Plan B der Menschheitsretter: Wie man das Nichtraucher-Reinheitsgebot bundesweit durchsetzen könnte

Auf die Bajuwaren ist doch Verlass. Mit einem eindeutigen Votum beenden sie endlich die kruden und verschwörerischen Ausnahmeregelungen beim Nichtraucher-Reinheitsgebot. Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass sich Kneipen, Restaurants und Raucher in pseudolegalen Zirkeln, Clubs sowie Sekten organisieren, um dem Nikotinrausch zu frönen. Schön, dass es noch eine Partei zur Volksbeglückung und Hygiene gibt: die ÖDP! Sie hat sich an die Spitze eines radikalen Vorgehens gegen Raucher gesetzt und nun den nötigen plebiszitären Rückenwind erhalten, um nicht nur Bayern, sondern die gesamte Republik vom Joch des blauen Dunstes zu befreien. Ein wahrer Kenner der parteipolitischen Anti-Raucher-Szene ist der FAZ-Redakteur Christian Geyer. Er kommentiert den bayerischen Volksentscheid geradezu enthusiastisch. Die Behauptung, das Ergebnis im Lederhosen-Freistaat gefährde Arbeitsplätze, sei absurd. Wo kommen wir denn hin, wenn Eigentümer von Kneipen, Restaurants oder Bierzelten auf irgendwelche nebensächliche Grundrechte pochen und verfügen würden, Raucherzonen festzulegen oder konspirative Raucherclubs zu gründen, um Nichtrauchern das Leben zur Hölle zu machen.

Sollen aus wirtschaftlichen Gründen etwa Asbesthersteller weiterhin Asbest verbauen dürfen, fragt sich der FAZ-Feuilletonist. Kann man es Spaziergängern zumuten, wenn Hunde öffentliche Gehwege und Parkanlagen zuscheißen? Oder einer meiner Nachbarn mit lauter Musik von Metallica in den Wahnsinn getrieben wird?

Einen zweiten Vorwurf hat der Mehrheit-ist-Mehrheit-Apologet Geyer ebenso eindrucksvoll widerlegt. Es sei nicht hinnehmbar, wenn eine Minorität im Lande jetzt herumheult und vor einem Verbotsstaat warnt. Was noch so alles möglich wäre mit Verbots-Volksentscheiden, sei nebensächlich. Ein Verbot von alkoholischen Getränken oder fetten Schweinebraten würde doch keiner ernsthaft fordern. Passive Alkoholtrinker würde es nicht geben und vom Geruch eines Schweinebratens könne man nicht dick werden. Aber wie sieht es mit der Hundescheiße an meinen Straßenschuhen aus? Da wird nicht nur passiv, sondern höchst aktiv mein Haus kontaminiert. Hier böte sich doch ein Verbot des öffentlichen Hundekackens an. Besonders gefährlich sind zudem die fanatischen Anhänger der Grill-Bewegung, die mit ihrer Holzkohle das Klima schädigen und die guten Stuben der Nachbarschaft verpesten. Ein Grill-Verbot sollte deshalb ganz oben auf der Agenda von Geyer, ÖDP und Co. stehen.

In Bundesländern oder auf Bundesebene, wo man staatliche Regeln zur Volksbeglückung nicht mit Volksentscheiden durchsetzen kann, sollte die ÖDP einfach auf das Repertoire ihres Gründungsvaters Herbert Gruhl zurückgreifen, den sie ja auch stolz auf ihrer Website präsentiert.

Wenn das Überleben der Menschheit und Passivraucher auf dem Spiel steht und eine liberal-demokratische Regierungsform nicht zur Schonung der Betroffenen beitragen könne, müssten halt andere Maßnahmen greifen. Dann müsse der Staat „wegnehmen, entziehen, rationieren – und das nicht nur einer Gruppe, sondern allen! Er müsste eine Überlebensstrategie nicht nur konzipieren, sondern auch rücksichtslos durchsetzen“, schreibt Gruhl in seiner biblischen Schrift „Ein Planet wird geplündert“ auf Seite 307 in der Ausgabe von 1992. Nötig sei vor allem Verzicht, der mit einem tendenziell diktatorischen Maß an Zwang durch den Staat durchgesetzt werden müsste. Die Feiheit, so Gruhl, werde unvermeidlich abnehmen müssen, wollten wir die Lebensbedingungen auch nur der nächsten Generation erhalten.

Eine freie Wirtschaft oder freie Raucher werden dann nicht mehr möglich sein. „Jetzt muss die Zukunft geplant werden. Und es ist weit und breit niemand sichtbar, der das tun könnte, außer dem Staat. Wenn er es aber tut, dann muss er jetzt tatsächlich viele Freiheiten entschlossen aufheben, um das Chaos zu verhüten. Infolgedessen werden weitere Freiheiten nicht deshalb verlorengehen, weil alle immer besser leben wollen, sondern weil sie überleben wollen“, führt Gruhl in seinem Opus aus. Geradezu prophetisch sah er vor 1989 voraus, dass nur die westlichen Industrieländer dem Untergang geweiht seien. Sie seien von den Rohstoff-Lieferungen der Entwicklungsländer abhängig. Die aufkommenden Krisen würden daher nur die nichtkommunistischen Staaten treffen: „Die östlichen Länder werden davon faktisch nicht berührt. Wenn sie nicht wollen, dann berichtet bei ihnen nicht einmal eine Zeitung darüber (wie praktisch doch der kommunistische Meinungsmonopolismus war, gs)….Die kommunistischen Länder können die ganze übrige Welt in ihrem eigenen Saft schmoren lassen, ohne selbst betroffen zu sein…Ob diese Entwicklung in den kommunistischen Staaten nun gewollt ist oder nicht: Sie haben noch unausgebeutete und wahrscheinlich noch unentdeckte Reserven im Boden und damit einen entscheidenden Vorteil. Sie haben den weiteren Vorteil, dass ihre Menschen noch an ein weniger anspruchsvolles Leben gewohnt sind“, so Gruhl 1978.

Da können wir uns doch auf einen ÖDP-Jagerzaun-Gruhl-Staat freuen. Sollte die Mehrheit nicht mitziehen bei diesem Konzept, haben die Menschheitsretter noch einen Plan B in der Tasche.

Siehe auch:
Exkurs zur Glühbirne – Gutgemeinte Verbote und die Gefahr eines paternalistischen Staates“>Exkurs zur Glühbirne – Gutgemeinte Verbote und die Gefahr eines paternalistischen Staates (Ich bekenne mich schuldig. Ich kaufe Glühbirnen in Bosnien und importiere sie heimlich nach Deutschland. Darf ich jetzt mit einer verdienten Strafe rechnen?)

Triumph der Alpen-Puritaner.

10 Gedanken zu “Plan B der Menschheitsretter: Wie man das Nichtraucher-Reinheitsgebot bundesweit durchsetzen könnte

  1. Natriumglutamat

    Sind das die Leute, die immer so demonstrativ empört nach Luft schnappen, wenn das Wort „Ökostalinismus“ fällt?

  2. Pingback: Bayerisches Rauchverbot: Ein Lösungsansatz « Buchstaeblich seltsam!

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