Zwang zur Depublizierung abschaffen, Erlösmodelle für Kreative anbieten und ein ARD-Portal für Hörspiele sowie Feature

Der Radiomacher und Schriftsteller Wolfgang Schiffer in seiner Sturm-und-Drang-Zeit - lyrisches Frühwerk
Der Radiomacher und Schriftsteller Wolfgang Schiffer in seiner Sturm-und-Drang-Zeit – lyrisches Frühwerk

Auf vielen Feldern der Netzpolitik sollte man endlich anfangen, das digitale Fachwissen der Netzbewegung mit realpolitischem Sachverstand zu kombinieren, um neue Allianzen zu schmieden (Thema meiner morgigen The European-Kolumne). Etwa mit den Kulturschaffenden, die bei der Urheberrechtsdebatte auf der Strecke bleiben, da in erster Linie die Interessen der Verwerter bedient werden. Ähnlich wie Sascha Lobo kritisiert auch Wolfgang Schiffer, der frühere WDR-Hörspielchef und Literaturblogger, den Zwang zur Depublizierung.

„Ich halte das für einen Skandal. Die Staatsverträge sind auf Druck von außen geändert worden. Das Depublizieren betrifft ja nicht alleine visuelle oder akustische Tonträger, sondern selbst schriftliche Angaben und Pressetexte“, moniert Schiffer in der Premierensendung von Wortspiel-Radio.

Nur wenn man Werke zum ewig gültigen Kulturgut erkläre, bleiben sie auch auf Dauer im Netz – etwa Hörspiele und Radio-Feature.

„Aber das tun die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht zwingend. Wir hängen dieser Entwicklung aber auch in der Klärung von Urheberrechtsfragen ein ganzes Stück hinterher. Was wir dringend benötigen – und da ist die Politik gefragt – sind urheberrechtliche Vereinbarungen, die dieser veränderten medialen Situation, die der Moderne einfach mal Rechnung tragen. Denn im Umkehrschluss kann es eben nicht sein, dass alles, was einmal honoriert worden ist, für ewig im Internet steht und von allen genutzt werden kann, aber derjenige, der von seinen künstlerischen Potenzialen leben muss, kein Geld mehr sieht. Das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße“, kritisiert Schiffer.

Was Verlage übrigens auch häufig praktizieren, wenn sie Zweit-Verwertungsrechte verweigern. Die Gewichte haben sich von den Urhebern zu den Produzenten, Verlegern und Verwertern verschoben. Hier müsse man zu Korrekturen kommen, fordert Schiffer.

„Ich habe mich schon vor sieben Jahren dafür eingesetzt, dass wir die Hörspiele online anbieten und uns mit den Urhebern auf vernünftige Bezahlmodelle einigen. Inzwischen tun wir das vermehrt.“

Es gibt auch schon einige Beispiele im Netz, wo man gegen kleines Geld richtige gute Hörspiele und Feature abrufen kann – etwa die Plattform Hörspielpark.

Hier seien Ausnahmeverträge mit den Produzenten abgeschlossen worden – also den Rundfunkanstalten.

„Ich habe mich damals für die Ausnahmen sehr eingesetzt, um ein Modell kreieren zu können. Aber ich darf gleichermaßen auch sagen, dass die Initiatoren des Hörspielparks relativ glücklich wären, wenn sie unter ein großes Dach schlüpfen könnten. Der Dienst ist nicht sehr bekannt, er wird nicht ausreichend abgerufen und es ist ein mühsames Geschäft“, sagt Schiffer.

Die ARD sei die einzige mediala Konstruktion, in der Hörspiele und Feature überhaupt produziert werden. Man sollte sich dort von Insellösungen trennen, weniger auf so genannte Alleinstellungsmerkmale in den einzelnen Rundfunkanstalten beharren und endlich ein Portal schaffen, auf dem man alles findet. Das hätte eine viele größere Durchschlagskraft.

„Für die künstlerischen Werke, die in den ARD-Sendeanstalten geschaffen werden, sollte man den Zugang im Netz so einfach wie möglich gestalten“, resümiert Schiffer am Ende des Wortspiel-Radio-Gespräches.

Die zweite Sendung des Wortspiel-Radios kommt am 10. Oktober live von der Frankfurter Buchmesse, wenn die technischen Bedingungen es erlauben.

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