Sanfter Paternalismus und die Illusion rationalen Verhaltens #oend


Bislang hat mich auf der Frankfurter Fachtagung „Ökonomie neu denken“ der Verhaltensökonom Professor Armin Falk von der Uni Bonn am meisten überzeugt – und das sage ich hier nicht als Lokalpatriot. Die Verhaltensökonomik ist wohl die beste Antwort auf das Versagen der klassischen Ökonomie, wirtschaftliche Vorgänge zu beschreiben und wissenschaftlichen Rat für wirtschaftspolitisches Handeln zu erteilen. Schön die Bemerkungen über die „alten“ VWL-Hochschullehrer, die im Brustton der Überzeugung ihre recht verstaubten Methoden verteidigten und häufig entgegnen: „Das ist einfach so“. Jo. Es ist eben doch nicht einfach so. Vielleicht ist es ganz anders, wenn man sich das Diktum rationalen Verhalten im Alltag mal genauer betrachtet. Etwa bei der Wahl der richtigen Form der Altersvorsorge, von Professor Falk am Anfang seines Vortrages sehr plastisch geschildert.

Wenn wir in vielen Entscheidungssituationen nicht in der Lage sind, uns rational zu verhalten, kann es durchaus Sinn machen, dem Modell des sanften Paternalismus zu folgen – generell reagiere ich ja bei paternalistischen Konzepten allergisch. Aber wenn wir die Wahlfreiheit haben, ein Angebot abzulehnen, ist das eine gute Lösung. Es gibt halt Menschen, denen man Entscheidungen abnehmen sollte. Am Beispiel der Organspende hat das Falk sehr gut skizziert. In so genannten Opt in-Ländern wie Deutschland, die ausdrücklich eine Zustimmung für Organspenden verlangen, ist die Zahl der Organspender gering. In Ländern mit Opt out-Regeln, man muss also explizit seinen Willen bekunden, seine Organe nicht zu spenden, liegt die Quote der Organspender um ein vielfaches höher. Das könnte man auch im Datenschutz zu handhaben. Ich bin eben nicht so doof, wie der Datenschützer Thilo Weichert meint. Wenn ich auf Facebook und Google unterwegs bin und kostenlos die Dienste nutze, zahle ich als Gegenleistung mit der Preisgabe meiner Daten. Das ist mir bewusst, Meister Weichert! Allerdings müsste hier dann auch die Opt out-Entscheidung möglich sein. Wenn ich interveniere, müssen die Anbieter auf meine Wünsche eingehen. Was leider nicht der Fall ist. So, hier nun der Videomitschnitt der Rede von Professor Falk.

In den nächsten Tagen kommt noch ein wenig mehr von der Frankfurter Tagung. Hier noch meine heutige Montagskolumne zur Kritik an den Modellschreinern der Volkswirtschaft – als Vorbericht zur Tagung „Ökonomie neu denken“.

So, und jetzt geht es zum Frankfurter Abend im Traditionshaus A. Wagner 🙂

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

4 Kommentare zu „Sanfter Paternalismus und die Illusion rationalen Verhaltens #oend“

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