Die geheimen Zaubertricks der „Daten-Elite“ – Wahrheiten mit Esels-Ohren

Daten-Fahndung
Daten-Fahndung

Bekanntlich drohen fünf Jahre Knast, wenn man nur darüber spricht, ein sogenanntes National Security Letter von den amerikanischen Geheimdienst-Gichtlingen erhalten zu haben – ohne auf die Inhalte der “Anfrage” einzugehen.

„Wenn es um die nationale Sicherheit geht, können amerikanische Ermittler Konzerne wie Google oder Microsoft per Anordnung zwingen, Daten ihrer Kunden herauszugeben. Die sogenannten National Security Letter verpflichten die Firmen zu absoluter Geheimhaltung: Sie dürfen weder den Betroffenen Auskunft geben noch öffentlich auch nur über die Existenz dieser Geheimanordnungen sprechen“, schreibt Spiegel Online.

Das ist nicht nur paranoid, sondern öffnet Willkür und Denunziantentum Tür und Tor – das gilt nicht nur für die Schnüffler des Staates: Genaue Einblicke gewähren auch die Big Data-Gurus selten bis gar nicht. Es scheint zum Ehrenkodex dieser neuen Daten-Elite zu zählen, die Zahlentricks zwar öffentlich vorzuführen und ein raunendes Publikum zu unterhalten. Jeder gute Zauberer ist einem Ehrenkodex verpflichtet, Trickgeheimnisse zu wahren. Als zulässig wird angesehen, Tricks denen gegenüber zu offenbaren, die selbst aktive Zauberkünstler werden möchten. Das gilt für Geheimdienstler der NSA, Rating-Agenturen, Berater, Wirtschaftsforscher und sonstige Welterklärer.

Wenn Big Data-Algorithmen ohne meine Zustimmung anfangen, mich zu klassifizieren und zu stigmatisieren, automatisch meine Bonität herabstufen, einen Wechsel der Krankenversicherung wegen meines vermeintlich exakt berechneten Gesundheitszustandes verhindern, meine kritischen Beiträge als Vorstufe zum Terrorismus verorten oder Personalberatern die Abweisung meiner Stellenbewerbung empfehlen, dürfte es zu heftigen Gegenreaktionen der Netzgesellschaft kommen – bislang ist das ja nur ein laues Lüftchen. Nachzulesen unter: Big Data im Unsinn-Modus: Die Illusionen der Weltvermesser von NSA bis Rating-Agenturen.

Der NSA-Erklärer
Der NSA-Erklärer

Wenn niemand über die Totalüberwachung reden darf, ohne die Strafjustiz am Hals zu haben, was soll ich dann mit den Beschwichtigungsschwafeleien der deutschen Sicherheitsbehörden anfangen? Das sind Wahrheiten mit Eselsohren – ohne Möglichkeiten zur Gegenprüfung. Als jüngstes Beispiel kann man den Handelsblatt-Gastbeitrag des obersten Verfassungsschützers Hans-Georg Maaßen heranziehen:

„Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, die die These einer Wirtschaftsspionage aus dem Westen stützen könnten. Tatsächlich wurde bis zum heutigen Tage in ganz Europa kein einziger Fall amerikanischer oder britischer Wirtschaftsspionage nachgewiesen.“

Vielleicht sagt das mehr über die Dummheit deutscher Sicherheitsdienste als über die tatsächliche Faktenlage. Es sind wohl doch schafsköpfige Einfaltspinsel.

Es gibt also keinen einzigen Fall von amerikanischer oder britischer Wirtschaftsspionage in Europa, Herr Maaßen? Wenn ich einen einzigen Fall finde, darf ich Sie dann einen Lügner nennen? Denn:

„Die Europäer legen hinsichtlich der Zusammenhänge dieser Art der Konfrontation eine gewisse Heuchelei an den Tag. Die Wirtschaftsexperten und Managementspezialisten prangern die Wirklichkeit an, indem sie sie als Verschwörungstheorie verharmlosen. Aber diese Ablehnung, die Wirklichkeit zu akzeptieren, wie sie ist, geht fast schon ins Lächerliche. In Deutschland spricht man höchstens über Wettbewerb zwischen den Marken. Diese Sichtweise ist jedoch zu einseitig und birgt langfristig das Risiko, den Überblick darüber zu verlieren, wie Teile der weltweiten Wirtschaft wirklich funktionieren“, sagt Christian Harbulot, Gründer und Direktor der École de Guerre Économique.

