Bomber der Nation: Wer schützt unsere Privatsphäre?

„Persönliche Daten werden immer mehr zu einer Handelsware, an der private Unternehmen mehr Interesse haben, als der Staat.“

Dieses Bekenntnis des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar im Vorfeld der Call Center World in Berlin sollte man dringend in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm aufnehmen und einen Ehrenplatz einräumen. Warum? Es liegt an einer Zahl, die in den vergangenen Tagen durch Blogs geisterte und die Malte Welding ausgeschrieben hat, damit sie besser im Gedächtnis bleibt: „Siebenunddreißig Millionen Zweihundertzweiundneunzigtausend und Achthundertzweiundsechzig. So viele Mails haben deutsche Geheimdienste überprüft, weil in ihnen Schlüsselbegriffe wie ‚Bombe‘ aufgetaucht sind.“

Gerd Müller und seine Fans wären in seinen Glanzzeiten in arge Schwierigkeiten mit den Schlapphüten geraten: War er doch der Bomber der Nation. Was ist mit Publizisten, die eine Bombe zum Platzen bringen? Oder Liebhaber kalter Nachspeisen, die Rezepte für Eisbomben austauschen?

Egal. Die stehen alle unter Generalverdacht. Das zählt doch sowieso zu den Lieblingsbeschäftigungen deutscher Politiker und Überwachungsbeamte. Im Zweifel ist jeder ein Täter. Ob als Konsument von Kinderpornografie, Terrorist, Kiffer, Steuersünder oder, oder, oder.

Schade nur, dass so wenige Schwerstkriminelle ins Netz gehen. Wie soll man eigentlich die ganzen Investitionen in Überwachungstechnik rechtfertigen? Gut nur, dass es beim Einkauf des Staates eben Sonderformen des Vergaberechts gibt, die einer strengen Geheimhaltung unterliegen. Da können Aufträge freihändig vergeben werden und keine Sau schert sich darum. Es wird von Sicherheitsbehörden das Feinste vom Feinen an Überwachungstechnologie gekauft und Aufträge für Schnüffelsoftware vergeben, ohne sich in der Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen. Die Etats kann man in den Haushaltsplänen nur erahnen – mehr nicht. Und was leisten die Schlapphüte mit den teuren Spy-Toys?

213 Schwerkriminelle geschnappt

„Unter den 37 Millionen abgefangenen Mails 2010 waren immerhin 213 Personen, die bei ihrer Steuererklärung gemogelt, Marihuana geraucht oder ihre Strafzettel nicht bezahlt haben. Soll noch einer sagen, Rasterfahndung liefere keine Ergebnisse. Bei so vielen Treffern können schon mal ein paar Neonazis durch die Lappen gehen. Haben vermutlich vergessen, das Wort ‚Bombe‘ in den Betreff ihrer Mails zu schreiben, diese alten Schlawiner! 😉 Vielleicht solltet Ihr einfach noch mehr Handys anzapfen, Wohnräume überwachen und E-Mails abfangen. Gut, dass Deutschland nur 80 Millionen Einwohner hat. Das schränkt den Kreis der Verdächtigen erheblich ein“, schreibt der Blogger Richard Gutjahr.

Und was kommt von den staatlichen Datenschützern? Sie machen eher Jagd auf Trackingsoftware und Cookies. Schwallen herum über den Ausverkauf von Daten, die für das Direktmarketing eingesetzt werden könnten. Wer weiß, nach welchen Schlüsselbegriffen die Web-Agenturen fahnden in meinem E-Mail-Verkehr, meinen Blogpostings, Gefällt mir-Bekenntnissen und sonstigen Vorlieben, die ich in meinem Profil preisgebe? Werde ich verdächtig, wenn ich in Foren über Schuco-Autos schreibe oder meine Vorlieben für die seelischen Abgründe bekunde, die von Autoren der phantastischen Literatur zu Papier gebracht wurden? Es könnte ja sein, dass irgendwelche Geheimorden von Facebook mir unsittliche Angebote machen, um beispielsweise das Gesamtwerk des leider viel zu unbekannten Schriftstellers Paul Scheerbart zu erwerben. Ein Blick in meine Bibliothek blieb allerdings Mark Zuckerberg bislang verwehrt, um erkennen zu können, welche Buchausgaben des kosmischen Schwadroneurs in meiner Sammlung noch fehlen. Sollte es ihm gelingen, in die Überwachungsprogramme der Staatstrojaner einzudringen, wäre hier sicherlich noch mehr möglich. Wer zerstört nun mehr die Privatsphäre? Zucki-Boy oder der Staat?

