#Gamification: Gegensatz von Spielen ist Depression

Das ganze Leben ist ein Spiel

In meiner morgigen The European-Kolumne gehe ich ja bekanntlich auf das Thema „Gamification“ ein – das Schreiben unterbrach ich heute mit kleinen Fingerübungen beim Spiel „Air Wings“. Dreimal hintereinander musste mein Söhnchen bittere Niederlagen einstecken – zu seiner Ehrenrettung sei allerdings ergänzt, dass er mit dem kleinen iPhone-Display hantieren musste – ich dagegen konnte auf das iPad 4 zurückgreifen. Klarer Wettbewerbsvorteil. Gestern musste ich fast nur Niederlagen einstecken. Aber hier der kleine Textauszug als Geschmacksprobe für mein Mittwochsopus.

In bildungsbürgerlichen Diskursen wird gerne der Gegensatz von Spiel und Ernst kultiviert. Viele Jahre wurde das Ende der Spaßgesellschaft proklamiert und vor dem Niedergang der Hochkultur gewarnt. Dabei ist die Gaming-Szene, sowohl Entwickler als auch Spieler, längst Teil der Alltagskultur – auch wenn das von den Gaming-macht-süchtig-und-deformiert-das-Hirn-Spitzers dieser Welt mit hysterischen Gesängen bekämpft wird. Diese Abgrenzung ist albern und falsch, meint Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach: „Spielen ist immer Arbeit und das in jeder Form – körperlich und geistig. Es geht um Fleiß, um Teamwork, um strategische Denkarbeit, entdeckerische Arbeit und kreative Arbeit.“

Das Gegenteil von Spielen sei eher Depression. Um sich aus der Ohnmacht und dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Politik und Wirtschaft zu befreien, bietet die Gamification das nötige Rüstzeug. Was zeichnet analoge und digitale Spiele aus? „Freiwilligkeit, die sich von den Zwängen der Arbeitswelt und den nicht vorhandenen politischen Beteiligungsmöglichkeiten deutlich unterscheidet. Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es“, so Breitenbach.

Der Fefe-These von der Indoktrination über Software-Updates widerspreche ich ebenfalls – also genauer gesagt mein Söhnchen. Wenn die Spielregeln langweilen und Software-Updates als reine Geldschneiderei von der Game-Community entlarvt werden, stimmen wir radikal mit den Füßen ab und gehen zum nächsten Spiel, wie es mein Sohn in unserem Interviewformat „Sohn fragt Sohn“ zum Ausdruck brachte. Auf der Gamescom in Köln und in Vorberichten setzen wir diesen Diskurs mit Hangout-Liveberichten fort.

Wer Lust hat, sich daran zu beteiligen, sollte uns ein Zeichen geben. Ein Schuh, ein Fingerzeig, ein Kommentar, eine Mail oder so.

Sympathisch die Forderung: Jede Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst! Und/Oder einen Gamer.

Kommentar verfassen