Software schlägt Hardware – auch bei HP


Mit dem radikalen Kurswechsel läutet HP-Chef Leo Apotheker nun wohl endgültig die Post-PC-Phase der IT-Branche ein. Der weltgrößte KarlssonComputerhersteller setzt in Zukunft auf Software und Dienstleistungen – ähnlich wie IBM. „Gleichzeitig teilte Hewlett-Packard mit, das Geschäft mit Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem WebOS zu stoppen. Sie konnten zuletzt mit erfolgreicheren Rivalen wie Apples iPhone und iPad sowie Geräten mit dem Google Betriebssystem Android nicht mithalten“, schreibt die FTD. Dabei klang Apotheker in einem Bericht in der Juli-Ausgabe des Manager Magazins über den angeblichen Niedergang von Apple doch noch so optimistisch: „Heute ist Apple obenauf, aber in ein paar Jahren kann das ganz anders sein.“ Kann. Er sagte aber auch: „Innerhalb der IT-Branche können sich die Dinge sehr schnell ändern. Es wird keine Monopole geben, und schon gar nicht solche von Dauer“, so Apotheker. Dabei meinte er auch den möglichen Abstieg des Steve Jobs-Imperiums. Nun kann man die Aussage des HP-Chefs auch ganz anders deuten:

Für die Maschinisten und Internetausdrucker in Deutschland dürfte der HP-Kurswechsel recht lehrreich sein. Nachzulesen in meiner Kolumne für Service Insiders: Insgesamt müsse Deutschland endlich erkennen, sich nicht nur über die Produktion von Gütern zu definieren. Es würden zu viele Maschinisten und Internetausdrucker den Ton angeben, so Bernhard Steimel von der Unternehmensberatung Mind Business: „Unternehmen, die sich nur über ihre herstellende Rolle definieren, haben ein Problem. Das Endgerät ist häufig nur noch das Tor zur Nutzung eines Dienstes. Es kann der Antrieb sein für neue Dienste, wie man das beim iPad derzeit erlebt. Ohne iTunes und die App-Economy wäre Apple niemals erfolgreich. Produkte und Anwendungen des Steve Jobs-Konzerns üben so viele Reize aus, dass im Moment pro Quartal 150 Millionen iOS-fähige Endgeräte verkauft werden. Das haut einen um. Apple pulverisiert gerade mit dem iPad den PC-Markt. Was wird denn passieren, wenn auch Fernseher mit dem Apfel-Symbol ins Portfolio aufgenommen und nahtlos in die Anwendungsmöglichkeiten von Apple integriert werden? Das dürfte den etablierten Herstellern einige Kopfschmerzen bereiten. Es geht am Ende des Tages natürlich um Produkte. Doch der Mächtige ist derjenige, der die bessere Software hat“, so die Überzeugung von Steimel.

Die Wertschöpfung von Apple liege klar bei den Applikationen. Analysten hätten berechnet, dass die angekoppelten Verkäufe nach dem Erwerb eine iPhones das Achtfache ausmachen. Das sei ein eindeutiger Befund für die Kraft von Software.
„Infrastrukturen des Wissens und Handelns fokussiert auf die Aufgaben der Kunden eingesetzt, führt zu den Systeminnovationen, welche die Trends für die Zukunft setzen werden. Die dabei entstehenden neuen Businessmodelle gestalten die Wertschöpfungsketten fundamental neu und verändern die Rollen aller Unternehmen im Markt grundsätzlich“, bestätigt Bruno Weisshaupt, Geschäftsführer des Beratungsbüros Origo in Schweiz.

Und kurzgefasst kann man das Ganze auch so resümieren:

9 Gedanken zu “Software schlägt Hardware – auch bei HP

  1. Michael

    HP wird sich damit selber ruinieren. Schade. Hatten recht vernünftige Laptops. Lenovo und Dell werden blaue Flecken auf den Oberschenkeln haben durch die ganzen Freundenklopfer die dort heute erfolgen werden…..ähnlich wie Lufthasa als sie erfahren haben, das Mehdorn jetzt Air Berlin ruiniert.

  2. Das würde ich so noch nicht einmal sagen, Michael. Das PC-Geschäft hat dramatisch an Bedeutung verloren. Klar werden sich Lenovo und Dell auf die Schenkel klopfen, da sie in die Lücke springen können. Langfristig werden sie damit keine Freude haben.

  3. Michael

    Wir werden sehen….ich würden den klassischen PC Markt noch nicht abhaken; zumindest so lange nicht, bis ARM CPUs an die Leistungen heutiger Mobil CPUs in Laptops heranragen. Das wird noch etwas dauern.

  4. IBM hat den Kurswechsel erfolgreich gestemmt. Fraglich ist nur, ob es auch HP gelingt. Da steckt schon eine Menge Risiko drin.

  5. Michael

    HP ist nicht IBM….und Apotheker ist nunmal….naja…werfen wir mal den Blick auf SAP….

  6. Michael

    Da unterstütze ich den letzen Satz Deines letzen Artikels, der eben rein kam:

    „So muss sich HP wohl auch in seinem radikalen Kurswechsel eher an Apple und nicht an IBM orientieren.“

    Das kann ich voll unterschreiben! MS wird ja mit WIndows 8 auch mehr in Apples Richtung gehen.

  7. Michael

    Oder anders: MS ist auf dem richtigen Weg angelagt. Muss man, bei aller früheren Abneigung, so sagen. HP geht diesen Weg offenbar nicht; dafür bekommt Windows 8 jetzt nen Appstore und wird zusätzlich ARM, und damit Tabbletfähig.

  8. In Abwandlung eines Essays von Kleist vollzog sich mein Erkenntnisgewinn durch die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben (bei Kleist „Reden“) 🙂

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