Bonn braucht einen Jazzclub, liebwerteste Stadt-Gichtlinge: Mox nix-Politik

Ich habe mir auf Facebook erlaubt, meiner Verwunderung über die Schwerpunkte in der Bonner Kulturpolitik Ausdruck zu verleihen nach der gestrigen Dottendorfer Jazznacht und einigen Gesprächen mit den Jazzmusikern nach dem Konzert.

So ist es für ausgezeichnete Musiker wie Thomas Kimmerle und Oliver Pospiech schlichtweg unmöglich, in Bonn einen neuen Jazzclub aufzumachen mit Konditionen, die einen dauerhaften Betrieb gewährleisten. Der Jazzkeller von Thomas in der Burbacher Straße 2 musste schließen wegen der exorbitanten Erhöhung der Gewerbemiete.

Das Ordnungsamt glänzt dabei mit unzumutbaren und kostentreibenden Bedingungen, um in der Stadt einen Laden aufzumachen. In der Regel scheitert das an den Auflagen für Lärmschutz, wenn ein geeignetes Objekt gefunden wurde. Oder die Lage ist perfekt aber die Gewerbemiete unbezahlbar. Vom Kulturdezernenten und dem Oberbürgermeister ist für die Kleinkunstszene wohl keine Unterstützung zu erwarten, die sind ja mit der Fata Morgana-Planung des Honoratioren-Musiktempels namens „Festspielhaus“ beschäftigt.

Auch das sogenannte private und bürgerschaftliche Engagement des IHK-Präsidenten richtet sich eher auf das pseudo-elitäre Abo-Publikum aus. In der kleinen Facebook-Disputation zur Rolle der IHK wurde mir gerade als Mitglied der IHK-Bonn/Rhein-Sieg mitgeteilt, dass die Festspielhaus-Initiative das reine Privatvergnügen des IHK-Präsidenten ist. Warum wird er in den Medien dann beim Geld eintreiben immer als IHK-Präsident vorgestellt? Merkwürdig. Wie ist dann eigentlich diese Aussage zu werten? Der Bau eines Beethoven Festspielhauses in Bonn würde angeblich die regionale Wirtschaft fördern:

„Das ist das Ergebnis einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Damit unterstrich die Kammer am Freitag in Bonn ihren Einsatz für einen Neubau am Standort Rheinaue.“

Alles schön reinbuttern in dieses Prestigeprojekt und gleichzeitig den Geldhahn bei anderen Projekten wie der Rheinkultur zudrehen. Das macht Sinn. Als IHK-Zwangsmitglied würde ich gerne aus dieser Organisation austreten und mein Mitgliedsbeitrag für die Jazzszene spenden. Könnte der IHK-Präsidentl wenigstens dafür sorgen?

Die Dottendorfer Jazznacht – übrigens das Ergebnis eines bürgerschaftlichen Engagements – war jedenfalls erste Sahne?

Und was macht die Stadt? Mix nix-Politik (das Stück von Art Farmer wurde gestern auch gespielt). Hier das Original

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