Recherche Bonner Festspielhaus – Warum wurde die Beethovenhalle nicht miteinbezogen?

Wie kann man denn eigentlich die Post-Spende eines ganzen Festspielhauses einordnen und planerisch bewerten, wenn als Konsequenz ein städtisches Gebäude wie die Beethovenhalle abgerissen werden soll?

Der Abriss-Fan von der Bonner CDU, Herr Stephan Eisel, hat das in seiner Kommentarlaune ja schon gepostet: „Der Deutsche Bundestag hat im Herbst 2007 das Projekt einer ‚Stiftung Festspielhaus Beethoven‘ in Bonn in die Liste für ’national bedeutsame Kulturinvestitionen‘ aufgenommen und dafür eine Bundesförderung in Höhe von 39 Mio Euro beschlossen. Das Geld ist nicht für kommunale Kulturpolitik nutzbar. Die Bonner DAX-Unternehmen Post AG und Postbank wollen in Bonn ein neues Festspielhaus Beethoven bauen, dafür 75-100 Mio Euro ausgeben und es spielfertig einer Stiftung für den Betrieb übergeben. Vorschläge von zehn internationalen Spitzenarchitekten für ein Haus mit einem Konzertsaal mit weltweit anerkannter Spitzenakustik und -architektur liegen vor. Die Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann & Valentiny wurden von einem Expertenkreis in die engere Wahl genommen….Für das Stiftungskapital hat der Bund bereits 39 Mio Euro zugesagt. Außerdem liegt bereits die Zusage des Rhein-Sieg-Kreises über 3 Mio Euro und der Sparkasse Köln-Bonn über 5 Mio Euro vor. Das Land hat eine Million Euro jährlich zugesagt. Auch die Telekom AG ist bereit, zur Finanzierung des Betriebes beizutragen. Offen ist noch die Höhe der Beteiligung der Stadt. Da das neue Festspielhaus die Beethovenhalle ersetzt, spart die Stadt Geld: Ca. 1,5 Mio Euro an jährlichen Betriebskosten für die jetzige Halle und die absehbaren Grundsanierungskosten von mindestens 20 Mio Euro. Für die alte Beethovenhalle gibt es keinen Nutzungsbedarf, wenn die klassische Musik in einem Festspielhaus gespielt wird. Die Stadt sollte zum Stiftungskapital beisteuern, was sie durch den Wegfall der Beethovenhalle spart. Da das Festspielhaus kein kommunales Kulturprojekt ist, kann seine Finanzierung auch nicht zu Lasten des kommunalen Kulturhaushaltes gehen“, soweit ein kleiner Ausschnitt der Blog-Kommentare des Herrn Eisel.

Aber wo liegt jetzt die politische Verantwortung für das Projekt? Wer ist vergaberechtlich zuständig? Wer bewertet die Vorauswahl der Architekten? Warum wurde eigentlich für das Festspielhaus kein Entwurf genommen, der die Einbeziehung der Beethovenhalle vorzieht? Wer zahl die Zeche für die Unterhalt des Hauses? So schreibt Doro Schmitz in einem Leserbrief an den General Anzeiger: „Auch bei einem ‚Geschenk‘ der nunmehr noch zwei verbliebenen DAX-Unternehmen (Post und Postbank), die den Bau sponsern, verbleibt als ‚Geschenk für den Bonner Steuerzahler‘ die enorme Zeche des Festspielhausbetriebs zu zahlen. Schätzungen des von den Sponsoren mit einem Konzept beauftragten Karsten Witt zufolge sind jährliche Betriebskostenzuschüsse seitens der Stadt in Höhe von 4,7 Millionen Euro zu erwarten“, so Doro Schmitz. Offiziell ging man doch von 3,8 Millionen Euro Betriebskosten für die Stadt aus. Sind die Kosten nun doch höher?

Was ist mit den Kosten für den Abriss der Beethovenhalle? Ein Experte sagte mir, dass das bei rund 5 Millionen Euro liegen könnte.

Der Bonner Architekt Peter Baumgärtner stört sich an der Arroganz des Festspielhaus-Architekten Valentiny: „Wenn Herr Valentiny glaubt, daß ihm die Entscheidungsstrukturen in China besser gefielen, dann möge er bitteschön da bauen, ich rate ihm aber seine Zunge zu hüten, das freie Wort liegt dort in Ketten. Die Öffentlichkeit soll nicht darüber entscheiden, welcher Entwurf umgesetzt wird, aber sie muß darüber befinden dürfen, wofür ihr Geld eingesetzt wird und man muß ihr vor der Entscheidung verlässliche Zahlen vorlegen. Die finanziellen Vorzüge des Schnäppchens Kongreßzentrum haben wir schon genug genossen. Wenn die Befürworter des Festspielhauses einem solchen Redner applaudieren, diskreditieren sie sich selbst.“

Warum wurde die Beethovenhalle in die Planungen nicht miteinbezogen? „Fest steht, dass es im Ausschreibungstext für den Architekten-Wettbewerb die Vorgabe gab, das Gebäude im wesentlichen zu erhalten, da es unter Denkmalschutz steht“, so Peter Finger von den Grünen. Die Beethovenhalle sei Teil der Geschichte der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt und Regierungssitz. „Die meisten Entwürfe zum Beethoven-Festspielhaus haben diese Vorgabe des Denkmalschutzes nicht berücksichtigt. Ich bin der Überzeugung, dass es – ungeachtet der vielen anderen offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Festspielhaus – gelungene architektonische Lösungen gibt, bei denen die wesentlichen Gestaltungsmerkmale der Beethovenhalle (Erscheinungsbild des Hallenkörpers, das Foyer mit den Wandmalereien von Joseph Fassbender) im Sinne des Denkmalschutzes erhalten werden können“, erklärt Finger.

