Das Aufmerksamkeitsimperium: Facebook und die tektonischen Verschiebungen der Online-Kommunikation – Wo geht die Reise hin?

Mit See the Messages that Matter „kündigt Facebook seinen neuen Unified-Messaging-Dienst an. Moment, das Wort steht doch eigentlich für irgendwelche zusammengeflanschte Dienste, die nie wirklich gut zusammengepasst haben. Wieso sollte das bei Facebook besser sein“, fragt sich Nico Lumma und gibt auch gleich die Antwort.

„Aus mehreren Gründen:
– Facebook hat 500 Mio User und ein stabiles, aber auch simples Messaging-System am Laufen, das durch Instant-Messaging ergänzt wird.
– XMPP im Backend erlaubt eben genau die Art der Konversationen, wie sie Facebook vorschwebt: unterschiedliche Übertragungswege, unterschiedliche Teilnehmer, eine Inbox.
– die Marktdominanz von Facebook wird dafür sorgen, daß sich dieses System durchsetzen wird, insbesondere, wenn es eben auch mit normaler Email funktioniert“, schreibt Lumma auf Lummaland.

E-Mails sind für das Privat- und Geschäftsleben immer noch die wichtigste Kommunikationsform. Das könnte sich allerdings rasch ändern. Unter Jugendlichen ist dieser Dienst eher unbeliebt und der hohe Anteil an Spams erhöht den Nerv-Faktor. Zudem verdrängen die Dialogformen in sozialen Netzwerken zunehmend die elektronische Post. Da ist es nur konsequent, wenn Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit dem neuen Dienst „Universal Box“ oder nach Facebook-Duktus „The Social Inbox“ einen neuen Weg eröffnet: „Es geht nicht um E-Mail, denn E-Mail ist eine Einbahnstraße“, so das Credo des prominentesten Adiletten-Trägers. Sie sei zu langsam, zu formell und zu archaisch. Zuckerberg will die E-Mail als eigenständige Kommunikationsform schlichtweg abschaffen – auch wenn er das noch nicht so deutlich sagt. Mit dem universellen Postfach soll alles unter dem Dach von Facebook zusammenfließen: E-Mail, SMS, Instant Massaging, Facebook-Postings und Chat-Nachrichten. „Wird den Nutzern eine Nachricht an ihre Facebook-Adresse geschickt, können sie entscheiden, über welchen der jeweiligen Kanäle sie antworten. Und wie eine abgeschickte Nachricht den Empfänger erreicht, entscheiden die verfügbare Technik und deren Voreinstellungen. Der Schreiber soll sich darüber keine Gedanken mehr machen müssen“, führt Zeit online aus.

Wo wird die Facebook-Reise hingehen? Bereits jetzt verlassen viele Nutzer den Facebook-Mikrokosmos nicht mehr und bewegen sich nur noch darin. Zuckerberg möchte ein Imperium der Aufmerksamkeitsverteilung schaffen. Sascha Lobo spekulierte schon Anfang 2009 (siehe die Story Facebook als Jederzeit-Medium im Web – Zuckerberg plant zentralen Aufmerksamkeitsverteiler) über den nächsten logischen Schritt von Facebook: Die Entwicklung eines echten eigenen Browsers, „der ganz nebenbei dazu führen würde, dass man die Community überhaupt nicht mehr verlässt”, erklärte Lobo damals.

Was wird noch kommen? Ein Browser aus dem Hause Facebook? Ein Facebook-Smartphone? Oder was sonst noch? Ich stricke gerade an einer erweiterten Story. Eure Meinung interessiert mich. Wenn ich Statements bis morgen so gegen 10 Uhr bekomme, fließen die in das Stück ein. Gerne auch per E-Mail – also archaisch: gunnareriksohn@googlemail.com Sascha hat mir schon was geschickt, wird aber noch nicht verraten was 😉

5 Gedanken zu “Das Aufmerksamkeitsimperium: Facebook und die tektonischen Verschiebungen der Online-Kommunikation – Wo geht die Reise hin?

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