Mehr morgen in meiner Montagskolumne für das Debattenmagazin „The European“.

Siehe auch:

Polizei lässt stille SMS von privater Firma versenden.

Die Suche nach „Bombe“ wird zum Kampf mit Spam.

Elektronischer Staubsauger unterwandert Grundrecht.

Eine Bombennummer!

Update: Hier nun meine The European-Montagskolumne.

2 Gedanken zu “Bomber der Nation: Wer schützt unsere Privatsphäre?

  1. Jan Dark

    Bei Netzpolitik.org war auch der G10-Ausschuss-Bericht verlinkt, was die sich so alles theoretisch ansehen.
    http://netzpolitik.org/2012/geheimdienste-haben-2010-37-292-862-e-mails-uberpruft/

    Zu den 213: Das sind nachrichtendienstlich als relevant eingestufte Verkehre. Was das ist, wissen wir von Helmut Kohl: Zeitungsartikel, die der BND fürs Kanzleramt ausgeschnippelt hat. Also bitte keine Verschwörungstheorien. Unsere Geheimdienste ermitteln nicht nach Verbrechern: die züchten welche.

    Mit dem Spruch „Persönliche Daten werden immer mehr zu einer Handelsware, an der private Unternehmen mehr Interesse haben, als der Staat.” hat der Caspers nur gezeigt, dass er wie der andere Datenkrakeeler aus Kiel nicht die blasseste Idee hat, wie Wirtschaft funktioniert. Eigentlich ist bald der Punkt erreicht, Strafanzeige wegen übler nachrede zu stellen.
    http://www.brandeins.de/magazin/nein-sagen/jaeger-und-sammler-1.html

    Wenn Caspers meint, Facebook würde persönliche Daten verkaufen, dann soll er das gefälligst bewiesen oder seine kriminelle üble nachrede einstellen. Bishher war es so, dass die Handelsware Werbefläche war, die mittels personenbezogener Daten innerhalb von Facebook parametrisiert wird. Caspers und Weichert lügen, wenn sie behaupten, dass Facebbok Daten personenbezogene Daten verkauft.

    Bezahlen tun das Kunden, die in Läden Schuco-Autos kaufen und Schuco einen Teil der Umsatzerlöse nimmt, um damit Werbung bei Facebook zu schalten.

    Wir kriminell die üble Nachrede ist, zeigt sich am völligen Versagen des Datenschutzes bei dem Bundestrojaner und den Landestrojaner. Der angeblich technisch versierte Weichert hält seit Monaten den Mund, wenn das Innenministerium in Kiel lügt, dass man für 20.000 € eine Entwicklung von Individualsoftware für einen Skypetrojaner, inkl. Hardware und Betrieb bezahlt hätte. Weichert schweigt seit Monaten zu den unglaubilchen Handlungen in seiner Regierung, aber wöchentlich lässt er sich als Maulhure von ARD und ZDF mieten, die um die Werbebdugets gegen Facebook buhlen.

    Dies Entartung des Datenschutzes mit diesen ungeeigneten Datenkrakeelern sind eine Katastrophe für das Land, wie man an den Stasiaktivitäten der Behörden sieht. Und nun soll auch noch einer Präsident werden, der als protestantischer Priester 50% der deutschen Bevölkerung (Christen) öffentlich verspottet, in dem er gegen Geld als Priester „Du sollst nicht Ehe brechen“ predigt udn selbst auf diese gebote scheisst. Statt sich endlich schedien zu lassen, ist er stolz auf den Ehebruxch, schleppt öffentlich seine Konkubine mit sich. Das ist das Holz aus dem korrupte Stasi-Offiziere geschnitzt sind. Er hat sich ja auch 10 Jahrren an der Spitzue in den Protokollen der Staisi das Privatleben von Millionen von Deutschen ausgeschgnüffelt. Pfui Teufel, ein ehebrechender Pfaffe ist schmierig und ekelig. In solch amorlaischen Sumpf gedeihen Datenkrakeeler, Betrüger wie Guttenberg; Schmarotzer wie Wulff prächtig. Ich könnte kotzen.

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