Was wusste der Aufsichtsrat und was blüht den DSL-Altkunden? Fragen an die #Drosselkom

Telekomshop Bonn Duisdorf am 26. April 2013

Telefonisch war die Pressestelle der Telekom für Fragen gerade nicht erreichbar. Der dafür zuständige Sprecher, Herr Blank, sei im Meeting. Ich solle mein Anliegen per E-Mail an die Pressestelle schicken. Gesagt, getan.

Medienberichten zufolge nutzen laut Auskunft der Deutschen Telekom bereits eine Million der derzeit rund 12 Millionen Breitbandkunden die IP-Technologie. Die Telekom will nun aber alle anderen Kunden auch auf die IP-Technologie umstellen, siehe Heise oder auchTeltarif.

Dort heißt es unter anderem: “Die Telekom plant, alle Bestandskunden innerhalb der nächsten drei Jahre – also bis 2016 – auf IP-basierte Anschlüsse umzustellen.” Der Wechsel der Basistechnologie setzt nach jetzigem Kenntnisstand einen neuen Vertrag voraus, der dann natürlich auch auf die neuen AGB aufsetzt. Und eben diese sehen seit Mai 2013 ja eine Drosselung voraus, wenn ein bestimmtes Volumen überschritten wird – oder man greift noch einmal in die Tasche, um Zusatz-Volumen zu kaufen.

Treffen diese Informationen zu?

Sind die neuen DSL-Tarife, die eine Drosselung im Datenverbrauch vorsehen, dem Aufsichtsrat der DTAG vorgestellt worden?

Wenn ja, wann?

Gab es dazu eine Beschlussvorlage für den Aufsichtsrat?

Wie hat der Aufsichtsrat – vor allem die Vertreter des Bundes – über die neuen DSL-Tarife votiert?

Über eine zügige Beantwortung meiner Fragen würde ich mich freuen.

Gruß

Gunnar Sohn

Wenn man sich die Zusammensetzung des Aufsichtsrates anschaut, interessiert mich die Rolle von einzelnen Mitgliedern:

Anteilseignervertreter

Baldauf, Sari
Vorsitzende des Board of Directors der Fortum Oyj, Espoo, Finnland

Dr. Bernotat, Wulf H.,
ehemaliger Vorsitzender des Vorstands E.ON AG, Düsseldorf

Dr. Beus, Hans Bernhard,
Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Berlin

Dr. von Grünberg, Hubertus,
Präsident des Verwaltungsrats, ABB Ltd., Zürich, Schweiz

Guffey, Lawrence H.,
Senior Managing Director The Blackstone Group International Partners Ltd., London

Prof. Dr. Lehner, Ulrich,
Mitglied des Gesellschafterausschusses Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf; Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom AG

Kollmann, Dagmar P.,
Unternehmerin, ehemalige Vorsitzende des Vorstands der Morgan Stanley Bank AG, Frankfurt am Main

Dr. Schröder, Ulrich,
Vorsitzender des Vorstands KfW, Frankfurt

Prof. h. c. (CHN), Dr.-Ing. E.h. Dr. Middelmann, Ulrich,
ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Vorstands ThyssenKrupp AG, Düsseldorf

Dr. h. c. Walter, Bernhard,
ehemaliger Sprecher des Vorstands Dresdner Bank AG, Frankfurt am Main.

Arbeitnehmervertreter:

Brandl, Monika,
Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Deutschen Telekom AG, Bonn

Hanas, Klaus-Dieter
Vorsitzender des Betriebsrats der Deutsche Telekom Kundenservice GmbH Region Mitte-Ost, Bonn

Hauke, Sylvia,
Mitglied im Gesamtbetriebsratsausschuss des Gesamtbetriebsrats der Telekom Deutschland GmbH, Bonn

Holzwarth, Lothar,
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Telekom Deutschland GmbH, Bonn

Kallmeier, Hans-Jürgen,
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats T-Systems International GmbH, Frankfurt

Kreusel, Petra Steffi
Leiterin TC Steering Order & Complaints Management der T-Systems International GmbH, Frankfurt

Litzenberger, Waltraud,
Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Deutschen Telekom AG, Bonn

