Was wurde nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes bei der Firma DigiTask in Auftrag gegeben? #Staatstrojaner

Gestern wurde im Innenausschuss und in der aktuellen Stunde des Bundestages mit schweren Geschützen gegen den Chaos Computer Club, gegen Chaoten des Netzes und Piraten geschossen.

An vorderster Front marschierte dabei der Unionspolitiker Uhl, der sich mit seinen Äußerungen allerdings selbst zerlegt hat, wie es einige Blogger bereits berichtet haben. So etwa Thomas Stadler:

„Den einsamen Höhepunkt der Rede Uhls bildete allerdings nicht das naheliegende CCC-Bashing, sondern folgende Aussage:

‚Das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet (…) es wird regiert von Sicherheitsbeamten‘

Das ist das Outing eines Zwangsdemokraten. Für ein Land, das von Sicherheitsbehörden geleitet und regiert wird, gibt es einen äußerst prägnanten Begriff: Polizeistaat. Dessen Apologet Hans-Peter Uhl hat heute für die Union im Bundestag gesprochen. Wirkliche Angst kann einer wie Uhl dennoch nicht mehr verbreiten. Dafür agiert sein Widersacher der CCC zu überzeugend und zu souverän.“

Oder Nico Lumma:

„Nein, das ist keine Satire. Nein, niemand hat diese Rede neu vertont. Das ist Hans-Peter Uhl im O-Ton. Vorwärtsverteidung unter Zurhilfenahme von vielen, vielen Blendgranaten. Ein twitternder Altmaier macht noch keine Partei der Internetversteher.“

Blendgranaten wurden auch im Innenausschuss losgelassen:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wandte sich in der Ausschusssitzung entschieden gegen Unterstellungen, dass „unsere Beamte mehr machen, als sie dürfen“. Dies machten sie nicht. Es sei rechtlich und technisch dafür gesorgt, dass „nur angeschaut werden kann, was angeschaut werden darf“. Der Ausschuss forderte zugleich vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, einen weitergehenden Bericht zu der Thematik. Friedrich betonte (immer noch, gs), er könne nicht sagen, mit welcher Software sich der CCC beschäftigt habe (dabei ist das Ganze doch hier abrufbar, Herr Innenminister – sehr komfortabel auf der FAZ-Website, gs). Nach seinem Wissen hätten die ihm unterstellten Behörden diese nicht eingesetzt. Friedrich verwies zugleich darauf, dass er am Donnerstag mit seinen Länderkollegen über das Thema beraten werde. Er mahnte zugleich, den Länder-Innenministern und ihren Behörden bis zum Beweis des Gegenteils keine Rechtsverstöße zu unterstellen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, verteidigte das Vorgehen seines Hauses bei der Quellen-TKÜ. Das BKA habe keinen Verfassungsbruch begangen, versicherte er. Ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums unterstrich, der Einsatz von Trojanern durch den Zoll sei auf Grundlage geltenden Rechts erfolgt.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar machte im Ausschuss deutlich, derzeit keine Anhaltspunkte dafür zu haben, dass in Verantwortung des Bundes Daten rechtswidrig erhoben wurden. Aber dann kommt der Hammer!

Schaar äußerte sich „schockiert“ über die Aussage Zierckes, dass das BKA keinen Einblick in den Quellcode der von ihm genutzten Software genommen habe. Nur durch eine Analyse der Quellcodes könne garantiert werden, dass die Software nicht über weitergehende Funktionalitäten verfügt.

Und eine Frage blieb bisher unbeantwortet, die heute auf der Sitzung der Innenminister von Bund und Ländern endlich geklärt werden könnte. Was wurde von den Innenministerien nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu Online-Durchsuchungen bei der Firma DigiTask in Auftrag gegeben. Wahrscheinlich im Wege einer freihändigen Vergabe. Denn es geht doch so: Der Auftrag beschreibt den Leistungsumfang der Programmierung. Dann bekommt man die Leistung geliefert, es kommt zur Abnahme der Leistung und schließlich wird die Rechnung nach der Freigabe bezahlt. Wenn also nach 2008 Funktionälitäten bei DigiTask abgerufen wurden, die gegen das Verfassungsgerichtsurteil verstoßen, ist es schlichtweg egal, wie der Staatstrojaner zum Einsatz kam. Entscheidend ist die Wunschliste der Sicherheitsbehörden, die mit dem Einkauf der Leistungen erfüllt wurde. Und schon hier sehe ich den Verfassungsbruch. Oder läuft der Einkauf der Innenministerien doch so ab wie auf dem Hamburger Fischmarkt?

Es ist Mittwoch, die Kaffeetasse ist voll, der Aschenbecher noch leer und unser Innenminister verliert die Kontrolle

Als Fan von John Belushi tut es mir ja ein wenig leid, dass ich im Zusammenhang mit den digitalen Spionage-Affären der Sicherheitsbehörden so häufig von den Schlapphüten geschrieben habe. „Die Band“ ist mir jedenfalls immer noch heilig 🙂

Nicht ganz so heilig kommt der Bundesinnenminister daher. Eher scheinheilig. Und es ist erfrischend, dass die Staatswanzen-Staatstrojaner-Spionagesoftware-oder-oder-Affäre (auf Google Plus tobt eine Semantik-Disputation über Sinn und Unsinn des Wortes „Tojaner“) nicht in der Versenkung verschwindet und mit den semantischen Nebelkerzen von Friedrich & Co. zerredet wird. Dafür sorgt sicherlich auch der heutige Leitartikel des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher:

„Warum redet sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ohne Not um Kopf und Kragen? Die Hacker des Chaos Computer Club haben unwiderleglich gezeigt, dass der Staat die Kontrolle über einen mehrfach eingesetzten Staatstrojaner verloren hat. Hätte er es nicht, wäre das, was in Bayern in einen Laptop eingebaut wurde, ein bewusster Verstoß gegen das Grundgesetz. Das wollte eigentlich niemand glauben. Aber seitdem der CSU-Politiker redet, wie er redet, wachsen die Zweifel.“

Und diese Zweifel sind ja berechtigt. Es mag ja sein, dass die Sicherheitshüter nicht mehr den technologischen Durchblick haben, was so eine Überwachungssoftware kann oder nicht kann. Was die Innenminister auf Wunsch ihrer nachgeordneten Sicherheitsbehörden in Auftrag gegeben haben, ist den politisch Verantwortlich durchaus bewusst. Nur die Mechanismen der Netzöffentlichkeit können sie nicht mehr steuern, wie Schirrmacher treffend beschrieben hat:

„Man erlebt hier politischen Kontrollverlust angesichts komplexer technologischer Systeme in Echtzeit. Es ist ein Lehrstück.“

Die Widersprüche des BMI-Chefs sind jedenfalls mehr als peinlich. So wisse er angeblich nicht, was für ein Trojaner dem Chaos Computer Club zugespielt wurde. Dazu Schirrmacher:

„Die Wahrheit ist, dass der Code des Spionageprogramms seit dem vorvergangenen Samstag im Netz steht und die Sicherheitsbehörden wenig später wussten, worum es sich handelt. Schon diese Behauptung allein zeigt, dass der Innenminister entweder nicht weiß, wovon er redet, oder dass er ein hohes Risiko eingeht.“

Der Innenminister rede sich ein, er habe noch die Kontrolle über die Systeme – und es ist diese Illusion, die am erschreckendsten ist. Politiker des digitalen Zeitalters müssten endlich erkennen, dass der Verlust der Kontrolle die Regel kommunikativen und politischen Handelns sein wird.

Noch schlimmer ist jedoch das Demokratieverständnis von Friedrich. Die Meinung einer Regierung, so sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sei halt manchmal anders als die Meinung eines Gerichts. Weiß er noch, was er sagt, fragt sich Schirrmacher.

Jo mei, Herr Friedrich, auch die Exekutive ist nun mal an Entscheidungen der Judikative gebunden. Beim Staatstrojaner-Fall läuft nun in der Öffentlichkeit nicht nur ein Lehrstück in Sachen Kontrollverlust ab, sondern auch ein Exempel über die rechtsstaatlich nicht gedeckten Ermittlungsmethoden von Sicherheitsbehörden. Es wird mehr gemacht als es Gesetze zulassen. Diesmal funktioniert das Spiel nicht, ex post für Gesetzesänderungen zu sorgen, um die laufenden Praktiken der Staats-Schlapphüte zu legitimieren. Hoffentlich mit einem guten Ende als Lehrstück für Demokratie und nicht für Vertuschung.

Nach dem hier beschriebenen Szenario kann der Fortschrittsbericht der Bundesregierung „Vernetzte und transparente Verwaltung“ unter der Verantwortung des BMI wohl nur als Ulknummer tituliert werden.

Eat your own dogfood: Wer hat die beste Plattformstrategie fürs Online-Geschäft?

„Wie verändert die Digitalisierung bestehende Industrien und Branchen? Das ist eine der spannendsten Wirtschaftsfragen unserer Zeit“, schreibt Neunetz-Blogger Marcel Weiss.

„Die Musikbranche wurde dank der MP3 als erste Branche am härtesten getroffen. Zuerst haben wir die kreative Zerstörung gesehen: Filesharing hat das Geschäftsmodell der Musiklabels, einer der bestimmenden Unternehmensklassen der Branche, aus den Angeln gehoben. Dann kam erstmal lang nichts. Nicht zuletzt, weil jede legale Alternative von den Musiklabels über den Lizenzweg ausgeblutet wurde. Nun sehen wir langsam, vielleicht auch weil die Majorlabels nicht mehr die Macht haben, die sie einmal hatten, wie erfolgreiche Musikdienste abseits der Simulation des Analogen (Dateiverkauf bei iTunes und Amazon MP3 zum Beispiel) entstehen. Turntable.fm, Spotify, Soundcloud, um nur drei zu nennen. Aus diesen neuen Angeboten heraus verändert sich die Organisation der Musik, wie sie im industriellen Zeitalter sinnvollerweise stattfand.“

Ich möchte noch einmal auf die Eingangsfrage eingehen unabhängig von den Veränderungen des Musikmarktes, die Marcel in aller Ausführlichkeit in seinem Blogpost beschreibt und am besten dort nachzulesen sind. Also: Wie verändert die Digitalisierung bestehende Industrien und Branchen? Und: Abschied von der analogen Dienstleistungsökonomie: Was wir vom Rant eines Google-Mitarbeiters lernen können – dieses Thema möchte ich gerne weiterentwickeln für meine Freitagskolumne. Als Grundlage greife ich auf ein Stück zurück, das nur zufällig im Netz gelandet ist. Spiegel Online hatte darüber berichtet:

„In der englischen Sprache gibt es ein Sprichwort: ‚Eat your own dogfood‘, was wörtlich übersetzt ‚Iss Dein eigenes Hundefutter‘ bedeutet. Tatsächlich ist es ein Leitsatz für Unternehmen, die Produkte der eigenen Marke auch ausführlich selbst nutzen. Ausgerechnet im Hause Google wird diese Maxime derzeit nicht eingehalten.“

Es geht um eine ausführliche Analyse des Google-Mitarbeiters Steve Yegge, die nur durch ein Versehen auf Google+ öffentlich abrufbar war und später gelöscht wurde – allerdings ohne großen Erfolg. Ein Versehen. Das Stück ist aber nicht nur wegen der vielen Insider-Infos lesenswert. Es zeigt auch, wie hart Facebook, Amazon, Google und Co. um die digitale Vorherrschaft ringen und welche Bedeutung gut durchdachte Plattformstrategien für das Onlinegeschäft haben. Besonders in Deutschland gibt es wohl kaum eine Firma, die sich so intensiv und radikal mit Service-Design auseinandersetzt wie Amazon (auch wenn Jeff Bezos in dem Rundumschlag von Yegge charakterlich nicht sehr gut wegkommt). Da wird lamentiert, auf Vorgestern-Technologien gesetzt und abfällig vom Social Dingsbums-Hype gefaselt. Unterdessen rutscht immer mehr Geschäft ins Internet – quer durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten. Gibt es darauf eine schlagkräftige Antwort? Es wird bei uns zu viel lamentiert.