Fragen über Fragen, die die Festspielhausfreunde noch nicht so richtig beantwortet haben. Zum Vergaberecht wollte ich es etwas genauer wissen und schickte folgende Mail an die Pressestelle der Stadt Bonn:

Sehr geehrte Frau Dr. Hörig,

ich recherchiere zum Thema Bonner Festspielhaus (auch wenn das Projekt zur Zeit auf Eis liegt) und möchte Sie bitten, mir den seinerzeit veröffentlichten öffentlichen Ausschreibungstext zum Neubau des Festspielhauses zu übersenden.

Desweiteren bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:
1) Wieviele Angebote wurden eingereicht, die den formalen Kriterien entsprachen?
2) Wieviele nicht berücksichtigte Bieter haben ein Konzept eingereicht, das den Erhalt der Beethovenhalle im Gesamtkonzept berücksichtigt?
3) Bitte übersenden Sie mir auch die Preisfolgeliste der Angebotsauswertung. Um das Geschäftsgeheimnis nicht zu verletzten bin ich damit einverstanden, die Namen der Bieter zu schwärzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Gunnar Sohn

Da bekomme ich von der Stadt Bonn folgende Antwort:

Hallo Herr Sohn,
bitte wenden Sie sich an die Deutsche Post AG, die den Architekturprozess damals organisiert hat.

Schöne Grüße
Monika Hörig

Dr. Monika Hörig
Bundesstadt Bonn
Stellvertretende Pressesprecherin
Presseamt
Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn
Telefon +49(0)2 28.77 2112
Telefax +49(0)2 28.77 2468
E-Mail monika.hoerig@bonn.de
Internet www.bonn.de

Merkwürdig, wie dieser Prozess abläuft. Dagegen ist Stuttgart 21 ja noch richtig gut durchschaubar. Ich werde meine Fragen also an den DAX-Konzern richten. Bin gespannt, ob ich von dort wieder an die Stadt verwiesen werde, oder an die Stiftung oder an die Festspielhausfreunde. So macht die Recherche richtig Spaß.

30 Gedanken zu “Recherche Bonner Festspielhaus – Warum wurde die Beethovenhalle nicht miteinbezogen?

  1. Hier schon mal eine Reaktion auf der Facebook-Seite der Initiative Beethovenhalle:

    Beethovenhalle Bonn Aus dem Buch „Beethovenhalle Bonn“ (Weidle Verlag). Andreas Rossmann (AR) sprach mit David Chipperfield (DC)

    DC: Wir haben uns der Aufgabe damals sehr sorgfältig genähert, sowohl emotional wie auch intellektuell: Zum einen war uns klar, daß viele Menschen an der alten Halle hängen, zum anderen gibt es keinen Gebäudetypus, der so anfällig ist für Kostenexplosionen wie gerade ein Konzerthaus, und so haben wir sehr genau überlegt, wie sich die Kosten niedrig halten lassen. Das waren die beiden zentralen Punkte, die unseren Vorschlag bestimmten.

    AR: Und wie wurde das aufgenommen?

    DC: Das kann ich Ihnen sagen. Es war merkwürdig: Als wir unser Projekt vorstellten, kam ich mir vor, als würde ich zu tauben Menschen sprechen.

    AR: Also wieder keine Debatte?

    DC: Der Vorsitzende des Preisgerichts sagte: »Was regen Sie sich über die alte Halle auf? Die kommt weg!« Und er sagte auch: »Wieso Kosten, warum nehmen Sie die so wichtig? Geld spielt doch keine Rolle!«

    AR: Inzwischen dürften sich die Baukosten, für die zunächst 75 Millionen Euro vorgesehen waren, verdoppelt haben.

    DC: Ich habe damals gesagt: Das ist doch merkwürdig. Erst erzählt man uns, das sei ein interessantes Projekt, bei dem es um die emotionalen Bindungen an die alte Halle gehe und der Kostenrahmen einzuhalten sei. Und als wir beides berücksichtigten und das Ergebnis vorstellten, hieß es, die alte Halle ist kein Problem, und die Kosten sind auch keines. Da waren einfach die Vorgaben verändert worden.

    http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=129518873772201&id=274123064023&notif_t=share_comment

  2. Immer wieder ist erstaunlich, wieviel Unkenntnis hier verbreitet wird:
    1) Da es sich beim Festspielhaus nicht um ein städtisches Projekt handelt, gibt es auch keine städtische Ausschreibung
    2) Da der private Bauherr Post im Rahmen einer Private-Public-Partnership ein spielfertiges Festspielhaus zur Verfügung stellt, ist er auch Her des Verfahrens; die Stadt hat dann im Rahmen eines Bebauungsplans über den Bauantrag zu entscheiden.
    3) Die Post hat im Rahmen ihres eingeladenen Architektenwettbewerbs die Aufgabe gestellt, die alte Beethovenhalle zu integrieren, wenn dies als möglich angesehen wird. 8 von 10 Architekten kamen zum Ergebnis, dass dies baulich nicht sinnvoll möglich ist
    4) Ein Bewertungsgremium von Fachleuten aus dem Bereich Architektur, Akustik, Denkmalschutz entschiedbsich unter Einbezug von Vertretern aus Stadtrat und Stadtverwaltung entschied sich einmütig, vier Entwürfe in die engere Wahl, die die alte Mehrzweckhalle nicht erhalten

  3. @Eisel Sie sind hier nicht der Hohepriester der Blogosphäre, um Schulnoten für Kenntnis und Unkenntnis zu verteilen. Die Stadt hat ja schließlich nach Ihren Wunschvorstellungen einige Rechnungen zu begleichen wie den Abriss der Beethovenhalle und die Betriebskosten für die Festspielhalle, die deutlich höher ausfallen als die jetzigen Belastungen. Wenn alles so transparent abläuft, Herr Eisel, dürfte es doch keine Schwierigkeit für die Post und für die Festspielhausfreunde darstellen, die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs, alle eingereichten Beiträge und die Entscheidungen des Bewertungsgremium ins Netz zu packen und sich einem öffentlichen Diskurs zu stellen. Und was sagen Sie denn zu den kritischen Anmerkungen von David Chipperfield? U.a. zur Aussage des Preisgerichtsvorsitzenden: „Was regen Sie sich über die alte Halle auf? Die kommt weg!“ Und er sagte auch: „Wieso Kosten, warum nehmen Sie die so wichtig? Geld spielt doch keine Rolle!“ Hat er diese Aussage gemacht und wie bewerten Sie diesen Vorgang?

