Jehova! Über das #Notmypresident-Phänomen

Christian Jakubetz hat in einem Beitrag für Cicero für etwas mehr Klarheit in der aufkeimenden Web-Debatte über den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck gesorgt. Wie das Netz den bösen Gauck erfand:

Er gilt im Internet plötzlich als Antidemokrat, Sarrazin-Freund, Occupy-Gegner und Befürworter der Vorratsdatenspeicherung. Die Mär vom bösen Gauck ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus journalistischer Verkürzung und der rasenden Schnelligkeit des Netzes eine Welle wird. Auf Faktentreue kommt es dabei längst nicht mehr an.

Vielleicht sollte man bei künftigen Nominierungen mehr auf Joschka Fischer hören:

„Ich habe mein Leben so geführt, dass ich den hohen moralischen Standards, die neuerdings an öffentliche Ämter durch die Medien angelegt werden, nicht mehr gerecht werde. Demnächst wird der Bundespräsident über das Wasser wandeln müssen, und dann wird man ihn fragen, ob er am Ende den Erwerb dieser Fähigkeit sich nicht hat subventionieren lassen.“

7 Gedanken zu “Jehova! Über das #Notmypresident-Phänomen

  1. Jan Dark

    Oh Mann, hat Gauck so viel Verteidigung nötig?
    Da sind aber plötzlich zahlreiche Helfer die dem Gacuk vom rechten Rand trotz Occupy, Sarrazin, Maschmaier, Ehebruch (vom katholischen Ehebrecher zum evangelischen Ehebrecher Gauck: welch moralischer Fortschritt!) usw. Der Mann scheint es ja mächtig nötig zu haben. Da sieht man in den Verteidigungsreden selbst über die Merkelschen Lügen hinweg: Wri wollen einen gemeinsamen Kandidaten, was so viel heisst wie, dass der rechte Rand unter sich bleibt und die LINKE aussperrt. Süß finde ich auch die Überschrift: Gauck wird Präsident. Schwupp, wird die Budnesversammlung als überflüssig verhöhnt. Die Wahl Merkels mit ihren rechten Genossen und den Parteileichen reciht. Da werden demokratische Institutionen wie die Bundesversammlung oder gar der Bürger, der sich im Netz äussert, völlig überflüssig und man kann ihn verhöhnen und verspotten. Oh what a brave new world! Ein fünftklassiger Kandidat, der es im ersten Wurf nicht geschafft hat und zynisch von Merkel recycelt wird.

  2. Es geht hier nicht um Verteidigung, sondern um Überprüfung der Quellen. Man sollte die Person Gauck und das Amt nicht überhöhen. Allerdings halte ich auch das in den Dreck treten nicht für honorig. Wir sollten jetzt weniger über Personen, sondern über Sachfragen debattieren.

  3. Manfred S

    Richtig! – Einige Sachfragen, um ein Zerrbild zu zerreißen, wären:

    Wer hat Herrn G. zum Präsidentschaftskandidaten gemacht?
    Was überhaupt präferiert Herrn G. sonst noch dazu?
    Was tat Herr G. während der Zeit der „Diktatur“ (nicht: sein Vater)?
    Wie gelang es ausgerechnet ihm, zu den „Privilegierten“ (Abi, Studium, Auto etc.) in dieser Zeit zu gehören?
    Seit wann ist er der öffentliche „Freiheitsprediger“?
    Welchen Beitrag leistete er zum „Wiedervereinigung“ der beiden getrennt lebenden Menschen in Ost und West tatsächlich?
    Treibt er seit 1990 nicht eher täglich weitere Keile zwischen Ost und West?
    Wieviel Prozent der Bevölkerung vertritt er wirklich?
    Wie steht er als Pfarrer! zum Krieg?
    Wie steht er zur sozialen Frage?
    usw. usf.

    Eigene moralische Werte und Ansprüche kennt er sowieso nicht. Dafür hat er sich jedoch rhetorisch gekonnt bereits vorab entschuldigt!

    Armes Deutschland.

  4. Wie das Netz den bösen Gauck erfand…mich würde vielmehr interessieren welcher Redakteur das Meme des erfinderischen Netzes ersann. Die ersten kritischen Beiträge habe ich in den Printmedien gelesen, allen vorran der polemische Kommentar von Denis Yüksel bei der taz. Dann schaute ich ins Netz:Spiegel Online hatte es wohl zuerst erkannt, ‚Gaucks Gegner sammeln sich im Netz‘, wer hätte das gedacht?? Obwohl doch alle hinter ihm stehen, wie ist denn da Kritik möglich? Es muss wohl wieder das Internet sein! Im Gegensatz zu den traditionellen Medien, ist es ja das manipulative, verkürzte und polemische Medium der Unprofesionellen. Es ist doch lächerlich 140 Zeichen lange Twitter Nachrichten auf ihren argumentativen Gehalt hin zu überprüfen.

  5. Mir ist das wurscht. Diese Präsidenten-Debatte geht mir so langsam auf den Keks. Wir verhandeln hier ja nicht den Messias. Werde mich jetzt wieder den relevanten Fragen widmen. Energiewende etc. Da müssen wir unsere Hausaufgaben machen.

  6. Im Kern geht es mir hier auch nicht um die Inhalte, sondern um die Methode. Warum unterscheidet man weiterhin zwischen realer und virtueller Welt. Die Presse könnte doch einfach davon berichten, dass im öffentlichen Diskurs nun kritische Stimmen zu Gauck laut werden, die eher polemisch sind und sich auf Stammtisch Niveau befinden. Es aber als Eigenart des Internetdiskurses darzustellen, ist doch nun wirklich nicht mehr zeitgemäß!

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