Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse


Wer Kritik an den „Internet-macht-Gehirn-weich“-Thesen des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher äußert und zu den exponierten Persönlichkeiten der Netzwerk-Ökonomie zählt, muss mit empfindlichen Rundumschlägen der FAZ-Feuilletonisten rechnen. Den Anfang machte das FAZ-Dossier „Deutsche Blogger“, das nur so vor Häme triefte und nun trifft es den Psychologie-Professor Peter Kruse. Er hatte es im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gewagt, einige zentrale Aussagen des Schirrmacher-Buches Payback in Frage zu stellen – ohne Polemik, ohne Schaum vorm Mund und ohne unter die Gürtellinie zu schlagen: „Herr Schirrmacher begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive: Er betrachtet die digitale Welt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Person, die das Geschehen als distanzierter und bewertender Beobachter erlebt. Wer sich nicht selbst in den Netzwerken bewegt und sie als eine schwer zu ertragende Kakophonie empfindet, der fühlt sich logischerweise schnell überfordert und vielleicht sogar aggressiv belästigt. Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut“, so Kruse.

Auf nahezu jeder Seite von „Payback“ spüre man das Unwohlsein des Autors angesichts des realen oder befürchteten Kontrollverlustes: „Herr Schirrmacher vertritt offenkundig die Idee, dass es die Aufgabe des Individuums ist, sich die Welt untertan zu machen, sie zu beherrschen oder wenigstens zu bewältigen – alles eine Frage guten Managements. Er konstruiert einen scharfen Gegensatz zwischen den Netzen und den Nutzern. Mit der sozialen Software des Web 2.0 hat ein derartiger Gegensatz seine Gültigkeit eingebüßt. Das Netz ist kein schrilles Informationsmedium mehr, das man vorsichtig und möglichst geschickt nutzen sollte, sondern es ist selbst zu einem faszinierenden Kommunikations- und Lebensraum geworden, den es zu erkunden und mitzugestalten gilt“, soweit die wichtigsten Passagen des Kruse-Interviews, die das FAZ-Feuilleton wohl als Majestätsbeleidigung wertet. Denn der FAZ-Literaturredakteur Edo Reents, Thomas Mann-Experte, Popmusik-Kritiker und als gebürtiger Ostfriese Mitglied des FC Bayern München (!?), hat gegen Kruse mit der Keule einer „Gegenrecherche“ ausgeholt. Schon in der Überschrift wird deutlich, wo der Hase hinläuft:

„Der Vollweise: Peter Kruse gilt im Internet als Guru. Er weiß das Einfache kompliziert zu erklären und berät Firmen und Politiker. Zumindest sagt er das“.

Kruse also ein Blender, ein Berater, an den sich kein Kunde erinnern kann, ein Empiriker, der keine repräsentativen Studien vorlegt, ein Redner ohne Substanz? All das versucht Reents zu belegen oder er unterstellt es zumindest. Beispiel: „Die Nextpractice-Homepage führt eine ‚Kundenliste‘ mit mehr als fünfzig bekannten Firmen, von Agfa und BASF über Media Markt bis hin zu Obi und VW. Hört man sich dort jedoch um, so ist nicht ein einziger Pressesprecher auf Anhieb in der Lage, Auskunft zu geben; niemand unter den Pressesprechern hat von dieser Firma oder deren Leiter jemals etwas gehört„, schreibt Reents.

Hat der FAZ-Schreiber wirklich alle Pressesprecher angerufen? Da der Artikel am Wochenende erschienen ist, kann ich das schwerlich überprüfen. Kein Pressesprecher wird von Reents namentlich benannt, so dass es wohl noch schwerer fällt, bei großen Unternehmen mit personell gut ausgestatteten Kommunikationsabteilungen die Behauptungen von Reents zu verifizieren. Vielleicht könnte Reents noch ein paar Namen nachträglich auf der Website seiner Zeitung nennen – dann kann man gezielter nachfassen. Fraglich ist auch, ob Unternehmenssprecher von Konzernen überhaupt dazu in der Lage sind, über alle Beratungsprojekte der eigenen Organisation aus dem Stegreif Auskunft zu geben.

Ein Blick in die Hoppenstedt-Firmendatenbank macht klar, dass die nextpractice GmbH mit vier Geschäftsführern über ein breites Leistungsspektrum verfügt: „Geschäftstätigkeit: Unternehmensberatung, Marktforschung, Vermarktung von Softwarelizenzen, Vertrieb von Hard- und Software, Schulungen, Serviceleistungen und Programmierleistungen“. Pressesprecher sind keine Controller oder Einkäufer von Leistungen für Unternehmensberatung, Webprojekten, Changemanagement, Personalentwicklung, Schulungen, Marktforschung und Informationstechnologie. Sie können das auf Knopfdruck gar nicht parat haben. Zudem wird wahrscheinlich nicht alles vom gelernten Psychologen Kruse repräsentiert. Wie hat Reents nachgefragt? Kennen Sie Herrn Kruse, den Internetguru? Arbeiten Sie mit der Firma nextpractice zusammen? Hat er auch nach den drei weiteren Geschäftsführern gefragt (Andreas Greve, Frank Schomburg, Thorsten Schomburg)? Diese wichtigen Punkte hat der FAZler eher nicht in den Mittelpunkt seiner Recherchen gestellt – sonst wäre sein Artikel nicht so vernichtend ausgefallen. Zumindest erfahren wir, dass man bei BASF, Daimler-Benz und Thyssen nach Tagen herausfand, dass es einmal eine Zusammenarbeit gab, über die jedoch nichts Näheres gesagt wird. Warum auch.

