Amazon und das Online-Neuland des deutschen Einzelhandels #Bloggercamp.tv

Im Tal der digitalen Ahnungslosen
Im Tal der digitalen Ahnungslosen

In der heutigen Ausgabe von Focus gibt es auf Seite 102 den Digital Readiness Index mit dem Schwerpunkt Handel zu bewundern. Entwickelt wurde er vom Unternehmensberater Karl-Heinz Land, dessen Firma auch noch Neuland heißt – die Namensgebung wurde allerdings nicht mit der Kanzlerin abgesprochen. Land stellt auf Facebook folgende Fragen:

„Wie steht es um die digitale Fitness des deutschen Handels? Ist es Zufall das Praktiker und ProMarkt zu den Schlusslichtern zählen? Kann es sein das es eine Korrelation zwischen Umsatz, Profitabilität und der Bewertung im Digital Readiness Index von Neuland gibt? Gefährden Unwissen und Ignoranz von Managern deutsche Unternehmen? Zahlen die Mitarbeiter von Praktiker, ProMarkt, Schlecker und Karstadt den Preis dafür? Was meint Ihr?“

Auch den Experten des deutschen Einzelhändlers dämmert so langsam, dass Amazon wie ein Staubsauger die Umsätze aus allen Handelssparten wegsaugt, wie es Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung gegenüber Focus ausdrückt.

„Noch 2011 hatten viele deutsche Händler gehofft, dass sich das Internet hierzulande nicht so negativ auf ihre Umsätze auswirken werde wie etwa in den USA (gleiches trällerten ja die Verlegen, gs). Spätestens der Erfolg des Modehändlers Zalando hat sie wachgerüttelt (wirklich?, gs). Alle großen Handelsunternehmen arbeiten inzwischen an Digitalstrategien“, schreibt Focus-Redakteur Holger Schmidt.

Der Neuland-Index zeigt allerdings, dass das bislang nur wenigen Firmen gelingt. 85 Kriterien lässt Neuland-Chef Land in den Index einfließen, um zu prüfen, ob ein Unternehmen schon in der digitalen Welt angekommen ist. Einige Faktoren erwähnt Holger Schmidt:

„Existieren Apps für mobile Geräte? Wie ist der Kontakt zu den Kunden in sozialen Medien wie Facebook? Funktioniert der Onlineshop? Taucht das Unternehmen in den Suchmaschinen weit oben auf – und reagiert es schnell auf Kundenanfragen?

Kunden erwarten im Netz schnellere Lieferung, besseren Service und personalisierte Informationen. Kein umständliches Herumsuchen, keine komplizierten Shop-Systeme, schnelle Bestellung, einfache Handhabung.

Und was ich an Amazon so interessant finde: Alles aus einer Hand. Das hat der Hamburger Trendforscher Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview so schön auf den Punkt gebracht: Amazon taucht in den deutschen Handelsstatistiken gar nicht auf. Der Online-Händler entzieht sich der Branchen-Segmentierung:

“Das hängt damit zusammen, dass es eben ein ganz anderes System ist. Amazon geht nicht über Branchen, sondern es geht über die individuell massenhafte Beziehung zu Kunden”, betont Wippermann.

Deshalb halte ich das im Focus erwähnte Argument von Hudetz für nicht stichhaltig:

„40 Prozent der Online-Bestellungen beim Media-Markt werden in einer Filiale abgeholt. Diese Verknüpfung kann Amazon nicht bieten.“

Diese Verknüpfung ist mir allerdings völlig wurscht, weil ich keine Lust habe, mich durch die Stadt mit dem Auto zu quälen, um eine Online-Bestellung bei einem Filialisten abzuholen. Das mag ja beim Media-Markt noch Standard sein. Ich habe dort allerdings noch nie etwas bestellt.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer Filialen vorweisen kann, sollte seinen Allerwertesten zu den Kunden bewegen und Waren vorbei bringen.

„Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappaport, IBM- Experte für Technologie- und Innovationstrends.

Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkte steht im Vordergrund, sondern der Service.

Eure Meinung interessiert mich.

Das werde ich am Mittwoch, um 18:30 Uhr in der Bloggercamp.tv-Sendung mit Startup-Unternehmen diskutieren, die die Deutsche Service Allianz aus der Taufe gehoben haben.

Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertraung #bloggercamp

Siehe auch:

Schein und Sein der vernetzten Ökonomie: Deutschland braucht noch 20 Jahre.

Wer den kompletten Neuland-Report lesen möchte, sollte übrigens am Donnerstag auf die Website der Unternehmensberatung von Karl-Heinz Land gehen.

Für den Online-Handel werden übrigens mobile Bezahlsysteme immer wichtiger.

Corporate Twitter: Was Unternehmen auf Twitter beachten müssen.

Wer den ganzen Report sehen möchte (44 Unternehmen) bitte ab Donnerstag, auf www.neuland.me schauen…

3 Gedanken zu “Amazon und das Online-Neuland des deutschen Einzelhandels #Bloggercamp.tv

  1. Pingback: Blumenkübel-Strategie: Wenn Handelsketten den Abflug machen | Ich sag mal

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