Der Google-Chef und die mobile Computer-Intelligenz


Google-Chef Eric Schmidt ist davon überzeugt, dass wir eine Welt mit 100 Megabit mobiler Übertragungsgeschwindigkeit erleben werden. Also wesentlich schnellere Verbindungen als heute. Jeder Mensch wird ein Smartphone in der Tasche haben. „Wenn ich eine Straße hinuntergehe, können Passanten per Livestream Informationen von der Oper, dem Kino, dem Händler und den Schulen empfangen. An der Oper könnte das Telefon dann ein Stück der Oper vorspielen. Wenn der Nutzer die Oper hasst, bekommt er eine andere Einspielung. Das allwissende System trifft also Entscheidungen in Echtzeit und versorgt die Menschen mit Informationen“, so Schmidt im Interview mit der FAZ.

In fünf bis zehn Jahren werde das Gerät wissen, was um den Nutzer herum passiert, und es wird Vorschläge machen, was für den Nutzer besonders wichtig sein kann. „Das Gerät wird also wissen, ob der Nutzer lieber Oper hört oder lieber den Film anschaut. Die nächste Stufe werden dann die Freunde sein. Das Gerät wird mir sagen, ob einer meiner Freunde auch gerade in Berlin ist und ob es ihn kontaktieren soll“, erläutert der Google-Chef. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von der Augmented Humanity, der erweiterten Menschheit. Die Menschen sollten das, was sie tun, noch besser machen. Sie sollten produktiver werden zum Beispiel. „Computer brauchen die Hilfe des Menschen, um besser zu werden, sie brauchen Training. Auf der anderen Seite sind wir Menschen mit unserer Intelligenz überfordert, wenn es etwa um die Bereitstellung eines perfekten Gedächtnisses geht. Da stoßen wir Menschen an Grenzen. Meine Idee ist, dass wir die Computer verbessern, die den Menschen helfen, und gleichzeitig Menschen besser darin werden, die Computer zu trainieren. Das Ziel muss sein, dass die Leute weniger Zeit verschwenden und mehr Spaß im Internet haben“, sagt Schmidt.

Das kommt sehr nah an die Prognosen des Informatik-Professors Herman Maurer von der TU-Graz heran, die ich hier vor ein paar Jahren vorgestellt habe. „Lange vor dem Jahr 2100 werden alle Menschen jederzeit und an jedem Ort auf alles Wissen der Menschheit zugreifen können, ähnlich wie wir das heute bei materiellen Gütern können. Dieser Zugriff wird mit Geräten erfolgen, die stark mit den Menschen integriert sind, und wird sich auf Wissen beziehen das entweder aus Datenbanken kommt oder aus Dialogen mit Experten entsteht. Das Gehirn des Einzelmenschen wird nur noch ein vergleichsweise winziger Bestandteil eines gewaltigen Wissensvorrates sein, der durch die Vernetzung aus Milliarden von Menschenhirnen und Datenbanken entsteht“, prognostiziert Maurer.

Skeptiker, die vor einer nicht beherrschbaren Informationsüberflutung warnen, werden bald verstummen: „Am Horizont zeichnet sich bereits ab, dass die Informationslawine allmählich gebändigt und strukturiert werden wird zu sinnvollen, verlässlichen und auf die Person maßgeschneiderte Wissenseinheiten. Das wird geschehen über die stärkere Verwendung von Metadaten, von intelligenten Agenten, von vertikalen Suchmaschinen, wo Fachleute Informationen gefiltert und kombiniert haben, von Gigaportalen für die verschiedensten Anwendungsbereiche, von aktiven Dokumenten, die von sich aus antworten geben können“, so Maurer. Bei der Wissensvernetzung und dem Wissensmanagement sei es erforderlicht, Wissen jederzeit und an jedem Ort verfügbar zu machen.

Er habe schon vor vielen Jahren den allgegenwärtigen Computer vorhergesagt: nicht viel größer als eine Kreditkarte, weitaus mächtiger als die heutigen schnellsten Computer, mit hoher Übertragsgeschwindigkeit an weltweite Computernetze mit allen ihren Informationen und Diensten angehängt, in sich vereinigend die Eigenschaften eines Computers, eines Bildtelefons, eines Radio- und Fernsehgerätes, eines Video- und Fotoapparates, eines Global Positioning Systems (GPS), einsetzbar und unverzichtbar als Zahlungsmittel, notwendig als Führer in fremden Gegenden und Städten, unentbehrlich als Auskunfts- , Buchungs- und Kommunikationsgerät. Die allgegenwärtigen Computer werden stärker mit dem Menschen selbst verbunden. „Die Miniaturisierung von sehr mächtigen Computern wird so weit gehen, dass man sie in das Loch in einem Zahn wird einpflanzen können“, so der Ausblick über die Entwicklung in den nächsten knapp 100 Jahren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Szenarien sehr viel schneller kommen werden. Einiges davon ist ja schon jetzt möglich!

Siehe auch:

Googles Zukunftvision: Niemals verloren, niemals einsam, niemals gelangweilt.

Google Instant: Schneller, als ihr tippen könnt.

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