    Alles andere werde ich dann schon selbst recherchieren und hier genau dokumentieren.

  4. @gunnarssohn
    Dass Sie kritische Kommentare nicht mögen, sollte Sie nicht ständig zu persönlicen Attacken verführen.
    Die Post hat ihren Architektenwettbewerb völlig öffentlich gemacht. Tausende Bürger haben si´ch die vorgeschagenen Entwürfe angesehen, die Presse hat ausführlichst berichtet, im Bewertungsgremium waren Verrteter aller Bereich incl. Stadt Bonn: Das ist für private Bauherrn ein vorbildlich transparentes Verfahren !!!
    Dass Architekten, die nicht zum Zug kommen, hinterher sauer sind, ist ja nun wirklich nichts neues !
    Vielleicht finden Sie ja abseits aller Verschwörungstheorien die Kraft zur sachlichen Debatte und zum Respekt für unterschiedliche Meinungen, auch zur Bewertung der der Bedeutung der Beethovenhalle, siehe zum Beispiel WELT AM SONNTAG 14.11. 2010:
    „In Bonn wollten Telekom, Post und Postbank ein neues Festspielhaus sponsern und dafür die Beethovenhalle von Siegfried Wolske (1959) abreißen lassen. Nach Bürgerprotesten ist das Projekt ausgesetzt worden. Glaubt man den Abrissgegnern, handelt es sich bei Wolskes Beethovenhalle um ein Jahrhundertbauwerk. Doch der damals erst 29 Jahre alte Schüler des großen Hans Scharoun hat mitnichten etwas geschaffen, das etwa mit Scharouns Berliner Philharmonie zu vergleichen wäre.
    Dramatisch am Rheinufer positioniert, zeigt der Bau dem Fluss die kalte Schulter und versteckt sich hinter einer Grasböschung. Der Stadt streckt die Beethovenhalle einen langen, gläsernen Finger entgegen, in dem die Garderoben untergebraucht sind. Das Foyer ist hübsch, wird jedoch verhunzt durch mobile Champagner- und Würstchenbars. Der Konzertsaal aber mit seinem flachen Fußboden und dem zu hohen Podest sieht aus wie eine beliebige Mehrzweckhalle. Die miserable Akustik wird seit Jahren von Musikern kritisiert. Hier finden Abiturbälle, Computermessen und Pathologenkongresse statt. Damit – und nicht etwa mit Beethoven und Co. – macht die Halle ihr Geld. In dem geplanten, ausschließlich auf Konzert und Theater ausgerichteten Neubau wären solche Veranstaltungen vermutlich nicht möglich; aber die prämierten Entwürfe „Der Diamant“ von Zaha Hadid und „Die Wellen“ von Hermann & Valentiny sind so wunderschön, dass es einem Kulturfrevel gleichkäme, nicht einen davon zu realisieren – und zwar dort, wo jetzt der Wolske-Bau steht, denn für beide ist die Öffnung zum Rhein hin für die Wirkung entscheidend. Klar ist das „Event-Architektur“ – und zwar vom Feinsten. Architektur, die kein Ereignis sein will, kann man für Büros und Banken verwenden.“

  5. Miliana

    @Herr Eisel: Das gesamte, höchst undurchsichtige und unschlüssige Vorgehen der Beteiligten ist Beleg dafür, dass die Regeln einer öffentlichen Ausschreibung vonnöten gewesen wäre und für Transaprenz gesorgt hätten.
    Anders wäre dies natürlich, wenn die Post ein eigenes Grundstück erworben hätte. Hat sie aber nicht – und wenn der Abriss der Beethovenhalle Teil des Konzeptes ist, gehört dies in eine öffentliche Diskussion.

  6. Miliana

    @Herr Eisel: Dieses Verfahren ist und war nicht transparent. Darüber hinaus ist es, wenn die Frage der Standortattraktivität Bonns für ein Festspielhaus betrachtet wird, schlicht und ergfreifend Gigantismus und somit sinnfrei. Man könnte auch sagen: Blödsinn.

  7. @Eisel Ich mag kritische Kommentare, aber keine Oberlehrer.
    Wenn alles so transparent gelaufen ist, spricht doch nichts dagegen, das gesamte Verfahren, alle Bewertungen ins Netz zu stellen. Und hat der Vorsitzende des Preisgerichtes diese Aussagen gemacht, die von Chipperfield angeführt wurden? Wenn ja, sollte das in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden. Hier geht es nicht um Verschwörungstheorien!

  8. Es findet doch nun wirklich eine breite öffentliche Diskussion statt mit vielen öffentlichen Informationsveranstaltuingen und vielfältiger Berichterstattung. Unschlüssig in seinem Vorgehen ist lediglich OB Nimptsch. Bund, Land, Unternehmen usw. haben die notwendigen Entscheidungen getroffen.
    Dass Sie die alte Mehrzweckhalle einem neue Festspielhaus vorziehen ist ihr gutes Recht, aber eben eine umstrittene Ansicht. Und während die Finanzierung des Festspielhauses geklärt ist (es stehen ohne städtisches Geld insg. ca. 140 Mio € zur Verfügung), ist die Finanzierung des Erhalts der Beethovenhalle völlig unklar: Gebraucht werden 1,5 Mio € jährlich plus mindestens 20 Mio € für die notwendige bauliche SAnierung – alles ausschliesslich von der Stadt bezahlt und für eine Halle, die sich wegen katastrophaler Akustik als Konzertsaal nicht eignet und für die es als Mehrzweckhalle keinen Bedarf gibt (ganze vier Nicht-Musik-Veranstaltungen in den beiden Monaten Oktober und November). Das wollen viele Bonner nicht !!!

