#Motorola-Deal: Beherrscht Google das Hardware-Geschäft?

Es klingt immer so martialisch, wenn Medien über den Siegeszug von Google auf dem Smartphone-Markt berichten: „Android-Geräte haben den Smartphone-Markt fest in der Hand“. „Apple verliert seine Dominanz“. „Google liegt mit dem Android-Betriebssystem weit vor Apple und den anderen Konkurrenten.“ Das ist allerdings noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Business Insider hat jetzt endlich mal eine Grafik des Marktforschungsinstituts Nielsen veröffentlicht, die für mehr Klarheit sorgt (siehe oben). Für den hohen Android-Marktanteil kann sich Google relativ wenig kaufen. Denn dahinter stecken andere Hersteller, die sich bislang den größten Teil der Wertschöpfung in die eigene Tasche gesteckt haben. Das dokumentiert die Grafik des Heute Journals recht eindrucksvoll. Apple ist zwar im Vergleich der populärsten Betriebssysteme nicht Marktführer, schöpft aber rund 60 Prozent der Gewinne ab und das zählt am Ende des Tages. Hinter einem iOS steckt eben immer ein Apple-Gerät – und über den Verkauf fließt der größte Teil in die Kasse des Steve Jobs-Imperiums.

Vor diesem Hintergrund ist die Motivation von Google beim Kauf der Motorola-Mobilfunksparte klar: Mit der größten Investition der Unternehmensgeschichte wagt man einen Befreiungsschlag im Handygeschäft. Die Gründe sind ja hoch und runter berichtet worden. Google will mit dem Patentarsenal von Motorola die Klagen der Konkurrenz kontern und die Android-Plattform stärken. Google-Chef Larry Page steigt mit Motorola Mobility allerdings automatisch auch ins Hardwaregeschäft ein. Zur Besänftigung der Android-Partner wie Samsung oder LTC schob Larry Page noch schnell hinterher, dass Motorola Mobility als eigenständiger Konzernteil agieren solle und man mit allen anderen Android-Partner auch in Zukunft zusammenarbeiten wolle. Jo. Klar. Aber das wird die Hersteller nicht richtig beruhigen. Irgendwie muss ja die Investitionssumme von 12,5 Milliarden Dollar refinanziert werden. Über das Android-Partnermodell funktioniert das nicht und mit dem kümmerlichen Marktanteil von Motorola im Mobilfunkgeschäft auch nicht – der lag zuletzt bei 2,4 Prozent. Asiatische Wettbewerber wie Samsung und LG haben schon längst die Nase vorn und wollen daran sicherlich nichts ändern.

Hier steckt Larry Page also in einer Zwickmühle. Mit dem Android-Betriebssystem kann er nicht Kasse machen. Und wenn Google stärker ins Hardwaregeschäft einsteigt, um höhere Anteile der Wertschöpfungskette zu ernten, bleibt die Frage, ob der Algorithmen-Automatisierungs-wenig-Service-Konzern das überhaupt kann? Beim Nexus One ist das gründlich in die Hose gegangen. Warum, das erläuterten mir die After Sales-Experten Peter B. Záboji und Peter Weilmuenster von Bitronic in einem Youtube-Interview.

Für technische Produkte benötige man einen gut strukturierten und gut organisierten dezentralen Service geben. Bei einem Handy sei beispielsweise kein Kunde bereit, vier Wochen auf eine Reparatur oder auf das Zusenden eines neuen Gerätes zu warten. So ein Austausch dürfe nur wenige Tage oder Stunden dauern. Alles andere akzeptiere ein Handykunde heute nicht mehr. Der Servicepart sei immer eine Herausforderung, selbst wenn man wie Apple eine gute Vertriebsstruktur vorweisen könne – ganz im Gegensatz zu Google.

Könnte sich der Motorola-Deal als gigantischer Flop entwickeln? Business Insider sieht das ja nicht sehr optimistisch: THE TRUTH ABOUT THE GOOGLE-MOTOROLA DEAL: It Could End Up Being A Disaster. Für meine Service Insiders-Kolumne am Freitag würde ich dieses Thema gerne aufgreifen. Eure Meinung interessiert mich.

Nachtrag: Microsoft hat wohl schon reagiert und will die Android-Partner ködern. „Der Softwareriese positioniert sich als Alternative für alle Handyhersteller, die nun Googles Android verlassen wollen“, berichtet das Handelsblatt.

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