„Bei Eon Ruhrgas hat Kruse über sein Steckenpferd, das sogenannte Change Management, referiert. Andere Firmen, zum Beispiel Obi, wo Kruse einmal einen Vortrag gehalten hat, oder Media Markt, wo ihn zumindest heute niemand kennt, erfahren erst durch diese Nachfrage davon, dass Nextpractice sich mit ihrem Namen schmückt“, behauptet Reents. Wussten diese Firmen, dass sie indirekt als Zeugen für die „Gegenrecherche“ herhalten? Dazu gibt es in den nächsten Tagen hoffentlich einige klärende Statements der zitierten Unternehmen.

Reents bringt noch ein weiteres „Faktum“:

„Kruse berichtete einem Journalisten davon, dass seine Firma im Jahre 2008 fünfhundert EU-Parlamentarier in Fragen von Ökologie und Umweltschutz miteinander ‚vernetzt‘ habe. Nachfragen in Brüssel aber ergeben, dass niemand unter den Fraktionsvorsitzenden der Parteien und auch niemand unter den befragten Mitgliedern des Umweltausschusses, egal, welcher Partei, mit Nextpractice etwas anzufangen weiß. Auf Anfrage erklärt Kruse, man habe damals bei einem Referentenmarathon zu Klimafragen ‚Vernetzungstechnologie‘ zur Verfügung gestellt, also im Wesentlichen ‚ein Laptop-Netzwerk aufgebaut'“, führt Reents aus. Auch hier kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Fraktionschefs oder Ausschussmitglieder darüber Auskunft geben können, welche Dienstleister für den Aufbau von IT-Infrastrukturen aufgewählt wurden. Das Projekt wurde 2008 realisiert. Welche Fraktionschefs und Ausschussmitglieder hat Reents befragt? Die, aus der alten Legislaturperiode, die 2009 endete oder jene nach der Europawahl, die im vergangenen Jahr stattfand? Es soll ja doch die eine oder andere personelle Veränderung gegeben haben.

Die Angriffe von Reents zielen nicht nur auf die geschäftliche Seite von Professor Kruse. Fraglich soll auch seine wissenschaftliche Expertise sein, wenn es um empirische Arbeiten geht: „In der Regel werden von Nextpractice weniger als zweihundert Personen befragt; dafür wird das mit dem Attribut ‚qualitatives Interview‘ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität. Auf den Anspruch auf wissenschaftliche Seriosität, darauf, etwas Relevantes über unsere Gesellschaft auszusagen und sie über Beratung auch zu beeinflussen, reagiert man in Fachkreisen mit Gelächter. Ursula Dehm, die beim ZDF seit vielen Jahren Medienforschung betreibt, kriegt sich gar nicht wieder ein: ‚Da dreht sich einem das Empiriker-Herz um. Das ist quirliger Nonsens.'“ Kennt Reents nicht den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Analysen? Ich glaube nicht, dass Kruse unterstellt, dass andere Interviewmethoden keine Qualität besitzen. Er sprach von qualitativen Interviews. Selbst ein Journalist, der Germanistik, Publizistik und Philosophie studiert hat, sollte kapieren, wo der Unterschied liegt. Schauen Sie, lieber Herr Reents, in ein Lehrbuch der Psychologie. Selbst eine Google-Suchanfrage hätte Sie schlauer machen können. Sind empirische Arbeiten nur aussagekräftig, wenn sie mit Stichproben von 1.000 oder 2.000 Befragten arbeiten? Haben Sie sich mit der wirklich ausführlich mit der Studie von Kruse beschäftigt, Herr Reents? Konnte Frau Dehm einen Blick auf die Methodik der qualitativen Interviews werfen? Nicht nur die Stichprobe ist für empirische Studien entscheidend. Ebenso essentiell ist die Qualität des Fragebogens? Das alles bleibt im Dunkeln. Alle weiteren Breitseiten von Reents gegen Kruse will ich nicht weiter kommentieren. Die Thesen von Kruse zum Web 2.0, seine Reden und Interviews können kritisch reflektiert werden. Das steht bei Reents aber gar nicht im Vordergrund. Es geht um die Reputation von Kruse – und da sind die Recherchemethoden des Literaturredakteurs höchst fragwürdig.

„Alles, was er anpackt, ist funky“ – das gilt mit Sicherheit für Peter Wolf, einst Sänger der J. Geils Band. Er wird von Reents in der gleichen Ausgabe der FAZ porträtiert. Und da findet man einen Satz, der den Leser der Kruse-Abrechnung nachdenklich machen müsste: „Man muss im Rock ’n‘ Roll mit vielem rechnen, dies aber war nicht absehbar. Oder doch?“

Siehe auch:
Pöppel pöbelt gegen Facebook: Die ewige Wiederkehr der Schirrmacher-Theoreme im FAZ-Feuilleton.

Spiegel Online: „Jesus ist zu gut. Das macht ihn langweilig“

Carta: Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt

evangelisch.de: Alle haben immer recht

54 Gedanken zu “Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse

  1. Sei bitte so fair, zu erwähnen, daß die FAZ auch Constanze Kurz ein regelmäßiges Forum bietet, Frank Rieger dort gelegentlich schreibt und gerade in den letzten Wochen mehrere Artikel sich durchaus wohlwollend mit ‚dem Internet‘ auseinandergesetzt haben.

    Schirrmacher selbst scheint oft nicht so genau zu wissen, welche Meinung er denn nun eigentlich vertritt. Zwischen Kritik und Kulturpessimismus sind auch immer wieder wahre Lobhudeleien zu finden.

  2. Ich finde die FAZ – vor allem wohl das Feuilleton – zunehmend… ich weiß nicht: Unlesbar? Erschreckend? Schlimm? Vielleicht sogar untragbar?