  9. Erstaunlich finde ich ja, dass das Presseamt der Stadt Bonn Journalisten inzwischen mit „Hallo“ anschreibt.
    Ist es nicht so, dass die Akustik der Beethovenhalle vor dem Brand 1983 deutlich besser und vielgepriesen war? Bevor man das alles in Grund und Boden redet, könnte man ja auch erstmal die Eierkartons an der Decke neu zusammenpuzzlen und die zusätzlichen Stühle wieder rausnehmen, die man nach dem Brand aus Philharmonieneid dazugestellt hatte.

  10. Angela Leinen

    Wieso ist in der Seitenleiste und über dem Kommentar neben meinem Namen ein Monster abgebildet? Wenn sich das nicht unterdrücken bzw. durch ein neutrales Bild ersetzen lässt, möchte ich darum bitten, meine Kommentare wieder zu entfernen.

  11. @Leinen
    Das Problem der Akustik der Beethovenhalle, die ja eine Mehrzweckhalle ist, ist zum Besipiel die im Verhältnis zm Raumvolumen viel zu niedrige Raumhöhe: es fehlen mindestens sechs Meter. Musiker sind sich im vernichtenden Urteil über die Halle einig. mehr dazu finden Sie zum Beispiel
    http://www.buergerfuerbeethoven.de/start/Festspielhaus-Beethoven/Festspielhaus-Archiv/news/Der-weltbekannte-Dirigent-Kent-Nagono.html?xz=0&cc=1&sd=1&ci=3104

  12. @Eisel Merkwürdig, wie sich die Expertenurteile wandeln. Kleines Beispiel: Christ und Welt (müsste Ihnen bekannt sein): „Architektonisch ist der Bau ein mutiges Experiment, das ungefähr auf der gleichen Ebene neben der Stuttgarter Liederhalle und der Berliner Kongresshalle rangiert. Zugleich ist damit einer der modernsten und akustisch einwandfreisten Konzersäle eröffnet, von dem sich die Beethovenstadt Bonn im deutschen Musikleben eine beträchtliche Rangerhöhung verspricht.“

    Karl Korn von der FAZ: „Bonn hat einen hohen architektonischen und städtebaulichen Gewinn zu verzeichnen.“

    Mannheimer Morgen: „..Die ersten Akustikproben….brachten glänzende Ergebnisse. Jeder der 1420 Plätze, im Parkett wie auf den Rängen, ist ‚mitten im Schallgeschehen‘: die dynamischen Schwankungen sind, welchen Standort man im Raum auch immer einnimmt, kaum merklich. Andererseits ist aber auch dafür gesorgt, dass die Akustik nicht nur für eine bestimmte Art von Musik, etwa für romantische Klangmassen, vorzüglich ist, sondern ebenso der klaren Linearität eines barocken oder auch modernen Werkes gerecht wird….“. Soweit die Kommentare der Kulturredaktionen.

    Zur politischen Bedeutung der Beethovenhalle, die Sie ja schlichtweg abstreiten, Stichwort „Weg der Demokratie“, werde ich noch etwas nachlegen…..

  13. @gunnarssohn
    Warum fügen sich die Daten Ihrer Zeitungskommentare nicht ein ?????? Könnte es sein, dass es sich um Urteilenaus den 60er Jahren handelt und sich seitdem Einiges weiterentwickelt hat ???

  14. @Eisels Damit Sie es erraten können. Spätestens bei Karl Korn dürfte es Ihnen ja aufgefallen sein. Ich sprach ja auch vom Wandel der Expertenurteile. Sind Sie ein Akustikexperte? Was hat sich denn weiterentwickelt?

  15. verändert hat sich die Möglichkeit Komzertsääle mit besserer Akustik zu bauen
    Die schlechte Akustik der Beethovenhalle ist bei jedem Konzertbesuch dort störend – Sie sind wohl selten wegen der Musik dort, das mag unsere unterschiedliche Wahrnehmung der Halle erklären

  16. Nicht frech werden, Herr Eisel. Ich bin häufiger in der Halle als Sie denken. Faktum ist, Sie reden die Halle schlecht. Sie suchen krampfhaft nach Argumenten, um den Abriss zu rechtfertigen. Aber so einfach wird es in der öffentlichen Disputation nicht gehen. Das merken Sie doch so langsam, oder?

  17. und schon werden Sie wieder ausfallend….
    wenn Ihnen die Akustik bei den Konzerten ausreicht, habe ich nichts dagegen — mir und vielen anderen reicht das nicht
    Ich freue mich über den großen Zuspruch beim Thema Festspielhaus bei vielen Gelegenheiten
    und da Sie alles besser wissen, wird Sie auch nicht irritieren, was die Musiker selbst sagen|
    „Bonn kann darauf Stolz sein, dass hier der erste Konzertsaal nach dem Krieg gebaut wurde, Bonn kann nicht mehr stolz sein, den Bau so zu belassen, dass er den Ansprüchen unserer Zeit nicht mehr genügt. Die Halle ist so wie sie ist, sie ist nicht verbesserbar. Ich appelliere an alle, die begriffen haben, dass Bonn im Augenblick die historisch einmalige Chance hat, für Beethoven ein Festspielzentrum zu werden wie Salzburg für Mozart.“
    Kurt Masur, Dirgent

    „Ein neues Festspielhaus bietet für Bonn die Chance, sich international noch stärker zu positionieren und die künstlerische Qualität des Beethovenfestes zu stärken. Die Investition lohnt sich: Überall, wo in den vergangenen Jahren neue Konzertsäle gebaut wurden, oftmals auch gegen etliche Widerstände, haben sie sich zu Publikumsmagneten entwickelt und neue Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze geschaffen. Das wird in Bonn nicht anders sein.“
    Kent Nagano, Dirigent

    „Das Beethovenfest und die Stadt Bonn brauchen einen neuen und akustisch hervorragenden Saal, um dem gestiegenen Renommee des Beethovenfestes gerecht zu werden und der Musik in Bonn eine erstklassige Spielstätte zu geben.“
    Jan Vogler, Cellist

