Offshore-Leaks: Wer sind die Hintermänner der Firmenjäger?

Steueroasen

Kein Angst. Ich will nicht auf die Tränendrüse drücken und irgendwelche Briefkastenfirmen in Schutz nehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Kürzlich beschäftigte ich mich zum wiederholten Mal mit den Praktiken der so genannten “Schattenbanken” – vor allem Hedgefonds und die firmenfressenden Private Equity-Schmarotzer. Und die sind bislang in der Öffentlichkeit bislang relativ ungeschoren davon gekommen. Dabei könnte man das Heuschreckentum relativ gut recherchieren und an die Öffentlichkeit bringen. Wäre eine schöne Aufgabe für die Datenjournalisten, die jetzt auf das Offshore-Leaks-Material zugreifen können.

Hier noch einmal Erläuterungen zu den Geschäftspraktiken der Firmenjäger.

Zunächst gründen die „Käufer“ eine neue Gesellschaft. Die nimmt ein Darlehen auf und erwirbt damit ein bislang rentabel arbeitendes Unternehmen. Anschließend werden beide Gesellschaften miteinander verschmolzen. Die Darlehensschulden liegen nun beim aufgekauften Unternehmen. Dann wird das ganze Konglomerat in eine GmbH umgewandelt – wegen der geringeren Veröffentlichungspflichten.

Kleines Beispiel aus Deutschland mit dem amerikanischen Private Equity-Giganten KKR und dem Grünen Punkt als Hauptakteure: Der Kauf des Grünen Punktes war nach Berichten des Manager Magazins vor rund acht Jahren für KKR ein echtes Schnäppchen:

„Von den 260 Millionen Euro Kaufpreis stammen nur rund 100 Millionen tatsächlich aus dem Geld von KKR-Investoren. Bei den übrigen 160 Millionen handelt es sich um Bankkredite, die KKR über eine Tochter namens Deutsche Umwelt Investment AG (DUI) aufgenommen hat. Rückwirkend zum 1. Januar 2005 hat KKR die Deutsche Umwelt Investment AG mit der DSD AG verschmolzen. Auf diese Weise erbt das DSD die 160 Millionen Euro Bankschulden und KKR entledigt sich eine Großteils seines Investitionsrisikos – ein beliebter Kniff in der Private-Equity-Branche.“

Eine Tochterfirma der KKR, die Deutsche Umwelt Investment AG (DUI) habe nämlich Bankkredite über 160 Millionen Euro des Kaufpreises von 260 Millionen aufgenommen. Mit der Verschmelzung von DSD und DUI habe das DSD die 160 Millionen Bankschulden dann geerbt. Und Substanz war aber beim Grünen Punkt reichlich vorhanden: Der Müllsammler wies für das Geschäftsjahr 2003 einen Umsatz von 1,696 Milliarden Euro aus. Die Bilanzsumme betrug 1,146 Milliarden Euro. Auf der Aktiv-Seite standen finanzielle Mittel, Wertpapiere des Anlagevermögens, sonstige Wertpapiere, Kassenbestand und Guthaben bei Banken in Höhe von insgesamt 836 Millionen Euro.

Soweit der KKR-DSD-Deal. In der Regel wird beim Geschäft der Firmenjäger das liquide Vermögen bis zur Grenze des rechtlich Zulässigen an die neuen Gesellschafter ausgezahlt – so etwas nennt man in Branchenkreise “Recap”. Das übernommene Unternehmen wird also nach dem Wieselprinzip wie ein Ei ausgesaugt und danach an einen weiteren Finanzinvestor weitergereicht, der die Reste aufsammelt und verscherbelt. Neudeutsch bezeichnet man das als “secondary buyout”.

Und jetzt sollte die Recherche in der Offshore-Leaks-Datenbank beginnen.

Private Equity-Gesellschaften wie KKR beschaffen sich für die Firmenjagd Kapital von institutionellen Investoren, immer häufiger aber von sogenannten HNWI (High Net Worth Individuals), also vermögenden Individuen – Firmeninhaber, Firmenerben, Vermögensverwalter, Topmanager, Anwaltskanzleien mit verfügbaren Anlagesummen ab fünf Millionen US-Dollar aufwärts. Nach Auffassung des Kölner Journalisten Werner Rügemer brauche das radikale Vorgehen von KKR Verbündete innerhalb des übernommenen Unternehmens – oder im Umkreis. Die „Anleger“ sind also entweder Einzelpersonen – teilweise aus dem Dunstkreis des übernommenen Unternehmens – oder Institutionen.

Und die zeichnen die Private Equity-Fonds sehr häufig auf den Cayman Islands.

Für diese halbseidenen Geschäfte müssen die “Investoren” weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Die Namen der Aas-Geier werden natürlich nicht preisgegeben. Mit den Offshore-Leaks-Daten könnte sich das jetzt ändern 🙂

„Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden”, kritisiert der ehemalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert.