    Zunächst finde ich es absolut unmöglich wie ein Rainer Meyer (alias Don Alphonso) bei der FAZ nicht nur schreiben darf, sondern das noch im Print, und wo nichts dagegen unternommen wird, wenn dieser Mensch (als FAZ Redakteur) gegen andere pöbelt und sich privat damit rühmt, dass er als FAZ-Redakteuer anderen Menschen so richtig eins reingewürgt hat.

    Und dann nur in letzter Zeit diese totalen Dämlichkeiten in Bezug auf das Social Web. Zunächst die suggestiven Fragen an Pöppel, und als Pöppel den Fehler macht, darauf einzugehen, nimmt die FAZ die kernigste (aber im ganze Interview wohl unwichtigste) Aussage in die Headline.

    Und jetzt auch das noch…

    Was dabei deutlich wird: Das FAZ Feuilleton ist nicht nur kulturpessimistisch und Internet-feindlich eingestellt, nein sie polemisieren und manipulieren was das Zeug hält – ohne Rücksicht auf Ethik, Moral oder Kodezies.

    Echt schlimm!

  3. Ich finde diese Gegensarstellung sehr wichtig und die Art und Weise in der gegen Prof. Kruse polemisiert wurde einer etablierten Zeitung unwürdig.

  4. @opelkatze Gab ist einen einzigen Beitrag in der FAZ, der sich kritisch mit den Payback-Thesen von Schirrmacher auseinandergesetzt hat?

    @Frank T. Irgendwie funktionieren die Links nicht.

  5. Pingback: Medial Digital» Linktipps Neu » Linktipps zum Wochenstart: Goldene Zeiten für Journalismus

  6. David Novak

    Hallo Gunnar, dazu zwei Anmerkungen:
    1. Mir sind alle Journalisten dieser Welt suspekt, weil sie nur geil darauf sind Negativstories (only bad news are good news) oder ihre persönliche Meinung als neutrale Wahrheit zu verkaufen. Manchmal habe ich das beklemmende Gefühl, dass diese unerträglichen Journalisten, egal ob Will, Maischberger oder die anderen Krawallbrüder mehr Macht und Einfluss haben als die Politiker. Und das kann NICHT gut sein!
    2. Bayern-Fans sind überall auf der Welt – auch ich bin ein gnadenloser Anhänger der Roten. Und damit kann es auch ein Ostfriese sein – selbst wenn seine Kommentare zu anderen Themen nichts taugen.

  7. @David das mit den Roten war ja auch nur ein kleiner Scherz und das Pauschalurteil gegen Journalisten finde ich arg überzogen. Und das sie mehr Macht haben als Politiker ist wohl auch nur komisch gemeint, oder?

  8. Danke für diesen Kommentar. Wollte auch schon was darüber schreiben, bin allerdings nicht dazu gekommen.
    @opalkatze
    Das ist sicher richtig, immerhin darf Michael Seemann (@mspro) dort auch schreiben (auch wenn er meiner Meinung zu weit geht, mit seiner Euphorie, aber immerhin ein Gegenpol)
    Aber wenn man sich alleine die Headlines von der Rubrik „Digitales Denken“ anschaut, dann kann man nicht mehr von Ausgewogenheit reden:
    http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Tpl~Ecommon~SThemenseite.html

    Manchmal habe ich echt das Gefühl, die Artikel werden durch einen Algorithmus ausgewählt, der auf die Stichworte „Algorithmus“ und „Multitasking“ reagiert.

    Constanze Kurz und Frank Rieger sind, was das Sozial Internet Bashing angeht, gar nicht unbedingt Gegner von Schirrmacher, weil es da eher um Datenschutz/Zensur geht. Und Google und Facebook sind dann ein gemeinsames Ziel, wenn auch auf anderen Ebenen. Schirrmacher verwendet ja gerade Argumente
    von Frank Rieger in seinem unsäglichen Aschesimulationsartikel, zwar völlig losgelöst vom Thema, aber „passt halt irgendwie auch dazu“
    Dieses freie Assoziieren über die Syntax, aber nicht über die Semantik in dem Ascheartikel, Simulation als Differentialgleichungsmodell gleichzusetzen mit Modellrechnungen aus Datamining, wird hier auch wieder betrieben:
    qualitatives Inverview =t qualität des Interviews.
    Die Agenda ist klar, die Fakten müssen nur noch her, und wenns nicht passt, wird es passend gemacht.
    Ich hätte kein Problem mit einer kritischen Auseinandersetzung mit Kruses Thesen, aber an qualitativ hochweritiger Auseinandersetzung hat der Qualitätsjournalismus scheinbar kein Interesse.
    Ich habe mir gestern meine erste Papier FAZ im Leben gekauft und musste mich auch noch über meinen fehlenden Zufall aufklären lassen http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E9BDE288B742E43EEBDDE56A53AE79E24~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Möge die FAZ diese Beiträge bitte alle hinter ihrer Paywall einmauern

  9. Mirko Lange ist ein Lügner, der ziemlich häufig solche Gelegenheiten nutzt, mit einem lang bekannten Hass auf meine Person, seitdem er aus meinen Blogs rausgeflogen ist – als der gschaftlhubernde Troll, als den ich ihn empfinde. Ich kann mich gar nicht als FAZ-Redakteur rühmen, weil ich bekanntermassen kein Redakteur bin – wie man auch in der FAZ-Redaktion (man blickr unten auf die FAZ.net-Seite) nachrecherchieren kann. Ich wüsste auch nicht, woher einer wie Lange wissen sollte, was ich privat von mir gebe – auch da würde ich ihm eine glatte Lüge nachsagen.