    „The current hall is depressing, unsuited acoustically for classical music. Not worthy of the City of Bonn, not of its fine festival.“
    Sir John Eliot Gardiner, Dirigent

    „We love coming to Bonn, and I can tell you that Bonn really could benefit from a new concert hall.“
    Paavo Järvi, Dirigent

    „Unser größtes Kapital ist die Kultur, man soll sie ja nicht mit Füßen treten. Umso erfreulicher ist die Initiative – endlich – für einen neuen Konzertsaal im Bonn!“
    Rudolf Buchbinder, Pianist

    „Ich denke, dass die Stadt Bonn, Geburtsort des großen Beethoven und Sitz des wunderbaren Festivals, das den Namen dieses Genies trägt, einen würdigen Rahmen für etwas Großartiges verdient hat. Es wäre nur angemessen, eine neue Halle zu haben, damit weiterhin Künstler von höchstem Niveau und Publikum aus der ganzen Welt anreisen.“
    Gustavo Dudamel, Dirigent

    „Aller guten Dinge sind drei: ein genialer Komponist, ein großartiges Festival, fehlt nur noch ein brilliantes Festspielhaus!“  
    Manfred Honeck, Dirigent

    „Bonn braucht das Festspielhaus! Als „composer und artist in residence“ hatte ich die Freude, in diesem Jahr mehrere Konzerte und Begleitveranstaltungen beim Beethovenfest Bonn künstlerisch verantworten zu dürfen. Hierbei wurde mir einmal mehr deutlich, dass der Bau eines Festspielhauses in dieser Stadt, das den Namen Beethoven trägt und mit akustischer wie architektonischer Spitzenqualität zu den nationalen Leuchttürmen zählt, ein unverzichtbares Desiderat des Musiklebens darstellt.“
    Peter Ruzicka, Komponist und Dirigent

    „Um auch in Zukunft Anziehungspunkt für internationale Spitzenmusiker zu bleiben, braucht Bonn ein Festspielhaus auf höchstem Niveau. Das kann nicht die Beethovenhalle sein! “
    Susanne Kessel, Pianistin

    „Beethoven deserves another room, please!“ Valery Gergiev, Dirigent

    „Bonn braucht einen Konzertsaal, der auf dem gleichen international anerkannten Standard ist, damit Künstler ihr können angemessen und inspiriert in Bonn präsentieren können…. und das möglichst schnell! Wenn nicht in der Beethoven-Stadt, wo denn sonst…!“ Daniel Hope, Geiger

    „Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns Taten sehn“ – das ging mir durch den Kopf, als ich den Prospekt mit den prachtvollen preisgekrönten Entwürfen für eine neue Beethovenhalle durchsah – alle vier so interessant, dass ich froh bin, zwischen ihnen nicht entscheiden zu müssen. Nur möchte ich gern zu einer baldigen Entscheidung ermuntern – bei allem Respekt vor den Traditionen, von denen die alte Halle zeugt. Oft genug habe ich dort dirigiert, Konzerte gehört, weiß aber auch, dass es die originale alte Halle nicht mehr ist, jetzt eher ein Zufallsergebnis halbherziger Kompromisse.“
    Peter Gülke, Dirigent

    „Die Musik Beethovens braucht eine adäquate Heimstätte! Auch beim Beethoven Orchester Bonn herrscht eine wunderbar spürbare Aufbruchstimmung – dazu fehlt uns nur noch ein international renommierter Musentempel…“ 
    Stefan Blunier, Dirigent (Generalmusikdirektor Beethoven Orchester Bonn)

    „In diesem Jahr bin ich nun zum ersten Mal zum Beethovenfest geflogen und war enttäuscht von der Beethovenhalle. Ich haette mir nicht vorstellen können, dass das Beethovenfest in so einer Halle Konzerte anbieten muss. Von den Plänen fuer ein neues Festspielhaus hatte ich schon vorher gehört und verstehe jetzt umso weniger, warum sie vorerst nicht realisiert werden.“
    Contessa Sabine Lovatelli, Präsidentin Mozarteum Brasileiro

  18. gsohn

    @Eisels Sie posten hier doch ständig zynische Bemerkungen. Das Echo müssen Sie dann schon ertragen, auch wenn Sie das vielleicht nicht gewöhnt sind. Und das die Akustik der Beethovenhalle früher ausgezeichnet war, können Sie wohl nicht bestreiten. Mit heutiger Technologie kann einiges bewältigt werden. Man hätte schon längst modernisieren können. Indofern sind die Copy Paste-Zitate nutzlos.

  19. @gsohn
    man kann die Akustik einer Mehrzweckhalle nicht zum Konzertsaal „modernisieren“! Wenn sich mit Musik, Konzertsäälen und Akustik besser auskennen als die Musiker, die sich in ihrem Beruf Weltgeltung erarbeitet haben, sollten Sie vielleicht den Beruf wechseln.

  20. da Sie scheinbar ein echter Musensohn sind, ist das doch mal ein gute Empfehlung. Was so alles möglich ist, können Sie im Kölner Dom erhören….

  21. Angela Leinen

    Danke Herr Sohn, so ist es besser. Ich will Ihr Tête-à-Tête nur ungern stören. Mir scheint die „miese Akustik“ der Beethovenhallt überhaupt erst ein Thema zu sein, seit die Post mit einem Geldsack gedroht hat. Plötzlich werden Lokalpolitiker zu Akustikexperten und beklagen, was ihnen früher nicht aufgefallen wäre. Vielleicht können Sie ja mal benennen, was an der Akustik das Problem ist, mit einfachen Worten für Nicht-Physiker und Nicht-Musiker, und warum das nicht durch bauliche Anpassungen zu lösen sein soll.
    Ich behaupte ja nicht, dass es keine Probleme gibt, zum Beispiel, dass man insbesondere bei Kammermusik einfach ALLES hört, auch, wenn sich fünf Reihen vorher jemand zu seinem Nachbarn beugt und ihm etwas ins Ohr raunt. Andere Frage aber, wie viele Hallen es gibt, die keine akustischen Probleme haben. Ich finde zum Beispiel, dass die Philharmonie in Köln bei kleinen Besetzungen ziemlich dämpft und möchte dort kein Streichquartett hören, dafür würde ich lieber in die Beethovenhalle gehen. Es gibt keinen Konzertsaal, der für jede Art von Musik gleichermaßen geeignet ist.

