Über den Selbsterhaltungstrieb der Sicherheits-Gichtlinge

Mein Blogger-Motto ist wichtiger denn je: Repression verdünnen!
Mein Blogger-Motto ist wichtiger denn je: Repression verdünnen!

Patrick Breitenbach hat sehr treffend die Selbsterhaltungskräfte der staatlichen Sicherheitsorgane aufs Korn genommen und sie als Geheimdienst-Industrie-Komplex beschrieben. Er ist verantwortlich für das gesamte Reporting der Bedrohungslage. Er berichtet an die Regierung wie gefährlich die Welt geworden ist, wobei das meiste für die Öffentlichkeit sowieso nicht bestimmt ist. Aus Sicherheitsgründen. Oder die Methode Friedrich-Pofalla. Es wurden x-Terrorpläne erfolgreich verhindert und es gab ja nur x-Spähaktionen der Amerikaner, die nicht weiter ins Gewicht fallen – alles nicht so schlimm. Keiner kann diese Aussagen überprüfen. Ist ja alles geheim. Und wer diese Geheimnisse ausplaudert, kommt lebenslänglich in den Knast. So einfach geht das.

„Damit verwehrt man allerdings auch der Öffentlichkeit und der vierten Gewalt die Chance auf jedwede Falsifikation der Thesen. Je mehr Bedrohung das System berichtet, desto mehr Budget wird dem System zur Verfügung gestellt.“

Das System sei nicht nur theoretisch in der wunderbaren und verlockenden Lage, sich seinen eigenen Markt selbst zu erschaffen, es arbeitet auch permanent an den Marktregeln. Neue Rechtsgrundlagen wie der Patriot Act sorgen dafür, dass die Arbeit des Komplexes noch reibungsloser verläuft und weniger rechtlichen Einschränkungen unterliegt, weil die Bedrohung angeblich massiv ansteigt und man noch schneller und härter eingreifen muss.

„Alles geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit wohlgemerkt.“

Die Sicherheits-Gichtlinge können nach Belieben neue Bedrohungslagen erfinden, weil niemand in die Lage versetzt wird, den Gegenbeweis antreten zu können. Das ist wie mit dem Gottesbeweis. Da ich die Nicht-Existenz Gottes nicht beweisen kann, ist es der Beweis für die Existenz.

Ich werde nicht in die Lage versetzt, Friedrich-Pofalla-PRISM-Obama zu widerlegen. Ähnlich operieren übrigens auch die Sicherheits-Gichtlinge der Software-Industrie – ich meine das Cyberwar-Gesabbel von Firmenvertretern, die Software für die IT-Sicherheit verticken. An erster Stelle wäre Genosse Kaspersky zu nennen, der eine KGB-Ausbildung zum Kryptologen vorweisen kann.

Alle Spione leiden berufsbedingt unter Verfolgungswahn und ergehen sich in Andeutungen über möglich Krisenszenarien. Das müssen sie auch tun, die Schlapphüte in den einschlägigen Organisationen, sonst würden sie ihren Arbeitsplatz verlieren.

Wirklich schlimm an der Daten-Spionage über Programme wie PRISM ist nicht nur die Demontage von Freiheitsrechten, die Kultivierung eines Verdächtigungs-Totalitarismus – es ist die Stigmatisierung von Menschen auf Basis von Daten, die über Algorithmen ausgewertet werden und genauso dämlich funktionieren wie die „normalen“ Big Data-Programme.

Darüber möchte ich gerne ausführlicher schreiben in den nächsten Tagen. Wer Bock auf Interviews via Hangout on Air zur Vorbereitung meiner Berichte hat, sollte sich bei mir melden.

Siehe auch:

Spionage: Offiziell erlaubt.

Kommentar verfassen