  10. „In der Regel werden von Nextpractice weniger als zweihundert Personen befragt; dafür wird das mit dem Attribut ‘qualitatives Interview’ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität.“

    An dieser Stelle kann man den FAZ-Text getrost beiseite legen. Keine Ahnung von der Materie (eigentlich sogar Lücken in der Allgmeinbildung), aber sich aufschwingen, einen Vernichtungsfeldzug gegen die persönliche und berufliche Ehre von Prof. Kruse zu führen. Verzweifelte Rückzugsgefechte, die da im FAZ-Feuilleton ablaufen.

  11. Danke für den Hinweis, lieber „Don Alphonso“. Ich korrigiere mich: Es muss heißen: „als *scheinbarer* FAZ-Redakteuer“ (immerhin schreibt er ja im redaktionellen Teil). Ich war ungenau 🙂

    Im Übrigen sind geht es gar nicht um Sie. Es geht hier um die FAZ. Es war nur ein Beispiel, mit welchen fragwürdigen Methoden das FAZ-Feulleton agiert. Und dass Ihr Beispiel im besten Wortsinne „fragwürdig“ ist, kann man ja wohl nicht leugnen, oder? Zumindest ist mir kein anderes aktuelles Beispiel bekannt, wo eine „Kunstfigur“ ohne direkte Erläuterung ihrer tatsächlichen Identität (oder Nennung des wirklichen Namens) in einem Leitmedium schreiben darf, und genau diese „Kunstfigur“ dann im „Kunstfigur-Blog“ (um es nicht „privat“ zu nennen) ganz offen erklärt, dass er sich freut, durch eben diesen Beitrag in einem Leitmedium anderen Menschen so richtig eins ausgewischt zu haben.

    Deutet es auf seriösen Journalismus hin, dass die FAZ so etwas zulässt? Oder ist das eben doch „fragwürdig“? Ich habe die FAZ übrigens daraufhin angesprochen (sogar persönlich/telefonisch), und bis heute hat man sich nicht gemüßigt gefühlt, mir auch nur ansatzweise eine Antwort darauf zu geben.

    Ich will in keiner Weise hier einen scheinbaren Privatkrieg mit Don Alphonso führen. Ich „hasse“ diese Kunstfigur auch nicht. Daszu ist sie zu unbedeutend für mich. Ich nehme das nur als (einen weiteren) Beleg dafür, dass Journalismus eben doch nicht „neutral“ und „objektiv“ ist, sondern massiv von persönlichen Animositäten und Einstellungen gepägt ist.

    Und ich meine das auch in keiner Weise als Bashing, sondern als Anregung für einen offenen Diskurs. Auch die FAZ-Redakteure (oder andere Menschen, die in der FAZ schreiben) können, dürfen und sollen ihre persönliche Meinung haben. Aber dann sollten sie es doch bitte ganz klar als solche kennzeichnen. Dafür gibt es ja journalistisch saubere Formate, zum Beispiel den Kommentar.

    Wir neigen alle dazu, uns unsere eigene WIrklichkeit zu machen, indem wir entweder nur die Dinge wahrnehmen, die unsere Sicht bestätigen, oder diese Dinge deutlich überbewerten. Grade in der Zeit des Web 2.0 könnten sich Journalisten aber auf ihre Kompetenz besinnen, nämlich „Leit“-Medium zu sein im Meer der persönlichen Wrklichkeiten. Wenn dann aber ein Blatt wie die FAZ – das nun wirklich das Potenzial zum Leitmedium hat – sich darauf beschränkt zum Hort von persönlichen Wirklichkeiten zu werden, dann Gute Nacht Journalismus. Ich finde es schlimm, wenn Menschen dann die „persönliche WIrklichkeit“ eines Redakteurs mangels Kennzeichnung mit der „Wahrheit“ verwechselte. Da würde ich irgendwann lieber die Blogbar lesen. Da weiß man, was man bekommt. das ist wenigstens offen und authentisch.

  12. Warum löst die Mitgliedschaft von Edo Reents beim FC Bayern München so großes Erstaunen beim Autoren aus?

  13. Ah, ich sehe (habe die Kommentare erst nur überflogen), die Frage kam schon auf. Als doppelter Schicksalsgenosse Herrn Reents (ebenfalls Mitglied und ebenfalls aus der Ecke Deutschlands, wenn auch knapp kein Stammesangehöriger) interessierte mich das. Dennoch interessant zu sehen, wie absolute Nebensächlichkeiten der Diskussion (Ostfriese, Bayern-Mitgliedschaft) hier benutzt werden.

  14. zum Streit mit @donalphonso: Könnte man das nicht sportlich lösen? Wir wäre es im Winter mit einer Schlittenwettfahrt? Der Sieger kann sich dann eine „Strafe“ für die Verlierer ausdenken. Bei meinem Fußballtraining mit der C-Jugend von RW Lessenich sind es in der Regel 20 Liegestütze – von mir aus auch 50. Oder Einseifen oder ein Abendessen mit Frank Schirrmacher oder, oder, oder. Gegen den Rennschlitten von Alphonso hilft wahrscheinlich nur der Wok von Georg Hakl inklusive einer 50 Kilo-Bleiweste und glühendem Unterboden präpariert mit Bunsenbrenner.

    @julian Sehe ich genauso. Die Auswahl der Gastbeiträge und Experten ist sehr einseitig. Warum wurde Kruse nicht interviewt? Da muss man ja auch kein Blatt vor dem Mund nehmen und er hätte zu den Kritikpunkten direkt Stellung beziehen können.

    @Bayernfans Das war doch nur eine kleine Randnotiz. Zum allgemeinen Gelächter will ich hier nicht verschweigen, dass ich seit dem Beginn meiner fußballerischen Laufbahn in der E-Jugend Fan von Hertha BSC bin und auch bleiben werde.