Welche Plattform-Strategie fürs Online-Geschäft benötigen wir? Die Analysen von Steve Yegge findet Ihr unten in deutscher Übersetzung. Ist ziemlich lang.

Statements, Expertenmeinungen, Kommentare zum Thema bitte hier posten oder per E-Mail an: gunnareriksohn@googlemail.com

Steve schreibt:
Ich war ungefähr sechseinhalb Jahre bei Amazon beschäftigt. Vergleichbar lange bin ich nun auch bei Google tätig. Eine Sache, die mir sofort bei den zwei Unternehmen auffiel – und die sich fast täglich als Eindruck verstärkte – ist die, dass Amazon alles falsch macht, während Google alles richtig macht. Dies mag nach einer weitreichenden Generalisierung klingen, ist jedoch ein erstaunlich akkurates Urteil. Es ist schon verrückt. Da gibt es wahrscheinlich hundert oder gar zweihundert verschiedene Möglichkeiten des Vergleichs zwischen beiden Unternehmen. Und Google ist – wenn ich es richtig in Erinnerung habe – in allen Bereichen bis auf drei Ausnahmen der überlegene Partner. Ich habe zu diesem Thema einmal eine Excel-Tabelle erstellt. Die Rechtsabteilung war dagegen, dass diese Tabelle Externen gezeigt wird. Die Personalabteilung war davon jedoch ganz angetan.

Ich möchte Ihnen nachfolgend einen kurzen Einblick gewähren: Der Rekrutierungsprozess bei Amazon weist einige fundamentale Mängel auf. Es gibt Amazon-Teams, die eigenständig ihre Rekrutierungen vornehmen. Das Ergebnis ist, dass teamübergreifend völlig unvereinbare, widersprüchliche Einstellungsmodalitäten vorliegen – trotz diverser Bemühungen, diese Diskrepanz auszugleichen. Auch ihre Arbeitsmethoden sind chaotisch; sie verfügen über keine wirklichen SREs und die Ingenieure sind bei ihnen quasi für alle anfallenden Tätigkeiten zuständig. Dadurch verbleibt fast gar keine Zeit für die Datenkodierung. Natürlich variiert dies innerhalb der einzelnen Gruppen. Letztlich ist es reine Glückssache und man muss es so nehmen wie es kommt. Bei Amazon interessiert sich absolut niemand für soziales Engagement. Ob Spenden für karikative Zwecke, Unterstützung von Bedürftigen, Communities oder ähnliches: Amazon ist all dies völlig egal. Wenn es überhaupt ein Thema ist, wird soziales Unternehmensengagement nur ins Lächerliche gezogen. Die Werke bei Amazon sind von einer Schmutzschicht überzogene Großraumbüros mit Trennwänden. Dabei hat man nicht einen einzigen Cent in die Inneneinrichtung oder für Gemeinschaftsräume der Mitarbeiter investieren wollen. Mitarbeitervergütungen und Zuschüsse sind ziemlich mies; in letzter Zeit ist dies allerdings besser geworden. Der Grund: die Konkurrenz durch Google und Facebook auf dem lokalen Markt. Sie bieten allerdings nicht unsere Boni-Zahlungen oder Tantiemen, sondern orientieren sich lediglich an den Zahlen des Angebotsschreibens – und nehmen diese als oberste Grenze. Ihre Code-Basis ist ein Disaster. Es fehlen jegliche technische Standards, abgesehen davon, was einzelne Teams aus eigener Entscheidung umgesetzt haben.

Um fair zu sein und einmal etwas Positives zu nennen: Amazon hat ein gut versioniertes Bibliothekssystem, an dem wir uns wirklich orientieren sollten. Außerdem haben sie ein schönes Publish-Subscribe System, mit dem wir nicht mithalten können. Aber in den meisten Bereichen arbeiten sie mit einer Handvoll „nutzloser“ Tools, die Informationen der Zustandsmaschinen lesen und in ein relationales Datenbanksystem einspeisen. Selbst wenn wir sie gratis bekämen, würden wir die meisten dieser Tools nicht einsetzen.

Ich glaube, dass das Pubsub-System und das Bibliothekssystem zwei der insgesamt drei Dinge sind, bei denen Amazon besser abschneidet als Google.

Meines Erachtens ließe sich noch darüber diskutieren, ob Amazons Tendenz zur frühzeitigen Markteinführung und wie verrückt durchgeführten Iterationen zu den guten Dingen zählt, die das Unternehmen macht. Es gibt Argumente, die dafür und dagegen sprechen, je nach Perspektive. Die frühzeitige Markteinführung hat klare Priorität gegenüber allen anderen Aktivitäten. In der Bedeutung rangiert sie sogar höher als Kundenbindung, Ingenieursdisziplin und eine Reihe anderer Dinge, die langfristig gesehen substanziell sind. Obgleich ihnen die frühe Lancierung einen gewissen Wettbewerbsvorteil im Markt verschafft, sind dabei eine Handvoll anderer Probleme aufgetreten, sodass man hier nicht wirklich von einem Slam Dunk sprechen kann.

Trotz allem gibt es eine Sache, die Amazon wirklich und wahrhaftig gut macht, und die ALLE politischen, philosophischen und technischen Verfehlungen des Unternehmens wieder wettmacht.

Jeff Bezos ist ein berühmt-berüchtigter Mikro-Manager. Er ist zuständig für das Mikro-Management jedes einzelnen Pixels von Amazons gewerblicher Website. Erst hat er Larry Tesler abgeworben. Tesler war Wissenschaftlicher Leiter bei Apple und wahrscheinlich der renommierteste und respektierteste Experte für Mensch-Computer-Interaktionen weltweit. Nachdem er ihn eingestellt hatte, ignorierte er jedoch alles, was Tesler sagte. Nach drei Jahren traf Tesler daraufhin die finale und weise Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen. Tesler hatte mittels umfassender Usability Studien zweifelsfrei bewiesen, dass absolut niemand diese “bizarre” Website verstehen kann. Bezos konnte oder wollte sich aber einfach nicht von seinen Pixeln verabschieden, von all den Millionen Semantik-geladenen Pixeln auf der Landing-Page. Die Pixel waren für ihn wie Millionen seiner eigenen hoch geschätzten Kinder. Das Ergebnis: Die Pixel sind noch da, Larry Tesler aber nicht mehr.

Übrigens ist Micro-Management nicht die dritte Sache, die Amazon besser macht als wir. Obgleich Amazon wirklich gut im Micro-Management ist, würde ich das nicht als eine besondere Stärke bezeichnen. Ich versuche lediglich, den Kontext herzustellen, um Ihnen den Sachverhalt nachvollziehbar vor Augen zu führen. Wir sprechen hier über einen Mann, der allen Ernstes bei diversen öffentlichen Anlässen betont hat, dass die Leute ihn dafür bezahlen sollten, dass er bei Amazon arbeitet. Falls die Leute anderer Meinung sind als er, reicht er ihnen kleine gelbe Sticker mit seinem Namen drauf. Auf diese Weise erinnert er die Leute daran, „wer das Unternehmen leitet“. Der Mann ist ein regelrechter … , sagen wir mal, Steve Jobs, ohne dessen Mode- und Stilbewusstsein verinnerlicht zu haben. Bezos ist dabei absolut schlau und gerissen, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Er hat aber leider die Angewohnheit, normale Kontrollfreaks wie bekiffte Hippies aussehen zu lassen.

Eines Tages erteilte Jeff Bezos einen Auftrag. Das macht er natürlich fortwährend. Die Mitarbeiter reagieren dann wie die sprichwörtlichen Ameisen, die wie von einem “Gummihammer zerquetscht” herumkriechen und sich wälzen. Bei einer Gelegenheit, etwa im Jahre 2002, beziehungsweise ein Jahr früher oder später, erteilte Bezos einen Auftrag, der absolut unglaublich war, gewaltig, massiv und so gewichtig, dass seine anderen Aufträge im Vergleich dazu wie unerbetene Peer Boni aussahen.

Sein Großauftrag beinhaltete in etwa folgende Punkte:

1) Alle Teams werden ab sofort ihre Daten und Funktionsfähigkeiten über Service Schnittstellen offen darlegen.

2) Alle Teams sind ab sofort verpflichtet, über diese Schnittstellen miteinander zu kommunizieren.

3) Eine andere Form der Interprozesskommunikation ist den Teams nicht gestattet. Konkret bedeutet dies: keine direkte Vernetzung oder Austausch, kein Einloggen in den Datenspeicher eines anderen Teams, keine Nutzung eines Shared-Memory Modells, keine Hintertür-Kommunikation in welcher Form auch immer. Die einzige Kommunikationsform, die erlaubt ist, läuft über die Service Schnittstelle des Netzwerks.

4) Es ist völlig gleich, welche Technologien das Team nutzt. Ob HTTP, Corba, Pubsub, Benutzerdefinierte Protokolle – Bezos ist das völlig egal.

5) Alle Service Schnittstellen, ohne Ausnahme, müssen von Anfang an so konzipiert sein, das sie auch extern genutzt werden können. In anderen Worten, das Team ist angehalten, die Service Schnittstellen so zu entwerfen und zu konfigurieren, dass sie von externen Entwicklern eingesehen werden können. Hierbei sind keine Ausnahmen zulässig.

6) Derjenige, der sich nicht an die Regeln hält, kann nach Hause gehen.

7) Vielen Dank; ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!

Ha, ha! Sollten Sie zu den ca. 150 Ex-Amazon Mitarbeitern gehören, werden Sie natürlich sofort gemerkt haben, dass die Bemerkung unter Punkt 7 ein kleiner persönlicher Scherz von mir war. Denn eins ist klar: Bezos interessiert sich nicht einen Pfifferling dafür, ob Sie einen schönen Tag haben oder nicht.

Punkt 6 entsprach jedoch der absoluten Realität, was dazu führte, dass die Mitarbeiter sich aktiv an die Arbeit machten. Zu diesem Zweck beauftragte Bezos extra ein paar “Leitende Bulldoggen”, deren Aufgabe es fortan war, das Engagement der Mitarbeiter zu überwachen und sicherzustellen, dass die Arbeit Fortschritte machte. Leiter des “Bulldoggenkommittees“ war der Uber-Chef-Bär Rick Dalzell. Rick ist ein Ex-Army Ranger, zugleich Absolvent der West Point Academy, Ex-Boxer sowie ein ehemaliger “Chef-Folterer” d.h. ein CIO bei Wal Mart. In anderen Worten, er ist ein großer, genialer, aber Furcht einflößender Mann, der den Ausdruck „gestählerte Schnittstelle“ häufig benutzt und geprägt hat. Dabei war Rick selbst eine laufende, sprechende und gestählerte Schnittstelle. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter extrem bemühte, DEUTLICH MESSBARE Fortschritte zu machen und dabei sicherzustellen, dass Rick davon erfuhr.

