China stempelt Ai Weiwei zum Wirtschaftsverbrecher: Die Schadensstrategem-Vorsorge der KP-Führung

Die Verhaftung des chinesischen Regimekritikers Ai Weiwei verläuft wieder nach dem Lehrbuch der Strategemkunde. Die Polizei ermittelt wegen vermuteter Wirtschaftsverbrechen. Prompt warnte heute ein Sprecher des Außenministeriums, das Ausland habe kein Recht, sich in chinesische Justizangelegenheiten einzumischen: „Gegen Ai Weiwei wird wegen Wirtschaftsverbrechen ermittelt. Das hat mit der Frage von Menschenrechten und der Meinungsfreiheit nichts zu tun.“

Ob die Analyse der Tageszeitung „Die Welt“ stimmt, wird sich noch erweisen: „An Ai Weiwei geht der Kelch, zum politischen Häftling gestempelt zu werden, vorbei. Pekings Behörden haben die Notbremse gezogen, nachdem seine Verschleppung ihnen einen Imagegau im Ausland bescherte, der schlimmer als der weltweite Aufschrei für Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist.“

Das könnte sich als höchst trügerisch erweisen. Erst einmal will die Staatsführung in Peking den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und Zeit gewinnen. Wenn jetzt etwas hilft, dann nur die einheitliche Vorgehensweise des Westens, um die sofortige Freilassung des Regimekritikers zu verlangen.

Die Reaktionen des Westens auf Menschenrechtsverletzungen in China sind nach Auffassung des Schweizer Sinologen Professor Harro von Senger von Naivität und Unwissen geprägt.

Wenn man die Verfassungsartikel der Volksrepublik China zur Kenntnis nehmen und in ihrer vollen Tragweite begreifen würde, dann würde vieles, was in der politischen Tagespraxis geschieht, durchschaubar und leicht vorhersehbar werden. „Aber leider werden offizielle Dokumente der Volksrepublik China im Westen regelrecht boykottiert und planmässig nicht gelesen oder mit einem Lacher abgetan. In Europa scheint man zu meinen, Hintergrundwissen über die Volksrepublik China sei überflüssig, es genüge, von Fall zu Fall die Tagesereignisse zu verfolgen und mit westlichen Alltagswissen ad hoc zu reagieren“, sagt von Senger.

Er verweist auf seine Schrift „Einführung in das chinesische Recht“ von 1994 (C.H. Beck Verlag). „Hier erwähne ich die bis auf den heutigen Tag in Kraft befindliche Verfassung der Volksrepublik China vom 4. Dezember 1982. Im Artikel 1 bekennt man sich in Peking ganz offiziell und offen zu der Tatsache, eine Diktatur zu sein. Nach Artikel 54 sind die Bürger der Volksrepublik China verpflichtet, ‚die Einheit und die Geschlossenheit all seiner Nationalitäten zu sichern’. Natürlich ist diese Verfassungsnorm durch entsprechende Paragraphen im chinesischen Strafgesetzbuch abgesichert“, erläutert der Sinologie-Professor.

Deutschland und andere Staaten der westlichen Welt haben die Volksrepublik China diplomatisch anerkannt und demnach auch die Verfassung. „Es erscheint merkwürdig, auf offizielle chinesische Einzelaktionen zu reagieren und diese anzuprangern, bei gleichzeitiger Anerkennung und damit Billigung der ideologisch-politisch-juristischen Grundlage solcher Einzelaktionen. Wenn man etwas kritisieren wollte, dann müsste man die Basis von Einzelaktionen, also die Verfassung, ja die offiziell hoch gehaltene marxistisch-leninistische Ideologie kritisieren, nicht die aus der Verfassung und aus der offiziell geltenden Ideologie logisch folgende Umsetzung im Einzelfall“, führt von Senger aus.