  15. Andreas

    @gunnarsohn:“ Merkwürdig, dass der Reents-Artikel noch nicht online abrufbar ist.“ – na sowas, wo doch Print gar keine Rolle mehr spielt. Jetzt müssen die Evangelisten über einen Artikel redne, den sie grösstenteils gar nicht kennen. Ob das nicht eine besondere Perfidie der FAZ ist?
    @langer: wenn ich das richtig sehe, zitiert Reents eine Wahlforscherin des ZDF, die sagt, das Kruses Behauptungen nicht zutreffen. Das hat erst mal mit qualitativ und quantitativ gar nichts zu tun, wobei gewöhnlich die qualitative Analyse der quantativen nachfolgt und sich auf die Daten der quantitativen bezieht. Scheint mir, Sie verstehen von der Materie nicht so wahnsinnig viel.
    @reents: Bayern? Ja!

  16. @Andreas bislang wurden ja alle Artikel, die sich mit Social Media beschäftigen, online gestellt. Siehe die betreffende Rubrik auf FAZ.net

    Zur Äußerung der ZDF-Demoskopin. Also sie bezieht sich doch wohl auf die Stichprobengröße.
    Und es gibt natürlich rein qualitative Interviews, die häufig von Psychologen eingesetzt werden. Einig sind wir uns hoffentlich, dass Kruse mit qualitativen Befragungsmethoden nicht meint, das quantitative Methoden keine Qualität haben. Das ist doch eine Wortverdrehung von Reents.

  17. Lucomo

    @Andreas: „wobei gewöhnlich die qualitative Analyse der quantativen nachfolgt und sich auf die Daten der quantitativen bezieht.“

    Oftmals dienen qualitative Methoden in der Psychologie dazu, Hypothesen zu bilden, die dann anschließend (meinetwegen Jahre später, von ganz anderen Forschern) mit quantitativen Methoden überprüft werden.

    Kruses (auf qualitativen Methoden basierende) Forschungsergebnisse legen z.B. nahe, dass es zwei unterschiedliche Gruppen gibt, die gegensätzliche Einstellungen gegenüber dem Internet haben. Jetzt könnte man mit quantitativen Methoden z.B. zu ergründen versuchen, ob diese beiden Gruppen sich auch hinsichtlich anderer Merkmale (z.B. demographische Merkmale wie Alter, Einkommen, Bildung) oder psychologischer Merkmale (Persönlichkeitstests) unterscheiden, oder man könnte in statistisch auswertbaren Experimenten untersuchen, ob diese beiden Gruppen z.B. unterschiedliche Verhaltens- und Bewältigungsstrategien anwenden, um mit dem Internet „umzugehen“. So würde man dem Phänomen, dass es da anscheinend zwei Gruppen gibt, weiter auf die Spur kommen können.

    Qualitative und quantitative Methoden haben beide im Hinblick auf die Erfassung und Erforschung des Erlebens und Verhaltens von Menschen (Forschungsgegenstand der Psychologie) ihre Vor- und Nachteile und können sich ergänzen.

    Ich vermute, dass die Aussage der ZDF-Wahlforscherin darauf zurückzuführen ist, dass sie nicht wirklich im Gespräch mit dem FAZ-Redakteur verstand, worum es ging. Wie sollte eine Wahlforscherin auch mal eben aus dem Stehgreif etwas zu einer ihr vermutlich bis dato unbekannten und im Detail ja auch recht komplexen und nur wenig bekannten Methode sagen können?

  18. Gunnarsohn, mir geht es nur um die Richtigstellung der gezielten Falschbehauptungen des Lügners Mirko Lange. Auf die eine oder andere Art und auch nur, wenn er seinen Dreck (wie so oft) bei anderen in den Kommentaren hinterlässt, wo er die anderen und nicht sich selbst exponiert – meines Erachtens eben vor allem, um sich selbst und seine Klitsche im Gespräch zu halten.

  19. Jan Schoenmakers

    Wie jeder Mensch und jede Firma, die sich im Markt bewegen, leben auch Kruse und nextpractice ein Stück weit von Marketing und damit auch vom Hype.

    Eine solch verlogene „Abrechnung“ aber, wie sie in der FAZ zu lesen war, rechtfertigt das hingegen wohl kaum – zumal der Kritiker ja offenkundig in keinster Weise dazu berufen ist, die Qualität der Methoden von „Guru“ und Firma zu durchleuchten: Dass in einer der Flaggschiff-Publikationen Deutschlands ein profilierter Journalist solche Artikel schreiben darf, ohne den Begriff „qualitatives Interview“ zu kennen (geschweige denn auch nur ansatzweise zu verstehen), widert mich an. Da waren die Lektoren wohl alle im Urlaub…

  20. @donalphonso ok, ich wollte ja nur etwas die Schärfe aus der Auseinandersetzung nehmen und gegen Deinen Tuning-Rennschlitten, den man im normalen Geschäft wohl nicht kaufen kann, hätte wahrscheinlich niemand eine Chance.

  21. @Jan So sehe ich das auch. Wellenreiter gibt es ja nun in jeder Branche. Auch Verlage und Redaktionen funktionieren so, wenn man sich den uniformen Medientenor der großen Anbieter anschaut.

    Die Recherchemethode des FAZ-Feuilletons funktioniert bei den Web 2.0-Themen immer nach der gleichen Methode. Man wird als vermeintlicher Exponent der Szene in den Himmel gehoben als Lichtgestalt und danach zu Kleinholz zerhackt.

  22. Milder Tadel @Gunnar: ich habe nichts mit Opel zu tun; so viel Zeit sollte sein.

    Wolfgang Michal hat bei CARTA eine etwas sachlichere Gegenkritik geschrieben.

    Unter Kritik versteht jeder etwas anderes; für meinen Geschmack wird sie zu häufig mit Häme verwechselt.

