Liebwerteste Welt-Gichtlinge, labert nicht mehr über’s Urheberrecht, zitiert auch Blogs als Quelle #GEMA-Story

Welt-Online hat ja eine richtig heiße Story „recherchiert“: „Gema erhöht Speicher-Abgabe um 1850 Prozent – Die Gema erhöht die Abgaben auf USB-Sticks und Speicherkarten kräftig. Ab Juli werden diese von 10 Cent auf bis zu 1,95 Euro steigen. Grund für die Erhöhung sei der technische Fortschritt, heißt es.“ Toll, liebwerteste Welt-Redaktion. Oder sollte ich Gichtlinge sagen? Diesen Titel habt Ihr Euch redlich verdient. Denn die Quelle für diese Story ist doch wohl mein geschätzter Blogger-Freund Heinrich Rudolf Bruns, der mit seinem Blogpost vor zwei Tagen einen echten Scoop landen konnte:

Aus 10 Cent werden fast 2 Euro – Der USB-Stick wird richtig teuer.

Die Welt-Redaktion wird mir wahrscheinlich erklären, dass die Geschichte auf eigenen Recherchen beruht (klar, Ihr habt zum Telefonhörer gegriffen und den GEMA-Sprecher befragt – tolle Leistung) und daher keine Notwendigkeit besteht, die Ursprungsquelle zu zitieren oder gar zu verlinken. Wenn Blogger erwähnt werden, heißt es ja häufig in den Berichten der „Qualitätsmedien“, „laut Internet“ blablabla. Das ist man ja schon gewöhnt. Aber liebwerteste Welt-Gichtlinge, seid doch wenigstens so ehrlich und dokumentiert den von Bruns ausgelösten Web-Tsunami, der Euch mit Sicherheit zu diesem Artikel inspiriert hat: @hrbruns hat das auf seinem Blog sehr schön dokumentiert: Ein Blog und seine Wirkung.

Ganz anders ist übrigens Spiegel Online verfahren. Dort heißt es in dem Artikel „USB-Sticks werden teurer“.

„Die Leermedienabgabe auf USB-Sticks und Speicherkarten soll erheblich steigen. Derzeit beträgt die Abgabe pro Stick und Speicherkarte noch pauschal zehn Cent, doch im Sommer sollen die Preise auf bis zu knapp zwei Euro steigen. Der Blogger Heinrich Rudolf Bruns verweist auf ein Gema-PDF vom 10. Mai, aus dem die neuen Preise hervorgehen. Die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ), vertreten durch die GEMA, die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und die VG Bild-Kunst legen darin die neuen Preise fest, die ab dem 1. Juli gelten sollen: Für USB-Sticks und Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu vier Gigabyte beträgt die Vergütung demnach 91 Cent. Für einen Stick mit mehr als vier Gigabyte werden 1,56 Euro, für eine Speicherkarte dieser Größe sogar 1,95 Euro fällig.“

Korrekt. So macht man das!

Entsprechend kritisch würdigt Heinrich Rudolf Bruns die Vorgehensweise der Welt-Redaktion:

„Der Verlag gefällt mir. Autorenrechte beschneiden, mies behandeln, sich aufregen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen und ein Leistungsschutzrecht fordern.“

Recht hat er. Hiermit verleihe ich der Welt-Redaktion den Gichtling-Medienorden des Tages.

Update: Auf Facebook hat sich nun Welt Online „erklärt“. Hier die Disputation:

Oliver Michalsky: Lieber Gunnar Sohn, ich will Ihnen gern erläutern, was wir getan haben: nämlich eine Meldung der Nachrichtenagentur dapd vom 24. Mai 16.58 Uhr publiziert, was Sie an dem Kürzel erkennen können. Nicht mehr, nicht weniger. Der bemerkenswerte Blogbeitrag von Heinrich Rudolf Bruns ist darin nicht erwähnt – und er ist zuvor an uns vorbeigegangen. Das sollte nicht, kann aber durchaus passieren.

Gunnar Sohn: Oliver Michalsky da taucht noch ein Kürzel mit jk auf – nehme an, dass ist der Redakteur, der das bearbeitet hat. Merkwürdig, Merkwürdig, für eine Agenturmeldung habt Ihr das aber prominent auf Eurer Facebook-Seite platziert…..Spiegel Online hat das fast zeitgleich gebracht mit Hinweis auf @hrbruns – zumindest nachtragen könnte Welt Online das noch. Auch Agenturmeldung(en) sollte man zumindest auf die Quellen-Lage prüfen. Bruns Blogposting ist so fett im Netz gelaufen, dass man das eigentlich nicht übersehen konnte. Sorry. Schlampig.

