Was wäre wohl Sherlock Holmes ohne seinen treuen Freund und Berater Dr. John H. Watson? Nichts. Der Meisterdetektiv empfindet Watsons Pragmatismus als Bereicherung und Ergänzung seines eigenen, etwas exzentrischen Charakters und schätzt ihn als Rezipienten seiner deduktiven Schlüsse, schreibt Wikipedia. Ein unverzichtbarer Sparringspartner, der die hellsichtigen Einfälle von Holmes beflügelt.
Was würde die Service-Branche machen, wenn ein virtueller Assistent ähnliches leistet? Sie könnten sich von ihrer mechanischen und skriptgesteuerten Hotline-Fließband-Beratung endgültig verabschieden. Und nun stößt IBM-Watson in das Geschäft des Kundendienstes, ausgestattet mit unbändiger Rechenintelligenz, kombinatorischen Fähigkeiten und unerschöpflichen Wissensquellen, um Anfragen mit Künstlicher Intelligenz zu beantworten.
Zwei Jahre nach dem Erfolg in der US-amerikanischen Quizshow „Jeopardy!“ und den ersten Einsätzen als medizinischer Assistent im Gesundheitswesen, unsichtbarer Helfer für Anlageberater sowie im universitären Umfeld geht Watson als Marketing Assistent an den Start: Das lernende, kognitive Computersystem soll Marketingfunktionen unterstützen und aus den riesigen Datenmengen über Kunden und Konsumverhalten neue Einsichten gewinnen. Gleichzeitig können nach Firmenangaben auch Kunden über die Website eines Unternehmens oder via App auf ihrem Smartphones von den Fähigkeiten des Systems profitieren: Mit einem Klick können sie das Ask Watson-Feature starten, Fragen zu Produkten stellen, Problemlösungen suchen oder sich Einkaufsempfehlungen geben lassen.
Schon im nächsten Monat beginnt nach einem Bericht von Chip Online eine Versuchsphase bei der australischen ANZ-Bank, der Royal Bank of Canada und bei den Marktforschern von Nielsen, bei denen Watson die Anrufe, Text-Nachrichten und E-Mails der Kunden beantworten wird. Der Dienst wird via Cloud Computing angeboten und erfüllt so langsam die Prognose des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Wer unsere Computerwolke intelligent verwaltet, wird zu unserem persönlichen Concierge.
„Wie gut das funktioniert, will der Hersteller mit eigenen Tests belegen. Nach der Umstellung des IBM-Hilfesystems auf Watson sei die Zeitspanne, die es dauert, eine gesuchte Information aufzufinden, um 40 Prozent kürzer geworden. Als Grund gibt das Unternehmen an, dass Watson nicht wie ein Callcenter-Mitarbeiter nach Schlüsselbegriffen, sondern nach Zusammenhängen suche“, so Spiegel Online.
Die Unternehmenswelt bekommt also so langsam interessante Impulse für wirklich vernetzte Services, um sich aus der Warteschleifen-Pentranz von Hotline-Angeboten zu befreien. Das ist auch bitter nötig. Nach einer Forrester-Untersuchung kam im vorigen Jahr heraus, dass zwei Drittel der Anrufer den Call-Center-Service nur „mittelmäßig“ bis „sehr schlecht“ einstufen. Da bekommt der Satz des ehemaligen IBM-Cheftechnologen Gunter Dueck noch mehr Sprengkraft: Profiberatung oder Internet – der Rest stirbt.
Meine Gäste sind Roman Rackwitz “Engaginglab – regime of competence” sowie der Powergamer und Informatikstudent Constantin Sohn – also der Sohn vom Sohn. Hashtag für Zwischenrufe während der Livesendung wie immer #Bloggercamp. Start der Sendung 19:30 Uhr.
Es sei nach seiner Meinung ein Fehler, die Pläne der Telekom für eine Abschaffung echter DSL/VDSL-Flatrates zum Anlass für die Kampagne zu nehmen. #Drosselkom werde zum geflügelten und harmlosen Stichwortgeber für Motive und Slogans rund um die Kommunikationsoffensive.
