Das Denunzianten-Drehbuch der Geheimdienste

Hacker-Ethik gegen Staatsüberwachung

Was mir zum Kommentar „Snowdens fleckiger Heiligenschein“ des ARD-Korrespondenten Horst Kläuser durch den Kopf schießt:

Besser könnten die Regieanweisungen von Geheimdiensten nicht funktionieren, um undichte Stellen wie in einem x-beliebigen Agenten-Thriller zu diskreditieren, bloßzustellen, jegliche Lebensadern zu kappen und finanziell ausbluten zu lassen. So ergeht es Wikileaks-Gründer Julian Assange und nun auch Edward Snowden. Man kratzt an seinem Sockel, lanciert Details aus dem Privatleben, zerpflückt die Motive und zerlegt das private Netzwerk des missliebigen Flötenspielers. Dann stehen nicht mehr die Machenschaften von staatlichen Schnüffel-Agitatoren auf der Tagesordnung, sondern die „Verfehlungen“ des Geheimnisverräters. Die massiven Einschüchterungs-Kampagnen und Denunzianten-Manöver laufen immer nach dem gleichen Muster ab.

Rezeptur gegen staatliche Repression

Freigeister sollten sich von diesem Kesseltreiben nicht beeindrucken lassen. Was die Geheimdienste im Netz treiben, ist ein Informationskrieg. So sieht es das Internet-Urgestein John-Perry Barlow. Als Rezeptur gegen diese Repression sei an die Hackerethik von Steven Levy erinnert, die 1984 (!) erschien. Ausführlich in meiner morgigen The European-Kolumne nachzulesen 🙂

8 Gedanken zu “Das Denunzianten-Drehbuch der Geheimdienste

  1. Absolut korrekt, Gunnar! Man muss sich nicht mal mit den Methoden derartiger Behörden und Organisationen auskennen, um etwa das tränenreiche Interview mit Snowdens Vater („Edward, komm zurück nachhause!“) richtig deuten zu können. Da hat man das gesamte Rat-Pack aus NSA, CIA und FBI schon hinter den Kulissen förmlich riechen können.

  2. Anonymous

    Guter Blogpost. Richtige Erkenntnis. Nicht die illegalen Praktiken der Geheimdienste werden fokussiert, sondern die Person Snowden.

  3. Frank

    Es läuft wirklich immer nach dem gleichen Muster ab. Fragwürdig, warum Medien darauf reinfallen.

  4. Ich finde es erbärmlich daß sich der Großteil der Medienheinis auf Snowden stürzen und nicht auf das was er aufgedeckt hat. Früher hatten wir Enthüllungsjournalismus, heute haben wir Exhibitionsjournalismus.

  5. Pingback: +Gunnar Sohn analysiert die aktuelle Nachrichtenlage über Snowden. | Die wunderbare Welt von Isotopp

Kommentar verfassen