Mentale Kernschmelze eines Datenschützers und die Angst vor der dunklen Computerwolke

Die Staatsaufseher des Datenschutzes haben ein neues Hassobjekt: Cloud Computing. So sind mir jedenfalls die Meinungsäußerungen von Thilo Weichert vorgekommen, die der Datenschutzbeauftragte von Schleswig Holstein auf dem IT-Sicherheitskongress des BSI heute in Bonn vom Stapel ließ.

Kostprobe: „Wir sind ein Dienstleister für Bürgerinnen und Bürger, der absolut vertrauenswürdig sein muss (na ja, Dienstleister….,gs). Wir wären nie bereit, unsere Daten nach draußen zu geben. Und schon gar nicht einem Dienstleister in die Hand zu geben wie Google oder Facebook zu geben. Wer weiß denn, ob die nicht noch was anderes damit machen, vielleicht auf anonymisierter Basis. Das käme für uns nicht ansatzweise in Betracht…..Wenn Sie ein Google-Mail-Konto haben, dann nutzen Sie Cloud Computing (Weichert meinte rund die Hälfte Auditoriums, gs). Und Sie wissen nicht, wo Ihre Datenverarbeitung stattfindet. Wo Ihre Mails abgelegt werden. Und das ist genau der große Bereich, wo die Inkompetenz des Anwenders (Publikumsbeschimpfung, gs), der verantwortlich ist, am größten ist. Und wo die Möglichkeit der Dominanz durch den Cloudanwender (Sie meinten wohl Anbieter, Herr Weichert, gs) am größten ist. Was macht ein Amazon, was macht ein Google, vielleicht sogar Facebook? Was machen die mit den Daten, die nicht nur öffentlich zugänglich sind, sondern auch vertraulich sein sollen für die Friends oder das eigene Konto, was nur von einem selbst administriert wird?….Entsprechend hoch ist das Mißbrauchsrisiko.“

Und jetzt kommen wir zum Kapitel Verschwörungstheorie: „Das einzige, was diesen Missbrauch verhindert, ist das ökonomische Interesse der Anbieter. Google und Facebook haben ein ganz massives Interesse, ihre Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse nicht an andere weiterzugeben. Deswegen versuchen sie, ihre Dienste sicher zu machen. Aber nicht im Interesse des Schutzes der jeweiligen User, Anwender oder Kunden“, so die Weisheiten des Datenschützers aus dem Norden.

Welcher Anbieter schützt denn die Daten aus anderen Interessen? Vielleicht geht es ja auch um zufriedene Kunden, Loyalität, smarte Dienstleistungen, innovative Angebote.

Die üblichen Plattitüden über vermeintliche Datenkraken aus Übersee bewegen sich auf Sandkastenniveau. Das ist Datenschutz-Provinzialismus. Letztlich bestätigt das meine Auffassung über das fragwürdige Selbstverständnis der Datenschützer von Bund und Ländern (besonders die kleinen Bundesländer im Norden): Fragwürdige Interpretationen von unbestimmten Rechtsbegriffen, antizipierte Verwaltungspraxis im Hinterzimmer, Bußgeldandrohungen, selbstherrliches Auftreten, Profilierungsneurosen und Anmaßung. Das kann man in meinen Videoaufzeichnungen wahrnehmen – und eine äußerst schwache Vorstellung der Wirtschaftsvertreter, die noch nicht einmal in Ansätzen in der Lage waren, den Parolen von Weichert entgegenzutreten. Im Gegenteil: Der Microsoft-Deutschlandchef Ralph Haupter verwahrte sich sogar dagegen, in Sippenhaft genommen zu werden (mit Sippe meinte er wohl Google, Facebook und Amazon).

