Es war ja keine Behörde: Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale landet im Altpapier

Ich habe heute einen Brief bekommen. Ja, ja, das soll schon mal vorkommen. Bitte nicht wegklicken, die Geschichte kommt ja noch. Bei meinen Eindrücken möchte ich auf Rundumschläge verzichten, um keine Abmahnung zu kassieren. Man kann ja nie wissen. Aber die ersten Impulse beim öffnen dieses Briefes sind wichtig. Ich dachte nämlich sofort an die Stadt Bonn. Und beim lesen ging es um eine Gewerbeauskunft. Welcher wiehernde Amtsschimmel ist hier unterwegs, um mich als Verlag, nein sogar als VERLAGE einzustufen? Das war mein erster Gedanke. Gut, dass meine Frau gerade neben mir stand und zur Lektüre keine Lesebrille benötigt, um die kleine Schrift in der Absenderzeile entziffern zu können. Mit meinen 51 Lenzen habe ich da so meine Schwierigkeiten.

Dieser Laden ist gar kein Amt, keine Finanzbehörde, keine staatliche Aufsicht, kein Du-bist-jetzt-ein-Gewerbe-Entscheider und musst mehr Steuern zahlen. Es ist ein kommerzieller Auskunftsdienst, eine GmbH. Es ist die „GWE GmbH-Gewerbeauskunft-Zentrale“ mit Sitz in Düsseldorf. Von denen habe ich noch nie was gehört. Meine Frau schon. Bei ihrem Arbeitgeber ist das Schreiben noch teuer in Erinnerung geblieben. Nun denn. Das Blatt Papier ist sehr dünn, wurde von mir durchgerissen und in den Mülleimer für Altpapier geworfen.

Doch dann holte ich „den Brief“ wieder aus dem Abfall raus, da es doch Sinn macht, meine ersten gedanklichen Impulse auf der Facebook-Seite der Gewerbeauskunft-Zentrale zu veröffentlichen und auch die Leser des ichsagmal-Blogs mit diesem Schreiben zu beglücken. Zur Sicherheit habe ich meinen Kommentar dann auf meinem Account noch einmal gepostet – er könnte ja verlorengehen 😉

Im Falle der Löschung meines Kommentars, hier noch einmal meine Botschaft an diese Herren: Warum benutzen Sie bei Ihrem merkwürdigen Anschreiben eine Papierform, die den Eindruck eines Amtsblattes macht? Zudem steht in Ihrer Betreffzeile überhaupt kein Angebot, sondern einfach nur „Ergänzen oder korrigieren Sie bitte bei Annahme fehlende oder fehlerhafte Daten“. Und man muss schon mit der Lupe suchen, um festzustellen, dass es sich bei Ihrem Unternehmen nur um eine GmbH handelt und so ein ziemlich überflüssiger Eintrag auch noch schlappe 569,06 Euro kostet. Das ist wohl ein Witz? Bitte verschonen Sie mich mit weiteren Schreiben. Ich werde bis zum Ende meiner Tage niemals auf so etwas eingehen.

An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass man das Antwortschreiben „kostenlos“ an dieses Unternehmen in Düsseldorf „faxen“ kann. Das ist ja schier unglaublich. Aber nein, liebwerteste Gichtlinge der Gewerbeauskunft-Zentrale, diese Faxen mache ich nicht mit. Das Schreiben landet aber an einem sinnvollen Ort: In der Altpapiertonne der Stadtwerke.

Und dann sollte man sich noch die WDR-Sendung anschauen:

6 Gedanken zu “Es war ja keine Behörde: Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale landet im Altpapier

  1. Deren Brieflein bekomme ich seit Jahren regelmäßig. Und sie landen ebenso regelmäßig in der Rundablage – zusammen mit den Knöllchen-Inkasso-Pamphleten, die mir angeblich Beatrix I., Prinzessin von Oranien-Nassau, Prinzessin zur Lippe-Biesterfeld, ist seit dem 30. April 1980 Königin der Niederlande mit der imposanten Headline „IM NAMEN DER KÖNIGIN“ geschickt hat.

  2. Ich bin auch immer wieder entrüstet, mit welcher Hinterlist Privatunternehmen die Informationen über Anmeldungen und Ummeldungen von Unternehmen und Marken in Registern verwenden, um unter Vortäuschung eines „Amtsschimmels“ für völlig unnötige Leistungen horrende Preise einstreichen wollen. Ist aber ein internationales Phänomen. Jüngstes Beispiel bei uns: wir haben eine neue Produktmarke eingeführt. Danach erhielten wir aus den USA eine Rechnung für „Eintragungs- und Schutzgebühren“. Unser Anwalt hat uns aber schon vorgewarnt: „Achtung: Ihr bekommt einen Haufen „Spam“ per Post – einfach wegwerfen.“

  3. michaelgorny

    Anscheinend wirft das Geschäftsmodell ähnlich wie die bekannten radegebrochen formulierten Spammails tatsächlich etwas ab. Schon in den 90ern kamen regelmäßig „offiziell“ aussehende Schreiben dieser Art bei meiner Firma an. Die Höhe der geforderten Gebühren für die „Dienstleistung“ war ähnlich, nur dass damals noch ein DM daneben stand.

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