Facebook und die Like-Konditionierung

Die von Mark Zuckerberg auf der f8-Konferenz vorgestellten Neuerungen erinnern den FAZ-Redakteur Holger Schmidt etwas an Facebook Beacon, das Facebook nach kräftigen Nutzerprotesten allerdings wieder eingestellt hat.

„Per Beacon sollten die Nutzer ihren Freunden mitteilen, welche Produkte sie gerade auf Drittseiten gekauft haben. Das wollten die Nutzer damals nicht haben. Aber dies ist wieder ein Schritt in diese Richtung, zwar nur für Musik, Filme, Nachrichten und Spiele, aber weitere Produkte könnten noch kommen. Dann werden Empfehlungen auf Facebook als Kriterium für den E- oder besser F-Commerce an Gewicht gewinnen“, so der FAZ-Netzökonom.

„Liken“ sei dabei nicht flexibel genug.

„Um mehr Möglichkeiten zu geben, können die Nutzer ihren Freunden im Ticker mitteilen, dass sie zum Beispiel ein Buch gelesen, einen Film geschaut oder eine Nachricht in einer der Apps gesehen haben. Die Übertragung der Information, einen Artikel gelesen oder ein Musikstück gehört zu haben, geschieht automatisch. Ein Klick ist nicht mehr nötig. Allerdings muss ein Nutzer diesen Automatismus zuvor aktiviert haben. Diese Funktion finden sicher nicht alle gut.“

Optisch haben mir die neuen Profilseiten gut gefallen. Ob auch der Selektionsalgorithmus geändert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls stößt das alte Modell auf berechtigte Kritik:

„Das ist ein sehr einfaches behavioristisches Modell, mit dem der Mark Zuckerberg-Konzern arbeitet. Ich kann die Aufregung von Geisteswissenschaftler verstehen, wenn Technologen simple Modelle von menschlichem Verhalten in die Welt setzen. Das ist in der Tat bedenklich. Hier modelliert man den Menschen als Objekt der Maschine. So wird man der Komplexität seines Verhaltens und Denkens nicht gerecht. Hier liegt Facebook falsch mit der Frage, ob man aus dem Maß der Interaktion mit anderen Personen schließen kann, welche Statusmeldungen angezeigt werden. Wenn ich etwas schweigend zur Kenntnis nehme, ist das ja kein Beleg für Unwichtigkeit. Auf dieser Grundlage gibt es keine Rechtfertigung für das Ausblenden von Informationen“, sagte mir Christoph Kappes in einem Telefoninterview.

Das ändere allerdings nichts an der Notwendigkeit von Selektionsmechanismen in einer Welt, die immer komplexer wird. Und hier sind wir dann beim Kern des Gespräches mit Kappes. Es geht um die prosaischen Gedankenflüge von Miriam Meckel, die sie in ihrem neuen Buch „Next – Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns“ ausbreitet. Die Kommunikations-, Politik-, Rechts- und Chinawissenschaftlerin wandelt auf den Spuren des Filterblasen-Diskurses, den der Online-Pionier Eli Pariser in seinem Opus „The Filter Bubble“ ausgelöst hat. Auch er wählt als Ausgangspunkt für seine steilen Thesen einer drohenden Maschinen-Gatekeeper-Herrschaft den Dezember 2009: In diesem Monat änderte Google seinen Suchalgorithmus und läutete eine neue Ära der Personalisierung ein. Eine Zeitenwende. In der feuilletonistischen Variante von Frau Meckel sterben wir nun den Tod der virtuellen Berechenbarkeit. Wie Kappes das sieht, kann man meiner Freitagskolumne entnehmen: Meckel und die Algorithmen-Märchen: Sterben wir den Tod der virtuellen Berechenbarkeit?

Siehe auch den Beitrag von Christoph Kappes in der FAZ: Intransparenz des Nicht-Wissens: Zur Theorie von der „Filter Bubble“

3 Gedanken zu “Facebook und die Like-Konditionierung

  1. Deshalb wurde der alte Edgerank mit seiner verzerrenden ∑uwd-Gewichtung ja auch abgeschafft…. https://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2012/08/23/das-mysterium-des-facebook-edgerank-algorithmus/ |||| Ihr Artikel steht jetzt mit in meinen Recherchen zu Geschichte und Zukunft des Likebutton-Designs http://sensiblochamaeleon.blogspot.de/2013/11/facebooks-like-button-geschichte-design.html |||| … falls Sie weiteres Material zur Struktur von Facebook von 2010 bis heute brauchen, bittesehr: http://sensiblochamaeleon.blogspot.de/2013/12/wie-tickt-facebook-so-jetzt-sortier-mal.html

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