„Die Drosselung wird thematisiert, Netzneutralität nicht erklärt.“
Das hinterlasse den Eindruck, dass hier wieder einmal ein paar Jugendliche mit zu viel Freizeit und Farbe im Haar motzen, weil etwas teurer wird. „That’s not my business. Die Drosselung von DSL/VDSL-Anschlüssen hat erst einmal nix mit der Netzneutralität zu tun. Was die Telekom für Verträge anbietet, ist schlicht und ergreifend ihre Sache“, so Specht.
Jein. In der Kombination mit der geplanten Drossel-Ausnahme für externe und interne Dienste hat das natürlich etwas mit der Netzneutralität zu tun. Und nur durch die Prominenz der Telekom und der ziemlich rüden Magenta-Kommunikationspolitik ist das Problem der Netzneutralität jetzt auf die politische Agenda gekommen. Ohne Drosselkom wäre das so schnell nicht möglich gewesen.
Um politischen Druck aufzubauen, muss allerdings mehr passieren – beispielsweise Bündnisse mit der Gaming-Szene. Und auch die von Thilo Specht aufgeführten plakativeren Beispiele sind wichtig.
„Stichwort Banking. Wäre das nicht ganz toll für Daytrader und Fussballmanager, wenn sämtliche Datenbewegungen innerhalb einer Banking-Plattform, z.B. von der Postbank, bei der Telekom kostenlos wären? Einfach einen Kombitarif bei der Telekom buchen, schon hat man ein Postbank-Konto und kostenlosen Traffic. Schön! Sicher, andere Banken fänden das nicht so prickelnd, aber was haben die schon zu melden, in der Politik interessiert sich doch niemand fü… oh, wait.
Stichwort ‚Smart Metering (coming soon)‘: Toll, die Telekom bietet einen RWE-Kombitarif an! Sämtliche Datenbewegungen zu Strom, Gas und Wasserverbrauch und Steuerung sind inklusive! Toll! Finden Greenpeace, Lichtblick und Naturstrom wahrscheinlich nicht…“
Realistisch ist seine Einschätzung, dass wir von Lobbyorganisationen wie Bitkom mit dem Vizepräsidenten René Obermann nicht sehr viel Unterstützung erwarten können. Übrigens auch nicht von den Konkurrenten der Telekom, die im VATM organisiert sind. Beispiel gefällig?
Hier eine Stellungnahme des VATM zu den Drosselplänen des Bonner Konzerns:
„Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, macht eine angemessene Drosselung von Datenflatrates Sinn, wenn hierdurch die Normal- und Wenignutzer entlastet werden und die Extremnutzer dazu gebracht werden, in Verträge zu wechseln, die der erbrachten Leistung entsprechen und wenigstens einen Mindestanteil der erforderlichen Investitionen wieder einspielen.
Wichtig: Drosselung bedeutet Kostensicherheit und nicht eine Kostenfalle durch etwaige Zusatzpreise für eine höhere Datennutzung. Wie im Mobilfunk üblich kann der Kunde sich an den für seine Datennutzung individuell richtigen Vertrag herantasten. Fair und ohne jedes Kosten-Risiko.
Aber: Wer Datenautobahnen möglichst ohne Belastung des Steuerzahlers ausbauen will, muss sich fairerweise darüber Gedanken machen, wer den meisten Nutzen hat und damit auch entsprechend mehr zum Ausbau beitragen sollte. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die reale Belastung und zeitweise Überlastung der Netze weniger durch ‚immer mehr Nutzer‘, sondern stark zunehmend durch wenige ‚Heavy User‘ ausgelöst wird, die sich z. B. Filmarchive zu Spitzenverkehrszeiten anlegen (insofern stimmt wohl die Bemerkung von Sascha Lobo, dass die Telekom wohl den kürzesten Strohhalm unter den Providern gezogen hat, gs).
Fakt ist: Während die Gesamt-Daten-Nutzung bezogen auf den Durchschnittskunden im Festnetz nur langsam steigt, explodiert sie geradezu bei den „Heavy Usern“ (Grafik bitte besorgen). Wer sehr große Datenmengen transportieren will und das mit Porsche-Geschwindigkeit, sollte einen der Qualität angemessen höheren Tarif wählen.
Keine Belastung für den Normalnutzer bedeutet auch für ihn muss YouTube, gelegentliche Filmdownloads und natürlich normales Surfen in höchster Geschwindigkeit möglich bleiben. Wer Verträge speziell zum Fernsehen, Video on demand etc. bucht und hierfür einen Aufpreis zahlt, hat höhere Anforderungen, die in der Flat berücksichtigt werden müssen.
