Zugangsökonomie statt Abrichtung und Dressur: Wolf Lotter heute bei #Bloggercamp.tv

Wolf Lotter spricht über Zivil-Kapitalismus
Wolf Lotter spricht über Zivil-Kapitalismus

“Jeder will es, nur wenige können es, alle wollen wissen, wie es geht”. So beschreibt Professor Alexander Rossmann in einem Gastbeitrag für den Smarter Service-Blog den Status quo von Unternehmen, wenn es um soziale Netzwerke geht.

„Eine nachhaltige und umfassende Integration von Social Media in Marketing-, Service- und Vertriebsprozesse steht noch aus. Viele Unternehmen scheuen die damit verbundenen internen Veränderungen. Damit wird Social Media jedoch ein wenig zum Selbstzweck. Der Beitrag einer möglichen Interaktion mit den Usern für das eigene Unternehmen ist nicht ausreichend klar. Folglich kann auch nichts Wesentliches gemessen werden.“

Folglich ist auch die gesamte Social Media-Analysetool-Orgie für die Katz. Vielleicht scheut die Wirtschaft den Einstieg in die Social Web-Welt auch aus machtpolitischen Motiven. Schließlich gehört Abrichtung und Dressur zu den Grundtugenden des alten Industriekapitalismus, der nach wie vor unsere Volkswirtschaft prägt.

„Aus dem Industriekapitalismus haben wir bis heute einen starren Arbeitstag übernommen, dessen drei mal acht Stunden – Schlaf, Arbeit, Freizeit zur Erholung für die Arbeit – bis heute als normal, manchen sogar als ’natürlich‘ gelten“, schreibt Wolf Lotter in seinem neuen Buch „Zivilkapitalismus“.

Machtverlust des alten Systems
Machtverlust des alten Systems

Die alten Machtinstitutionen lassen ihren Kunden und Käufern nie die Wahl, sondern stellen sie stets vor vollendete Tatsachen. Die Zivilgesellschaft, so Lotter, beruht aber auf Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Abhängigkeit sei kein Geschäftsmodell mehr. Wird heute die Vision der Beat- und 68er-Bewegung Wirklichkeit, aus den kollektivistischen, gleichförmigen und normierten Strukturen ausbrechen zu können, wie es Stewart Brand in seinem berühmten „Whole Earth Catalogue“ demonstrierte?

Die Waffe gegen Machtkonzentration heiße Zugang. Zugang zu Wissen, Technologie, zu nützlichen Ideen, die unabhängig machen.

„Wer bessere Produkte will, bessere Unternehmen, bessere Arbeitsbedingungen, der kann das nicht an die Politik delegieren, wie es heute geschieht“, erklärt Lotter.

Das ständige Wegdelegieren führe zwangsläufig zu Machtmissbrauch. Die Zugangsökonomie ist für den brandeins-Autor die Grundlage für Zivilkapitalismus.

„Fast alle Bemühungen und Produkte im Netz haben zugangsökonomischen Charakter. Der Mensch soll sich ausdrücken, kommunizieren, auf Wissen, das vorher verschlossen war, zugreifen können. Social Networks und Suchmaschinen, Blogs und Wikipedia folgen alle diesem Muster.“

Computerexperte müsse man nicht mehr sein, um mit seinem Tablet bei Amazon einzukaufen oder über sein Hobby zu twittern. Damit sei der Computer tatsächlich zur Universalmaschine geworden und das Internet drücke die Vielfalt der Menschen aus, die es gestalten und mit Inhalten füllen.

Was das Ganze auch noch mit Netzwerkökonomie, Crowdfunding und dem guten, alten Friedrich Wilhelm Raiffeisen zu tun hat, werden wir heute, um 18:30 Uhr mit dem Buchautor Wolf Lotter in Bloggercamp.tv besprechen. Zugang zur Diskussion bekommt Ihr über Twitter mit dem Hashtag #bloggercamp

Man hört und sieht sich heute also in zwei Sessions, um 17:00 Uhr geht es um Streaming-Technologie und um 18:30 Uhr um Zivil-Kapitalismus.

Siehe auch meine Ausführungen zu „Kundenschwärme sind schlauer als Unternehmen“.

In einer Rezension des Lotter-Buches für The European schreibt Daniel Dettling: Doch wer soll das Projekt vorantreiben, damit es sich auch mehrheitlich durchsetzt? Die Frage stelle Lotter nicht und will sie auch nicht stellen. Ihm geht es nicht um Politik und den Kampf um Mehrheiten. Lotter geht es um das Projekt der Aufklärung. Sein Akteur ist das „Wir“: Es liegt an uns selbst. Wenn wir eine bessere Welt wollen und es selbst besser haben wollen, müssen wir selbst besser werden.

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