Informationen als Waffe: Prism und die Schule des Wirtschaftskrieges

Geopolitik mit den Mitteln der Datenspionage
Geopolitik mit den Mitteln der Datenspionage

Die Amerikaner überwachen rund 500 Millionen deutsche Datenverbindungen im Monat:

„Sie behandeln uns wie einen Feind. Wir alle sind Opfer des größten Spionageskandals aller Zeiten“, schreibt Jakob Augstein in seiner wöchentlichen Kolumne für Spiegel-Online.

Der Spiegel habe enthüllt, dass der US-Geheimdienst NSA jeden Monat die Metadaten von einer halben Milliarde deutscher Kommunikationsverbindungen speichert, egal ob Telefon, SMS oder E-Mail.

„Ähnlich eifrig wie in China, dem Irak und Saudi-Arabien überwachen die Amerikaner in Deutschland. Genau 50 Jahre nach Kennedys Ich-bin-ein-Berliner-Rede müssen wir einsehen: Wir sind ein Ziel, keine Verbündeten. Hier zerbricht ein deutsches Weltbild“, meint Augstein.

Vielleicht zerbricht auch nur unsere Naivität. Vielleicht dient die Totalüberwachung von Daten, die außerhalb der USA kursieren, ganz anderen Zielen. Im Unterschied zu Deutschland hat es sich in den angloamerikanischen Ländern längst eingebürgert, Wettbewerb und Markstrategien mit den Instrumenten militärischer Planung anzugehen. Werden jetzt aus Verbündeten automatisch Feinde? Auf diese Frage hat man beispielsweise in Frankreich eine dualistische Sichtweise entwickelt: politischer Freund, aber wirtschaftlicher Gegner.

In einer Welt, die aus vielen Schafen und wenigen Füchsen besteht, gibt es für den Sinologen und Strategem-Experten Harro von Senger keine Zweifel, wer das Sagen hat. Alle Geistessysteme, die vom Besten im Menschen ausgehen, verbreiten eine Schafsethik, bei der am Ende die Füchse regieren. Vor allem die Europäer zeichnen sich als schafsköpfige Einfaltspinsel aus – listenblind und leicht zu täuschen.

„Die Europäer legen hinsichtlich der Zusammenhänge, dieser Art der Konfrontation eine gewisse Heuchelei an den Tag. Die Wirtschaftsexperten und Managementspezialisten prangern die Wirklichkeit an, indem sie sie als Verschwörungstheorie verharmlosen. Aber diese Ablehnung, die Wirklichkeit zu akzeptieren, wie sie ist, geht fast schon ins Lächerliche. In Deutschland spricht man höchstens über Wettbewerb zwischen den Marken. Diese Sichtweise ist jedoch zu einseitig und birgt langfristig das Risiko, den Überblick darüber zu verlieren, wie Teile der weltweiten Wirtschaft wirklich funktionieren“, sagt Christian Harbulot, Gründer und Direktor der Ecole de Guerre Economique.

Etwa beim Wettbewerb Boing versus Airbus oder bei der Destabilisierung der Euro-Länder über halbseidene Einstufungen durch die Rating-Agenturen der USA. Die gezielten Lauschangriffe auf mehrere EU-Vertretungen dienen mit Sicherheit nicht der Anti-Terror-Bekämpfung. Das macht die Totalüberwachung nicht sympathischer. Die Europäer sollten sich jetzt nicht nur mit irgendwelchen Resolutionen die Zeit vertreiben, um das Vorgehen der USA moralisch zu ächten. Sie sollten die wahren Ziele der Spähprogramme aufdecken, die Rolle der Internet-Giganten Google, Facebook und Co. unter die Lupe nehmen, endliche eine eigene Rating-Agentur auf die Beine stellen und Abwehrmaßnahmen gegen die Daten-Spionage überlegen.

Sind meine Thesen idiotisch? Eure Meinung interessiert mich!

Siehe auch:
Ausspähaktionen in Deutschland – Gabriel: Die Kanzlerin hat es gewusst.

6 Gedanken zu “Informationen als Waffe: Prism und die Schule des Wirtschaftskrieges

  1. Robert Neal

    Wirtschaftsspipnage und mehr ist es nicht.
    Welches Britische Unternehmen kann da noch auf Auftraäge aus der Türkei hoffen;)
    Ist Vodafone kein Britisches Unternehmen und möchten diese nicht mit Kabel Deutschland fusionieren ?
    Na, die Deutschen werden daraus lernen.

  2. Airbus hat vor Jahren einmal einen Milliarden Auftrag verloren, der dann wegen günstiger Konditionen an Boening ging. Was war geschehen? Die USA hatten Airbus ausspioniert und konnten damit ein Angebot machen, dass in jedem Fall unter dem von Airbus lag. Bei solchen Freunden braucht Europa echt keine Feinde.

  3. Pingback: NSA-Affäre führt zum Umdenken der Unternehmen – wie süß | Ich sag mal

  4. „Die USA“ gibt es nicht. Die Justiz und das EPA agieren sehr unabhängig, davon können auch US-Unternehmen ein Lied singen. Hier nun eine wirtschaftspolitische Strategie zu vermuten, halte ich für sehr gewagt. Insofern zeigt die aktuelle Diskussion mal wieder, wie wenig wir das politische System „drüben“ verstehen. Gilt auch für die Snowden-Affäre und den Split zwischen DC und dem Valley zur Frage der Datenüberwachung.

  5. Dieser Artikel beleuchtet ja nicht den VW-Skandal. Ich frage auf FB, ob es zu einem Wirtschaftskrieg kommen könnte. Im übrigen sollten wir nicht so naiv sein, dass es in den Auseinandersetzungen nicht auch um geopolitische Ziele geht. Siehe die Rolle der Rating-Agenturen bei der höchst fragwürdigen Bewertung von Euro-Ländern.

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