Umweltsauereien in Nigeria und sonstige Shitstorm-Themen: Ganz ohne Anonymität

Sie sind der David im Kampf gegen den Konzern-Goliath: „Bürgerinitiativen und ihr berechtigter Zorn – Sind Pressesprecher die Verlierer der Öffentlichkeitsarbeit in der Partizipationsgesellschaft“, so die Frage der Deutschen Presseakademie in einer Werbe-Mail.

Einer der krisenerfahrenen Referenten für die beworbene Tagung kommt vom Shell-Konzern, der eine Pipeline im südlichen Stadtteil von Köln „nur“ durch die Einbindung der Bürger meistern konnte. Ob der Öl-Manager auf dem Kongress der Deutschen Presseakademie auch etwas zu den Umweltsauereien in Nigeria sagt?

„Zwar bohrt der Ölkonzern Shell seit 1993 nicht mehr im Nigerdelta nach Öl, doch zurückgelassene Bohrköpfe und verrottende Pipelines verschmutzen das Flussdelta weiter“, berichtet etwa die Zeit.

Die Bevölkerung in Nigeria ist im Gegensatz zur Kölner Bürgerschaft wahrscheinlich nicht gefragt worden, wie sie die Lecks in den Öl-Pipelines beurteilt, die zur Vernichtung der Fischergründe und landwirtschaftlichen Flächen führte und die Lebensgrundlage der Menschen zerstörte.

„In den Niederlanden – dem Hauptsitz von Shell – steht der Ölkonzern vor Gericht. Friends of the Earth Niederlande klagt die Firma wegen fahrlässiger Gefährdung der Bevölkerung und unterlassener Sorgfaltspflicht an. Doch die Gerichtsmühlen mahlen langsam und das Urteil ist erst 2015 zu erwarten. Daher fordern wir Shell schon heute auf, die zerstörte Natur in Nigeria wiederherzustellen“, so der BUND.

Bin ich jetzt ein Shitstorm-Agitator, der die „Anonymität“ des Netzes ausnutzt, um auf das offensichtliche Auseinanderklaffen von Schein und Sein eines Öl-Konzern aufmerksam zu machen? Die Wortkombination „Shitstorm“ und „Anonymität“ mausert sich zur beliebtesten Kampfformel von Repräsentanten des Establishments gegen unliebsame Meinungsäußerungen, die sich im Internet exponentiell und unkontrolliert ausbreiten wie das Universum. Soweit ein Auszug meiner heutigen Kolumne für Service Insiders. Hier kann man das nicht anonyme Opus weiterlesen.

Übrigens ist es doch eine nette Geste der Piratenpartei, Journalisten darauf hinzuweisen, wo es Schwachstellen in ihrer digitalen Kommunikation geben könnte: „Bitte beachten Sie, dass Sie es bei Teilnehmern am Bundesparteitag zum Teil mit erfahrenen ‚Hackern‘ zu tun haben. Versuche, über die (Funk-)Netzwerkverbindungen in andere Rechner einzudringen, sind möglich.“ Da sollte sich kein neuer Shitstorm entfalten.

Kommentar verfassen