    In der Tat ist es ein zweischneidiges Schwert, im eigenen Blatt einen (prominenten) Mitarbeiter desselben zu besprechen. Eine wohl in Deinem Sinn kritische Auseinandersetzung mit dem Autor, der gleichzeitig Großkopfeter in der Redaktion / im Verlag ist, wäre also vielleicht ein bißchen viel verlangt. Das würden andere Blätter ebenso machen, zumal zum Zeitpunkt des Erscheinens von Payback ein Sturm von Rezensionen jeglicher couleur losbrach und man vielleicht meinte, das Andere erledigen lassen zu können.

    Nichtsdestotrotz ist der Ton der Kruse-Kritik entschieden daneben.

    @Julian
    Ja, Dein Eindruck der Themenfindung via Algorithmus könnte stimmen – oft macht es tatsächlich den Eindruck ,)

  23. Thomas Gebel

    Als ehemaliger langjähriger nextpractice-Mitarbeiter möchte ich kurz folgende Fakten sicherstellen. Die von Reents erwähnten vermeintlichen Kunden sind reale Kunden. Es lassen sich für jedes der erwähnten Unternehmen Projekte und Ansprechpartner (Projektnehmer) rekonstruieren – auch wenn sie vielleicht schon nicht mehr für das damals beratene Unternehmen tätig sind. In einer Minderheit der Fälle haben die hausinternen Publikationen auch explizit über Teilaspekte der Projekte berichtet. Einige dieser Beiträge befinden sich für jeden les- und recherchierbar auf der np-Homepage. Eines der Projekte – die IdeenWerkstatt auf dem Thyssen-Krupp-Ideenparks 2008 in Stuttgart, schon in den neun Tagen ihres stattfindens für jedermann offen – wurde sowohl von ThyssenKrupp-Chef Ekkehart Schulz als auch von dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier besucht.
    Das erwähnte Vernetzungsprojekt im EU-Parlament hat real stattgefunden. Teilgenommen haben eine Reihe von Parlamentariern, deren Mitarbeiter sowie viele NGO-Klima-Aktivisten. Gastgeber war das Ökosoziale Forum Europa ÖSFE), anwesend war zum Beispiel deren Vorsitzender und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler. Teilnehmende EU-Abgeordnete waren etwa der Schwede Anders Wijkmann (EVP), Jo Leinen (SPE-SPD), ein Vertreter der schwedischen Linkspartei und eine britische Grüne. Die Teilnehmerliste kann beim ÖSFE angefordert werrden. Die Ergebnisse des Workshops flossen über mehrere Verdichtungsschritte in das Abschluss-Memorandum ein. Ich war persönlich während der ganzen Veranstaltung anwesend. Die Repertory-Grid-Methode – übrigens in der Tat eine qualitative – ist durchaus wissenschaftlich erforscht. Referenzen zur Methode, Validität etc. siehe Kruse, P., Dittler, A. & Schomburg, F. (2007). nextexpertizer und nextcoach: Kompetenzmessung aus der Sicht der Theorie kognitiver Selbstorganisation. In Erpenbeck, John/Rosenstiel, Lutz von (Eds.): Handbuch Kompetenzmessung, 515-543. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Das Buch ist im Handel erhältlich.

  24. @Opalkatze sorry, ich muss wohl mal zum Optiker.
    Du hast recht, von der Feuilleton-Redaktion ist wohl eher ein Chorheulen der Wölfe zu erwarten. Und bei den erwähnten Gastautoren ist auch nicht zu erwarten, dass sie sich kritisch zum FAZ-Mitherausgeber äußern.

    @Thomas Super. Jetzt sind wir schlauer und mein gesunder Menschenverstand hat mich nicht im Stich gelassen. Ich konnte am Samstagnachmittag nicht so in die Tiefe recherchieren, weil Reents kaum einen seiner Ansprechpartner namentlich zitiert hat. Aber mit Deinen Fakten bricht die FAZ-Gegenrecherche in sich zusammen.

  25. Pingback: Kurz gefragt: Vollweise Peter Kruse?

  26. Stern

    Nein, schlauer sind wir nicht. Dass da ein Workshop war, sagt ja erstmal nix wenn man nicht weiss, was da eigentlich passierte.

  27. Doch, Dr. Gebel nennt Namen und konkretisiert das EU-Projekt. Für eine weitere Gegenrecherche zur FAZ-Gegenrecherche also sehr wertvolle Informationen.

  28. Pingback: Professor Kruse und seine Firma nextpractice: Wichtige Hinweise für weitere Recherchen zur FAZ-Gegenrecherche « Ich sag mal

  29. Kai S.

    Gut das Sabbel-Kruse mal jemand auf die
    Schliche gekommen ist.
    Da schimpft sich jemand Unternehmensberater, der keinerlei Wirkung in Unternehmen erzeugen kann – außer Klugscheissen.

  30. Ich glaube, Kruse überfordert manche Menschen einfach intellektuell. Ich kann das verstehen, das ist auch alles ziemlich quer und unkonventionell gedacht. Und wie so oft reagieren solche Menschen dann aggressiv, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass sie „minderwertig“ sind – wobei das schon eine komplett falsche Sicht auf die Dinge ist. Sie sind eben nur anders.

    Ich finde jedenfalls diese semantische Positionierung (siehe VIdeo oben) extrem spannend und wirklich klug. Ich kann nicht nachvollziehen, wie ausgereift das System und valide die Ergebnisse sind – aber das ist letzendlich eher eine Frage der Beurteilung der Ergebnisse. Ganz ohne Frage ermögicht der nextexpertiser eine neue, eine spannende Sicht auf das Phänomen „Wahrnehmung“ und „Bewusstsein“.