Im Verlauf der folgenden zwei Jahre entwickelte sich Amazon intern in eine Service-geprägte Architektur. Während dieser Verwandlung hat ein signifikanter Lernprozess stattgefunden. Dabei gab es eine Unmenge an Dokumentationen, Regeln und Weisheiten über SOAs. In Anbetracht der schieren Größe des Unternehmens Amazon war dies jedoch so zielführend als würde man Indiana Jones empfehlen, nach beiden Seiten zu schauen, bevor er die Strasse überquert. Amazons Entwicklungsteam machte während dieser Zeit eine Vielzahl neuer Entdeckungen. Ein winzig kleines Beispiel des Entdeckungsspektrums führe ich nachstehend für Sie auf:

– Die Pager Eskalation gestaltet sich deutlich schwieriger. Der Grund: Ein einzelnes Ticket könnte durch 20 Service Calls „schliddern“, bevor der wirkliche Eigentümer identifiziert ist. Wenn jeder „Ticket-Sprung“ durch ein Team mit einer 15-minütigen Antwortzeit läuft, kann es Stunden dauern, bevor das richtige Team es herausfindet – es sei denn, man schaltet eine Vielzahl an Systemgerüsten, Metriken und anderen Parametern dazwischen.

– Jedes einzelne Mitglied Ihres Peer Teams wird plötzlich zu einem potenziellen DOS Angreifer. Niemand wird in der Lage sein, einen nennenswerten Fortschritt zu leisten, es sei denn, man führt für jede individuelle Dienstleistung eine stringente Quoten- und Reduktionsregelung ein.

– Monitoring und QA sind das Gleiche. Man versteht diesen Zusammenhang erst dann, wenn man versucht, eine große SOA zu erstellen. Aber wenn Ihr Service Ihnen sagt „Oh ja, mir geht es gut“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das einzige noch funktionierende Element im Server die kleine Komponente ist, die Ihnen in einer fröhlichen Droiden-Stimme mitteilt: „Mir geht es gut, roger roger, over and out“. Um genau überprüfen zu können, ob der Service wirklich reagiert, ist es unerlässlich, einzelne Anrufe zu tätigen. Das Problem bleibt so lange rekursiv, bis Ihr Monitoring-System eine umfassende Semantik-Überprüfung Ihres gesamten Service- und Datenbereichs vornimmt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Differenzierung mehr zwischen dem Monitoring und der automatisierten QA. Beide stellen ein Kontinuum dar.

– Wenn Sie Hunderte von Services zur Verfügung stehen haben und Ihr Code MUSS mit dem Code anderer Gruppen unter Einsatz dieser Services kommunizieren, benötigen Sie einen Service-Suchmechanismus. Nur so können Sie die einzelnen Services wiederfinden. Dieses wiederum setzt das Vorhandensein eines Service-Registrierungsmechanismus voraus, und schon sprechen wir von einem weiteren Service. Amazon verfügt also über eine universelle Registerservicestelle, über die man reflexive und programmatische Informationen über jeden einzelnen Service erfahren kann, so zum Beispiel über die APIs und auch, ob und wo der Service gegenwärtig eingesetzt wird.

– Die Problemanalyse wird durch die Nutzung des Codes einer anderen Person wesentlich erschwert und ist eigentlich nicht mehr durchführbar. Sie ist nur dann möglich, wenn man auf eine universelle Standardmethode zurückgreifen kann, bei der jeder einzelne Service über ein Debug-Sandbox-System läuft.

Dies ist nur ein kleines Beispiel von Dutzenden, vielleicht sogar Hunderten individueller Lektionen, die Amazon während dieser Zeit auf natürliche Art und Weise erfahren musste. Hinzu kamen zahlreiche weitere verrückte Beispiele, die sich auf die externe Nutzung der Services bezog. Die Zahl war jedoch nicht ganz so astronomisch hoch, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Die Organisationsstruktur der Services hat die Teams gelehrt, sich gegenseitig mit Vorsicht und Misstrauen zu begegnen, und damit ein ähnliches Verhalten an den Tag zu legen, das sie auch externen Entwicklern gegenüber zeigen sollten.

Der Lernprozess hielt noch an und war bereits recht weit fortgeschritten zu dem Zeitpunkt, als ich Amazon Mitte 2005 verließ, um zu Google zu gehen. Von dem Moment an als Bezos die Verordnung erließ bis zu dem Zeitpunkt meines Weggangs, hat sich Amazon kulturell in ein Unternehmen verwandelt, bei dem der Service-Gedanke bei allen Aktivitäten an vorderster Front steht und höchste Priorität genießt. Jetzt ist die Design- und Konzeptionsphase das entscheidende Kriterium. Hierzu gehören auch die internen Designs für Gegenstände, die wahrscheinlich nie von der Außenwelt wahrgenommen werden.

Zu diesem Zeitpunkt agierten die Mitarbeiter Amazons nicht mehr ausschließlich aus der Befürchtung heraus, entlassen zu werden. Natürlich haben sie immer noch Angst davor; es ist einfach Teil des alltäglichen Arbeitslebens, für einen gefürchteten “Seeräuber” wie Bezos zu arbeiten. Letztlich haben sie den Dienstleistungsgedanken verinnerlicht, da sie verstanden haben, wie überlebenswichtig Services für ein Unternehmen sind. Zweifelsohne gibt es bei der SOA-Methode Vor- und Nachteile, wobei einige der Nachteile ziemlich gewichtig sind. Insgesamt betrachtet ist es aber das Richtige – denn mit dem SOA-Design werden Plattformen kreiert.

Das hat Bezos natürlich mit seiner Verordnung im Visier gehabt. Bezos hat sich niemals auch nur einen Pfifferling um das Wohlergehen der Teams geschert, geschweige denn sich dafür interessiert, wie und mit welchen Technologien sie arbeiten, solange niemand pfuscht. Eine Sache erkannte Bezos jedoch lange Zeit vor der Mehrheit aller Amazon-Mitarbeiter: nämlich, dass Amazon eine Plattform braucht.

Eigentlich würde man denken: Wozu braucht ein Online Buchladen eine ausbaufähige, programmierbare Plattform?

Gut, zunächst realisierte Bezos, dass die Infrastruktur, die Amazon für den Verkauf und Versand der Bücher und anderer Sortimentsartikel aufgebaut hat, sich in eine exzellente, einem neuen Zweck zuführbare Computer Plattform transformieren ließe. Die Ergebnisse sind: Amazon Elastic Compute Cloud, Amazon Elastic MapReduce sowie der Amazon Relational Database Service, und darüber hinaus eine Vielzahl weiterer browsbarer Services unter aws.amazon.com

Diese Services hosten die Backend-Systeme einiger ziemlich erfolgreicher Unternehmen. Mein ganz persönlicher Favorit ist der Social News Aggregator Reddit.

Die andere große Erkenntnis, die sich Bezos in diesem Zusammenhang erschloss, war die Realisierung, dass es nicht immer möglich ist, genau das Richtige zu konzipieren. Ich glaube, dass Larry Tesler eine Saite bei ihm zum Klingen brachte, als er sagte, dass seine Mutter nicht in der Lage sei, die “verdammte” Website zu nutzen. Dabei war es nicht ganz klar, auf welche Mutter er sich bezog. Aber das ist ja auch unwesentlich, da offenkundig keine Mutter von irgendjemandem die Website als nutzerfreundlich bezeichnen würde. Auch ich finde die Website furchtbar abschreckend, und das, obwohl ich dort mehr als ein halbes Jahrzehnt gearbeitet habe. Ich habe einfach gelernt, meinen Blick zu defokussieren und mich dafür auf die Millionen von Pixel in der Nähe der Seitenmitte über dem Knick zu konzentrieren.

Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, wie Bezos zu dieser Erkenntnis und der Einsicht kam, dass er mit der Konzipierung eines einzigen Produktes nicht alle Nutzer gleichermaßen zufriedenstellen kann. Aber das ist ja auch egal. Was zählt ist, dass er es verstanden hat. Für dieses Phänomen gibt es übrigens einen offiziellen Ausdruck. Er heißt „Accessibility“ (Zugänglichkeit/Barrierefreiheit) und ist das absolut Wichtigste in der ganzen Computerwelt.

Das absolut Wichtigste

Falls Sie nun denken “Sie meinen Zugänglichkeit auch für blinde und taube Menschen?“, sind Sie mit diesem Gedanken nicht allein. Ich habe gelernt, dass es ganz ganz VIELE Menschen so wie Sie gibt: Menschen, für die diese Vorstellung nichts mit der wahren Zugänglichkeit zu tun hat. Falls Sie auch so denken, ist die Botschaft noch nicht zu Ihnen durchgedrungen. Das fehlende Verständnis dafür ist genauso wenig Ihre Schuld wie es die Schuld der Behinderten ist, taub, blind oder eingeschränkt in ihren Bewegungsabläufen zu sein. Wenn die Software, oder in diesem Fall die “Idea-Ware” aus irgendwelchen Gründen für irgendeine Person nicht zugänglich ist, liegt die Fehlfunktion bei der Software oder der fehlerhaften Übertragung der Grund-Idee. Dann spricht man von einem Accessibility Fehler.

Genauso wie andere große, bedeutende Dinge im Leben, hat auch die Accessibility einen “bösen Zwillingsbruder”, der sich durch die ungleich verteilte Zuneigung seiner Eltern in der Jugend zurückgesetzt fühlte und nun zu einer ebenso starken Erz-Nemesis mit dem Namen „Sicherheit“ herangewachsen ist. (Ja, es gibt in der Tat mehr als eine Nemesis und einen Erzfeind bei der Accessibility). Und glauben Sie mir, die beiden stehen ewig im Widerspruch zueinander.

Ich behaupte, dass Accessibility wichtiger als Sicherheit ist, denn pendelt sich die Accessibility bei Null ein, bedeutet dies, dass man überhaupt kein Produkt mehr hat. Bewegt sich aber die Sicherheit gen Null, erhält man noch ein einigermaßen erfolgreiches Produkt, wie beispielsweise das Playstation Netzwerk.

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten: Ich könnte ein ganzes Buch zu diesem Thema schreiben, ein ziemlich dickbändiges, gefüllt mit unterhaltsamen Anekdoten über Ameisen und Gummihammer in Unternehmen, für die ich gearbeitet habe. Leider werde ich diese Schimpftirade nie veröffentlichen lassen. Und Sie werden sie somit nie lesen können, es sei denn, ich fange an, einzupacken.

Die eine letzte Sache, die Google nicht gut macht, sind Plattformen. Für Plattformen fehlt uns das Wissen und das Handwerkzeug. Einige von Ihnen würden das hinbekommen, Sie sind aber in der Minderheit. Im Verlaufe der letzten sechs Jahre ist mir das schmerzlich bewusst geworden.
Ich hatte eigentlich gehofft, dass der von Microsoft, Amazon und zuletzt von Facebook ausgehende Wettbewerbsdruck uns gemeinsam wachrütteln und zu der Entwicklung universeller Services treiben würde. Allerdings nicht in einer unüberlegten Ad-hoc Aktion, sondern in einer vergleichbaren Weise wie es Amazon gemacht hat: alles auf einmal, handfest, ohne Schummelei, mit der sofortigen Einstufung der Services als oberste Priorität.

Leider hat es sich anders entwickelt und wir sprechen von der zehnten, elften, möglicherweise sogar nur der 15. Priorität. Auf jeden Fall ist die Bedeutung, die wir diesem Thema geben, ziemlich gering. Es gibt zwar ein paar Teams, die diese Idee ziemlich ernst nehmen, die meisten Teams denken aber entweder überhaupt nicht darüber nach, und wenn, dann nur ein geringer Anteil von ihnen in sehr geringem Maße.