Am Beispiel des KKR-DSD-Deals endeten meine Recherchen in Luxemburg – auf den Cayman-Inseln hätte ich wohl nur an verschlossenen Türen der Fondsgesellschaften mit schönen Fantasie-Namen rütteln können. Mit den folgenden Informationen könnte man aber weitere Recherchen vornehmen.

Die KKR-Tochter Deutsche Umwelt Investment AG in Düsseldorf hatte zwar formal die Übernahme des DSD vollzogen. Hinter der DUI stand wiederum eine Beteiligungsgesellschaft, die sämtliche Aktien übernommen hatte: die Blade Lux Holding Two S. mit Sitz in Luxemburg. Dahinter befand sich wiederum die Blade MEP Beteiligungs GmbH. Geschäftszweck:

„Gegenstand des Unternehmens: Erwerb, Halten und Verwalten sowie Veräußerung von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, an denen die Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, und/oder die Blade Lux Holding Two S. .r.l, mit Sitz in Luxemburg, unmittelbar oder mittelbar beteiligt sind, sowie an Personengesellschaften, die Beteiligungen an solchen Kapitalgesellschaften halten im Zusammenhang mit der Beteiligung von Organmitgliedern, Führungskräften und Mitarbeitern verschiedener Unternehmen der Blade-Gruppe an solchen Gesellschaften; die Blade-Gruppe umfasst die Gesellschaften, die unmittelbar oder mittelbar von der Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, abhängig sind. Die Gesellschaft betreibt keine Geschäfte, für die eine gesetzliche Erlaubnispflicht besteht“, so lautete der Eintrag im Handelsregister.

Ganz so prominente Namen wie Gunter Sachs werden bei der Datenbank-Suche vielleicht nicht auftauchen. Aber man könnte ja mal Namen eingeben aus dem Umfeld des mittlerweile verstorbenen Metro-Gründers. Und mir würden noch ein paar Personen einfallen…..

Oder einfach mal diesen ARD-Filmausschnitt so ab der fünften Minute anschauen:

Siehe auch:

Zwar keine Firmenjäger, aber auch recht prominent: Apple, Google & Co: Die Offshore-Tricks der Online-Giganten.

Wie Computer-Forensik das Offshore-System entschlüsselte.

6 Gedanken zu “Offshore-Leaks: Wer sind die Hintermänner der Firmenjäger?

  1. Da hilft nur schonungslose Transparenz. Ich glaube nicht, dass die beteiligten Top-Manager und Milliardäre diese Aufdeckung ohne Blessuren überstehen würden.

  2. Herzlichen Dank für die Erinnerung an den damaligen DSD/KKR-Deal – ich hatt’s schon fast vergessen… das ist ein weiteres Puzzleteil für das bestürzende Gesamtbild, das ich so deutlich vor Augen habe und dennoch nicht in kurze Sätze packen kann. Allwöchentlich sind solche und ähnliche Vorgänge zu vernehmen – und trotzdem wird immer wieder verdrängt und vergessen. Wenn ich die Zeit hätte, würde ich gerne einen aktuellen „Deutschland-Report“ schreiben. Wo wir gesellschaftlich sind, welche Gefahren lauern und was schief läuft…

    Speziell zum Thema Offshore-Leaks: Schon jetzt kritisiere ich die öffentliche ‚konservative‘ (Print / TV) Berichterstattung, weil sie zu oberflächlich geführt wird. Es geht nicht nur um Steuerhinterziehung… es geht auch (und vor allem) darum, dass sich Leute…

    1. …ab gewissen Summen über Recht und Moral stellen und eigene Grundsätze geltend machen (und diese Menschen werden teilweise durch die Medien noch hofiert: „Society“-Geschwätz u.ä. [beispielsweise Maschmeyer])

    2. …mit Finanzmitteln immer reicher machen, deren ursprüngliche Quellen äusserst zweifelhaft sind. Irgendwo werden die Unsummen u. a. aus Drogen- und illegalen Wettgeschäften ja alljährlich ‚gewaschen‘! Wer meint, das sei Quatsch oder unerheblich, mache sich bitte selbst die Mühe und schaut z.B. in die entsprechenden EU-Statistiken. Das sind Milliarden-Beträge…

    Sorry für den langen Kommentar, aber das musste mal raus 🙂

    Mach‘ weiter so mit Deinem Blog und auch mit dem Bloggercamp und dem ‚Unbuch‘ – ich verfolge Eure Aktivitäten weiterhin begeistert, neugierig und gespannt!

    Grüsse aus Frankfurt am Main
    der Hackentrick

  3. Vielen Dank für das Lob. Auch zu später Stunde. Musste noch die aktuellen Ereignisse um die „überraschende“ Wendung beim Merkel-Hangout kommentieren. Bleibe natürlich am Ball bei den Dingen, die weit über Steuerhinterziehung hinaus gehen. Hoffe, dass die Datenjournalisten meine Anregungen aufnehmen.

  4. Pingback: Ritter, Retter und am Ende doch nur Blender: Über den Karstadt-Wunderheiler | Ich sag mal

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