Das katholische Sündenregister: Der Staat muss aufklären, nicht die Kirche!

Es läuft eigentlich immer nach dem gleichen Muster ab: Eine kirchliche Institution weist ein Vergewaltigungsopfer ab und gibt sich nach der Aufdeckung dieses Skandals zerknirscht, spricht von Missverständnissen, Einzelfällen, gelobt Besserung und beruhigt die Öffentlichkeit mit Aufklärungsaktionismus. Man könnte auch von Camouflage sprechen. Was die zwei Cellitinnen-Krankenhäuser bei der Abweisung eines Notfallopfers praktiziert haben, beruhe angeblich auf einer falschen Interpretation von neuen Richtlinien, die ein klinisches „Ethikkomitee“ in Abstimmung mit Kölns Erzbischof Joachim Meisner im November verabschiedet habe.

Das Erzbistum Köln verkündete nun gegenüber Medien sein festes Vertrauen, dass der Träger der Krankenhäuser „die Gesamtsituation vollständig aufklären und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen wird, um eine Wiederholung eines solchen sehr bedauerlichen Einzelfalls auszuschließen.“ Bei solchen bigotten Beschwichtigungs-Schwurbeleien bekomme ich mittlerweile einen Brechreiz.

Die Träger von Krankenhäusern, Schulen oder Kindergärten haben gar nichts aufzuklären. Als Befangene und Betroffene dürfen sie sich nicht anmaßen, auch noch selbst für Aufklärung zu sorgen. Im Falle der katholischen Krankenhäuser in Köln müssen jetzt standes- und strafrechtliche Verfahren eingeleitet werden. Aufklären kann nur der Staat und nicht eine Institution, die sich als Staat im Staate organisiert und die Öffentlichkeit manipuliert. Bleibt zu hoffen, dass das NRW-Gesundheitsministerium sich von der katholischen Lobby nicht einlullen lässt und harte Konsequenzen einleitet, die bis zum Entzug der Betriebserlaubnis reichen können. Entsprechende Forderungen hat der Landesvorsitzende der NRW Grünen, Sven Lehmann, ins Spiel gebracht.

Gleiches gilt für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahrzehnten. Auch hier sollte die Bundesjustizministerin tätig werden und nicht die katholische Bischofskonferenz, die das Zerwürfnis mit dem Kriminologen Pfeiffer in bigotter Art und Weise jetzt dem unabhängigen Aufklärer in die Schuhe schiebt. Die Kirche will in allen strafrechtlich relevanten Fällen Herr des Verfahrens bleiben, Aufklärung kontrollieren und steuern. In meinem privaten Umfeld habe ich das hautnah miterlebt.

Ich weiß nicht, wie viele Betroffene von sexuellem Missbrauch der FAZ-Redakteur Daniel Deckers überhaupt kennt. Ob er sie aufgesucht und mit ihnen gesprochen hat. Ich könnte ihm einige Fälle nennen, die sich in den vergangenen zwei Jahren zugetragen haben. Wie kann er dann in seinem heutigen Leitartikel folgenden Sätze schreiben:

„Eines muss man den katholischen Bischöfen in Deutschland lassen: Sie haben es versucht. Anders als die Odenwaldschule, anders als der Deutsche Olympische Sportbund, anders als die Kultusministerien der Länder und auch anders als die Evangelische Kirche in Deutschland haben sie vor zwei Jahren (!) ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um Art und Ausmaß sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in ihrem Verantwortungsbereich auf die Spur zu kommen. Als die Bischöfe im Jahr 2002 erste Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche verabschiedeten, war die katholische Kirche zudem die einzige Institution in Deutschland, die über ein solches Regelwert verfügte. Daran hat sich bis heute nichts geändert“, so Deckers.

Und wer heute noch von einem Verein von Dunkelmännern spreche, würde etwas kolportieren. Deckers schreibt, dass der Kern solcher Vorhaltungen von „interessierter Seite kolportiert werden“.

Bei solcher Dreistigkeit eines FAZ-Schreiberlings, der die katholische Kirche „beobachtet“, bekomme ich eine ungeheure Wut. Man fühlt sich verarscht von diesem Schreibtisch-Journalisten. Begeben Sie sich in die Realität, Herr Deckers. Es gibt nur eine Antwort auf die Missbrauchsfälle: Der Staat muss aufklären und nicht die Betroffenen. Das gilt auch für die disziplinarischen Konsequenzen für das Personal von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern, die in katholischer Trägerschaft organisiert sind. Nicht irgendwelche Ordens-Geistliche oder von der katholischen Kirche eingesetzte „Experten“ müssen aufklären, der Staat muss es tun!

Siehe auch:

HILFE NACH VERGEWALTIGUNG: Kirche setzt Ärzte unter Druck.

Offener Brief an Kardinal Meisner: Wann wird Eminenz wirklich tätig, wenn es um sexuellen Missbrauch geht? #cojobo

Scheinheilige Aufklärer: Freiwillig passiert gar nichts in der katholischen Kirche.

Sexueller Missbrauch an katholischen Einrichtungen: Wie aus Opfern Täter gemacht werden.

4 Gedanken zu “Das katholische Sündenregister: Der Staat muss aufklären, nicht die Kirche!

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