Oliver Michalsky: Ja, lieber Gunnar Sohn. So wie Ihr Sprachgebrauch.

Gunnar Sohn: Sorry, Oliver Michalsky, wenn man das so breit ins Netz pustet, sollte man in der Lage sein, die Primärquelle zu finden.

Fazit: Schlampig auf Seiten von Welt Online und der Nachrichtenagentur. Bei meinem harten Urteil bleibe ich!

Update:

Ich finde es sehr gut, dass Welt Online jetzt die Quelle Heinrich Rudolf Bruns eingefügt hat. Insofern Dank an Oliver Michalsky. Vielleicht zeigt ja dapd auch noch diese Größe.

Hat alles nichts genutzt. Der Streit geht weiter….

Michalsky sagt: Um bei der Wahrheit zu bleiben: die Quelle des Textes ist gekennzeichnet. Dies jetzt in Abrede zu stellen, lieber Gunnar Sohn, führt überhaupt nicht weiter. Auch das Gutti-System spielt hier keine Rolle: Wenn wir einen Agenturtext verwenden, in der die Agentur ihre Quelle nennt, nämlich die Gema, und wir dies so wiedergeben, ist das vollkommen korrekt. Was sollen wir denn tun, wenn die dpa ein exklusives Zitat von der Bundeskanzlerin bringt? Sollen wir im Bundeskanzleramt anrufen und fragen, ob die dpa das frei erfunden hat? Wie weltfremd sind Sie eigentlich?

Gunnar Sohn Jetzt fallen Sie wieder in den alten Modus zurück, Herr Oliver Michalsky. Wie kompetent sind Sie denn in puncto digitaler Recherche? Wenn eine Meldung schon vor zwei Tagen im Netz hochschießt, News-Aggregatoren den Blogpost von Heinrich Rudolf Bruns am Mittwoch (!!!) als Top-News bringen, eine Story 418 Retweets und 429 Likes verzeichnet, kann man das natürlich mal übersehen. Wie weltfremd sind Sie denn?

Oliver Michalsky In welchen alten Modus? Ich wehre mich nur gegen Ihre Falschbehauptungen.

Gunnar Sohn ‎Oliver Michalsky Das ist meine Meinung und keine Falschbehauptung. Sie sagen, ich sei weltfremd. Damit kann ich leben und gebe den Vorwurf gerne zurück. Spiegel Online war halt in diesem Fall besser informiert. So ist das Leben.

12 Gedanken zu “Liebwerteste Welt-Gichtlinge, labert nicht mehr über’s Urheberrecht, zitiert auch Blogs als Quelle #GEMA-Story

  1. Pingback: Ein Blog und seine Wirkung « Heinrich graut's

  2. Uns ist die Nennung der Quelle tatsächlich durchgerutscht. Das sollte nicht sein und entspricht auch nicht unseren Standards: Internet-Quellen – egal ob die Veröffentlichung eines großen Nachrichten-Portals oder die eines vermeintlich kleinen Blogs – werden bei uns üblicherweise klar benannt und auch in den Meldungen verlinkt. Wir geloben Besserung.

    Daniel Bouhs, Leiter Netzwelt dapd

  3. Social Heinz

    So sind sie, die Blogger und Twitterer. Urheberrecht für Filme und Musik abschaffen wollen, aber das Urheberrecht auf die Erstaufdeckung einer belanglosen News-Geschichte dringend beanspruchen.

  4. Genau, Social Heinz. Wie der Justiziar des Börsenvereins des deutschen Buchhandels schon richtig sagte, ich habe meine Bildung aus Internet.

  5. Aber beanspruchen nicht die Qualitätsmedien die Aufdeckung von News-Geschichten und schimpfen auf die üblen Plagiatoren in der Blogger-Welt?

  6. Pingback: Der USB-Stick – Jammern bringt nix « Heinrich graut's

  7. Nee. Die GEMA-PDF kam von Bruns. Die Welle wurde von ihm losgetreten. Verbreitung lief über den Blog von Bruns.

  8. Der Ursprung der Tsunami-Welle war eindeutig der Blogpost von Bruns. Schauen Sie auf die Retweets und Likes, sowie die ersten Medienberichte mit Berufung auf die Quelle @hrbruns. Das sollte man nicht in Abrede stellen.

  9. Pingback: plus-me.at GOOGLE | Welt übergeht Blogger als Quelle!

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