Madame Luzifer, Rabenliebe, Leiden des Lord Chandos, Pyramidenklänge und liebende Väter: Das Kulturprogramm der besten Bonner Buchhandlung

Der beste Bonner Literaturtempel „Buchhandlung & Galerie Böttger“ hat für Oktober und November wieder ein ambitioniertes Programm organisiert. Hier sind die Termine:

13.10.2010 um 20:00 Uhr
„Madame Luzifer tritt auf. Caroline Schlegel-Schelling – eine provozierende Frau der Goethezeit.“
Vortrag von Elisabeth Matthay, Aachen.
Der Eintritt ist frei.
Eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Bonn e.V. in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Böttger.

29.10.2010 um 20:00 Uhr
„Rabenliebe“ Peter Wawerzinek liest aus seinem Roman. Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück. Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.
Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur.

2.11.2010 um 20:00 Uhr
„Die neuen Leiden des Lord Chandos. Sprach- und Bewußtseinskrise“ 100 Jahre nach Hugo von Hofmannsthal.
Vortrag von Dr. Friederike Reents.
Eintritt frei
Eine Veranstaltung des Bonner Zweiges der Gesellschaft für deutsche Sprache in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Böttger.

Zur Referentin: Studium der Rechtswissenschaften in München, Würzburg und Lausanne; Mitarbeiterin bei verschiedenen Verlagen; Studium der Germanstik und Philosophie in Heidelberg; Promotion über Gottfried Benn; Wiss. Assistentin am Lehrstuhl von Prof. Helmuth Kiesel in Heidelberg; Arbeitsschwerpunkte: Literatur, Poetik und Philosophie des 20.und 21. Jahrhunderts; Mitarbeiterin der FAZ. Veröffentlichungen u.a.: „Ein Schauern in den Hirnen“ Gottfried Benns „Garten von Arles“ als Paradigma der Moderne. Wallstein 2009. 448 S. 39,90 Euro

05.11.2010 um 20:00 Uhr
Friedrich Wilhelm Korff: Der Klang der Pyramiden. Platon und die Cheopspyramide – Korff stellt sein Buch vor und gibt Klangbeispiele auf dem Kontrabass. Eintritt 8 Euro / 5 Euro – Hier eine Hörprobe.

Mit den Pyramiden haben die Ägypter Bauwerke von Weltgeltung geschaffen. Warum ihr Anblick stets aufs Neue fasziniert, blieb uns bisher verborgen. Wir erkannten nur, dass die Böschungswinkel der Pyramiden harmonisch sind. Die Suche nach dem Grund für dieses erstaunliche Phänomen hat den Philosophen Friedrich Wilhelm Korff in die antike Musiktheorie geführt. Das Geheimnis der Zahl 5040, die Platon zur logistischen Basis seines Idealstaates erklärt, war bisher selbst den klassischen Philologen verborgen geblieben. Korff hat entdeckt, dass diese Zahl in Wahrheit eine Pyramidenzahl ist. Sie enthält den kompletten Satz der Abmessungen der Cheopspyramide in überprüfbaren Ellenlängen. Dank seines archäologischen Spürsinns und den mathematisch exakten Ableitungen gelingt Korff der Nachweis, dass die Neigungswinkel aller Pyramiden aus musikalischen Intervallen gebildet sind. Da man den Anblick der Pyramiden nicht hören kann, löst sich das Rätsel, wenn man im übertragenen Sinne sagt: Sie klingen in den Augen, sind steingewordene Musik, materialisierte geistige Systeme. Unsere Architekten haben mit ihren heutigen Nachbildungen so gut wie nie die Faszination der ägyptischen Originale erreicht: Sie wissen nicht um die altägyptische Kenntnis der Harmonie der Pyramidenneigungen. Die Entdeckung Korffs wird in dem 330 Seiten umfassenden Werk wissenschaftlich begründet und ist nach der Vielzahl nicht immer solider Veröffentlichungen über die Pyramiden ein unwiderlegbarer, mathematisch genau begründeter Beweis für die Lösung des Rätsels.

13.11.2010 um 17:00 Uhr
Hildegard Pütz: Arbeiten zu Heraklit. Ausstellungseröffnung in der Galerie. Die Künstlerin ist anwesend.

18.11.2010 um 20:00 Uhr
„Die Liebe der Väter“ Thomas Hettche liest aus seinem Roman.
Eintritt: 8 Euro / 6 Euro

23.11.2010 um 20:00 Uhr
„Die versandete Zeit“ Der kolumbianische Autor Tomás González liest aus seinem Roman.

„Schöne Welt, wo bist du? Friedrich Schiller in Liedern von Franz Schubert“
Vortrag von Dr. Arnold Pistiak, Potsdam.
Ort: Buchhandlung & Galerie Böttger, Bonn.
Der Eintritt ist frei.
Eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Bonn e.V. in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Böttger.

11.12.2010 um 19:00 Uhr
„Wieder alles weich und weiß“ – Gedichte vom Schnee vorgestellt von Michael Frey und Andreas Wirthensohn
Der Eintritt ist frei.

Schnee lässt in unseren Gefilden niemanden kalt: Den einen ist er den Winter über grundsätzlich ein Gräuel, während die anderen ihn schon ab November sehnlich herbeiwünschen. Zur Gruppe der Schneefreunde gehören, neben den Kindern, unzweifelhaft auch die Schriftsteller. Der weiße Niederschlag ist ein Motiv, das bei erstaunlich vielen Dichtern in immer wieder neuen Variationen und Zusammenhängen aufscheint und ein vielfältiges Geflecht von Bedeutungen ausbildet. Dies zeigt eine Auswahl von rund 80 Gedichten vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In sieben Kapiteln wird aufgeboten, was Dichter an den weißen Flocken inspiriert hat: Vom ersten Schneefall bis zum verhassten Tauwetter sowie von mancherlei Schneelust und Schneelast erzählen die kleinen Kunstwerke. Nicht ausgespart bleibt die Frage, wo die Schneemänner bleiben, wenn sie geschmolzen sind.

Michael Frey und Andreas Wirthensohn, Herausgeber der Anthologie „Wieder alles weich und weiß – Gedichte vom Schnee“ (Mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner. dtv 2010) stellen ihr Buch vor, lesen Gedichte aus diesem Buch und berichten über Freuden und Leiden, Freiheiten und Zwänge beim Erstellen einer Anthologie.

Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt (schön wäre aber Schneefall am 11. Dezember).

Veranstaltungsort: Buchhandlung Böttger
Maximilianstr. 44, 53111 Bonn (in der Nähe des Hauptbahnhofs).
0228/3502719 ‎

2 Gedanken zu “Madame Luzifer, Rabenliebe, Leiden des Lord Chandos, Pyramidenklänge und liebende Väter: Das Kulturprogramm der besten Bonner Buchhandlung

  1. Günter

    super, wenn des doch mehrere solcher tollen Buchhandlungen gäbe, dann hätte Amazon es nicht so leicht

  2. Da hast Du recht. Die Abgrenzung sehe ich aber vor allen Dingen bei den unpersönlich Buch-Kaufhäusern, die schlechte Beratung mit Schundliteratur kombinieren. Also mehr in den wirklich guten und inhabergeführten Literaturbuchhandlungen einkaufen!!!!

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