Mehr Demokratie wagen…..im Unternehmen: Wie social ist die Wirtschaftswelt?

ITyX CEO Süleyman Arayan sieht das enorme Potential von Social Media für die unternehmensinterne Kommunikation:

„Im vernetzten Unternehmen sind die Mitarbeiter jederzeit über den Fortlauf ihrer Angelegenheiten und Projekte informiert. Nicht die Mitarbeiter suchen die Nachricht – die Nachricht findet die Mitarbeiter.“

Eine Vernetzung der Mitarbeiter untereinander bringe nicht nur kommunikative Vorteile, so Sebastian Thielke in einem Blogpost zum Thema „Enterprise 2.0 – Der Einsatz von Social Media in der Unternehmenskommunikation“:

„Es macht Wissen nutzbar, das durch Standort-Barrieren, konservative Kommunikationskanäle und hinderliche Hierarchien nicht erkennbar ist. So finden sich im Unternehmen immer wieder Experten, die Erfahrungen auf den unterschiedlichsten Gebieten gesammelt haben. Probleme und Fragestellungen werden offen in ein solches Netzwerk eingestellt und vielfach unter Beteiligung mehrerer Mitarbeiter gelöst. Dabei zeigt sich oft, dass ein Großteil der Beteiligten aus themenfremden Abteilungen des Unternehmens stammt.“

Diese Entwicklung unterstreicht auch die Bedeutung der so genannten „Neuen Künstlichen Intelligenz (nKI)“. Denn neben der Kommunikationsvernetzung werde auch für die inhaltliche Vernetzung (welche Informationen sind im Kontext des Informationsverhaltens eines Mitarbeiters relevant?) voranschreiten müssen. Welche Information ist wichtig? Welche nutzlos?

„Dynamische Wirtschaft hat einen wachsenden Bedarf an Information. E-Mail, Web und Social Media erzeugen aber nur eine nutzlose Datenflut, in der Information jämmerlich ertrinkt“, kommentiert Dr. Gerhard Wohland vom Institut für dynamikrobuste Höchstleistung. „Neue Künstliche Intelligenz macht das Problem lösbar, weil Nutzloses von Relevantem unterschieden werden kann.“

Wenn man das Thema netzpolitisch betrachtet, habe das Ganze sehr viel mit der Kultur der Beteiligung, mit Transparenz und mit Kontrollverlust zu tun, meint Peter Gentsch von der Business Intelligence Group.

Die Kultur in den Unternehmen würde das nicht widerspiegeln. Man habe schlichtweg im Social Web keine Kontrolle mehr über die eigenen Marketingbotschaften. Einige Markenartikler können das wohl nur schwer verkraften.

„Die neue Kommunikationskultur des offenen Austausches und des Teilens muss von der Unternehmensspitze vorgelebt werden und von möglichst vielen Mitarbeitern mit unterschiedlichsten Zuständigkeiten und Hierarchiestufen praktiziert werden. Dies bedeutet in der Konsequenz: Erst die Umsetzung eines internen Enterprise 2.0-Ansatzes schafft die Voraussetzungen für eine echte Dialogorientierung mit den Kunden in der externen Kommunikation. Ohne den sozialen Innendialog über Abteilungen und Silobunker hinweg kann auch kein echter Außendialog mit Kunden und anderen Marktpartnern verstanden und aufgebaut werden“, bestätigt die Marketingprofessorin Heike Simmet von der Hochschule Bremerhaven.

Erst wenige Unternehmen hätten die Notwendigkeit für diesen holistischen Ansatz erkannt. Sie würden stattdessen auf der ersten Ausprobierstufe von Social Media verharren, während die Innovatoren weiter vorpreschen und sich nachhaltige Wettbewerbsvorsprünge in der immer stärker digitalisierten Welt sichern.

„Es gibt sogar Fälle, wo Mitarbeitern der Zugang zu Facebook blockiert wird. Wie soll jemand so mit der Zielgruppe im Social Web zusammen kommen, wenn er noch nicht einmal die Möglichkeit eines Zuganges in dieses Medium hat“, kritisiert Gentsch im Gespräch mit Service Insiders.

Häufig scheitere die Öffnung auch an der eigenen IT-Abteilung. Eine digitale Transformation müsse das gesamte Unternehmen erfassen.

„Es ist ein altes Lied. Es spielen Abteilungsegoismen und Machtstrukturen mit rein. Mein Wunsch wäre, dass man auch social wird und Web Democracy mehr ins Unternehmen bekommt, um damit die Potenziale von sozialen Netzwerken besser zu heben“, resümiert Gentsch

„Stichworte wie Enterprise 2.0, Crowdsourcing, Collaboration, Selbstorganisation, Kunden helfen Kunden, Netzwerk-Ökonomie, starke und schwache Beziehungen im Internet, Zugang zu nichtredundanten Informationen, Wissensmanagement über kollektive Intelligenz oder Management in Zeiten des Kontrollverlustes sind das, womit sich Führungskräfte heute beschäftigen sollten“, meint der ITK-Fachmann Peter B. Záboji.

Manager müssten die Herausforderung meistern, Informationen aus vielen Quellen zu sammeln, die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen zu errechnen und Entscheidungen zu treffen in Phasen der Ungewissheit.