    Aber wie gesagt, ich habe auch Verständnis dafür, wenn sich manche Menschen lieber an „echte“ Fakten halten, wie zum Beispiel eine quantitative Marktforschung. Denn die bietet ja nun wirklich „richtige“ Fakten. Also welche, die man ganz genau messen kann. Und die müssen ja dann stimmen (räusper).

  31. Stimmt, Mirko, ich habe knapp drei Jahre politische Meinungsforschung verantwortet und weiß, wie valide die Ergebnisse der quantitativen Markt- und Meinungsforschung sind, wie korrekt Stichproben gezogen werden, wie neutral Fragen formuliert werden – räusper, räusper, räusper….

  32. Lucomo

    @Mirko: So neu ist die Methode von Kruse nicht. Die zu Grunde liegende Repertory-Grid-Technik (RGT) stammt aus den 50iger Jahren. Zu der Zeit wurden in der Psychologie auch noch andere, ähnliche Verfahren entwickelt, um den semantischen Bedeutungsraum der Sprache zu durchleuchten, also um zu verstehen, was Menschen tatsächlich mit ihren Worten ausdrücken wollen, welche Konnotationen Wörter haben. Eine etwas bekanntere Methode als das RGT wäre z.B. das Semantische Differenzial.

    Ich vermute, dass die Missverständnisse rund um Kruse daher rühren, dass viele Menschen schlicht und einfach ahnungslos sind in Bezug auf psychologische Forschungsmethoden. Was kein Wunder ist, woher sollen sie sich da auch auskennen? Nur leider fehlt vielen auch das Wissen über das Ausmaß ihres Unwissens in diesem Bereich.

    An diesem Zustand wird sich wohl leider auch so schnell nichts ändern, weil die Methodenlehre innerhalb der Sozialwissenschaften tatsächlich ein schwieriges Fach ist, das kaum mal eben auf die Schnelle Nicht-Sozialwissenschaftlern verständlich gemacht werden kann.

    Ich versuche es hier trotzdem mal eben in grenzenloser Selbstüberschätzung: 😉

    Wenn ein Physiker z.B. die Temperatur misst, leuchtet jedem ein, worauf er bei solch einer Messung zu achten hat: Er muss z.B. am richtigen Ort messen, um störende Einflüsse zu minimieren, sein Thermometer muss genau und zuverlässig messen.

    In der Psychologie kommt jedoch als Problem hinzu, dass der Psychologe zunächst einmal seinen Messgegenstand definieren muss. Kruse will z.B. die Werte und Einstellungen der von ihm untersuchten Menschen untersuchen. Dabei nimmt er implizit an, er könne dies, indem er erfasst, was die Menschen zu von ihm ausgesuchten Begriffspaaren sagen. Diese Annahme besitzt eine gewisse Plausibilität (das sage ich jetzt nicht alleine, sondern dazu gibt es Literatur innerhalb der Psychologie). Diese Annahme kann jedoch an sich schon kritisiert werden (kritisiert im Sinne von „kritisch beleuchten“).

    Der Psychologe muss also erst einmal definieren, was seine „Temperatur“ ist, die er messen will. Kruse sagt: Was Menschen zu ausgewählten Begriffspaaren sagen, wie sie sie einordnen und welche Konnotationen sie verwenden, das ist meine „Temperatur“, mein Messwert für grundlegende Einstellungen und Werte dieser Menschen.

    Als nächstes muss der Psychologe dann auch noch das Messinstrument selber bauen. Es gibt kein fertiges Thermometer, um Einstellungen und Werte zu messen. Das Instrument Kruses ist seine aus dem RGT weiterentwickelte Fragemethode samt der computergestützten Visualisierung der mit statistischen Mitteln verdichteten Aussagen der von ihm befragten Personen.

    Und natürlich kann man auch hier wieder, also bezüglich seines Messinstrumentes, kritische Fragen stellen.

    Mit solchen kritischen Fragen zur Messung und zur Messinstrumenten-Konstruktion beschäftigt sich in den Sozialwissenschaften ein ganzes Fach, nämlich die Methodenlehre.

    Wer Kruse also seriös kritisieren will, muss zumindest auch etwas Ahnung im Bereich der Methodenlehre haben.

    Wenn jedoch eine psychologische Untersuchung methodisch korrekt umgesetzt wurde, dann sollte man auch ihre Ergebnisse ernst nehmen, auch wenn ihre Ergebnisse der Laien-Intuition (sind wir nicht alle „Psychologen“?) widersprechen sollten.Und wenn die Ergebnisse den eigenen, „laienhaften“ Erwartungen entsprechen, sollte man nicht gleich sagen: „Bah, das wusste ich doch schon vorher!“ Sondern man sollte anerkennen, dass die Ergebnisse eine andere Qualität haben, als pures Raten, pure Intuition.

    Ende der Vorlesung. 😉

  33. ich bin ja nur ein blöder Volkswirt – aber im Psychologiestudium wird ja auch eine solide statistische Grundausbildung vermittelt. Jedenfalls weiß ich das von Freunden, die sich nur mühsam durch Statistik gekämpft haben.

  34. @Lucomo Das ist ein schöner Beitrag 🙂

    Es muss ja nicht Kruses Verdienst sein, dass er immer alles neu erfindet. Die Methode bleibt trotzdem interessant – und für jemand der denken kann wahrscheinlich aufschlussreicher als eine quantitative Forschung (die möglicherweise noch durch schlechte Methodik versemmelt wird). Und wenn jemand so eine Methode in das Management einbringt, ist das auch eine Leistung. Eine gute wie ich finde.

    Ich werfe auch niemandem vor, dass er nicht in deisen Bereichen kompetent ist. Es muss und kann ja nicht weder wissen. Aber wie sagt Dieter Nuhr zu Recht: „Wenn du so gar keine Ahnung hast: Einfach mal die Fresse halten“.