Es bedarf schon einer ziemlichen Anstrengung, die meisten Teams dazu zu bewegen, auch nur einen halbherzigen, kurz-bündigen Service anzubieten, um programmatischen Access zu ihren Daten und Berechnungen herzustellen. Die Mehrheit von ihnen ist der Meinung, die Arbeit beschränke sich lediglich auf die Herstellung von Produkten. Offenbar ist ihnen nicht bewusst, dass ein halbherziger, kurz-bündiger Service ein ziemlich miserabler Service ist. Hier kann ich nur empfehlen, einen Blick auf den Auszug der Lernprozess-Liste Amazons zu werfen. Da werden Sie feststellen, dass da nichts „von der Stange“ ist. „Kurz und bündig“ ist an für sich nichts Schlechtes, metaphorisch gesprochen entspricht dies aber nur dem Wert einzelner Fahrzeugteile, wenn Sie eigentlich ein ganzes Auto benötigen.

Ein Produkt ohne Plattform ist völlig nutzlos, oder präziser formuliert: Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist.

Google+ ist ein Musterbeispiel eines Unternehmens, das die Signifikanz von Plattformen absolut verkannt hat. Das Nichterkennen dieser Bedeutung zieht sich von der höchsten Hierarchieebene der Geschäftsführung (hallo Larry, Sergey, Eric, Vic, wie geht´s Euch?) bis zur untersten Unternehmensebene der Arbeiter (hallo Ihr!). Wir haben es alle nicht kapiert. Die goldene Regel der Plattformen lautet: “Essen Sie Ihr eigenes Hundefutter”. Die Google+ Plattform ist eine erbärmliche “Nachlese”. Bei der Markteinführung setzten wir überhaupt keine API ein. Nach meiner letzten Überprüfung hatten wir nur einen mickrigen API Call. Eine der Team-Mitarbeiterinnen kam herein und erzählte mir davon, als sie gerade bei der Markteinführung waren. Daraufhin fragte ich: „Handelt es sich um die Stalker API?“ Ihre Antwort war ein ziemlich mürrisches „Ja“. Ich dachte, ich hätte einen Scherz gemacht. Aber nein, tatsächlich zielt der einzige API Call, den wir anbieten, darauf ab, den Datenstrom einer anderen Person zu ermitteln. Also ist der Scherz auf meine Kosten gegangen.

Die “Hundefutter-Regel” ist Microsoft seit mindestens zwanzig Jahren bekannt. Es ist Teil seiner Unternehmenskultur seit nunmehr einer ganzen Generation. Die Regel ist ganz einfach zu verstehen: Sie können Ihren Entwicklern nicht einfaches Hundefutter vorsetzen, während Sie sich selbst hochwertigeres Essen für Menschen einverleiben. Das zu machen hieße, sich selbst des langfristigen Plattform-Wertes zu berauben, um einen kurzlebigen Erfolg zu erhaschen. Bei Plattformen ist eine langfristige Planung und Investition gefragt.

Bei Google+ handelt es sich um eine spontane Reflexreaktion, um eine Erforschung im Kurzzeit-Denken, ausgerichtet an der inkorrekten Vorstellung, dass Facebooks Erfolg darauf beruhe, ein geniales Produkt erfunden zu haben. Das ist aber nicht der Grund, weshalb sie so erfolgreich sind. Facebooks Erfolg begründet sich darauf, dass sie eine komplette Produktpalette aufgebaut haben, indem sie anderen Leuten gestatteten, ihre Arbeit zu machen. Das macht Facebook so einmalig. Es gibt Menschen, die verbringen ihre gesamte Zeit damit, Mafiakriege auszutragen. Andere wiederum verbringen ihre gesamte Zeit bei Farmville.

Es gibt hundert oder sogar tausend unterschiedliche, zeitaufwändige Beschäftigungsformen mit hohem Qualitätsanspruch. Da ist für jeden etwas dabei.

Unser Google+ Team hat den Anschlussmarkt für Dienstleistungen analysiert und dabei festgestellt: „Es wäre eine gute Idee, unser Angebotsspektrum um Computerspiele zu erweitern. Lasst uns jemanden rekrutieren, der diese Spiele für uns konzipiert“. Verstehen Sie jetzt, wie unglaublich falsch dieser Gedankengang ist, vor allem aus heutiger Sicht? Das Problem ist, dass wir versuchen, zu prognostizieren, was die Leute wollen und es ihnen dann zur Verfügung stellen.

So geht das einfach nicht. Dieser Ansatz ist unrealistisch und absolut nicht verlässlich. Es hat nur ein paare wenige, hoch-kalibrige Menschen in der gesamten Welt der Computer-Geschichte gegeben, die in der Lage waren, eine zuverlässige Prognose zu erstellen. Steve Jobs war einer von ihnen. Leider haben wir keinen Steve Jobs bei uns. Das können wir nun einmal nicht ändern.

Larry Tesler mag Bezos überzeugt haben, dass er kein Steve Jobs ist. Bezos hat jedoch erkannt, dass es nicht zwingend eines Steve Jobs bedarf, um Konsumenten mit den richtigen Produkten zu versorgen: Anwenderschnittstellen und Unternehmensabläufe als Workflows, mit denen die Benutzer gut und gerne arbeiten. Das einzige was er tun musste, war externe Entwickler damit zu beauftragen. Alles andere würde dann automatisch passieren.

Ich entschuldige mich bei all denjenigen dafür, die meine Ausführungen zu diesem Thema als ganz offensichtlich und auf der Hand liegend betrachten. Es ist in der Tat unglaublich evident. Und trotzdem unternehmen wir nichts dagegen. Wir schaffen weder Plattformen noch die richtige Accessibility. Beides sind integrale Bestandteile: Plattformen lösen das Problem der Accessibility, denn nur über die Plattform ist die Accessibility möglich.

Microsoft hat das verstanden. Und Sie wissen genauso wie ich, wie erstaunlich das ist, da sie sonst ja eigentlich nichts so richtig hinbekommen. Für sie sind Plattformen eine rein zufällige Begleiterscheinung und Folge einer Geschäftstätigkeit, die sich bereits in der Anfangszeit mit der Bereitstellung von Plattformen befasste. So konnten sie in diesem Bereich bereits mehr als 30 Jahre Erfahrung sammeln.

Und wenn Sie auf msdn.com gehen und dort einige Zeit browsen, werden Sie überwältigt sein. Die Plattform ist gigantisch groß. Dort gibt es Abertausende von API Calls. Die Plattform ist absolut riesig, eigentlich zu riesig für den Otto-Normalverbraucher. Aber zumindest sind sie offenkundig sehr engagiert.

Amazon hat es auch kapiert. Amazons AWS (aws.amazon.com) ist einfach unglaublich.
Schauen Sie es sich einmal an und klicken Sie sich dort einmal durch. Es ist einfach nur peinlich, dass wir so etwas bei uns nicht hinbekommen haben.

Auch Apple hat es hinbekommen, natürlich! Sie haben hier ein paar grundlegende, nicht-öffentliche Entscheidungen getroffen, insbesondere bei ihrer mobilen Plattform. Aber sie verstehen viel von Accessibility, der Bedeutung der Entwicklungsarbeit Dritter und – sie essen ihr Hundefutter. Und wissen Sie was? Sie machen ein ziemlich gutes Hundefutter! Ihre APIs sind schon seit ewiger Zeit deutlich makelloser und professioneller als die Microsofts.

Facebook hat es auch verstanden. Das macht mir echte Sorgen und hat mich letztendlich dazu motiviert, all diese Dinge niederzuschreiben. Ich hasse bloggen. Plussing – d.h. eine massive Schimpftirade in Google+ loszulassen, ist mir auch zuwider. Obwohl Sie wissen, dass dies ein furchtbarer Ort dafür ist, machen Sie es trotzdem. Denn letztendlich möchten Sie wirklich, dass Google erfolgreich ist. Ich möchte das auf jeden Fall!
Fakt ist, dass Facebook mich haben möchte, und es wäre ziemlich leicht, einfach zu gehen. Google ist aber für mich wie eine Heimat. Daher bestehe ich auf diese kleine “Familien-Einmischung”, auch wenn es etwas unangenehm sein mag.

Nachdem Sie die Plattform-Angebote von Microsoft und Amazon und ich befürchte auch die von Facebook bestaunt haben (Letzteres habe ich mir verkniffen, um nicht ganz in Depressionen zu verfallen), schauen Sie sich doch bitte developers.google.com an und browsen dort ein wenig. Sie werden schnell den gewaltigen Unterschied wahrnehmen, oder? Das entspricht in etwa der Leistung, die Ihr Neffe aus der 5. Klasse hervorbrächte, müsste er in einer Hausarbeit demonstrieren, was ein großes, mächtiges Plattformunternehmen herstellen könnte, wenn es dafür lediglich auf eine Ressource in Form eines einzigen Fünf-Klässlers zurückgreifen müsste.

Verstehen Sie mich hier bitte nicht falsch – es ist eine Tatsache, dass das Entwicklungsteam regelrecht kämpfen musste, um eine ähnliche mickrige Ressource von extern zur Verfügung gestellt zu bekommen. Trotz aller Widrigkeiten schaffen sie es, Plattformen herzustellen. Dabei unternehmen sie fast heldenhafte Anstrengungen, denn sie sind mit einem Umfeld konfrontiert, das im besten Falle indifferent und im schlimmsten Falle offenkundig feindselig und ablehnend gegenüber Plattformen eingestellt ist.

Ich beschreibe hier nur in aller Offenheit, wie developers.google.com für Aussenstehende erscheinen muss. Es ist einfach kindisch. Wo um Himmels willen befinden sich hier die APIs der Maps? Einige der Dinge dort sind Labor-Projekte. Und alle APIs, die ich angeklickt habe, waren ziemlich dürftig. Es handelt sich hier offenbar um Hundefutter, aber kein gutes, aus organischem Anbau. Verglichen mit unseren internen APIs sind das im besten Falle “Schnauzen” und “Pferdehufe”.

Verstehen Sie mich auch bitte nicht falsch, was Google+ angeht. Sie sind bei Weitem nicht die einzigen Angreifer. Das ist eine Sache der Unternehmenskultur. Wir tragen derzeit einen internen Kampf aus. Dabei nimmt die “Pro-Plattform-Fraktion” als Underdog Minderheit gegenüber den allmächtigen, selbstbewussten und kapitalkräftigen Herstellern mehr oder weniger die Verliererposition ein.

Alle Teams, die erfolgreich die Vorstellung verinnerlicht haben, dass es von Grund auf extern zu programmierbare Plattformen geben sollte, gehören zu den Underdogs. – Und schon denkt man an Maps and Docs. Ich weiß auch, dass GMail Avancen in dieser Richtung startet. Es ist aber schwer für sie, eine Finanzierung dafür zu bekommen, da dies nicht Teil unserer Kultur ist. Die Finanzierung Maestros ist ziemlich schwach, setzt man sie in Relation zu der riesigen Microsoft Office Programmierplattform: Es ist wie ein flauschiges Kaninchen im Vergleich zu einem Tyrannosaurus rex. Das Docs Team ist sich bewusst, dass sie erst dann mit Office konkurrieren können, wenn sie mit seinen Scriptsprach-Einrichtungen mithalten können. Dazu fehlt ihnen aber die Unterstützung durch entsprechende Ressourcen. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage noch nicht geändert hat, da Apps Script zurzeit nur in Spreadsheet funktioniert. Außerdem verfügt das Team noch nicht einmal über Keyboard Shortcuts als Teil ihrer API. Das Docs Team scheint wirklich ziemlich unbeliebt und allein gelassen zu sein.