Hier nun die Youtube-Trilogie des Schreckens, der Dreiteiler des Grauens, die Untergangsvisionen eines Datenschützers, der die vermeintlichen Gefahren von Cloud Computing sogar mit dem Restrisiko von Atomkraftwerken verglich – was einer Verharmlosung der Dinge entspricht, die derzeitig in Japan ablaufen:

Einen Großteil der Podiumsdiskussion mit Weichert, BSI-Präsident Michael Hange, dem Microsoft-Deutschlandchef und Andreas Weiss von EuroCloud liegt auch als Audioaufzeichnung vor:

Ich werde das Spektakel in meiner Montagskolumne verarbeiten. Bitte postet mir doch Eure Meinung zu dieser Geschichte. Oder per E-Mail an: gunnareriksohn@googlemail.com – ich zähle auch zu den unwissenden Anwendern, die sich von Google einlullen lassen…..

Was die Energiewende mit der Netzneutralität zu tun hat

In einer NeueNachricht-Vorabmeldung beschäftigen wir uns mit den Themen Netzneutralität und Energiewende. Meldung kommt in den Abendstunden. Die Frage, ob alle Daten gleichberechtigt übertragen werden sollten, bekommt durch die Energiewende eine weitere Dimension: Denn das Energienetz der Zukunft („Smart Grid“) wird voraussichtlich über das Internet gesteuert. Einen Stromausfall, weil zu viele Youtube-Videos die Netze verstopfen, will kein Mensch. Einen Zwei-Klassen-Zugang allerdings auch nicht. „Bei der Netzneutralität geht es letztlich um Freiheit: Jeder Bürger hat das Recht, Informationen zu konsumieren und zu veröffentlichen. Aus politischer Sicht muss die Netzneutralität also erhalten bleiben. Es stellt sich aber auch die Frage, wie dies technisch möglich ist, wenn das Internet in Zukunft auch ein Smart Grid enthält“, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkausrüster Nash Technologies mit Sitz in Stuttgart und Nürnberg.

Für den Netzwerk-Experten gibt es letztlich zwei technische Lösungsmöglichkeiten: Entweder bekommt das Smart Grid ein komplett eigenes Kontrollnetz, das neben dem Internet läuft. Oder das bestehende Internet wird weiterentwickelt – was praktisch auf ein partielles Re-Design hinauslaufen kann. Willkommen im „Future Internet“. „Im aktuellen IP-Netz werden Daten in Pakete aufgeteilt und wie eine Postsendung durch die Leitung geschickt. Ursprünglich gab es keine garantierten Ressourcen. Nachträglich eingebaut führt das zu einem erheblichen Anstieg der Komplexität. Einfacher und effektiver wäre es, wenn die Internet-Schicht bereits von Anfang an diese Features enthalten würde“, erläutert Stahl. „Das Internet leidet auf technischer Ebene also unter einer Komplexitätsblase. Es ist vom Ursprung her als offenes Netz gedacht, über das Universitäten kommunizieren konnten und nicht als ein multifunktionales Beförderungssystem für alle Arten der Kommunikation. Für eine Lösung müssen wir wie Einstein denken: Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen.“

Wenn man davon ausgeht, dass das klassische Internet und das Smart Grid in einer einzigen Netz-Technologie verschmelzen, dann könnte Peering die Lösung sein, um die Zusammenarbeit der einzelnen Netze effektiv, sicher und fair zu regeln, so Stahl. Beim Voice Peering im klassischen Telefonnetz und im NGN (Next Generation Network) haben sich die Netzbetreiber geeinigt, wie zwischen ihren Netzen abgerechnet wird und wie im Gegenzug die Ressourcen garantiert werden. Denn das Telefonnetz ist wie das Internet im Grunde ein Flickenteppich aus zahlreichen Netzen. „Vergleichbare Mechanismen brauchen wir auch für das Smart Grid“, sagt Stahl. Soweit ein kleiner Ausschnitt der Meldung. Später mehr.

Was Innovationsbürokraten in Wissenschaft und Wirtschaft von der Gamingszene lernen können

In meinem Vortrag auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare griff ich einen Vorschlag von Ulf Pillkahn auf, der bei Siemens für Zukunftstechniken zuständig ist. Er plädiert dafür, den Zufall über Ideen für neue Produkte entscheiden zu lassen. Warum?

