Ausgewullft: Verzichtet Chrischan jetzt auf sein Ehrensold?

In der Vorberichterstattung von Phoenix haben die Experten im Studio schon darüber gerätselt, wie Christian Wulff die Kurve bekommt, um seinen Rücktrtitt politisch zu begründen. Denn das sei entscheidend, so der alte journalistische Haudegen Friedrich Nowottny, um in den Genuss des Ehrensolds zu kommen.

Entsprechend war die Rücktrittserklärung. Wenig zur juristischen Dimension, die mit der Aufhebung der Immunität in Verbindung steht. Insgesamt ein „peinlicher“ (Nowottny) und einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.

Vielleicht orientierte sich Wulff auch zu sehe an seinem Ziehvater Helmut Kohl, der ja bekanntlich ein Meister des Aussitzens war.

Das hatte ich ja am Anfang des Jahres in meiner Montagskolumne für das Debattenmagazin „The European“ beschrieben. Provinzialismus als Staatsräson:

Sind nicht Wulff, Rösler und der liberale Versicherungsvertreter-Selbstdemontage-Generalsekretär Döring (Stern: „Die Verkaufskanone“) würdige Vertreter einer politischen Klasse des Mittelmaßes? Sie repräsentieren die geballte Unfähigkeit zu irgendeinem Konzept, zu irgendeinem Projekt. Schaumschlagende Rhetoren, die sich Spot und Häme der vielstimmigen Kommentatoren im Netz redlich verdient haben. Die psychologische und politische Spießigkeit, die Bohrer vor rund 20 Jahren geißelte, ist nach wie vor ein Ärgernis. Meine metaphorischen Ausflüge in die Gedankenwelt der deutschen Jägerzaun-Repräsentanten finden ihren Ursprung in der Serie des „Merkur“.

„Sie erschien zu Beginn der neunziger Jahre in sechs Folgen, in denen die bundesrepublikanische Hässlichkeit in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen in Universität, Geselligkeit, politischem Bewusstsein, Reklame, Schlager, Film, Städtebau und Geschmack porträtiert wurde“, schreibt Bohrer in der Dezember-Ausgabe des „Merkur“.

In Helmut Kohl erkannte er den Meister des provinziellen Parteienstaates: „… die Provinzen nähren die politische Klasse üppig, vor allem wenn man Ministerpräsident ist, ohne jemals im Bundestag geprüft worden zu sein. Karrieren jenseits des Parlamentarismus also, wie sie Kohl eingeführt hat. Er war der erste Kanzler, der sich seine Sporen nicht als Debattenredner des Bundestages verdient hat und der sich niemals durch sein Wort an der Tribüne der Nation darstellte. Im Gegenteil: Mit ihm begann der Niedergang des westdeutschen Parlamentarismus (der in den fünfziger, sechziger oder siebziger Jahren glänzende Stunden gehabt hat) und der Aufstieg der provinziellen Kooperation: Wie niedrig deren politisch-rechtliche Kriterien liegen, hat der Beifall für Kohl in diesem Milieu abermals gezeigt.“

Wie gut passen diese Passagen zum Ex-Bundespräsidenten Wulff. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger will ihm keine politisch-repräsentative Sprache gelingen: Nun versinkt er wie sein früherer Mentor Kohl in Bimbes-Affären.

Update zum Ehrensold:
Christian Wulff hatte mal in einem Interview mit dem ZDF erklärt, dass er die Höhe des sogenannten Ehrensolds für überzogen hält. Da müssten Abstriche vorgenommen werden. Da bin ich aber gespannt.

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes beträgt der Ehrensold derzeit 199.000 pro Jahr.

Ein Gedanke zu “Ausgewullft: Verzichtet Chrischan jetzt auf sein Ehrensold?

  1. Michael

    Schade, das Diekmann diesen Kampf gewonnen hat. Schade, das kaum einer im deutschen Mob erkannt hat, das dies eine inszenierte Hetzkampagne der Blöd gegen einen Politiker war (Ich persönlich würde einem menschen verachtendem Menschen wir Diekmann auch am Telefon drohen….). Schade, das Deutschland so medienhörig ist. Schade, das die Presse es nicht schafft fair zu bleiben, schade, das dabei die „reisserische Schlagzeile“ mehr Wert hat, als die Wahrheit.

    Sicher hat sich Wulff nach den Anschuldigungen nicht korrekt verhalten. Die Hexenjagt, die insbesondere Diekmann und die ÖRR Medien gegen ihn unternommen haben, sollten jedenfalls als peinlichstes deutsches Medienereignis (nach DSDS) in die Geschichte eingehen. Ach ja, lieber Springerverlag….bitte feuern sie doch ihren sogenannten Chefredakteur. Der Mann ist in meinen Augen nicht mehr tragbar.

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