Die Shopping-Experten des Staates: Zur 60-Jahrfeier des Beschaffungsamtes

„Wahrscheinlich werden Sie sich wundern, dass man beim Thema Einkauf, und dann auch noch der öffentlichen Hand, so etwas wie Leidenschaft entwickeln kann. Aber ich versichere Ihnen: Man kann“, sagte Beschaffungsamt-Direktor Klaus-Peter Tiedtke zum 60-jährigen Bestehen seines Amtes vor rund 300 Gästen in Bonn. Wenn man den Begriff „Nachhaltigkeit“ in die Suchmaschine Google eingibt, erscheinen rund sechs Millionen Treffer. Bei Sustainability komme man sogar auf über 47 Millionen Einträge. Das heiße allerdings nicht, dass man bei diesem Thema schon weit gekommen sei.

„Nachhaltigkeit – verstanden als eine gleichrangige Berücksichtigung von wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten – ist für uns ein zentrales Thema. Es stellt sich nur die Frage, unter welchem Fokus. Denn der schöne Schein der Millionen Ergebnisse trügt: Wenn es um die konkrete Umsetzung von Nachhaltigkeit geht, dann stehen wir erst ganz am Anfang, obwohl das Thema schon seit 1994 auf der Agenda steht“, so Tiedtke. Welche Kriterien könnten in die Leistungsbeschreibungen für den Einkauf des Staates aufgenommen werden?

„Bei ökologischen Anforderungen ist dies durchaus möglich. Anders sieht es bei sozialen Anforderungen aus. Wie sollen wir herausfinden, ob ein Knopf, der an einer Jacke eines Bundespolizisten hängt, nicht von Kindeshand angenäht wurde? Ob die Baumwolle eines Diensthemdes nicht unter ausbeuterischen Bedingungen gewonnen wurde. Und ob die Bauteile in einem Laptop nicht unter inakzeptablen Bedingungen hergestellt wurden“, sagte der Behördenchef. Eine Lösung würde darin, die sozialen Anforderungen in die Eignungskriterien zu verlagern.

„Das Vergaberecht stößt hier allerdings an seine Grenzen: Es gibt nur die Möglichkeit einer Ja/Nein-Entscheidung. Wir können also keine wertende Entscheidung treffen, welcher Bieter ‚besser‘ geeignet ist als ein anderer. Das ist derzeitig im deutschen Vergaberecht verboten. Aus meiner Sicht ist dies eine unzeitgemäße Einschränkung“, monierte Tiedtke in seiner Festrede. Eine wertende Entscheidung, welcher Bieter besser geeignet sei als ein anderer, ist unzulässig. Hier werden den Zielen der Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit immer noch Grenzen gesetzt.

„Die Debatte um Nachhaltigkeit steht im Gegensatz zu unserem Amt erst ganz Anfang. Wir sind immerhin stolze 60 Jahre alt. Normalerweise bereitet man sich in diesem Alter zumindest gedanklich auf den Ruhestand vor. Daran ist bei uns nicht zu denken: Unsere Erfahrung der letzten 60 Jahre wollen wir künftig nutzen, um die Durchführung von Beschaffungen für andere Bundesressorts als Dienstleistungszentrum anzubieten. Die Koalitionspartner haben sich dieses Ziel mit dem Koalitionsvertrag zur 17. Legislaturperiode gesteckt. Das Beschaffungsamt arbeitet aktiv daran mit, wir entwickeln uns und den öffentlichen Einkauf stetig weiter“, resümierte Tiedtke.

Hier die Aufzeichnungen der Reden von Tiedtke und Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe.

Kleiner Rückblick in die 50er Jahre:

Zur 60-Jahrfeier fand auch eine interessante Kunstausstellung in den Räumen des Bonner Beschaffungsamtes statt. Die Konzeptidee erläutert die Künstlerin Sidka Kordes:

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