    Zu Ihren Musiker-Kommentaren, Herr Eisel: Jeder möchte mal ins große Schloss, erinnern Sie sich noch an die leuchtenden Augen vieler Beamter hier in Bonn, als sich vor ein paar Jahren plötzlich die Aussicht auftat, in Berlin-Hauptstadt-der-DDR im REICHStag zu regieren?
    Welcher Gast-Künstler würde denn nicht helfen wollen, wenn er gefragt wird: Würden Sie der kleinen Stadt Bonn ein großes Festspielhaus gönnen?

    Ob große Musiker nach Bonn kommen, ist wohl eher eine Frage des Veranstalters. Früher sorgte Johannes Wasmuth mit Festival Pro dafür, dass die großen Pianisten, Streichquartette und Orchester in Bonn auftraten, ohne städtische Zuschüsse. Auch damals schon blieb das Konzertangebot der Stadt Bonn deutlich dahinter zurück, was ja ganz offensichtlich nicht am Raum lag.

    Interessante Konzertreihen wie die „Tage neuer Musik“, „Tage alter Musik“ und schließlich die sehr interessante Synthese „Bonner Herbst“ machten das Bonner Musikleben auch ohne die ganz großen klassischen Werke und Interpreten wieder interessant, wurden aber von der Stadt Bonn trotz sehr guter Besucherzahlen wieder eingestellt.

    Beethoven ist wirklich nicht alles, aber offenbar ist das Beethovenfest inzwischen DIE heilige Kuh im Konzertleben, der alles andere geopfert wird. Das kulturelle Leben einer Stadt kann man doch nicht nur auf auswärtige Festivalbesucher ausrichten und gleichzeitig die eigenen guten Ensembles (insbesondere die Chöre sind hier zu nennen) verhungern lassen.

  22. @leinen
    Wenn Sie ein Streichquartett aus akustischen Grünxen lieber in der Beethovenhalle als in der Kölner Philharmonie hören wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen … der Unterscheid zwischen einer Mehrzweckhalle und einem Konzertsaal ist doch nun wirklich nicht zu überhören … Und besonders abenteuerlich wird es, wenn Sie Künstlern wie Masur, Nagano oder Buchbinder unterstellen, sie seien für ein Festspielhaus, damit sie auch mal in einem großen Saal spielen können .. Glücklicherweise gibt es in Bonn viele Bürger, die sich für Beethoven stark machen: die Stadtoberen wollten kein Beethivendenkmal, sein Geburtshaus abreißen, haben das Beethovenfest mehrfach wieder eingestellt und können sich jetzt nicht für das voll finanzierte Festspielhaus entscheiden: Durchgesetzt haben es immer die Bürger und so wird’s auch diesmal sein…

  23. es ist ja kein Widerspruch sich für Beethoven und für die Beethovenhalle einzusetzen.
    Wie heißt es noch in der Urkunde zur Grundsteinlegung der Beethovenhalle:

    MÖGE DIE NEUE BEETHOVENHALLE ZU EINEM
    INTERNATIONALEN ZENTRUM DER PFLEGE BEETHOVENSCHER MUSIK WERDEN

    MÖGE SIE ZU EINEM SINNBILD UND ZU EINEM SAMMELPUNKT ALLER BEMÜHUNGEN UM KULTURELLE BRÜDERLICHKEIT UND GEMEINSCHAFT WERDEN

    MÖGE SIE ZU EINER STÄTTE MENSCHLICHER BEGEGNUNG IN FEIER UND ERHEBUNG WERDEN

    MÖGE SIE ZUM MITTELPUNKT DES KULTURELLEN UND GESELLIGEN LEBENS DER BÜRGER DIESER STADT WERDEN

    Unterschrieben u.a. vom Bundespräsidenten Theodor Heuss.

    Man sollte sich dem akustischen Konzept stärker widmen, denn bei der akustischen Planung der Beethovenhalle ist „alle wissenschaftliche Sorgfalt aufgewendet worden, die einem solchen weit wirkenden Zentrum der Musikpflege zukommt“, so Erwin Meyer über die raumakustische Planung großer Konzertsäle.

  24. Angela leinen

    Aber Herr Eisel, ich habe Sie doch gar nicht um Hilfe gebeten. Im Gegenteil, ich möchte nur, dass Sie Ihre Finger von der Beethovenhalle lassen. Ich bin eine einfache Bürgerin und fühle mich von Ihnen als Volksvertreter durch diesen Ton sehr von oben herab abgekanzelt.

  25. Die Zeiten, wo das Abkanzeln noch funktioniere, sind zum Glück längst vorbei. Zum Rummel um die so genannten Stararchitekten habe ich noch eine nette Lesefrucht zu bieten:

    ‎“Nehmen Sie Zaha Hadid, die ja auch Stadtplanung in Istanbul und Singapur betreibt. Mit den konkreten Orten haben ihre Entwürfe nichts zu tun. Das sind nur Ideenwolken, die weltweit abgelagert werden wie Vulkanasche, völlig wahllos. Und das Schlimme ist, dass die Entscheider erst einmal darauf hereinfallen. Hinterher sehen sie dann:
    Das funktioniert gar nicht, und das passt auch nicht zu uns.“ Albert Speer in DIE WELT, 11.5.