Das Ironische dabei ist, dass Wave einmal eine tolle Plattform war, mag sie in Frieden ruhen. Aber eine Plattform zu gestalten bedeutet nicht, sofort und automatisch Erfolg zu haben. Eine Plattform braucht einen Killer App. Facebook – das heißt, der Bestandsservice, der dort mit Facebook Walls und Friends etc. angeboten wird, ist der Killer App der Facebook Plattform. Und es ist ein großer Fehler, zu glauben, dass das Facebook App ohne die Facebook Plattform auch nur annähernd so erfolgreich wäre.

Sie wissen, dass die Leute immer sagen, Google sei arrogant? Als „Googler“ ärgert mich diese Bemerkung genauso wie Sie. Im Großen und Ganzen sind wir nicht arrogant.

Wir sind fast zu 99 Prozent frei von Arroganz. Ich habe diesen Beitrag begonnen – wenn Sie in Ihrer tiefsten Erinnerung graben – indem ich Google als ein Unternehmen beschrieb, das alles richtig machen würde. Fakt ist, wir sind einfach nur bester Absichten. Und wenn uns jemand den Vorwurf macht, wir seien arrogant, liegt es zumeist an folgenden Gründen: Entweder ist der Kritiker ein Job-Aspirant, der unser Rekrutierungsverfahren nicht bestanden hat, oder jemand, der Probleme mit unserer Unternehmenspolitik hat, oder irgendetwas in dieser Richtung. Sie leiten daraus Arroganz ab, weil sie sich dadurch besser fühlen.

Wenn wir die Einstellung vertreten, das perfekte Produkt konzipieren zu können, das alle Kunden gleichermaßen zufrieden stellt – und glauben Sie mir bitte, so etwas höre ich sehr oft – dann sind wir einfach nur dumm. Aus solch einer Einstellung ließe sich wirklich Arroganz oder Naivität ableiten. Letztlich würde das auch keinen Unterschied machen, es ist schierer Wahnwitz. Es gibt KEIN perfektes Produkt, das wirklich alle Nutzer zufrieden stellt.

Die Folge ist, wir stellen einen Browser ein, mit dem Sie die Default-Schriftgröße nicht festlegen können. Und schon begehen wir wieder einen Affront gegenüber der Accessibility. Jetzt, wo ich älter werde, scheine ich auch mit Blindheit geschlagen zu sein. Es ist wirklich wahr. Mein ganzes Leben bin ich schon kurzsichtig – und wenn Sie erst einmal die 40 erreicht haben, sind Sie meist nicht mehr in der Lage, Dinge aus der Nähe zu betrachten. Folglich wird das Thema der Font/Schrift-Auswahl zu einer Entscheidung auf Leben und Tod: Es kann sie regelrecht aus dem Produkt hinauskatapultieren und ausgrenzen. In dieser Hinsicht ist das Chrome Team völlig arrogant: sie wollen unbedingt ein Zero-Konfigurationsprodukt entwickeln und riskieren dabei gerne eine dicke Lippe. Wenn Sie dann blind, taub oder in irgendeiner anderen Form gehandicapt sind, bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als für den Rest Ihres Lebens bei jedem einzelnen Page Visit die Ctrl-+ Taste zu bedienen.

Leider verhält sich nicht nur das Chrome Team so, sondern eigentlich alle. Das Problem liegt darin, dass wir durch und durch ein Produkt-Unternehmen sind. Wir haben ein erfolgreiches Produkt mit weitreichender Popularität und Breitenwirkung geschaffen – ich spreche hier von unserer Suchfunktion. Dieser gigantische Erfolg hat aber auch Nachteile mit sich gebracht.

Amazon war auch ein Produkt-Unternehmen. Folglich bedurfte es einer Out-of-Band-Kraft, um Bezos von der Notwendigkeit einer Plattform zu überzeugen. Diese Kraft entstand aus Amazon´s allmählich “verdampfenden” Gewinnspannen. Bezos stand mit dem Rücken zur Wand und musste sich überlegen, wie er da raus kommen kann. Er hatte lediglich ein Grüppchen Ingenieure und all diese vielen Computer… wenn sich die nur zu Geld machen ließen … Jetzt werden Sie verstehen, wie er im Nachhinein zu AWS kam.

Microsoft hat von Anfang an eine Plattform gehabt und verfügt daher über einen großen Erfahrungsschatz.

Facebook hingegen beunruhigt mich. Ich bin zwar kein Experte, aber ziemlich sicher, dass Facebook auch einmal als Produkt anfing und damit einen ziemlich lang anhaltenden Erfolg hingelegt hat. Ich bin mir allerdings nicht absolut sicher, wie das Unternehmen den Übergang zu einer Plattform hinbekommen hat. Facebook muss offenbar schon seit relativ langer Zeit eine Plattform sein, auf jeden Fall bevor sich solche Dinge wie Mafiakriege entwickeln konnten.

Vielleicht haben sie sich uns einfach nur angeschaut und sich dabei gefragt: „Wie schaffen wir es, Google zu übertrumpfen? Was fehlt bei ihnen, das wir bei uns aufbauen können?“

Wir stehen vor einer ziemlich großen Herausforderung und einem echten Problem. Um dieses lösen zu können und wieder „auf Vordermann“ zu kommen, müssten wir unsere Unternehmenskultur signifikant reformieren.

Wir kreieren keine Service-orientierte Plattformen für den internen Gebrauch. Genauso wenig konzipieren wir externe. Das bedeutet, dass sich diese Art ”Unvermögen” fast endemisch durch das ganze Unternehmen zieht: d.h. die Produktmanager bekommen es nicht hin, die Ingenieure nicht, die Produktteams nicht, eigentlich bekommt es niemand hin. Selbst wenn es ein einzelner schaffen sollte, vielleicht sogar Sie, würde das absolut keinen Unterschied machen. Die Situation würde sich erst dann ändern, wenn wir endlich anfangen, sie als überlebenswichtige Angelegenheit zu behandeln, bei der der Einsatz jedes Einzelnen zählt. Wir können nicht einfach weiter Produkte auf den Markt bringen und dann so tun, als ob wir sie später in magisch schöne, ausbaufähige Plattformen umwandeln. Das haben wir versucht und es hat nicht funktioniert.

Die goldene Regel der Plattformen: „Essen Sie Ihr eigenes Hundefutter” kann auch umformuliert werden als: „Beginnen Sie mit der Herstellung einer Plattform und nutzen Sie sie dann später einfach für alles.“ Darauf erst später aufzusatteln und es dann festzuzurren geht einfach nicht. Auf jeden Fall wäre das ziemlich schwer. Dazu können Sie jeden befragen, der schon einmal bei der Plattformierung von MS Office oder auch Amazon mitgewirkt hat. Wenn Sie die Plattformierung erst später durchführen, bedeutet das zehn Mal soviel Arbeit als wenn Sie es von Anfang an richtig machen. Dabei können Sie es sich nicht leisten zu schummeln. Es gibt keine geheimen Hintertüren für interne Apps, um so einen speziellen und vorrangigen Access zu bekommen. Hierbei gibt es keine Ausnahmeregelung. Es gilt, die schwierigen Probleme an vorderster Front zu lösen.

Ich will damit nicht sagen, dass es zu spät für uns ist. Tatsache ist aber, je länger wir warten, desto stärker nähern wir uns dem “zu spät sein”.

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie ich diesen Beitrag schließen soll. Ich habe so ziemlich alles gesagt, was ich mir für heute vorgenommen hatte zu sagen. Dieser Beitrag ist seit sechs Jahren in der Mache. Es tut mir Leid, falls ich mit dem Thema nicht besonders sanft umgegangen bin. Ebenso entschuldige ich mich dafür, falls ich irgendein Produkt, Team oder eine Einzelperson fälschlich dargestellt haben sollte. Ich entschuldige mich auch dafür, falls wir doch viel an Plattform-Arbeit geleistet haben sollten, und nur „rein zufällig“ niemand, weder ich selbst noch alle anderen, mit denen ich jemals darüber gesprochen habe, davon gehört hat. Sorry.

Wir müssen jetzt endlich damit beginnen, alte Fehler auszubügeln und alles richtig zu machen. Ende der Übersetzung.

Sprachlos auf Facebook: Firmen noch im Einweg-Wortschwall-Modus

„Märkte sind Gespräche“, so die vielzitierte Formel aus dem Cluetrain Manifest. Aufbauend auf den 95 Thesen von Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger schrieb ich im Jahr 2001 ein Buchkapitel unter der Überschrift „Abgesang der Phrasendrescher“: „Die Märkte des Internets möchten sich nicht mit Phrasendreschern unterhalten. Sie möchten an den Gesprächen teilnehmen, die hinter der Unternehmensfestung stattfinden.“ In den Worten der Cluetrain-Autoren klingt das so:

„Die Menschen in vernetzten Märkten haben erkannt, dass sie voneinander besser Informationen und Unterstützung erhalten als von Seiten der Anbieter. Das ist das Ende der Unternehmensrhetorik über den Mehrwert ihrer auf Konsum getrimmten Güter. Schon in wenigen Jahren wird die gegenwärtige homogenisierte Sprache unserer Unternehmen, die Sprache der Mission Statemens und Werbebroschüren auf uns ebenso manieriert wirken wie die Sprache bei Hof im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Schon jetzt jetzt kommen die hohlen Phrasen vieler Unternehmen bei den Menschen nicht mehr an. Unternehmen, die noch glauben, die Online-Märkte seien dieselben, die einst ihre Fernsehwerbung ertragen haben, machen sich etwas vor….Wir wollen wissen, was ihr in den Unternehmen treibt, wir wollen Eure Pläne und Strategien kennen, wir wollen Zugang zum Besten, was Eure Intelligenz zu bieten hat. Eure Vierfarbbroschüren öden uns an und der Schnickschnack auf Euren Websites schmeckt nach faden Fertiggerichten.

Zehn Jahre später hat sich leider wenig geändert, auch wenn der Bundesverband Digitale Wirtschaft in seinen Wunsch-Umfragen das Gegenteil behauptet.

So berichtet das Magazin t3n über die Studie von Socialbakers über Facebook Markenseiten, die der Unternehmenschef Jan Rezab als Gastblogger auf eConsultancy veröffentlicht hat:

Die Erkenntnisse sind ernüchternd für den markentreuen Facebooker. Denn 95 Prozent aller Posts auf die Pinnwände der großen Marken bleiben unbeantwortet.“

Aus dem Rahmen fallen nur TK-Unternehmen, die jede vierte Frage beantworten. Supi. Am Tabellenende stehen die Medienmarken – was für ein Zufall. Massenmedien waren per se auf Einwegkommunikation getrimmt. Da fällt eine Umkehr schwer und der Abstieg vom Thron des allmächtigen Nachrichten-Gatekeepers ist ja auch kein Zuckerschlecken für die Psyche.

„Was lernen wir aus der Statistik? Es ist im Grunde ganz einfach. Marken verstehen Kommunikation nach wie vor als Einbahnstraße. Es wird nicht kommuniziert, es wird verkündet. Da ist die Rückmeldung nur lästig.“

So ist es. Streicht man das Geklappere und die Schönwettermeldungen über Social Media weg, erkennt die Netzöffentlichkeit sehr schnell die Nacktheit des Kaisers mit den neuen Kleidern. Gespräche sind eben etwas anderes als Marketing-Wortschwall.