Die Grenzen müssen daher sinnvoll festgelegt werden. Die von der Telekom Deutschland in die Diskussion gebrachten Volumina können als ein diskussionswürdiger Ansatz. Jedes Unternehmen muss sorgsam auf seine Kunden abgestimmte Grenzen bestimmen, die als Ausgangsbasis dienen können und sicherlich auch von Zeit zu Zeit angepasst werden. Hierfür sorgen der Markt und der Wettbewerb.
Problematisch erscheint eine Drosselung auf nur 384 Kbit/s . Hier sollten die für eine Mindestversorgung gesetzten und politisch verankerten Grenzen nicht unterschritten werden….“
Faktisch planen also alle Netzbetreiber etwas Ähnliches wie die Telekom. Darauf verwies schon im Februar Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Co. Siehe: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?
Heute Abend, von 19:30 bis 20:00 Uhr, geht es dann weiter mit einer Bloggercamp-Sendung, in der wir über „Gamification statt Hierarchien“ sprechen und auch Überlegungen anstellen, wie die Gaming-Community im Schulterschluss mit der Netzgemeinde aktiviert werden könnte etwa zur Drosselpolitik der Telekom. Meine Gäste sind Roman Rackwitz„Engaginglab – regime of competence“ sowie der Powergamer und Informatikstudent Constantin Sohn – also der Sohn vom Sohn. Hashtag für Zwischenrufe während der Livesendung wie immer #Bloggercamp.
Hannes Schleeh ist diesmal nicht dabei – er genießt seinen wohlverdienten Urlaub. Neid.
In meiner morgigen The European-Kolumne gehe ich ja bekanntlich auf das Thema „Gamification“ ein – das Schreiben unterbrach ich heute mit kleinen Fingerübungen beim Spiel „Air Wings“. Dreimal hintereinander musste mein Söhnchen bittere Niederlagen einstecken – zu seiner Ehrenrettung sei allerdings ergänzt, dass er mit dem kleinen iPhone-Display hantieren musste – ich dagegen konnte auf das iPad 4 zurückgreifen. Klarer Wettbewerbsvorteil. Gestern musste ich fast nur Niederlagen einstecken. Aber hier der kleine Textauszug als Geschmacksprobe für mein Mittwochsopus.
In bildungsbürgerlichen Diskursen wird gerne der Gegensatz von Spiel und Ernst kultiviert. Viele Jahre wurde das Ende der Spaßgesellschaft proklamiert und vor dem Niedergang der Hochkultur gewarnt. Dabei ist die Gaming-Szene, sowohl Entwickler als auch Spieler, längst Teil der Alltagskultur – auch wenn das von den Gaming-macht-süchtig-und-deformiert-das-Hirn-Spitzers dieser Welt mit hysterischen Gesängen bekämpft wird. Diese Abgrenzung ist albern und falsch, meint Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach: „Spielen ist immer Arbeit und das in jeder Form – körperlich und geistig. Es geht um Fleiß, um Teamwork, um strategische Denkarbeit, entdeckerische Arbeit und kreative Arbeit.“
Das Gegenteil von Spielen sei eher Depression. Um sich aus der Ohnmacht und dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Politik und Wirtschaft zu befreien, bietet die Gamification das nötige Rüstzeug. Was zeichnet analoge und digitale Spiele aus? „Freiwilligkeit, die sich von den Zwängen der Arbeitswelt und den nicht vorhandenen politischen Beteiligungsmöglichkeiten deutlich unterscheidet. Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es“, so Breitenbach.
Der Fefe-These von der Indoktrination über Software-Updates widerspreche ich ebenfalls – also genauer gesagt mein Söhnchen. Wenn die Spielregeln langweilen und Software-Updates als reine Geldschneiderei von der Game-Community entlarvt werden, stimmen wir radikal mit den Füßen ab und gehen zum nächsten Spiel, wie es mein Sohn in unserem Interviewformat „Sohn fragt Sohn“ zum Ausdruck brachte. Auf der Gamescom in Köln und in Vorberichten setzen wir diesen Diskurs mit Hangout-Liveberichten fort.
Wer Lust hat, sich daran zu beteiligen, sollte uns ein Zeichen geben. Ein Schuh, ein Fingerzeig, ein Kommentar, eine Mail oder so.