Handy der Kanzlerin schon auf der „Erfolgsspur“ – Hochsicherheitswürste wären mir lieber

Die Kanzlerin hat ein Hochsicherheits-Handy, wie schön
Die Kanzlerin hat ein Hochsicherheits-Handy, wie schön
Gerade rauschte eine Pressemitteilung als E-Mail rein mit dem üblichen semantischen Dünnpfiff, den man in 99 Prozent solcher Verlautbarungen vorgesetzt bekommt. Automatisch zucke ich mit einem Finger auf die Mülleimer-Taste, um dieses Bürokraten-Deutsch nicht länger ertragen zu müssen. Aber diese Mitteilung glänzt mit einer wahnsinnig originellen Überschrift, so dass ich mal eine Ausnahme mache: „Kanzlerhandy auf der Erfolgsspur“. Liebwerteste Gichtlinge von Secusmart, es muss doch Kanzlerinnen-Handy heißen oder einfach „Handy der Kanzlerin“ – wenn das im Schönwetterstil geschrieben wird, dann aber richtig.

In dem Text steht noch etwas von den „führenden Experten“ auf dem Gebiet der mobilen hochsicheren Sprach- und Datenkommunikation – also gemeint ist wohl die Firma Secusmart. Und es bekommt ja fast schon eine bescheidene Note, wenn sich so ein Laden mal nicht zu den „weltweit führenden Anbietern“ rechnet.

Das Wundergerät ist übrigens das weltweit führende Blackberry 10 – äh, befindet sich RIM nicht gerade im Sinkflug? Vielleicht ist die Kanzlerin mit ihrem Handy-Kauf doch nicht auf der Erfolgsspur. Voraussetzung für dieses Schnäppchen der Regierungschefin war jedenfalls die vorläufige Zulassung des Bundesamt(es) für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit der Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch). Gibt es auf diesem Teil eigentlich auch einen NSA-Warnmelder mit Alarmsirene?

Den überquellenden Hochsicherheits-Stolz von Dr. Hans-Christoph Quelle, Geschäftsführer der Secusmart GmbH, möchte ich Euch nicht vorenthalten:

„Wir sind stolz, die deutschen Bundesbehörden mit der weltweit modernsten sicheren Lösung auszustatten. Die Lösung nutzt das von Secusmart gehärtete Balance-Konzept des BlackBerry OS10 und erlaubt damit erstmals vertrauliche Daten- und Sprachkommunikation neben einem Zugang ins Internet und zu den sozialen Diensten. Sofort nach Erteilung der vorläufigen Zulassung wurde mit dem Aufbau der Infrastruktur für das Secusmart-System (sichere Sprache und sichere Datenübertragung) begonnen. Bereits elf der 13 Bundesministerien haben sich für die SecuSUITE for BlackBerry 10 entschieden. Insgesamt haben bis heute 23 Behörden die SecuSUITE for BlackBerry 10 beschafft (> 1.200 Bestellungen). Wir erleben des Weiteren ein enorm steigendes nationales und internationales Interesse von Behörden und aus der Wirtschaft. Das ist ein Beleg für das große weltweite Vertrauen in Hochsicherheitslösungen, die in Deutschland entwickelt werden.“

Puh. Die wörtliche Rede des Secusmart-Chefs strengt an. Er sollte in so einem Absatz noch viel häufiger untermauern, dass seine Firma Secusmart heißt und es sich um ein „Secusmart-System“ mit einer SecuSUITE für das BlackBerry 10 handelt. Nachher denkt man noch, es geht um etwas völlig anderes. Im gesamten Text, den ich hier jetzt nicht wiedergebe, ist das ja nur so ungefähr zehnmal wiederholt worden.

Wie würde eigentlich ein Metzgermeister einen Verkaufsdeal mit dem Kanzleramt kommunizieren?

„Als weltweit führendes, perfekt aufgestelltes und fokussiertes Fleisch- und Wurstwaren-Fachgeschäft sind wir stolz, mit unseren innovativen und in gehärteten Balance-Verfahren produzierten Hochsicherheitswürsten täglich für das leibliche Wohl der Bundeskanzlerin zu sorgen. Auf Grundlage der vom BSI zertifizierten Hochsicherheitswürsten erleben wir des Weiteren ein enorm steigendes nationales und internationales Interesse von Behörden, Wählern und privaten Unternehmen an den mit gehärteten Balance-Verfahren hergestellten Hochsicherheitswürsten unseres Fleisch- und Wurstwaren-Fachgeschäftes.“

Alles Bullshit.

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