Was macht Kuh 34? Wie Traktoren, Milchvieh und Schweine in der Computerwolke landen

Die Kuh als Datenlieferant
Die Kuh als Datenlieferant

Google-Chefökonom Hal Varian bezeichnet die vernetzte Ökonomie auch als kombinatorischen Wettbewerb. Ob Dampfmaschine, Telegraf, Telefon oder Transistoren – immer wieder werden Technologien erfunden, deren Komponenten sich vielfältig miteinander verbinden lassen, um neue Produkte und Dienste hervorzubringen.

„Der Unterschied heute ist, dass diese Möglichkeiten praktisch unbegrenzt sind, denn es gibt keine physischen Grenzen“, so Varian.

Etwa beim Cloud Computing. Technologische Beschränkungen durch Hardware oder Betriebssysteme fallen weg. Online-Dienste beruhen meist auf offenen Standards, die fast alle Geräte und Programme verstehen sowie unendlich viele Kombinationen von realer und digitaler Welt ermöglichen.

Selbst auf dem Acker, im Kuh- oder Schweinestall ist das zu spüren, wie die Agrar-Expertenrunde in Bloggercamp.tv unter Beweis stellte.

Etwa bei der Präzisions-Landwirtschaft – neudeutsch auch Precision Farming genannt.

„Beim Ackerbau wird nicht mehr konstant gedüngt, sondern nur noch punktuell nach dem Bedarf der Pflanzen“, erläutert Antje Krieger, Marketing-Managerin von Agri Con.

So kann über Bodenanalysen der Stickstoff-Bedarf genau ermittelt werden. Die Traktoren ziehen dann über GPS automatisch ihre Bahnen, ohne dass der Fahrer lenken muss. Die Vermessung des Feldes liegt in der Computerwolke.

Die Vorteile skizzierte auch Gerald Maatmann, Jungbauer in der Grafschaft Bentheim. Früher wollte er seine 80 Kühe über Excel verwalten.

„Eine Kuh produziert Daten und die möchtest Du natürlich sofort eingeben. Da musste ich ständig zum Rechner rennen. Das klappt einfach nicht.“

Jetzt setzt er das Programm von der QSX-Datenschmiede ein.

„Unser Lehrling hat die Anwendung auf seinem Smartphone und auch mein Vater. Es läuft auf dem Stallrechner. Man muss keine Updates installieren – einfach anmelden und alles ist da.“

Wenn eine neue Version kommt, ändert sich ein wenig die URL.

„Ich muss mich nicht ständig um das Betriebssystem kümmern – das läuft im Browser auf jedem Tablet-PC und jedem Smartphone“, betont der Landwirt.

Bei einer Trächtigkeitsuntersuchung der Kühe ist das Smartphone mal in den Gülle-Schacht gefallen.

„20 Kühe hatten wir mit dem Tierarzt schon durch. Im vernetzten Stall gehen die Daten direkt nach der Eingabe in die Cloud. Das Gerät war hinüber, aber meine Daten nicht“, sagt Maatmann.

Der Kuhplaner ist nach den Erfahrungen von Michael Reimers (QSX-Datenschmiede) für viele Landwirte der Einstieg ins Cloud Computing. Er überprüft das Brunstgeschehen und registriert die Besamung. Das System informiert, wann eine Kuh kalbt und zu welchem Zeitpunkt sie trocken gestellt werden muss.

Beim Datenschutz sieht Bauer Maatmann noch keine Probleme. Das könnte sich ändern, wenn viele sensible Daten seines Betriebes zusammenfließen. Zur Zeit ist es ihm egal, ob das Spähprogramm Prism weiß, wann Kuh 34 ihr Kälbchen bekommt.

An der Notwendigkeit von Cloud Computing in der Agrarwirtschaft ändert das nichts. Feste Rechner sterben aus. Mit dem Datenmanagement möchte sich kein Bauer belasten, resümiert Antje Krieger.

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