In seinem Opus „Supraplanung“ legt er fundiert dar, wie nachhaltig und langfristig der Sinomarxismus von der kommunistischen Partei in China vertreten wird. Von Verhüllungsrhetorik oder Verschleierung könne nicht die Rede sein. Jeder, der sich die Mühe mache, die Satzungen der Kommunistischen Partei Chinas vom 14. November 2002 und vom 21. Oktober 2007 zu lesen, werde auf den folgenden in beiden Satzungen übereinstimmenden Passus stossen: „China befindet sich jetzt im Anfangsstadium des Sozialismus und wird sich über eine längere Zeit in diesem Stadium befinden. Das ist ein unüberschreitbares Stadium bei der Modernisierung im wirtschaftlich und kulturell rückständigen China, das mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen wird….Das höchste Ideal und das endgültige Ziel der Partei ist die Verwirklichung des Kommunismus“. In Anlehnung an Gottfried Wilhelm Leibniz plädiert von Senger dafür, dass die europäische Belehrungsgesellschaft sich in eine Lerngesellschaft im Verhältnis zu China wandeln sollte. Das Abendland müsse den tief verwurzelten Kulturhochmut ablegen und sich darum bemühen, das amtliche Denken in der Volksrepublik China, insbesondere das Bezugssystem der Kommunistischen Partei Chinas von innen heraus besser zu verstehen.

„Die Passagiere des Luxusdampfers Europa kommen wohl nicht darum herum, sehr vieles, nicht zuletzt die chinesische Sprache, zu erlernen, wollen sie verstehen, was im Reich der Mitte vor sich geht“, schreibt von Senger. Europa sei nach der chinesischen Strategemkunde eine leichte Beute und eine optimale Spielwiese für die Anwendung des Strategems Nummer 33: Das Strategem des Zwietrachtsäens. Als Beispiel führt von Senger den Dalai-Lama-Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel an, der dazu führte, dass Chinas Führer reihenweise Termine mit Deutschen absagten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wurde demgegenüber höchst freundlich empfangen und mit Aufträgen in Höhe von 20 Milliarden Euro überschüttet.

„Der Preis: Menschenrechte kamen nur ganz am Rande vor. Der sonst so knallharte ‚Sarko’ kann also auch anders – windelweich. Die Botschaft Pekings ist klar. Wer die Klappe hält, macht Kasse. So will China Europa spalten“, zitiert Senger die Bild-Zeitung. Sarko sei allerdings nicht nur windelweich gewesen, er handelte in erster Linie listig. „Er benutzte das Strategem Nummer 12 ‚Mit leichter Hand das Schaf wegführen’ und ergriff geistesgegenwärtig und unsentimental, wie Politiker eben vielfach sind, die sich ihm dank dem Verhalten der deutschen Kanzlerin ergebende Geschäftschance. Ob die Kanzlerin ihre Tat wohl vernetzend-strategemisch analysiert und sich überlegt hat, welchen Nutzen ihre EU-Konkurrenten daraus ziehen könnten? Das ist eine überflüssige Frage. Zu derartigen strategemischen Selbstanalysen dürften listenblinde europäische Politiker gerade auch beim ‚Behaupten der eigenen Werte’ wohl kaum fähig sein“, bemerkt der Strategem-Kenner von Senger.

Er empfiehlt den Europäern, den Rat von Jesus zu folgen: „Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). „In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts sollte der verborgene Schatz, der in dem bei uns unbekannten Ausspruch Jesu ruht, gehoben werden. Unter völligem Verzicht auf ethisch abgestützte und mit Augenmass eingesetzte Schlangenklugheit dürfte der europäische Marsch durch das 21. Jahrhundert schwierig werden“. Es sei unverzichtbar, sich ein optimales Listwissen anzueignen. Im politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb unterliege die Listenblindheit der Listkompetenz. Das gelte für Politiker und Unternehmer.

So habe wohl noch nie ein deutscher Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin je in der Volksrepublik China einem unabhängigen Gewerkschaftsführer oder einem regimekritischen Intellektuellen die Hand gedrückt. Kein einziges deutsch-chinesisches Joint-venture wurde mit einem bekannten chinesischen Dissidenten gegründet.

Gestützt auf ihre äußerst starke Listsensiblität unternimmt China alle möglichen Maßnahmen zur Schadensstrategem-Vorsorge. Damit wolle die politische Führung verhindern, dass irgendwelche finsteren Mächte mittels destruktiver List das Regime gefährden könnten. Auch bei der Inhaftierung von Ai Weiwei laufen die Strategem-Methoden wie aus dem Lehrbuch ab.

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2 Gedanken zu “China stempelt Ai Weiwei zum Wirtschaftsverbrecher: Die Schadensstrategem-Vorsorge der KP-Führung

  1. ein Chinesin

    sehr schlechte Übersetzung… ist das direkt von Google Übersetzer??

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