„Enterprise 2.0 sucht die schöpferische Kraft der Mitarbeiter umfassend zu nutzen, indem es ihnen die Möglichkeit bietet, jenseits eines engen Aufgabengebietes freiwillig mehr Verantwortung zu übernehmen, Meinungen kundzutun und sich im beruflichen Alltag stärker als bisher von persönlichen Neigungen leiten zu lassen. Freie Zusammenarbeit von möglichst vielen Benutzern ist gewollt – weitgehend ohne Einschränkungen durch Organisationen, Prozesse oder Techniken“, erklärt Zeit-Redakteur Götz Hamann.

Davon sind doch wohl die meisten Firmen Lichtjahre entfernt.

Erfassung von Arbeitszeit, Abteilungsgrenzen, enge Aufgabengebiete und in größeren Konzernen die Trennung in viele Tochtergesellschaften verhindern die im Enterprise 2.0 gewollten Netzwerkeffekte ziemlich gründlich. Wie sich neue Technologien und das Internet auf Unternehmen auswirken werden, ist nach Ansicht von Aastra-Chef Jürgen Signer noch schwer zu beantworten:

„Die Erwartungshaltung von jungen Leuten, die ins Berufsleben starten, ist riesengroß. Was sie im privaten Umfeld an Kommunikationstechnologien nutzen, erwarten sie auch am Arbeitsplatz. Hier müssen sich die Firmen erst herantasten“, sagt Signer.

Wie sollte denn nun ein vernetztes Unternehmen in Zukunft aussehen? Mit allem pipapo – Social Media im internen Einsatz, Crowdsourcing, Hierarchieabbau, Öffnung nach außen, Open Innovation, Schwarmintelligenz, Weg vom Befehl-und-Gehorsam, mehr Demokratie intern wagen…. Mit diesem Thema werde ich mich morgen in einer Story für NeueNachricht befassen.

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Corporate Social Media: Stellenwert sozialer Medien steigt in deutschen Unternehmen kräftig. Bei dieser Studie fehlt mir der Forschungsansatz nach innen. Ich glaube, dass die interne Anwendung von Social Media-Prinzipien ein guter Indikator für die wirkliche Akzeptanz im Unternehmen ist. Für die große Mehrheit ist die Präsenz in sozialen Netzwerken ein reines Pflichtprogramm und wird nach innen nicht gelebt.

7 Gedanken zu “Mehr Demokratie wagen…..im Unternehmen: Wie social ist die Wirtschaftswelt?

  1. Begriffliches Mißverständnis:
    Der Begriff Demokratie ist keine Kategorie, um Wirtschaftsleben zu beschreiben. er ist eine Kategorie zur Beschreibung des gesellschaftlichen Zusammenlebens AUSSERHALB der Wirtschaftssphäre. Nich mal im Sozialismus der DDR oder im Kommunismus Castros auf Kuba konnten Beschäftigte nach freier Diskussion entscheiden, was und wie sie produzieren wollen. So lässt sich keine Wirtschaft organisieren.
    Ohne begriffliche Schärfe ist klares Denken unmöglich. Die Begriffe „Pressefreiheit“ und „Zensur“ sind zum Beispiel auch ungeeignet, Vorgänge INNERHALB eines Medienunternehmens zu beschreiben, aber sie sind trennscharf zur Beschreibung des Verhältnis von Medien und Medienunternehmen im allgemeinen und der diese umgebenden Gesellschaft nutzbar.
    Was im Beutrag tatsächlich gemeint ist, sind moderne Formen der Kooperation und Kommunikation, eine Arbeitsteilung 2.0 oder 3.0 unter Mitwirkung hochgradig selbstbewusster und hochqualifizierter Mitarbeiter und Führungskräfte, die dennoch in der Regel nicht die Letztentscheidung über Ziel und Gegenstand und Finanzierung des Wirtschaftsunternehmens haben. Wäre das anders, müssten sie ebenso wie die Eigentümer und Geschäftsführer für ihre Entscheidungen haften: MIt dem Verlust des Vermögens bei Entscheidungen, die sich später als falsch herausstellen. MIt dem Verlust bürgerlicher Rechte, bei Entscheidungen, die sich später als strafbar herausstellen. Das will ja niemand allen Ernstes durchsetzen, oder?

  2. Das mit „Mehr Demokratie wagen“ im Sinne von Willy Brandt ist auch eher metaphorisch gemeint. Es geht letztlich um eine Öffnung von Organisationen, um Netzwerkeffekte nach innen, die nicht mehr den alten Gesetzen der Generaldirektor-Denke folgen.

  3. Im neuen sozial integrierten Unternehmen steht nicht mehr die Maximierung des Shareholder Values, sondern die Maximierung des Kundennutzens unter aktiver Beteiligung der eigenen Mitarbeiter im Mittelpunkt. Der Einsatz von sozialer Software in der unternehmensinternen Kommunikation ist das notwendige Gegenstück zur unternehmensexternen Kommunikation durch Social Media.

  4. Und die interne Nutzung ist der Gradmesser für die Social Media-Qualität nach außen. Wäre doch ein interessantes Forschungsprojekt, diese Korrelation zu untersuchen.

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