Ist die Facebook-Party jetzt vorbei? Basic Thinking über die Wahl zwischen Pest und Cholera

„Kehrt Facebook den Rücken!“. Kurz, trocken und ohne Schnörkel kommt Basic Thinking-Blogger Jürgen Vielmeier in seinem Aufruf zur Sache:

„Ganz ehrlich, ich habe mit den Schultern gezuckt. Noch bis Freitag könnt ihr über Facebooks neue Datenschutzrichtlinien abstimmen. Tun solltet ihr das nicht. Ganz einfach deswegen, weil es Zeitverschwendung ist: Ihr opfert Minuten eurer wertvollen Lebenszeit für eine Farce: 30 Prozent der Facebook-Mitglieder müssten an der Abstimmung teilnehmen, damit Facebook sich überhaupt damit befasst. Eine Abstimmung zwischen neuen und alten Regelungen, die der österreichischen Anti-Facebook-Aktivist Max Schrems als Wahl zwischen ‚Pest und Cholera‘ bezeichnet. Egal, wofür ihr abstimmen würdet: es wäre eine schlechte Wahl. Schon die Voraussetzungen stimmen nicht.“

Das Social Network habe in den vergangenen Monaten viele Sympathien verspielt.

„Die neue Chronik begeistert höchstens einen Bruchteil der Nutzer (ich finde sie gut, gs), die Aktivitäten der Freunde haben spürbar abgenommen (in meinem Freundeskreis nicht, gs), die Ladezeiten der mobilen Apps werden immer länger (werde ich noch einmal überprüfen, gs), Nutzerfreundlichkeit stimmt hier wie in der Weboberfläche schon lange nicht mehr (ist Geschmackssache). Facebook hält jetzt nur noch einen einzigen Trumpf in der Hand: Und das ist die Vernetzung“, schreibt Vielmeier.

Wenn ihr schon lange mit dem Gedanken gespielt habt, Facebook den Rücken zu kehren, dann wäre es nach seiner Auffassung jetzt der perfekte Zeitpunkt dazu.

Das Unternehmen habe wiederholt bewiesen, dass ihm eure Wünsche egal sind. Ist das bei Google anders?

„Es will über eure Köpfe hinweg ein neues Werbenetzwerk einführen“. Was für ein neues Werbenetzwerk? Es ist ein Werbenetzwerk – wie Google auch.

Es zeige eure Statusmeldungen nicht allen euren Freunden – es sei denn, ihr zahlt künftig dafür. Hm. Ist das jetzt eine Behauptung oder habe ich irgendetwas nicht bekommen? In meinem Alter kann das schon mal passieren.

Der Zuckerberg-Konzern sei durch seinen Börsengang angreifbar geworden – das ist Google auch.

„Wenn ihr nicht mehr mitspielt, dann kann bei dem Unternehmen der Ofen schneller erlöschen, als ihm lieb ist. Gäbe es ein Netzwerk, das besser ist als Facebook – die Nutzer würden schon heute flüchten, wie damals von StudiVZ.“

Dieser Rant kommt mir irgendwie bekannt vor. Stimmt. Ist noch gar nicht so lange her. Bei der Einführung der Timeline Ende des vergangenen Jahres. Facebook, Google Plus und das Wechselspiel der Social Web-Nerds.

Siehe auch: 80 Millionen Vollidioten.

Eine Abwanderungsbewegung hat damals nicht eingesetzt. Wird es diesmal anders? Eure Meinung interessiert mich. Werde das am Mittwoch noch einmal aufgreifen. Statements also bis morgen Abend hier als Kommentar posten oder per E-Mail an: gunnareriksohn@googlemail.com

6 Gedanken zu “Ist die Facebook-Party jetzt vorbei? Basic Thinking über die Wahl zwischen Pest und Cholera

  1. Ein Sturm im Wasserglas, oder Wunschdenken von einem Floh! Wie man es dreht und wendet, Facebook und der Social Media Zug ist nicht zu stoppen, trotz ständiger Abgesänge mancher Blogger, Glaskugelbesitzer oder ewig Gestriger. Warum? Na wer die Macht und Faszination von Social Media einmal kennen und nutzen gelernt hat, der gibt das Werkzeug nicht mehr aus der Hand! Ob das dann Facebook, Twitter oder Google Plus ist, bleibt für den Nutzer beliebig. Aber solange die Jungs bei Facebook nicht direkt die Bankkonten ihrer Nutzer ausspionieren, um Selbige danach leer zu räumen, wird es immer noch genug Menschen geben, die bei dem Netzwerk bleiben. Was stört es da einen Mark Zuckerberg, wenn ein paar Datenschützer in Deutschland aufschreien. Wir sind weniger als 10 % im Vergleich zur großen Facebook-Nation und dazu müssten alle Opas, Omas, Babies und Computer-Allergiker einen Facebook-Account haben. Die Amerikaner lachen doch über unser paranoides Verhalten und derweil überholen Sie uns Internettechnisch links und rechts gleichzeitig, weil wir so lahm sind. Bei der Facebook-Aktie indes wird es langsam interessant. Wenn die weiter fällt kommt Apple vielleicht auf die Idee und kauft die aus seiner prall gefüllten Portokasse. Theoretisch zumindest möglich. Warten sollte man nicht mehr all zu lange auf den Turn arround. Ich überlege auch gerade, ob ich nicht doch noch ein paar Aktien kaufen soll?

  2. Ich verstehe das Einschlagen auf Facebook seit dem IPO nicht. Das Unternehmen ist dasselbe wie davor. Datenschutz im engeren Sinne ist Facebook schon immer egal gewesen, und jeder, der FB nutzt, weiß das auch. Dafür bekommt man ein weltumspannendes Netzwerk kostenfrei. Warum jetzt auf einmal der Anfang vom Ende gekommen sein soll, das verstehe ich nicht. Und wer wird gezwungen, bei FB mitzumachen? Niemand. Es gibt halt nichts Vergleichbares. Und ob die es dann so anders machen würden …

  3. Richtig, Christoph.

    Und mit der gleichen Argumentationskette könnte Jürgen Vielmeier auch auf Google einschlagen.

    Die arbeiten nach der gleichen Logik – vielleicht sogar in einer extremeren Ausprägung, wenn man sich die Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen anschaut.

  4. Pingback: plus-me.at GOOGLE | (DE) Netter Versuch, der Aufruf! Aber wer hört den Rufer in der Wüste?

  5. Ich für mich sehe keinen Anlass abzuwandern, ich mag die „neue“ Chronik mehr als das alte Layout. Der Freundeskreis ist etwas passiver geworden, aber es ist stabil und trotzdem lebendig in der Timeline. Das mit der App unterschreibe ich allerdings tatsächlich … Viele Grüße

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