Die „Beweisführung“ des Ronny Pofalla und die Werbung der Sicherheits-Gichtlinge


Harmlose Beobachtung
Harmlose Beobachtung

So richtig politisch reagiert die Wirtschaft in Deutschland und Europa leider nicht auf die verdachtsfreie Totalüberwachung von NSA und Co. – mal unabhängig von dem alternativlosen Gesäusel von Kanzleramtsminister Ronny Pofalla, der die Debatte für beendet erklärt, weil sich ja die betroffenen Geheimdienste unserer Bündnispartner schriftlich geäußert und klar „bewiesen“ haben, nicht auf „deutschem Boden“ zu spionieren. Zudem halten sich die Schlapphut-Organisationen in Deutschland an deutsches Recht.

Was sie außerhalb des deutschen Bodens mit deutschen Daten machen, bleibt dabei immer noch ein Rätsel. Gerade schreibe ich meine Kolumne für morgen über die philosophischen Thesen von Professor Markus Gabriel. Und da steht etwas über Philosophie, die als wissenschaftliche Disziplin keine Gebärmutter des Willkürlichen sein darf. Es geht bei den philosophischen Theorien um eine saubere Beweisführung. Jede Annahme steht unter Voraussetzungen, die ihrerseits wieder hinterfragt werden müssen. Das Geschäft des Philosophen steht also unter der Bedingung der Rechtfertigung. Das gilt nicht nur für Philosophen, sondern auch für Pofalla und für die Tragweite der NSA-Komplizenschaft von Google, Microsoft, Facebook & Co.

Deshalb wäre es gut, wenn Unternehmen aktiver in die Recherchen eintreten würden, um ihre Geschäfte mit Technologiefirmen zu überdenken, die keinen Datenschutz gegenüber den Totalüberwachern garantieren.

Aktiver sind hingegen jetzt die Gichtlinge der Sicherheitsbranche. Besonders reizend ist eine Pressemitteilung, die heute in meinem E-Mail-Verkehr landete. Hier ein Auszug der Meldung:

Weltweite Lauschangriffe setzen Consulting-Unternehmen unter Druck

Secusmart rät zur Vorsicht: Datenverlust durch Abhörattacken kommt Beratungsunternehmen nicht nur bei Haftungsklagen teuer zu stehen

Düsseldorf, 13. August 2013 – Die Abhörschutzexperten der Düsseldorfer Secusmart GmbH (www.secusmart.com) warnen aktuell vor Lauschangriffen in der Consulting-Branche. Vor allem Haftungsklagen könnten den Beratungsunternehmen teuer zu stehen kommen. „Welche Folgen es haben kann wenn sensiblen Informationen eines Unternehmens publik werden, zeigt zum Beispiel der Insiderskandal der KPMG“, so Dr. Hans-Christoph Quelle, Geschäftsführer der Secusmart GmbH. Laut FAZ-Berichten waren hier Informationen veruntreut und für Aktiengeschäfte missbraucht worden. „Für diesen Skandal genügte nur ein Mitarbeiter. Verschaffen sich nun aber Dritte über die Telefonleitung unbemerkt Zugang zu Insiderinformationen könnte das rasant unzählige Unternehmen in Mitleidenschaft ziehen.“

Im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen haben sich in der deutschen Politik die Sicherheitsmaßnahmen für die Kommunikation bereits etabliert. Auch Kanzlerin Angela Merkel telefoniert schon seit Jahren mit einer hochsicheren Abhörschutzlösung der Secusmart GmbH. „Natürlich kann auch die beste Technik nicht verhindern, dass unvorsichtig und öffentlich über Unternehmensgeheimnisse oder politische Absichten geplaudert wird. Unser Technik schafft es allerdings, Ende-zu-Ende Kommunikation in jedem Fall abhörsicher zu machen. Gleichzeitig war uns aber auch die Alltagstauglichkeit der Lösung wichtig. Sicherheit soll schließlich nicht zur Last werden. Die Berater müssen sich einfach nur auf ihre Aufgabe konzentrieren“, so Quelle.

Diese Kombination liegt auch der SecuSUITE for BlackBerry 10 zugrunde. Der Abhörschutz sichert nicht nur Sprache und SMS, sondern auch E-Mails sowie gespeicherte Smartphone-Daten vor Lauschangriffen. Implementiert ist der Schutz auf eine kleine Karte, die – einfach in das Smartphone gesteckt – das handelsübliche Device hochsicher macht. „Lauschangriffe sind immer und überall an der Tagesordnung. Von Anfang an sicher zu kommunizieren, kann auch Consulting-Profis vor der Kostenfalle Haftungsanspruch bewahren“, so Secusmart-Geschäftsführer Dr. Quelle.

Das ist toll. Spitzenpolitiker wie Angela Merkel sind im Gegensatz zur Wirtschaft schon seit Jahren mit „hochsicheren“ Technologien versorgt worden und die gleichen Politiker bewähren sich nicht gerade als schonungslose Aufklärer der Totalüberwachung, sondern schieben eine Beruhigungspille nach der anderen in den Bundestagswahlkampf. Also wenn das die Antwort der Wirtschaft auf die Spähaktionen ist, halte ich das für recht dürftig.

Es wäre wohl recht dürftig, wenn sich Unternehmen damit begnügen, noch mehr in die Sicherheit zu stecken (so ein sichereres Smartphone kostet pro Stück ja nur rund 2.500 Euro) und am Ende des Tages von amerikanischen Internet-Giganten dennoch verraten zu werden.

Daher bleibe ich dabei: Komplizen zum Verhör.

Siehe auch:

Kanzleramtschef und Geheimdienste: Pofallas Placebo.

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