  26. Die mangelnde Offenheit des Verfahrens beim Bau des Bonner Festspielhauses ist ja schon angesprochen worden – abgesehen von dem PR-Spektakel der Post – laufen einige Dinge an der üblichen Vergaberechtspraxis vorbei. Gestern bestätigte mir ein Kölner Architekt, dass ein Public-Private-Partnership-Projekt keinesfalls ohne die üblichen rechtlichen Bestimmungen für öffentliche Gebäude ablaufen kann. Der Verweis der Pressesprecherin der Stadt Bonn auf den DAX-Konzern Post ist also ein Indiz, dass hier einiges nicht so abläuft, wie es vielleicht sein müsste. Entscheidend für die vergaberechtliche Frage ist der öffentliche Nutzungsgrad des Festspielhauses. Daher falle auch dieses Objekt unter die strengeren Regeln des Vergaberechts. Was passieren kann, wenn Stifter anderes im Sinn haben, ist dem folgenden Dokument zu entnehmen. Es geht um das Stadtmuseum Köln. Ich gebe hier ein Papier des Bundes der Architekten wieder:

    Im Frühjahr 2008 traten namhafte Vertreter aus Politik und Verwaltung an den BDA Köln heran, um bei der „Lösung des Problems Stadtmuseum“ eine Unterstützung zu erbitten. Man sah sich in der Zwickmühle zwischen grundsätzlich erwünschtem Engagement privater Stifter und vergaberechtlichen Bestimmungen. Ein Stifterehepaar hatte sich bereits Jahre zuvor an die Stadt gewandt, wollte eine Stiftung für die Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums abklären. Doch anstatt zielorientierte Beratung zu bieten und einen
    – von den Stiftern zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossenen – Architektenwettbewerb durchzuführen, herrschte Stille auf Seiten der der Stadt. Nach wie vor von ihrem Vorhaben überzeugt, planten die Stifter weiter; nun mit einem eigenen Architekten.
    Im Frühjahr 2008 wurde dann öffentlich, dass die Stiftung nun auch den Entwurf des Architekten beinhalten sollte und man der Stadt ein Komplettangebot machte. Die Stadt Köln befand sich hierdurch in einer Zwickmühle. So sehr man das Angebot grundsätzlich auch begrüßte, stand es doch im Widerspruch mit dem Vergaberecht, die für das Bauvorhaben eine öffentliche Ausschreibung vorsieht, eine direkte Vergabe nicht erlaubt. Im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung war es kaum zu rechtfertigen, dass man eine private Stiftung in solch markanter Höhe – die Rede ist von mindestens 5 Mio. Euro – ausschlägt, auch angesichts der leeren Stadtkasse und dringendem Sanierungs- und Erweiterungsbedarf des in die Tage gekommenen, städtischen Museums. Das Angebot jedoch mit einer rein juristischen Begründung abzusagen, hätte das zuvor erfolgte Versagen der städtischen Beratung umso mehr offenbart. Es galt nun, gemeinsam mit dem Stifterehepaar eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten zufrieden sein können.