Kartelle der Angst verursachen Schaden: Die Panik der Macht-Losen

https://twitter.com/#!/issis/status/125891085192007680

https://twitter.com/#!/prcdv/status/125890293068337152

https://twitter.com/#!/gutjahr/status/125888114894962689

https://twitter.com/#!/theeuropean/status/125858596167753728

Vielen Dank für die Blogpostings, Tweets und Retweets zu meinem Stück über die Staatswanzen-Affäre. Da startet man doch viel lockerer in die Woche 🙂

Und auch die Piraten haben in einer gelungenen Replik auf das Internet-Outing eines Unionsabgeordneten meinen Tag versüßt. Besonders gefallen hat mir die Passage über die „Kartelle der Angst“, die man ja nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft an jeder Ecke findet. Auszug aus dem Piraten-Opus von Pavel Mayer:

Da sind zum einen die „Kartelle der Angst“, die sich dem Wandel entgegenstemmen. Es sind mehr oder weniger mächtige Interessengruppen, die Angst vor Veränderung haben. Sie glauben, dass ihre bisherigen wirtschaftlichen und politischen Erfolge sie moralisch dazu berechtigen, die Regeln der neuen Welt bestimmen zu können. Sie wollen weiter erfolgreich und mächtig sein, ohne sich so radikal ändern zu müssen, wie es die neuen Umstände der digitalen Welt erfordern.

Dass das nicht funktionieren wird, kann man exemplarisch am Scheitern der Musikindustrie sehen, die nicht unzutreffend in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als „Pickel am Elefantengesäß der IT-Industrie“ charakterisiert wurde und sich von einer Computerfirma namens Apple die Butter vom Brot hat nehmen lassen.

Viele „Kartelle der Angst“ werden zwar nach und nach von den Realitäten überholt und politisch und wirtschaftlich marginalisiert. Doch wenn sie im Untergang ihre alte Macht rücksichtslos nutzen, können sie nicht nur vorübergehenden gesellschaftlichen Schaden verursachen. Sie können es vielmehr schaffen, dass die neuen regulativen Rahmenbedingungen auf unabsehbare Zeit aus ungeeigneten Kompromissen bestehen, die am Ende ganze Staatengemeinschaften zu Zukunftsgescheiterten werden lassen.

In meiner Freitagskolumne für Service Insiders bin ich darauf ja auch eingegangen:

Der Druck auf politische und wirtschaftliche Systeme wächst: „Die klassischen Machtstrukturen geraten ins Wanken. Insofern wird uns das Thema Macht in den nächsten Jahren heftig begleiten. Wir haben eine Welt, die sich immer stärker vernetzt. Und mit dem Web 2.0 ist da jetzt ein Turbolader draufgekommen. Wir können uns immer weniger erlauben, das zu ignorieren“, so der Organisationspsychologe Professor Peter Kruse im Gespräch mit Thomas Sattelberger. Für den Telekom-Personalvorstand sind große Unternehmen in diesem Szenario die letzten bolschewistischen Organisationen des 21. Jahrhunderts. „Sie haben es über Jahrhunderte und vor allen Dingen in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, sich fast umweltresistent abzuschotten.“

Was das für die Dienstleistungsökonomie bedeutet, habe ich am Schluss meiner Kolumne angedeutet:

„….Das Fatale an dem schleichenden Wandel ist das Status quo-Denken vieler Führungskräfte“, bemerkt Peter B. Záboji, Chairman des After Sales-Dienstleisters Bitronic. Oder wie es der ehemalige IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck in seiner direkten und unnachahmlichen Art ausdrückt: „Das Alte schwindet immer um ein, zwei Prozent und sieht sich folglich in einem unendlich lange stagnierenden Markt. Welche Wirtschaftsbranche hält das aus? Keine!“ Für die Servicebranche sieht er nur die Alternative „Internet oder Profi-Verkauf – der Rest stirbt.“ Nachzulesen im kürzlich erschienenen Sammelband „Online-Marketing“, herausgegeben von Torsten Schwarz, verlegt von Marketing Börse. Und genau das trifft auf viele Branchen zu, die sich heute noch ähnlich störrisch verhalten wie die Musikindustrie, die ja bekanntlich zu einem „Pickel am Elefantengesäß der IT-Industrie“ geschrumpft ist.

Morgen werde ich hier noch etwas deutlicher unter dem Titel:

Abschied von der analogen Dienstleistungsökonomie: Was wir vom Rant eines Google-Mitarbeiters lernen können

Kleine Kostproben, die ich noch verarbeiten muss:

Jeff Bezos ist ein berühmt-berüchtigter Mikro-Manager. Er ist zuständig für das Mikro-Management jedes einzelnen Pixels von Amazons gewerblicher Website. Erst hat er Larry Tesler abgeworben. Tesler war Wissenschaftlicher Leiter bei Apple und wahrscheinlich der renommierteste und respektierteste Experte für Mensch-Computer-Interaktionen weltweit. Nachdem er ihn eingestellt hatte, ignorierte er jedoch alles was Tesler sagte. Nach drei Jahren traf Tesler daraufhin die finale und weise Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen. Tesler hatte mittels umfassender Usability Studien zweifelsfrei bewiesen, dass absolut niemand diese “bizarre” Website verstehen kann. Bezos konnte oder wollte sich aber einfach nicht von seinen Pixeln verabschieden, von all den Millionen Semantik-geladenen Pixeln auf der Landing-Page. Die Pixel waren für ihn wie Millionen seiner eigenen hoch geschätzten Kinder. Das Ergebnis: Die Pixel sind noch da, Larry Tesler aber nicht mehr….

Eines Tages erteilte Jeff Bezos einen Auftrag. Das macht er natürlich fortwährend. Die Mitarbeiter reagieren dann wie die sprichwörtlichen Ameisen, die wie von einem “Gummihammer zerquetscht” herumkriechen und sich wälzen. Bei einer Gelegenheit, etwa im Jahre 2002, beziehungsweise ein Jahr früher oder später, erteilte Bezos einen Auftrag, der absolut unglaublich war, gewaltig, massiv und so gewichtig, dass seine anderen Aufträge im Vergleich dazu wie unerbetene Peer Boni aussahen.

Sein Großauftrag beinhaltete in etwa folgende Punkte:

1) Alle Teams werden ab sofort ihre Daten und Funktionsfähigkeiten über Service Schnittstellen offen darlegen.

2) Alle Teams sind ab sofort verpflichtet, über diese Schnittstellen miteinander zu kommunizieren.

3) Eine andere Form der Interprozess-Kommunikation ist den Teams nicht gestattet. Konkret bedeutet dies: keine direkte Vernetzung oder Austausch, kein Einloggen in den Datenspeicher eines anderen Teams, keine Nutzung eines Shared-Memory Modells, keine Hintertür-Kommunikation in welcher Form auch immer. Die einzige Kommunikationsform, die erlaubt ist, läuft über die Service-Schnittstelle des Netzwerks.

4) Es ist völlig gleich, welche Technologien das Team nutzt. Ob HTTP, Corba, Pubsub, benutzerdefinierte Protokolle – Bezos ist das völlig egal.

5) Alle Service-Schnittstellen, ohne Ausnahme, müssen von Anfang an so konzipiert sein, das sie auch extern genutzt werden können. In anderen Worten, das Team ist angehalten, die Service Schnittstellen so zu entwerfen und zu konfigurieren, dass sie von externen Entwicklern eingesehen werden können. Hierbei sind keine Ausnahmen zulässig.

6) Derjenige, der sich nicht an die Regeln hält, kann nach Hause gehen….

Wir kreieren keine Service-orientierte Plattformen für den internen Gebrauch. Genauso wenig konzipieren wir externe. Das bedeutet, dass sich diese Art ”Unvermögen” fast endemisch durch das ganze Unternehmen zieht: d.h. die Produktmanager bekommen es nicht hin, die Ingenieure nicht, die Produktteams nicht, eigentlich bekommt es niemand hin. Selbst wenn es ein einzelner schaffen sollte, vielleicht sogar Sie, würde das absolut keinen Unterschied machen. Die Situation würde sich erst dann ändern, wenn wir endlich anfangen, sie als überlebenswichtige Angelegenheit zu behandeln, bei der der Einsatz jedes Einzelnen zählt. Wir können nicht einfach weiter Produkte auf den Markt bringen und dann so tun, als ob wir sie später in magisch schöne, ausbaufähige Plattformen umwandeln. Das haben wir versucht und es hat nicht funktioniert.

Die goldene Regel der Plattformen: „Essen Sie Ihr eigenes Hundefutter” kann auch umformuliert werden als: „Beginnen Sie mit der Herstellung einer Plattform und nutzen Sie sie dann später einfach für alles.“

Die Story dazu kommt morgen! Essen Sie Ihr eigenes Hundefutter????

Drogenhandel, Menschenhandel, Waffenschmuggel, Terrorismus: Die Wanze aka #Staatstrojaner rettet uns!

„Staatstrojaner: Bundesinnenminister verteidigt den Einsatz und greift CCC an“ meldete gestern heise.de und zitiert aus einer Vorabmeldung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der BMI-Chef hat eine Woche benötigt, um nach den Enthüllungen des Chaos Computer Club (CCC) seine Sprache als oberster Hüter der Sicherheit wiederzufinden. Der Demutsmodus war gestern. Jetzt schaltet Friedrich wieder auf Angriff. Für Aufklärung sorgt er nicht, da ja Angriff immer die beste Verteidigung zu sein scheint. So besagt es jedenfalls diese Bauernweisheit. Der CCC habe nichts aufgeklärt, so Friedrich im Gespräch mit der Sonntagszeitung, sondern dem Chaos in seinem Namen alle Ehre gemacht. Ah ja.

„Da sind viele Missverständnisse entstanden. Die Landesbehörden haben völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass die die Grenzen dessen, was rechtlich zulässig ist, nicht überschritten haben.“ Man kehrt also wieder zum reflexhaften Abwehr-Argument der ersten Verlautbarungen von Sicherheitsbehörden und Innenministerien des vergangenen Sonntags zurück. Es gebe nach Erkenntnissen des Innenministers keinerlei Hinweise, dass gegen Recht und Gesetz verstoßen worden sei. Jetzt sind wir also in einer neuen Phase der semantischen Nebelkerzen. Was meint Friedrich eigentlich mit „Hinweisen“. Fragt das BMI höflich, liebe Innenminister der Länder, habt Ihr gegen Recht und Gesetz verstoßen? Oder musste jede Schlapphut-Behörde das Leistungsspektrum des Staatstrojaners (Prantl von der Süddeutschen Zeitung spricht von „Staatswanze“, was den Kern der Sache auch besser beschreibt) veröffentlichen? Dann sollten diese Hinweise doch mal konkret veröffentlicht werden, um sie überprüfen zu können. Ansonsten ist das Ganze eine Glaubensfrage. Dafür sind aber die Religionsgemeinschaften zuständig und nicht der Bundesinnenminister. Die Überwachung ließ er übrigens nur stoppen, weil der Code veröffentlicht wurde und jetzt missbrauchsanfällig sei. Vorher war er das nicht? Der CCC hat doch das Gegenteil bewiesen. Wer über Staatswanzen verfügt, die anders programmiert wurden, kann die Software einsetzen.

Denn es ist ja Gefahr in Verzug: „Sollen wir organisierte Kriminalität laufen lassen? Den Drogenhandel? Den Menschenhandel? Den Waffenschmuggel? Und was ist mit dem Terrorismus? Denn nur gegen solche schweren Verbrechen gehen wir mit Hilfe von Überwachungssoftware vor“, sagt Friedrich. Das ist das altbekannte Argumentationsmuster des Staatsretters. Erinnert sei an das von Friedrich beschriebene Szenario über drohende Internet-Kriege:

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis kriminelle Banden eine virtuelle Bombe haben, tönte er vor ein paar Wochen. wird der „Mit solchen Angriffen könnte eine Volkswirtschaft empfindlich beeinträchtigt werden“, formulierte der Staatsapologet den Cyberterror im Konjunktiv.

