Offline-Tipps für die Unternehmenswelt: Warum man Social Media ignorieren sollte

Wer bis zum Hals im Schnee steckt, sollte Social Media ignorieren

Es gibt Unternehmen, die Social Media wirklich ignorieren können, ja sogar sollten, so der Rat von Karrierebibel:

Das seien Firmen, die mit massiven internen Problemen bei der Arbeitsatmosphäre, Kommunikationskultur und beim Vertrauen zu kämpfen haben.

„Sind solche Probleme akut, wäre ein Einstieg in die Social Media nicht nur unsinnig, er käme vermutlich einem kommunikativen Selbstmord gleich. Der einzige Effekt bestünde darin, die internen Probleme nach außen sichtbar zu machen und sich so als Zielscheibe für Kritik anzubieten. Keine gute Idee.“

Es gibt dann noch eine zweite Kategorie von Firmen, die Social Media getrost ignorieren können.

„Dabei handelt es sich um Unternehmen, die Kundenkontakt als lästig, Anregungen als störend und Fragen als notwendiges Übel betrachten. Auch wenn bei dieser Beschreibung natürlich ein wenig Ironie mitschwingt: Es gibt erstaunlich viele Unternehmen, die davon gar nicht so weit entfernt sind. Wird die oben genannte Einstellung dann noch durch eine gewisse Konsequenz – ein Schelm wer dabei an Sturheit denkt – ergänzt, spielen Social Media für das Unternehmen definitiv keine Rolle“, schreibt Karrierebibel.

Und dann gibt es noch Gichtlinge in der Unternehmenswelt, die sich zwar in fast allen sozialen Netzwerken breit machen, aber bei kritischen Fragen von Kunden sofort nervös zusammenzucken und verlangen, doch wieder die altbewährten Eins-zu-Eins-Kommunikationskanäle zu benutzen, damit man die Netzöffentlichkeit nicht mit Dingen belästigt, die zum Niedergang des Social Media-Saubermann-Images führen könnten.

Etwa E-Plus, die mir so vehement ein Telefonat mit einem Call Center-Mitarbeiter aufnötigen wollten.

Siehe auch den Beitrag von Hannes Schleeh: Warum autoritäre Führungskräfte mit dem Social Web hadern. Auch er hat Vorschläge für den Abbau von Social Media-Kontrollverlust-Allergien parat: Unternehmen könnten sich auf sinkende Umsätze und Gewinne und damit auf ein langsames Siechtum einstellen – auch eine gute Möglichkeit, gs. Oder das Unternehmen wird verkauft, solange es noch einen Wert hat.

10 Gedanken zu “Offline-Tipps für die Unternehmenswelt: Warum man Social Media ignorieren sollte

  1. Ergo: Wenn sich ein Unternehmen nicht in Social Media präsentieren will, könnte es sein, dass 1) etwas im oder mit dem Unternehmen nicht stimmt oder 2) es echten Kundendialog nicht für erstrebenswert hält. Richtig? Also, Augen auf, beim Kommunikationsverhalten. Das hieße im Falle von dem aktuellen Rheinland-Pfalz-Fall – ich bezeichne das mal als „politische Unternehmung“ – dass entweder in der Partei etwas nicht stimmt oder die Partei zu echtem Wählerdialog nicht kompetent genug sind. Gut, gut – abseits des medienwirksamen PR-Effekts der „Facebook-Datenschutz-Rückkanalverbots-Kampagne“ hinkt diese Bezugnahme dann doch etwas. Vielleicht. Aber sind dann solche Unternehmen, die keine Kommunikation zulassen (können) und nur auf Information setzen, dann auch wohl indirekt „Datenschützer“ …

  2. Das sind Datenschützer, Kontrollfreaks, Wächter, Planungsfetischisten, aber auch Hosenscheißer, die Angst vor der Öffentlichkeit haben. Da gibt es wohl eine ganze Bandbreite an Gründen für die Social Media-Allergien.

  3. Ich kann Vodafone nennen: Null Reaktion auf Twitter! Kein Versuch auf Facebook, mir zu helfen – nur Zuspruch: Beim Kundenservice sind Sie gut aufgehoben! Als ich dann gekündigt hatte, konnte ich mich vor den hartnäckigen Anrufen nicht retten. 2 Wochen lang bin ich nicht ans Telefon gegangen, weil ich die Rufnummer über Google identifiziert hatte (Danke Internet! 🙂 ). Über Twitter postet wohl nur die Vodafone-Pressestelle. Mein Tipp: Besser Social Media ignorieren!

  4. Das sind doch die vodafonistischen Worthülsen-Vertreter einer neuen Zeitrechnung! Erklärung zu Nichtkunden an uns binden (Gesetz der Chemie: Nichtkunden als Oxidationsmitel, nehmen Elektronen auf und sind negativ geladen, Reaktion mit Bestandskunden als Reduktionsmittel, geben Elektronen ab, sind postiv geladen – Ergebnis: Spannung). Kleines Beispiel. Weitere findest Du hier, lieber Marcus: http://ichsagmal.com/2009/07/17/wahle-die-vodafonistische-worthulse-einer-neuen-zeitrechnung/

  5. Marcus

    Ich hab’s gerade gelesen und zitiere aus Deinem Text:

    >> Man wird jeden Tag mit PR-Texten von Firmen bombardiert, die eine „nachhaltige und ganzheitliche Mumpi-Wumpi-Strategie garantieren, Prozesse optimieren und implementieren, eine Vielzahl von Synergien realisieren und mit leistungsfähigen Tools basierend auf einem Netzwerk von Applikationen für geringere Kosten und einer höheren Effizienz sorgen“. <<

    Ich hätte auch gleich bloggen sollen, als ich noch so richtig in Rage war. Stundenlang in der Warteschleife, dann Callcenter-Mitarbeiter am Hörer, die "meinen Tarif" nicht kannten. Stimmt es war kein S, L, M oder XL-Tarif, sondern ein alter Arcor-Melk-Kunde-Tarif ohne Service und Rechte mit Lizenz zum Zahlen. Ich muss doch noch mal einen Blogpost schreiben bei so viel Input. 🙂

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