Schröder, Lothar,
Mitglied des Bundesvorstands ver.di, Berlin; Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom AG

Sommer, Michael,
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin

Spoo, Sibylle,
Rechtsanwältin, Gewerkschaftssekretärin bei der ver.di-Bundesverwaltung, Berlin

Siehe auch:

Deutsche Telekom: Wird bald nicht nur Neukunden, sondern auch 11 Millionen Altkunden das Breitband-Internet gedrosselt? #Drosselkom

5 Gedanken zu “Was wusste der Aufsichtsrat und was blüht den DSL-Altkunden? Fragen an die #Drosselkom

  1. Dem Bundesfinanzministerium habe ich natürlich auch eine Anfrage geschickt:

    Lieber Herr Kotthaus,

    Herr Dr. Beus, Staatssekretär Ihres Hauses, ist Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Telekom AG.

    Nun hat sich die Bundesregierung kritisch zu den Plänen der Telekom geäußert, beim stationären Internet ab dem 2. Mai Drosseltarife einzuführen.

    Ist die neue DSL-Tarifpolitik im Aufsichtsrat der DTAG zur Sprache gekommen?

    Und wenn ja, wie hat sich Herr Dr. Beus zur neuen Linie des Vorstandes geäußert und wenn es eine Beschlussvorlage gab, wie hat er abgestimmt?

    Über eine kurzfristige Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

    Gruß
    Gunnar Sohn

  2. Noch habe ich ja keine Antworten. Spätestens morgen werde ich wohl telefonisch nachhaken. Die schalten wohl auf Durchzug.

  3. Hier nun die lapidare Antwort des Telekom-Pressesprechers:

    Hallo Herr Sohn,

    niemand wird „umgestellt“. Der Kunde entscheidet, ob er einen neuen Vertrag möchte, oder nicht. All IP hat entscheidende Vorteile, bspw. bessere Sprachqualität (HD-Voice) sowie zwei Leitungen und bis zu zehn Rufnummern (wie bei ISDN) zum Preis eines analogen Anschlusses. Im Übrigen gilt: Selbst wenn wir die neuen Leistungsbeschreibungen ab 2016 faktisch umsetzen, würden die Inklusivvolumina den meisten Kunden völlig ausreichen. Und wenn nicht, können die Kunden ihren Anschluss für ein paar Euro weiterhin mit Highspeed nutzen.

    Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns nicht dazu äußern, in welchen Gremien Entscheidungen bei der Telekom getroffen werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Philipp Blank

    Und hier noch meine Nachfrage:

    Hallo Herr Blank,

    Ihre Antwort entspricht der Linie Ihres Vorstandes. So auch das Schreiben von Herrn Obermann an den Wirtschaftsminister:

    “Deshalb kann es uns mit der für 2016 geplanten Vorgehensweise auch gelingen, für zirka 97 Prozent der Kunden die Preise stabil zu halten. Folglich wären nach heutigem Stand von dieser vorgesehenen Preisänderung nur zirka drei Prozent der Kunden betroffen. Diese drei Prozent nutzen in unserem Netz 10 bis 20 Mal größere Datenmengen als ein durchschnittlicher Kunde, der zirka 15 bis 20 Gigabyte pro Monat verbraucht. Die Alternative wäre eine Preiserhöhung für alle Kunden, die in unseren Augen weder klug noch gerecht wären.”

    Könnten Sie mir die Statistik über den Datenverbrauch eines durchschnittlichen Kunden im Detail zuschicken, damit man Ihre Angaben verifizieren kann.

    Gruß
    Gunnar Sohn

  4. Der Dialog mit dem Telekom-Sprecher geht weiter:

    Antwort von Blank:

    im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 GB. Was wollen Sie daran verifizieren? Und wie könnten Sie das?

    Mit freundlichen Grüßen
    Philipp Blank

    Dann wieder meine Nachfrage:

    Sie müssen das ja statistisch ausgewertet haben. Aggregierte Daten nach Haushaltsgröße, Bundesländer, Ballungsgebiete, Single-Haushalte etc. – und natürlich ein Vergleich der 97 Prozent „Normalnutzer“ gegenüber den 3 Prozent „Vielnutzer“.

    Gruß
    gs

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