Werbeindustrie: Der Kunde als Trottel

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Das Vertrauen der Verbraucher in die Qualität unserer Lebensmittel ist nach den jüngsten Skandalen zumindest erschüttert. Trotzdem bekommen wir in der Einweg-Werbung immer wieder die gleichen Botschaften an den Kopf geballert, wie Thomas Koch in einem Kommentar für die absatzwirtschaft zurecht kritisiert.

„Erstmal zu Penny“ und Edekas „Wir lieben Lebensmittel“ seien die besten Beispiele für die Ignoranz des Handels.

„Bezeichnend, dass Rewe sein ‚Jeden Tag ein bisschen besser‘ durch ein nichtssagendes ‚Besser leben‘ ersetzte. Getoppt wird das alles nur von Marken wie Wiesenhof (‚Mann, is‘ das ne Wurst!‘). Sie alle machen den größten Fehler, den es in der Kommunikation gibt: Sie reden über sich, statt mit den Konsumenten. Den Verbraucher, seine Wünsche und Bedürfnisse – und inzwischen auch seine Ängste – ignorieren sie. Die natürliche Folge: ein verheerender Verlust an Glaubwürdigkeit.“

„90 Prozent der Werbung ist Schrott“, so zitiert Koch den preisgekrönten Werbeguru David Droga. Werbemüll entstehe, wenn Kunden und Agenturen Verbraucher wie Trottel behandeln, sich nicht für ihre Bedürfnisse interessieren.

Da wundert es mich nicht, dass die Social Media-Präsenzen von vielen Firmen eben nur der Wurmfortsatz von trottligen Marketing-Kampagnen sind. Einen direkten Dialog mit Kunden hassen die Dirigenten in den einschlägigen Fachabteilungen ihrer Organisationen.

Es würde diesen Führungskräften mal guttun, Produkte und Kampagnen nach den Crowdfunding-Prinzipien zu gestalten. Denn hier begegnen sich Anbieter und Konsument auf Augenhöhe. Wer seine Ideen nicht glaubhaft transportiert, erhält keine Kohle. So einfach ist das.

Um 18,30 Uhr werden wir das in unserer heutigen Bloggercamp-Sondersendung vertiefen und über den Fortgang des Projektes zur Streaming Revolution berichten.

3 Gedanken zu “Werbeindustrie: Der Kunde als Trottel

  1. Sehr gut, so an sich. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob durch eine bessere, auf den Kunden bezogene Werbung, unser „Trottelsein“ verbessert. Mir als Medienmann wurde dereinst beigebracht als Einstieg in Radiomoderationen im besten Falle etwas zu finden, was das von mir zu vermittelnde Grundthema mit der direkten Erfahrungswelt des Hörers verknüpft. Also zum Beispiel: “ Wenn sie schon genötigt werden mitten im März die dicken Winterstiefel aus dem Keller zu holen, dann wollen wir dafür sorgen, dass ihr Tag ansonsten aber vollkommen frostfrei verläuft…“. Man holt den Medienkonsumenten also in seiner Wirklichkeit ab, nicht in unserer. Ein durchaus guter Ansatz, nur: Medialen Müll haben wir dennoch versendet, geändert hat sich durch diese Herangehensweise lediglich, dass der Hörer sich ein wenig mehr angesprochen fühlte davon…;-) Die richtigen Kommunikationsmittel in den Händen der falschen Leute erfordern also auch eine gewisse Ethik, schätze ich.

    LG
    David/EAL

  2. Da hast Du recht. Aber wenn Du im direkten Kontakt mit Kunden stehst wie bei Crowdfunding-Projekten, ändert sich schlagartig die Sichtweise des Anbieters. Du bekommst in jeder Phase des Projektes mit, ob Du den Nerv der Öffentlichkeit triffst oder nicht.

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