung)? Welche Relevanz bekommt die von Wolf Lotter in seinem Buch „Zivilkapitalismus“ beschriebene Zugangsökonomie – also Zugang zu Wissen, Technologie, nützlichen Ideen, die zu einer neuen Unabhängigkeit führen?

Wo und wie entstehen neue Märkte durch die Verkürzung von Wertschöpfungsketten, den Wegfall von Vermittlern und das Entstehen neuer Vermittler?

Wie verändert die Kultur der Beteiligung und des Teilens die Unternehmensorganisationen?

Das sind nur einige Aspekte, die mir direkt einfallen. Was fällt Euch dazu ein?

Ich möchte das ausführlich in den nächsten Wochen recherchieren über Interviews und der Lektüre von Studien sowie Büchern.

Für die Interviews favorisiere ich natürlich Hangout on Air von Google. Mikro, Webcam und ein Google Plus-Account sind dafür vonnöten – und gute Belichtung. Not more.

Wer also mit mir über die Netzökonomie diskutieren und disputieren möchte, sollte mich kontaktieren. Entweder hier über die Kommentarfunktion oder per Mail an: gunnareriksohn@gmail.com.

Wer beim StreamCamp am Wochenende dabei ist, könnte mit mir sogar eine Session zu diesem Thema anbieten. Was bewirkt die Verflüssigung der Kommunikation für Unternehmen oder so ähnlich?

Der REWE-Chef hat wohl die Bedrohungslage für den stationären Einzelhandel richtig erfasst.

Oder auch: So macht Amazon unsere Innenstädte platt.

Brauchen wir für die digitale Transformation ein Internet-Ministerium?

Ein Gedanke zu “Netzökonomie: Über den blinden Fleck der „Netzgemeinde“

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