    Die Stadt Köln befand sich hier allerdings in einer weniger guten Verhandlungsposition; zum einen durch die Vorgeschichte, zum anderen auch durch den inzwischen involvierten Architekten, der sich nicht nur der Rückendeckung der Stifter, sondern auch des Vereines „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“ und dessen prominenten Fürsprechern sicher sein konnte. Dieser Verein initiierte dann auch ein juristisches Gutachten, welches die Übereinstimmung der Stiftung mit dem Vergaberecht belegen sollte. Das inzwischen eingeschaltete Vergabeamt der Stadt Köln stellte jedoch die Unvereinbarkeit des Vorhabens mit dem Vergaberecht fest. Das Museumsreferat der Stadt Köln gab darauf hin ein Gegengutachten in Auftrag, welches dem eigenen Vergabeamt widersprach und eine Direktvergabe ohne öffentliche Ausschreibung guthieß. In dieser verfahrenen Situation haben wir, der BDA Köln, uns den Beteiligten als Ansprechpartner und Vermittler angeboten. In zwei offenen Briefen haben wir nachdrücklich auch auf die Verantwortung der Stadt Köln hingewiesen, bei ihren eigenen Bauprojekten beispielhaft voran zu gehen und nicht nur das Recht zu achten, sondern besonders
    auch aus baukultureller Sicht das bewährte und erfolgreiche Instrumentarium des Architektenwettbewerbes zu nutzen. Wie sollte die Stadt Köln bei privaten Investoren bei deren Projekten noch auf einen Qualität sichernden Architektenwettbewerb bestehen, wenn sie bei ihrem ureigenen Stadtmuseum – als gebauter Identität der Stadt Köln – nicht selbst mit guten Beispiel voran geht. Wir haben aber auch das Engagement privater Stifter und Investoren für den Um- und Weiterbau der Stadt stets eingefordert und unterstützt.
    Dies sollte in einer Stadtgesellschaft genauso selbstverständlich sein wie das Einhalten von Regeln für das gemeinschaftliche Zusammenleben. Das an die Stadt adressierte Angebot des BDA Köln, unsere fachliche Kompetenz in das Verfahren einzubringen und gemeinsam nach einem regelkonformen Weg zu suchen, wartet bis heute auf eine förmliche Antwort. Auf unser eigenes Betreiben gab es jedoch etliche Gespräche mit Politik und Verwaltung, wenn auch außerhalb des Verfahrens. In das Verfahren eingebunden war allerdings, auf persönliche Veranlassung des OB, unser Mitglied Jürgen Minkus in seiner Funktion als Vorsitzender des Gestaltungsbeirates der
    Stadt Köln, der als externes Beratungsgremium des Stadtentwicklungsausschusses fungiert. Jürgen Minkus hat sich im Planungsbeirat zum Kölnischen Stadtmuseum nachdrücklich und maßgeblich für ein transparentes, regelkonformes Verfahren eingesetzt. Ein von der Politik einvernehmlich mit den Stiftern einberufener Planungsbeirat mit Vertretern der Stifter, seines Architekten, der Politik und Verwaltung sowie externer Fachleute nahm die Beratungen auf und skizzierte ein Wettbewerbsverfahren mit beschränktem Teilnehmerkreis. Allerdings sollte der vom Stifter vorgelegte Entwurf sich nicht in diesem Verfahren der Konkurrenz stellen, sondern im Anschluss mit dem siegreichen Entwurf
    verglichen werden. Die Stifter behielten sich das Recht vor, vom Schenkungsvertrag zurück zu treten, wenn das Ergebnis des Wettbewerbes ihnen nicht zusagt. Die Stadt Köln ihrerseits hat das Recht des Rücktritts vom Vertrag, wenn die Mehrheit des Planungsbeirates dem Stifter-Entwurf oder dem Ergebnis des Wettbewerbs nicht zustimmt.
    In diesem Fall wurde der Stiftung eine pauschale Zahlung von 70.000 Euro für die bisher entstandenen Aufwendungen zugesichert. Die Kosten für den Wettbewerb in Höhe von ca. 100.000 Euro hat die Stadt in jedem Fall zu tragen. Der Planungsbeirat kürte das Berliner Büro ‚raumzeit‘ zum Sieger und empfahl, das Projekt auf dieser Basis zu realisieren. Anschließend gab es mehrere Anläufe, eine Kooperation
    des Wettbewerbssiegers und des Stifter-Architekten zu regeln. Hier kam es bisher zu keiner Einigung. Die Stifter begründen dies damit, dass das Büro ‚raumzeit‘ sich unkooperativ gezeigt habe und sich der Einbindung in das Projekt unter Leitung des Stifter-Architekten verweigern. Das Büro ‚raumzeit‘ wiederum besteht darauf, als Sieger des Verfahrens und Urheber des Entwurfes die Federführung in einer möglichen Arbeitsgemeinschaft zu übernehmen.
    Der Stifter stellt nun, ohne auf das noch ausstehende, abschließende Votum des Planungsbeirates zu warten, die bisherigen Absprachen und auch den mit der Stadt Köln ausgehandelten Schenkungsvertrag in Frage, indem er sein Angebot umdefiniert und dieses auf die Basis des in 2007 vorgelegten Architektenentwurfes stellt. Er ist damit insofern im Sinne des Schenkungsvertrages konsequent, welcher ihm bei Nichtgefallen des siegreichen Entwurfes das Rücktrittsrecht einräumt. Der Verdacht, dass er das Wettbewerbsverfahren nur halbherzig unterstützt und dieses für ihn lediglich eine Feigenblattfunktion hat, wird durch das jetzige Vorgehen genährt.
    Der Oberbürgermeister unterstützt in seiner aktuellen Stellungnahme die Abkehr des Stifters von den bisherigen Vereinbarungen und konterkariert damit nicht nur das unter hohem finanziellen und personellem Einsatz durchgeführte Verfahren des von der Politik eingesetzten Planungsbeirates, sondern gibt auch ohne Not das erzielte Ergebnis und die damit einher gehende gestärkte Position der Stadt Köln auf.
    Wie ein vom BDA initiiertes, juristisches Gutachten zeigt, ist die juristische Seite der Problematik nicht zu unterschätzen. Ganz gleich, wie die Konstellation aus Stifter, Stiftungsempfänger, Grundstückseigentümer und Nutzer auch aussehen mag; die Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums ist eine öffentliche Bauaufgabe und damit ohne jeden Zweifel der Einhaltung der einschlägigen Vergaberichtlinien verpflichtet. Die Verknüpfung einer Stiftung mit Gegenleistungen ist nicht möglich; doch diese sind im vorliegenden Fall gleich mehrfach gefordert – so in der Festlegung auf einen bestimmten Architekten oder der Namensgebung des Museums nach den Stiftern. Kommt es zu dieser Vergabe, indem die Stadt Köln die mit Bedingungen verknüpfte Stiftung annimmt, steht es sowohl den im Werkstattverfahren teilnehmenden Architekten als auch jedem anderen, unrechtmäßig von einem geregelten Vergabeverfahren Ausgeschlossenen zu, gegen
    die Verletzung des Vergaberechtes Rechtsmittel einzulegen. Damit wäre das gesamte Verfahren mindestens auf lange Zeit hin blockiert; und es ist jetzt schon absehbar, dass eine Bestätigung der von den Stiftern vertretenen Rechtsauffassung durch deutsche und EU-Gerichte kaum erfolgen kann und wird. Die Blamage hätte einmal mehr die Stadt Köln.

  27. @gunnarsohn
    Das konsequente Vorbeischreiben am Thema ist doch langweilig: im Unterschied zum Kölner Stadtmuseum geht es beim Festspielhaus NICHT um eine kommunale Kultureinrichtung. Deshalb gilt auch nicht das öffentliche Vergaberecht. Die Kommune muss entscheiden,wenn es um den Bebauungsplan geht,weil ein Bauantrag gestellt wird. In diesem Zusammenhang steht die Beethovenhalle zur Disposition, wenn das Festspielhaus dort gebaut werden soll.
    @Leinen
    Ich bin Bonner Bürger wie Sie und es gibt keine Bürger erster und zweiter Klasse, allerdings unter den Bürgern ganz unterschiedliche Meinungen zur Eignung der Beethovenhalle als Konzertsaal. Gerade weil ich seit vielen Jahren sehr oft dort bin, meine ich, dass die Mehrzweckhalle dazu nicht taugt – und viele Bürger sind mit mir einer Meinung. Da ist es ein grosses Gluck, dass Bund, Land und Unternehmen ca. 140 Mio € für ein Festspielhaus in Bonn investieren wollen und damit auch uns Bonner Bürger von den Kosten für die alte Mehrzweckhalle entlasten.

  28. Jeder gibt hier seine persönliche Meinung wieder – not more. Und wie es mit der rechtlichen Würdigung des Festspielhauses ausschaut, werden wir im öffentlichen Diskus ja noch erleben. Einen entsprechenden Vergaberechtsexperten habe ich schon auf meiner Interview-Agenda. Das Thema bleibt uns also erhalten.

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