Lahmes Internet, merkwürdige Nachfragetheorie und schuldige Verbraucher


Wir drehen Däumchen beim Breitbandausbau
Wir drehen Däumchen beim Breitbandausbau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für das lahme Internet in Deutschland sind nicht die Bundesregierung oder die Netzbetreiber verantwortlich, sondern die miesepetrigen Verbraucher, die einfach nicht genug schnelles Internet nachfragen.

So interpretiere ich jedenfalls das gebetsmühlenartig vorgetragene Argument von Telcos und Politik als Rechtfertigung für den schwachen Breitbandausbau in Deutschland.

Jetzt hat das Ifo-Institut im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium in die gleiche Kerbe gehauen.

70 Prozent aller Internetanschlüsse in Deutschland weisen eine Zugangsgeschwindigkeit von nur 6 Mbit/s oder weniger auf, und lediglich 10 Prozent der Haushalte mit Internetanschluss haben eine Leitung mit 16 Mbit/s.

„Auch wenn in ländlichen Gebieten die Verfügbarkeit von schnellen Breitbandanschlüssen sicher noch zu wünschen übrig lässt, zeigt dies, dass ein Großteil der Bevölkerung hohe Anschlussgeschwindigkeiten verhältnismäßig wenig nachfragt“, erklärt Prof. Dr. Oliver Falck, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Bildungs- und Innovationsökonomik.

Des Weiteren sei auch das Datenvolumen pro Nutzer nicht in dem Maße gestiegen wie erwartet – warum drosselt dann die Telekom die Internetanschlüsse? Bei leitungsgebundenen Internetanschlüssen lag es in den vergangenen Jahren bei 12 Prozent, die prophezeite Explosion im Datenverkehr pro Nutzer lässt also weiterhin auf sich warten.

Ein ähnliches Bild zeige sich angeblich im Mobilfunk.

„Auch dort ist die Nachfrage nach den schnellen LTE-Tarifen eher verhalten. So verfügt zwar die Hälfte der Haushalte an ihrem Wohnort über LTE-Netzabdeckung, aber die Zahl der LTE-Kunden beträgt gerade mal 1,12 Millionen, bei aktuell 40 Millionen Nutzern mobiler Datendienste“, so das Ifo-Institut.

Eine Erklärung für die geringe Nachfrage sei, dass noch zu wenige überzeugende Anwendungen für Nutzer existieren. Der Blick auf die Inhalte des Datenverkehrs offenbart, dass in Europa sowohl im Fest- als auch im Mobilfunknetz ca. 40 Prozent des Datenverkehrs auf Streaming-Dienste entfallen, in den USA sind es sogar 70 Prozent.

„Geht man davon aus, dass die Nachfrage nach schnellen Anschlüssen vor allem auf Unterhaltungsdienste zurückzuführen ist, könnte dies die Zurückhaltung der Verbraucher erklären. So sehen Internetznutzer mit Satelliten- oder Kabelfernsehen eventuell nur wenig Nutzen darin, über internetbasierte Dienste fernzusehen“, kommentiert Falck.

Ja was denn nun. Es existieren zu wenige überzeugende Anwendungen für Nutzer – also Angebot?

Und wie sollen sich denn sinnvolle Anwendungen entfalten, etwa bei Streaming-Diensten, wenn das Netz durchschnittlich bei einer Zugangsgeschwindigkeit von 6 Mbit pro Sekunde herum dümpelt. In Südkorea liegt man schon bei 50 bis 100 Mbit. Siehe dazu auch das Interview mit Christoph Deeg über seine Asienreise – da geht es nicht nur um Gamification, sondern auch um digitale Masterpläne von Ländern wie Südkorea.

Das werden wir wohl am Mittwoch, den 28. August in Bloggercamp.tv mit einem Vertreter des Ifo-Instituts diskutieren. Wer mit den Nachfragetheoretikern die Klinge kreuzen möchte, sollte sich bei Hannes Schleeh oder mir melden. Bei wem sollen sich eigentlich Kunden melden, um schnelleres Internet nachzufragen?

 

 

 

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