Urheberrecht: Börsenverein sucht den Dialog? Ich habe meine Bildung doch aus dem Internet

Am 13. September sollen Verlage ausgewählte Politiker, Piraten, Medienvertreter, Bibliothekare, Universitäts- und Hochschulvertreter und Bürger zu sich einladen, um über das Urheberrecht zu diskutieren und die Verlagsarbeit zu präsentieren. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat die Aktion „Zum Dialog bereit?“ initiiert und unterstützt die Veranstalter mit Papieren zum Urheberrecht, zentraler Öffentlichkeitsarbeit und der Vermittlung von politischen Ansprechpartnern. Bislang ist die Beteiligung eher spärlich.

Und ob das wirklich ein Dialog werden soll, ist höchst fraglich. Eigentlich steht das Ziel der Geschichte schon fest, wie man der Aktionsbeschreibung entnehmen kann:

„Gemeinsam kann gleichzeitig Öffentlichkeit geschaffen werden für die Qualität dessen, was langsam entsteht, und für die zentrale Bedeutung und Aufgabe der Verlage für Netzpublikationen. Im Gepäck haben die Veranstalter das Thema Urheberrecht. Sie sollen dafür werben und dessen Relevanz für den Umgang mit Inhalten, Kultur und Wissensmanagement herausstellen.

Entsprechend kritisch würdigt Matthias Spielkamp von iRights.info das „Gesprächsangebot“:

„Man muss nicht böswillig sein, um anzunehmen, dass es sich in erster Linie um eineWerbeveranstaltung handeln soll.“ Werbung könne bei den Teilnehmern der Debatte angebracht sein, die tatsächlich keine Ahnung davon hätten, wie das Buchgeschäft funktioniert. Aber: „Zum einen gibt es davon nicht allzu viele, die man ernst nehmen müsste, zum anderen gibt es sehr wohl viele, die sich gut auskennen und gerade deshalb daran zweifeln, dass das bestehende Urheberrecht eine Welt mit Digitalisierung und Internet angemessen reguliert.“

Es bleibe abzuwarten, ob die Verlage diese Kritiker zu den Veranstaltungen einladen. Erst dann könne man wirklich von Dialog sprechen, sagt Spielkamp gegenüber buchreport.de.

Der Dialog-Auftrag erinnert ein wenig an die Reaktionen des Börsenverein-Justiziars auf meine kritischen Einwände zu seinen Urheberrechts-Positionen, die er auf der Berliner Wissenschaftskonferenz „Informare“ vortrug. Das geht immer nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Kleiner Auszug des Streites:

Da sagte ich zum Justiziar des Börsenvereins, er solle aufhören, mit dem Urheberrecht die Internetnutzer zu kriminalisieren. Musik- und Filmindustrie haben sich daran schon die Zähne ausgebissen. Vollzugsdefizit. Da sagte der Justiziar, dass ich meine Bildung aus dem Internet habe. Ist ja nicht das Schlechteste.

https://twitter.com/gsohn/statuses/199820156136980480?tw_i=199820156136980480&tw_e=details&tw_p=tweetembed

Im Obi Wan Kenobi-Panel haben wir das dann ein wenig durch den Kakao gezogen – mit Unterstützung von Playmobil-Piraten 🙂

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