Etwa beim Wettbewerb „Boing versus Airbus“ oder bei der Destabilisierung der Euro-Länder über halbseidene Einstufungen durch die Rating-Agenturen der USA. Auch die gezielten Lauschangriffe auf die politischen Institutionen der EU dienen mit Sicherheit nicht dem Anti-Terrorkampf. Das ist noch kein Beweis. Aber ich suche jetzt mal etwas intensiver.

Wenn ihn finde, könnte der Verfassungsschutzpräsident ja zu uns in die Bloggercamp.tv-Sendung kommen, damit ich den Fund virtuell übergeben kann.

Vielleicht findet man ja auch hier eine Spur: Britischer Geheimdienst zapft Daten aus Deutschland ab.

Was suchen denn die Briten in Deutschland? Britischer Geheimdienst überwacht besonders deutsche Internetnutzer.

Wo ist eigentlich die Rote Linie von Angela Merkel in der Späh-Affäre?

13 Gedanken zu “Die geheimen Zaubertricks der „Daten-Elite“ – Wahrheiten mit Esels-Ohren

  1. Dass die NSA in Deutschland Wirtschaftsspionage betreibt, ist seit Jahrzehnten aktenkundig. Wenn man allerdings so schlampig arbeitet wie bei der NSU, bekommt man das nicht mit. Maaßen ist aber daher ein Sicherheitsrisiko für die Bundesrepublik Deutschland und muss aus dem Amt.
    Hier ein ZEIT-Artikel von 1998 über de Spionage der NSA bei der ostfriesischen Enercon::
    http://www.zeit.de/1998/39/199839.c_krypto_.xml
    Ulfkotte, früher FAZ hatte darüber auch geschrieben. In der Zeitung und in einem Buch.
    Wenn Maaßen sich nicht auskennt ist er entweder für den Job ungeeignet oder lügt mit Vorsatz zum Nachteil der Bundesrepublik. In beiden Fällen muss er aus dem Amt und ggf. vor Gericht wegen Spionage_Beihilf und unterlassener Spionageabwehr:
    „Die Spionageabwehr gehört gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 2 BVerfSchG zu den Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spionageabwehr
    Ein Richter sollte prüfen, ob bei Maaßen hier kriminelles Handeln vorliegt.

  2. Ob er ein Lügner ist, muss man erst noch beweisen. Deshalb habe ich mal die Tatsachenbehauptung „korrigiert“, sonst fängt man sich zu schnell eine Abmahnung ein. Wenn das ok ist?

  3. woksoll

    Um die Abmahnung zu vermeiden ist es OK. Entsetzlich aber finde ich, dass hier Tatsachen behauptet werden, die seit Jahrzehnten in der Presse widerlegt sind. Das hört sich mehr nach Agitation und Propaganda an, als nüchterne Sacharbeit. Ähnlich wie damals die Massenvernichtungswaffen im Irak, die Angela Merkel im Irak halluziniert hat, um aus dem Ausland heraus in der Washington Post ihr Land zu verraten.

  4. Ich werde die Pressestelle des Verfassungsschutzes mal „befragen“. Werde noch weiter wie ein Eichhörnchen sammeln.

  5. woksoll

    Die NSA hat auch die Aussenwirtschaftsbank der DDR illegal belauscht, um Geldtransaktionen zu verfolgen (Programm „Follow the money“). U.a. wurde damit auch der Zusammenhang Libyens mit dem Attentat auf die Berliner La Belle Diskothek 1986 hergestellt. Neben diesem Zufallsfund wurden aber systematisch Zahlungen der Wirtschaft verfolgt.
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13494509.html

  6. N.N.

    Gunnar, die gsohn-Facebook-Page, auf die du auch in einem Kommentar weiter oben hinweist, kann ohne Registrierung/Mitgliedschaft bei Facebook nicht geöffnet werden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese — vom Facebook-User selbst zu bestimmende — Einstellung zur „Öffentlichkeit/Leseberechtigung“ bzw. „Privatheit“ deiner Facebook-Posts gewollt ist — oder ist das von dir willentlich so eingerichtet worden?

  7. Vielen Dank für den Hinweis. Das war wohl in den Einstellungen verändert worden. Jetzt wieder alles öffentlich.

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