Siehe auch: Der vermeintliche Cyberwar und die Sicherheitskeule

Die Rabulistik der Vertreter eines sicheren und starken Staates ist immer gleich. Ob CSU, BKA oder BDK – sie schüren Ängste, um eine Mehrheit für schärfere Gesetze zu gewinnen oder zweifelhafte Überwachungsmethoden zu rechtfertigen. Politisch funktioniert das in Deutschland wie ein Uhrwerk – demoskopisch ist das sehr gut erforscht. Je dramatischer die Sicherheitslage dargestellt wird, desto einfacher ist es möglich, unter Berufung auf die Sicherheit einen großen Teil der Bevölkerung von der Notwendigkeit massiver Eingriffe in die Freiheitsrechte des Einzelnen zu überzeugen. Allensbach hat folgende Frage gestellt: „Einmal unabhängig davon, ob das tatsächlich verboten ist oder nicht: Was meinen Sie, was sollte der Staat in jedem Fall verbieten, wo muss der Staat die Menschen vor sich selbst schützen?“ Rund 60 bis 80 Prozent nennen eine ganze Latte an Verboten, die weiter gehen als derzeit vom Gesetzgeber gewünscht. Der Schlüssel für diese Meinungsmanipulation steckt in der Formulierung, dass viele Menschen vor sich selbst geschützt werden müssen. Selbst vom Grundgesetz garantierte elementare Grundrechte werden dann infrage gestellt, sobald der Eindruck entsteht, dass ihre Einschränkung der Verwirklichung größerer Sicherheit dienen könnte. Genau diese Instinkte bedienen die politischen Sicherheitsgichtlinge.

Was von diesem Bedrohungsszenario zu halten ist, hat Richard Gutjahr anschaulich dargestellt:

Dominant ist der Drogenhandel als Anlass für Überwachungen via Telekommunikation. Terrorismus muss man mit der Lupe suchen. Der oberste Verteidiger des Staatswanzen-Einsatzes zieht sich immer wieder auf Behauptungen zurück, alles bewege sich im Rahmen des Gesetzes. Nur einmal formuliert Friedrich seine Rhetorik-Schleife etwas anders: „Unsere Beamten halten sich strikt an das, was sie dürfen. Die Behauptung, sie hätten mehr gemacht, ist falsch.“ Aber was ihnen von ihren Vorgesetzten erlaubt wurde, wissen wir nicht, Herr Friedrich.

Eine Grauzone sieht der Innenminister auch nicht. Dabei fand ich die Bemerkungen von Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, so erfrischend ehrlich. Siehe den Gulli-Bericht:

Uhl, der in Sicherheitsfragen als Hardliner gilt, kritisierte die derzeit in Deutschland geführte Diskussion über den Staatstrojaner. Er sprach von einer „unverantwortlichen Hysterisierung“ der Debatte. Wie schon zuvor warf er außerdem Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vor, indirekt an den möglicherweise erfolgten Rechtsbrüchen beim Trojaner-Einsatz schuld zu sein: „Wir haben die Ministerin immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ermittler beim Einsatz von Spionage-Software in Strafverfahren in einer gesetzlichen Grauzone arbeiten.“ Geschehen sei aber „absolut nichts“, sagte Uhl. Er will damit offenbar andeuten, dass keine Rechtsbrüche erfolgt wären, wenn man – wie von den Unionsparteien gewünscht – zügig eine Rechtsgrundlage für den Einsatz von Staatstrojanern geschaffen hätte.

Aber es gibt ja auch keine Grauzone. Ach, da bin ich aber beruhigt. Meine Informationen sind dann wohl falsch, folgt man den „Hinweisen“ des Bundesinnenministers. So schrieb ich folgendes:

Die Sicherheitsbehörden verfahren wohl nach dem Motto, was die Öffentlichkeit nicht weiß, macht sie nicht heiß. Irgendwo findet sich schon ein kleines Zeitfenster, um die illegalen Praktiken ex post durch Gesetzesnovellen zu legalisieren. Dafür sorgen dann die Innenminister von Bund und Ländern.

Stimmt alles nicht. Nein, nein. Keine Grauzone. Beruhigt können wir uns also wieder der normalen Sonntagsunterhaltung widmen. Zum Beispiel das hier:

Siehe auch:

Peter Altmaier, Malte Spitz und die Piraten.

Ein Parlamentarier entdeckt das Internet #Heureka.

Uhl beschwert sich über eine „unverantwortliche Hysterisierung“.

Ein Parlamentarier entdeckt das Internet #Heureka

http://twitter.com/#!/welchering/status/125098486831136768

Die FAZ leitet die digitalen Heureka-Erlebnisse eines Abgeordneten mit den Worten ein:

„Er ist der erste Unionspolitiker, der direkten Anschluss an die digitale Welt sucht – Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier fordert im Samstagsfeuilleton der F.A.Z.: Werdet alle Twitterer!“

Wahnsinn. Obwohl Altmaier mit Computer und Internet seit Jahren arbeitet, verstand er bis vor kurzem (wann genau?) nichts vom Netz. Computer stehen in seinen Büros und Wohnungen. Er besitzt ein iPad und Handy, nutzt E-Mail (werden die ausgedruckt?), kauft im Internet, bezieht Informationen aus Online-Medien. Die von der rasanten Evolution des Internet und der elektronischen Medien ausgeht, bislang nicht einmal im Ansatz klar (er hätte ja mal im Koalitionsvertrag nachschlagen können). „Durch diese quantitative und qualitative Evolution im Zeitraffer werden die Bedingungen politischer Gestaltung stärker verändert als durch alles, was seit der Französischen Revolution geschehen ist“, so Altmaier. Die politische Freiheit und Gleichheit der Bürger realisiere sich im Netz zum ersten Mal in Permanenz. Die neu entstehenden Strukturen würden die Möglichkeit jederzeitiger und umfassender politischer Einflussnahme und Gestaltung eröffnen, über jede Art von geographischer, politischer oder sozialer Grenze hinaus. Jenseits von Parteien, Verbänden und klassischen Medien.

Jo, dass diskutieren wir nun schon seit Jahren unter dem Stichwort „Kontrollverlust“. Und spätestens seit dem Zensursula-Debakel hätte es eigentlich jedem Politiker klar sein müssen, dass sich die klassischen Machtzentren in Wirtschaft und Politik über kurz oder lang auflösen. Siehe auch: Macht-Los: Wie Netzwerke Politik, Wirtschaft und Energie dezentralisieren.

Und dieser Netzdiskurs ist eben nicht von einigen Interessierten, Nerds und Netz-Süchtigen vorangetrieben worden, wie man an den Petitionen gegen Netzsperren sehr gut ablesen kann. Es gibt für die technologischen Laien keine Barrieren mehr, sich schnell im Netz zu organisieren und seine Meinungen zu artikulieren. Überhaupt: Was sind denn Netz-Süchtige? Das Grundproblem ist die mentale Einstellung der so genannten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger in Deutschland zu technologischen Veränderungen, die tief in die Gesellschaft hineinwirken. Das hat der Wiwo-Redakteur Sebastion Matthes sehr schön zum Ausdruck gebracht:

„Junge Unternehmen beginnen, mit der neuen Technologie zu experimentieren und die Öffentlichkeit debattiert über deren Chancen. Auch über die Risiken. Doch die stehen nicht so im Fokus, wie in Deutschland. Barack Obama lässt sich lieber von Mark Zuckerberg die Welt der Social Networks erklären. Deutsche Ministerinnen wie Ilse Aigner würden solche Gelegenheiten allenfalls nutzen, um dem Internet-Star verbal den Hintern zu versohlen – bevor sie diese (für sie) neue Welt überhaupt richtig verstanden hat….Während Großbritannien die Förderung der Computerspieleindustrie zu einem nationalen politischen Ziel erklärte, saßen deutsche Minister in Talkshows und erklärten, das Teufelszeug mache unsere Kinder zu aggressiven Psychopathen. Oder nehmen Sie die Debatte über Social Networks, die von Politikern und Journalisten bis heute als Hort des Bösen stilisiert werden: weil sich auf den Plattformen vor allem Kinderschänder, Sexsüchtige und Datendiebe herumtreiben (die Meinungsbildung orientiert sich wohl doch noch stark an der Bild-Zeitung, gs). Aus lauter Protest deaktivierte Ilse Aigner schließlich ihr Facebook-Profil. Mehr haben wir nicht auf Lager. Das neueste Beispiel des deutschen Hate-Cycle werden wir diese Woche erleben, wenn auf der Frankfurter Buchmesse über E-Books diskutiert wird.“

Treffend auch die Kolumne von Sascha Lobo:

„Vielleicht hat die ehemalige niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) bei der Landtagsdebatte um die ‚Vorratsdatenspeicherung‘ den entlarvendsten Satz des Jahres gesagt: ‚Es geht nicht darum, dass wir zu einem Überwachungsstaat werden, sondern lediglich darum, zu speichern, wer wann mit wem und wo telefoniert hat.‘ Dieser absurde Satz lässt ein so komplexes Unverständnis der Materie vermuten, dass jede ernsthafte Diskussion unmöglich wird. Und offenbar handelt es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher. Das aktuelle Debakel um den Staatstrojaner zeigt, dass Teile des deutschen Staatsapparates im digitalen Raum eher durch Fachwissen unbelastet agieren.“

Leider sei wahrscheinlich, dass beim Staatstrojaner Bösartigkeit und Ahnungslosigkeit ähnlich ungünstig Hand in Hand gehen wie bei der Finanzkrise, bemerkt Sascha Lobo.

„Und es ist ähnlich schwer zu sagen, wo genau die Grenze verläuft, wer also noch zu den Ahnungslosen gehört und wer schon als bösartig bezeichnet werden muss. Der verantwortliche bayerische Innenminister Herrmann sagte im Interview, dass man sich immer an Recht und Gesetz gehalten habe: ‚Verstöße kann ich keine erkennen‘. Dieser Satz muss nicht gelogen sein. Ein Blinder wird immer glaubhaft beteuern können, er habe nichts gesehen. Wie ernüchternd und vertrauenzersetzend, wenn sich nicht ausschließen lässt, dass ein deutscher Innenminister aus Ahnungslosigkeit einen Verstoß gegen die Verfassung verantwortet hat….Die Ursachen der digitalen Dysfunktionalität wichtiger Teilapparate des Staates sind vielschichtig. Mitentscheidend ist wahrscheinlich die ständige Verächtlichmachung gesellschaftlicher Aktivitäten im digitalen Raum, die in fast jede Diskussion hineinspielt. Soziale Netzwerke sind nur Spielerei, digitale Beziehungen sind weniger Wert als Offline-Bekanntschaften, wenn man länger surft, als man fernsieht, ist man internetsüchtig (wie eine ziemlich idiotische Studie der Bundesregierung zu belegen versuchte, gs) und die bisher gülden gleißende Hochkultur wird durch die Oberflächlichkeit pixeliger Blogger zersetzt. „

Die Aigners und Herrmanns dieser Welt sind unser Problem. Wenn beispielsweise die CSU-Ministerin Aigner die Bundesbehörden auffordert, ihre Facebook-Präsenzen zu löschen wegen des teuflischen Like-Buttons. Das Problem dabei ist, die Netzöffentlichkeit würde diese Löschung noch nicht einmal merken, weil sich der Bund im digitalen Nirwana bewegt.

http://twitter.com/#!/gsohn/status/125107765512376320

Wenn ein CDU-Politiker seine Internet-Lernkurve in der FAZ ausbreitet, sollte er der Netzöffentlichkeit doch auch direkt ein paar Fragen beantworten. Schließlich hat Altmeier doch mutig „Noch mehr Demokratie wagen“ gefordert und mehr Transparenz hoffentlich auch. Beim Staatstrojaner geht es nicht um eine verunglückte Kommunikationsstragie der Schlapphut-Sicherheitsbehörden, wie Altmeier es darlegte. Es geht darum, die Hosen runterzulassen. Mit der neuen Internet-Einsicht kann der CDU-Mann also einen Schritt weiter gehen und den Innenminister auffordern, die Vergabe des Auftrags für die Programmierung der Staatstrojaner zu offenbaren. Den Inhalt der Programmierung kennen wir nun schon dank der Vorarbeiten des Chaos Computer Clubs. Welcher Leistungsumfang bei der wahrscheinlich freihändigen Vergabe wurde an die Firma DigiTask in Auftrag gegeben????? Bitte jetzt nicht mit Geheimhaltungsvorschriften rausreden, es kommt ja ohnehin irgendwann ans Tageslicht. Viel Spaß beim Tweeten.

