Schützengräben im Internet: Der Antiterrorkampf des Innenministers #cyberwar

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf meine heutige Kolumne im Debattenmagazin „The European“: Ach wie herrlich nüchtern war doch Thomas de Maizière als Bundesinnenminister: Mögliche Terroranschläge bauschte er nicht auf, verzichtete auf Haudrauf-Parolen, machte differenzierte Vorschläge in der netzpolitischen Debatte und verzichtete auf wortreiche Muskelspielchen (auch wenn ich mich kritisch mit ihm auseinandergesetzt habe). Sein Nachfolger Hans-Peter Friedrich ist da von einem anderen Kaliber. Logisch. Der liebwerteste Gichtling kommt ja auch von der Mir-san-Mir-Partei CSU. Entsprechend wächst auf einmal wieder das Bedrohungspotenzial im Staate. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis kriminelle Banden eine virtuelle Bombe haben, wird der bayerische Lockenkopf von der „FAS“ zitiert. „Mit solchen Angriffen könnte eine Volkswirtschaft empfindlich beeinträchtigt werden“, formulierte der Staatsapologet den Cyberterror im Konjunktiv.

Cyberkrieg als ABM-Maßnahme

Er hält die bisherigen Bemühungen, der wachsenden Gefahr entgegenzutreten, für unzureichend. Mit den Partnern in der NATO überlege man, „wie wir uns auch gegen potenzielle Cyberangriffe wappnen können“. Ob es diese Bedrohung real nun gibt oder nicht, es wird händeringend nach einem neuen Grund für die Existenzberechtigung des atlantischen Bündnisses gesucht. So eine Art Arbeitsbeschaffungsprogramm für gelangweilte Generäle, die nach dem Niedergang der roten Gefahr aus dem Osten unter Hospitalismus leiden.

Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum, das im April seine Arbeit aufgenommen hat, sei nur ein „erster Schritt, um der Gefahr zu begegnen“, fabulierte der oberste Sicherheits-Sheriff. Diese Steilvorlage wird von den Sicherheitsbehörden des Bundes dankend angenommen. Es sei dringend geboten, das Abwehrzentrum mit Mitarbeitern aus dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), des Verfassungsschutzes und des Bundeskriminalamtes personell aufzustocken. Wie wäre es denn mit den eifrigen Knöllchenjägern, GEZ-Gebühreneintreibern, Parkwächtern, Hundekontrolleuren kommunaler Ordnungsämter und Mülltrennungsprüfern? Mental passen die alle gut zum CSU-Politiker. Soweit ein Auszug meines Beitrages. Weiterlesen dann hier.

Was gab es sonst noch am Wochenende. Die 3sat-Sendung „neues“ beschäftigte sich mit dem Personenkult 2.0 am Beispiel der IT-Ikone Steve Jobs.
Da hatte ich auch einen kleinen Auftritt 🙂

In einem Beitrag für Service Insiders berichtete ich von der User Conference des Kölner Software-Anbieters ITyx. Was der Netzwerk-Experte Professor Peter Kruse hasst, ist der Begriff „Web 2.0-Strategie“. „Weil das zwei ins sich widersprüchliche Begriffe sind – ein Oxymoron. Strategie ist laut Definition das planvolle Erreichen eines Ziels unter Kenntnis der Mittel und Wege. Das gibt es im Netz aber nicht. Wenn Firmen von Web 2.0-Strategie reden, dann versuchen sie ein dynamisches System mit statischen Mechanismen zu beherrschen“, kritisiert Kruse. Für den Organisationswissenschaftler Dr. Gerhard Wohland liegt hier der Kardinalfehler vieler Unternehmen. Man versuche, Probleme mit deren Ursachen zu bekämpfen. Die Folge sei eine Havarie, so der Leiter des Instituts für dynamikrobuste Höchstleistung von ITyx.

Hier das Youtube-Interview und die Audioaufzeichnung des Vortrages von Dr. Wohland.

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