„Wirkliche Neuerungen sind nicht kalkulierbar: Eine Idee kann zu einem tollen Produkt führen oder aber spinnert sein. Letzteres ist viel wahrscheinlicher, die Floprate bei Innovationen ist hoch. Mit dieser Unsicherheit tun sich Manager schwer. Sie sind darauf getrimmt, möglichst effizient zu wirtschaften und werden an diesem Ziel gemessen. Deshalb neigen sie dazu, das, was ihre Firma kann, zu perfektionieren – wie in der Formel 1, wo aus den Rennautos das Allerletzte herausgekitzelt wird. Nur stehen in der Formel 1 der Kurs und die Spielregeln fest, während sie sich für Unternehmen in der Marktwirtschaft rasch ändern können. Deshalb ist Effizienz auf Dauer gefährlich: Sie führt zum Tunnelblick“, sagte Pillkahn in einem Interview mit brand eins.

Es müsse allerdings nicht unbedingt Innovations-Roulette sein, man könnte beispielsweise auch „Spielgeld“ verteilen, also Etats, über die Mitarbeiter frei verfügen können, um ihre Ideen zu verwirklichen. Grundsätzlich ist Pillkahn davon überzeugt, dass solche Methoden notwendig sind, um die Innovationsträgheit von großen Organisationen zu überwinden. In der anschließenden Diskussion mit dem Informare-Auditorium wurden meine Thesen kontrovers aufgenommen. Interessant war die Meinungsäußerung von Christoph Deeg vom Verein „Zukunftswerkstatt für Kultur und Wissensvermittlung“, der das ähnlich sieht wie Pillkahn. Die kontrollsüchtigen Innovationsbürokraten in Wissenschaft und Wirtschaft könnten von der Gamingszene einiges lernen. Das versucht er über so genannte Gaming-Roadshows zu vermitteln. Was die Zukunftswerkstatt dabei erreichen will, erläuterte Deeg in einem Youtube-Interview, das ich nach der Tagung mit ihm führte (siehe oben). Ein ausführlicher Bericht wird am Montag in meiner Kolumne für das Debattenmagazin „The European“ erscheinen.

Filesharing und die Autoren-Ehre

Bevor ich noch einen ausführlichen Bericht über die Berliner Wissenschaftskonferenz Informare schreibe (der wird am Freitag erscheinen), bei der ich ja noch einen Vortrag über Kopisten, Imitatoren und Kombinierer halte, hier schon einmal zwei kurze Videos der heutigen Expertendiskussion zum Thema „Guttenplag, Axolotl Roadkill & RapidShare. Was das Internet aus Autorenethik, Nutzerethik und Urheberrecht macht“. Mit dabei Constanze Kurz vom Chaos Computer Club, MdB Ansgar Heveling, Dr. Torsten Casimir vom Börsenblatt des Deutschen Buchhandels und der Journalist Dr. Hajo Schumacher.

Techniktest und Raucher-Exkurs: Die Empfehlungen von Richard Gutjahr

Ich habe heute mal das von Gutjahr empfohlene Technikzubehör für das iPhone 4 ausprobiert. Externes Mikro und Stativ.

Erster Eindruck: bin begeistert. Als Zusatz setze ich OWLE ein – interessant ist hier vor allen Dingen die Möglichkeit, Wechselobjektive zu verwenden.

Das gesamte Zubehör nimmt nicht sehr viel Platz weg und passt in jede Tasche.

Alles weitere hat Richard Gutjahr per Video und Blogpost ausgeführt.

In dem Testfilmchen habe ich noch ein paar Bemerkungen zu meiner heutigen The European-Kolumne gemacht. Thema: VOM KREUZZUG GEGEN RAUCHER – Fiskalisch geschröpft und moralisch geächtet.

In dieser Woche bin ich am Mittwoch und Donnerstag auf der Informare in Berlin (die Veranstaltung startet allerdings schon morgen, da muss ich allerdings noch einiges in Bonn in erledigen). Thema meines Kurzvortrages geht über Kopisten, Imitatoren und Kombinierer. Ich bin am letzten Konferenztag an der Reihe.