Hier noch mal mein Vorschlag zum Einsatz einer Staatstrojaner-Alternative. Red Robo aka BKA-Robert:

Siehe auch:
Der Juckeldiduckel-Datenschutz des Staates: Im Datenschutz bekleckert sich die Bundesregierung nicht mit Ruhm: statt um Gesetzestreue kümmert sie sich lieber um Ablenkungsmanöver.

Hier das komplette Altmeier-Opus.

Die Social Media-Rosinenpickerei des BVDW: Träumt weiter!

„Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) veröffentlicht mit der neuen Studie ‚Social Media in Unternehmen‘ einen grundlegenden Überblick zur aktuellen Nutzung und über die zukünftigen Potenziale von Social Media in deutschen Unternehmen“, verkündet der Verband in einer Pressemitteilung.

Als eindeutiges Ergebnis stellt der BVDW angeblich fest, dass rund 85 Prozent der Unternehmen Social Media künftig eine sehr hohe Bedeutung zusprechen. Von den 185 befragten Unternehmen setze eine große Mehrheit auf Profile in sozialen Netzwerken und auf Microblogs. „Zudem rechnen drei Viertel der Unternehmen mit höheren Social Media Budgets. Die Unternehmen versprechen sich von ihren Social Media Aktivitäten insgesamt einen Erfolg“, verkünden die Lobbyisten der digitalen Wirtschaft.

„Social Media ist nicht nur in aller Munde, sondern hat sich auch als wesentlicher Bestandteil im Media- und Marketingmix der werbungtreibenden Unternehmen in Deutschland fest etabliert. Eine intelligent genutzte Social Media Präsenz trägt maßgeblich zum gesamten Erfolg des Unternehmens, seiner Marken, Produkte und Dienstleistungsangebote bei. Für das tägliche Business und insbesondere in der Markenkommunikation gilt Social Media bereits als unverzichtbar – auch für die klare Positionierung direkt innerhalb der gewünschten Zielgruppe“, sagt Curt Simon Harlinghausen (AKOM360), Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW.

Ich halte das schlichtweg für reines Marketing-Bla-bla-blub. Im weltweit führenden Land der Social Media-Aversionen soll also alles in Butter sein. Interessant ist auch die eingeschränkte Sichtweise von sozialen Netzwerken, die nur unter dem Aspekt von Werbung, Marketing und Vertrieb gesehen wird. Da ist das Urteil von weniger flauschigen Managern und Wissenschaftlern schon ehrlicher:

„Die klassischen Machtstrukturen geraten ins Wanken. Insofern wird uns das Thema Macht in den nächsten Jahren heftig begleiten. Wir haben eine Welt, die sich immer stärker vernetzt. Und mit dem Web 2.0 ist da jetzt ein Turbolader draufgekommen. Wir können uns immer weniger erlauben, das zu ignorieren“, so der Organisationspsychologe Professor Peter Kruse im Gespräch mit Thomas Sattelberger. Für den Telekom-Personalvorstand sind große Unternehmen in diesem Szenario die letzten bolschewistischen Organisationen des 21. Jahrhunderts. „Sie haben es über Jahrhunderte und vor allen Dingen in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, sich fast umweltresistent abzuschotten.“ Das Netz sei nun ein äußerst willkommener Beschleuniger dessen, was gute Menschen schon immer wollten. „Das ist ein Optimismus, wo ich mir manchmal etwas blauäugig vorkomme oder von anderen als Träumer gesehen werde. Das ist aber kein Idealismus, sondern das ist ein systemisches Faktum. Hier findet etwas statt, was Transparenz von außen erzwingt. Man kann es gar nicht verhindern. Wer meint, dass Ganze mit strategisch-taktischer PR in den Griff zu bekommen, dem antworte ich wiederum: Träum weiter“, betont Kruse. Die Logik der Netze arbeite gegen eine ideologische Vereinheitlichung. Zudem kehren sich die Gewichte und Regelwerke um. Nicht mehr der Anbieter habe Macht, sondern der Nachfrager.

Nachzulesen in meiner heutigen Kolumne.

Das ändert natürlich nichts an der Notwendigkeit für Unternehmen, in sozialen Netzwerken aktiv zu werden, wie Sascha Lobo richtig analysiert hat.

Social Media ist so groß, dass man es nicht mehr ignorieren kann. Groß hier im Sinne der Aufmerksamkeitsbündelung. Social Media ist so groß, dass man es als gegenwärtigen Entwicklungsstand des gesamten Internet betrachten muss. Und das bedeutet, dass man im Jahr 2011 als Unternehmen einen guten Grund dafür braucht, Social Media nicht auszuprobieren. Es gibt diese guten Gründe, sie hängen mit der jeweiligen Branche zusammen, mit der Unternehmenskultur und -struktur, mit der Unternehmensführung, mit einzelnen Abteilungen, mit der Unternehmensgröße und vielem anderen mehr. Aber ein Unternehmen muss 2011 für sich begründen, weshalb es nicht zumindest mit den Sozialen Medien experimentiert.

Die Wirklichkeit in den Unternehmen ist aber eine andere. Auszug aus meiner Kolumne:

„….die Bolschewismus-Analogie von Thomas Sattelberger habe ich vor über zehn Jahren als ‚Auflösung der Ziegelstein-Diktatur‘ bezeichnet: from brick to click. Das ist die Quintessenz dessen, was sich in Wirtschaft und Politik abspielt. Brick – also der Ziegelstein – meint die alte Form der Großorganisation. Vertikal integrierte und geschlossene Einheiten, die auch heute noch den Alltag dominieren und sich erst sehr langsam auf die neue Macht unübersichtlicher und kaum zu kontrollierender Netze einstellen. Das Fatale an dem schleichenden Wandel ist das Status quo-Denken vieler Führungskräfte“, bemerkt Peter B. Záboji, Chairman des After Sales-Dienstleisters Bitronic. Oder wie es der ehemalige IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck ausdrückt: „Das Alte schwindet immer um ein, zwei Prozent und sieht sich folglich in einem unendlich lange stagnierenden Markt. Welche Wirtschaftsbranche hält das aus? Keine!“ Für die Servicebranche sieht er nur die Alternative „Internet oder Profi-Verkauf – der Rest stirbt.“ Nachzulesen im kürzlich erschienenen Sammelband „Online-Marketing“, herausgegeben von Torsten Schwarz, verlegt von Marketing Börse.

Für die nächste Studie sollte der BVDW mal weniger das sozial Erwünschte, sondern die Realität unter die Lupe nehmen!

Konjunkturforscher wissen nicht, wie Menschen ticken: Nachwort zum Herbstgutachten

Die Konjunkturforscher haben ihren Modus wieder auf Pessimismus gestellt. Nach dem heute vorgestellten Herbstgutachten werde angeblich wieder eine Periode magerer Wachstumsraten beginnen. Für das nächste Jahr komme es zwar nicht zu einer Rezession – aber das Bruttoinlandsprodukte steige nur um 0,8 bis 1,2 Prozent – vielleicht sogar noch schlechter. Im Frühjahr rechneten die vom Steuerzahler finanzierten Konjunktur-Forschungsinstitute noch mit 2 Prozent. Nun ja, in den vergangenen Jahren lagen die Glaskugel-Ökonomen eigentlich immer falsch. Nach oben und nach unten. Ihre groben makroökonomischen Indikatoren können halt die vielen Einzelentscheidungen im Wirtschaftsleben nicht im Ansatz richtig erfassen. Alle Konjunkturforscher starren wie gebannt auf die Entwicklungen der Euro- und Finanzmarktkrise.

Wie das ganze Börsen- und Schulden-Spektakel auf die Realwirtschaft durchschlagen wird, ist ungewiss. Darauf machte bereits in den 1930er Jahren der Ökonom Joseph A. Schumpeter aufmerksam. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen und Konsumenten verschwinden aus dem Blickfeld. Die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelte Schumpeter. An den Rekordumsätzen und Gewinnen, die Apple selbst nach dem Ausbruch der Lehman-Krise erzielte (und wer strategische Fehler macht und Innovationsschübe verpennt, stürzt halt ab: Beispiel Blackberry!), erkennt man, wie falsch die Ökonometrie funktioniert – übrigens auch der Wirtschaftsjournalismus. Seit 2009 wurde wohl kein Wort zu häufig verwendet wie „Krise“.

Der einseitige Blick auf die Erschütterungen der Börsen ist nicht gleichzusetzen mit dem, was wirklich passiert: „Die meisten ökonomischen Analysen konzentrieren sich auf finanzielle Motive wie das Streben nach mehr Konsum oder Einkommen. In der Wirtschaftswissenschaft von heute geht es jedoch nicht nur um Geld und viele Wirtschaftswissenschaftler sind der Ansicht, dass auch nicht-finanzielle Motive untersucht werden sollten“, schreiben George A. Akerlof und Rachel E. Kranton in ihrem Buch „Identity Economics“. Die Identität sei eine unterschätzte Größe. Normen, die unser Verhalten beeinflussen, hängen von unserer Position in einem bestimmten sozialen Kontext ab. Es gibt also eine Vielzahl von Wechselwirkungen, die berücksichtigt werden müssen, um richtige Prognosen zu treffen.

Auch die von mir angeführte Allensbach-Jahresumfrage über Hoffnungen und Befürchtungen ist ja nur ein grober Indikator für den Konjunkturverlauf. Stimmungslagen sind auch das Ergebnis von sehr verschiedenen Faktoren. Allerdings hat sich dieses Stimmungsbarometer für meine Konjunkturprognosen als recht hilfreich erwiesen. Ich konnte zumindest bessere Vorhersagen treffen als die professionellen Konjunkturforscher. Anfang 2012 ist es dann wieder soweit und ich werde wieder eine Einschätzung vorlegen. Aber ich wage schon jetzt eine Aussage. Die Süddeutsche Zeitung liegt mit ihrem Artikel über das Weihnachtsgeschäft bestimmt nicht auf der richtigen Linie: „Schuldenkrise trifft Weihnachtsgeschäft“. Auch wenn der Sommer für den Handel mies gelaufen ist, wird es in den nächsten Wochen wieder kräftig in den Kassen klingeln. Die Schuldenkrise von Griechenland und Co. wird nicht auf die Konsumenten durchschlagen.