IFA: Über den technologischen Riesen Huawei

Huawei hat auf der IFA ein komplettes neues Smartphone-Portfolio vorgestellt. Vom eindrucksvollen Flaggschiff bis zum Sparphone für Einsteiger ist alles dabei. Nachdem wir die Handys in Augenschein nehmen konnten, sind wir davon überzeugt, dass Huawei hier ein nahezu konkurrenzloses Preis-Leistungs-Angebot bieten könnte. Bleibt nur die Frage, ob die angekündigten Release-Daten der Handys eingehalten werden“, schreibt Chip-Online und bestätigt die Einschätzung von Experten, die ich für meine The European-Kolumne zum Thema „Innovationsmacht China“ interviewt habe.

„Huawei ist eines dieser Beispiele, bei dem die Chinesen aus eigener Kraft versuchen, innovativ zu sein und eine Marktführung zu erobern. Das wird strategisch vom Staat politisch gefördert. Man will mit modernen Technologien die Chance nutzen, endlich nicht mehr nur hinterherzurennen. Die Chinesen leiden darunter, in den vergangenen 100 Jahren nicht mehr wirklich innovative Ideen auf den Markt gebracht zu haben. Das haben sie alles von uns übernommen, sie hatten ja die große Kulturrevolution und die Rückstände im letzten Jahrhundert. Sie sind von der Führung sehr beflissen bei innovativen Themen, wo wir im Westen noch kein Dominanz erreicht haben“, so der Schweizer Innovationsberater Bruno Weisshaupt.

Hier werden Unternehmen gefördert, die den Export nach oben bringen. Huawei kann als Symbol für das neue Denken in China gelten. Denn als Netzausrüster kann in der westlichen Welt eigentlich nur noch Ericsson als ernstzunehmender Konkurrent betrachtet werden. Und das könnte sich rächen. Wenn China in der Kommunikationsinfrastruktur ein Monopol erreicht hat, werden sie dann – so wie der Westen in den vergangenen Jahrzehnten – im Gegenzug so in den Westen investieren, dass hier eine effektive Konkurrenz hochkommt oder wird der Westen abhängig?

Innovationsdruck im Westen steigt

Wer macht denn die Musik im zukunftsträchtigen Mobile Business? Die Taktgeber sind hier zwar Apple und Google. Aber wer treibt die Digitalisierung aller Wirtschaftszweige voran? Da sollte man Huawei nicht mehr unterschätzen. Das Unternehmen mausert sich zum Technologie-Giganten und reduziert sich nicht nur auf Teilaufgaben. Vom Smartphone bis zur Netztechnik wird alles produziert. Von Produkten für Endverbraucher bis zur Infrastruktur. Man müsse diese Entwicklungen ernst nehmen, fordert Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Co.:

„Noch vor zehn Jahren waren Anbieter wie Huawei im westlichen Markt keine Größe. Jetzt sind es Größen.“ Der Innovationsdruck steigt und zwingt Firmen wie Ericsson, sich besser zu positionieren. Die müssen sich jetzt wärmer anziehen, so Friedrich.

Die liebwertesten Gichtlinge des Westens sollten vor allem anfangen, das Denken und die Kultur in China richtig zu verstehen.

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