    Aber wie Du schon sagst: Es besteht manchmal nicht einmal ein Wissen um die Unwissenheit. Und wenn das einem „normalen Menschen“ passiert – auch okay. Aber dem Journalisten eines Leitmediums? Das ist hart.

    Aber auf jeden Fall 1.000 Dank für die Informationen. Sehr wertvoll!

  35. reents verteidiger

    zum thema quailtatives Interview und deiner Frage: „Kennt Reents nicht den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Analysen?“, reents hat es genau auf den punkt gebracht, es gibt nämlich keine qualitativen interviews! es gibt wie, du selbst sagtest qaulitative verfahren, wovon das interview eines ist. ein qualitatives interview ist ein pleonasmus (wie nasser regen) und die verwendung ist symptomatisch für kruses rethorik.

  36. Das ist nun Wortklauberei, Mister reents verteidiger. Schau Dir die wissenschaftlichen Bücher von Kruse an. Da kannst Du nachprüfen, dass er sehr wohl den Unterschied kennt. Reents kennt ihn nicht, wie man an der Bemerkung über quantitative Analysen ablesen kann, denen Kruse angeblich keine Qualität zubilligt…..Die Recherchefehler von Reents werden dadurch nicht besser.

  37. Lucomo

    @reents verteidiger

    Natürlich gibt es auch quantitative Interviews. Die Begriffe „quantitativ“ und „qualitativ“ beziehen sich nämlich eigentlich nicht auf die Durchführung der Methode (das Interview) selbst, sondern auf die Art der Daten, die man mit einem Interview gewinnt. Mit „Art der Daten“ ist gemeint: ob diese Daten mit qualitativen Verfahren (bei denen z.B. durch den Auswerter eine Interpretation der semantischen Bedeutung der Daten vorgenommen wird) und/oder mit quantitativen Verfahren (bei denen der Auswerter die Daten nur anhand mathematisch-statistischer Charakteristika interpretiert) ausgewertet werden.

    Psychologen verstehen unter „Interview“ zunächst einmal nur eine Erhebungsmethode, bei der man mehr oder weniger „face-to-face“ Verhaltensäußerungen der Testperson (in diesem Fall ist das Verhalten die Sprachproduktion der Testperson) provoziert und festhält. Wie man diese Sprachproduktion anschließend auswertet, ist das eigentliche Kriterium, ob man die Erhebungsmethode als qualitativ oder quantitativ bezeichnet.

    Beispiele für quantitativ auswertbare Daten bei einem Interview: Die Reaktionszeiten der Antworten, physiologische Reaktionen (Polygraph) oder schlichte statistische Analysen verwendeter Wörter (z.B. Worthäufigkeiten).

    Natürlich formt man die Erhebungsmethode, also die Interviewform so, dass man anschließend auch sinnvolle Daten zur entweder qualitativen oder quantitativen Auswertung erhält. Deshalb sehen Interviewverfahren, die quantitativ auswertbare Daten erzeugen sollen anders aus als Interviewverfahren, die vor allem qualitativ auswertbare Daten erzeugen sollen.

    Auf die Schnelle bei Goolge dazu gefunden, z.B. das hier:

    http://books.google.de/books?id=TmSLwybX1L8C&pg=PA7&lpg=PA7&dq=quantitative+interviewmethoden&source=bl&ots=vGXLPQhIgK&sig=3hVdy0h6ZQfcnGxk3NaV0NN4ZQ4&hl=de&ei=6FMBTJHUMMGiOP2G1dYE&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CB4Q6AEwAw

  38. Pingback: Wer bin ich und wenn ja, warum nicht Goethe oder Schiller? « Ich sag mal

  39. xiaopang333

    selten so einen vermurksten schriebs gelesen. wer hier keine ahnung hat, ist der verfasser dieser seite….

  40. xiaopang333

    es geht. zu deinem artikel fand ich durch deinen post bei digitalnaiv, wo du ihn als gegenrecherche beworben hast. statt harter fakten gabs aber nur schlecht argumentierte meinung ohne jegliche gegenrecherche,

    1. die ersten zwei abschnitte haben praktisch nichts mit dem faz-artikel zu tun sondern dienen lediglich dazu, die faz und deren redakteure schlecht zu machen. ironischerweise greifst du damit auf genau die methoden zurück, die du den herrschaften vorwirfst. schlimmer noch, du versuchst die reputation einer person auf basis ihrer herkunft anzugreifen (ostfriese, kritiker) anzugreifen und sinkst damit tiefer als reents, denn der bezog sich lediglich auf kruses eigene aussagen. reents bedient sich lediglich einiger sarkastischer analogien, um kruse als geistigen mittelpunkt einer bewegung zu charakterisieren. dies ist aber klar erkennbar, während du klar diskriminierende tendenzen an den tag legst.

    2. „Kruse also ein Blender, ein Berater, an den sich kein Kunde erinnern kann, ein Empiriker, der keine repräsentativen Studien vorlegt, ein Redner ohne Substanz? All das versucht Reents zu belegen oder er unterstellt es zumindest.“ – nein genau das macht er nicht. du hingegen unterstellst ihm, dass er genau das unterstellt. ich weiss nicht warum man bei einem satz der lediglich besagt, dass kruse einfache sachverhalte schwierig erklärt, so viel (mist) hineininterpretieren muss, denn genau das macht kruse auch. damit wird jede wunschinterpretation deinerseits hinfällig.

    3. „Hat der FAZ-Schreiber wirklich alle Pressesprecher angerufen? Da der Artikel am Wochenende erschienen ist, kann ich das schwerlich überprüfen. Kein Pressesprecher wird von Reents namentlich benannt, so dass es wohl noch schwerer fällt, bei großen Unternehmen mit personell gut ausgestatteten Kommunikationsabteilungen die Behauptungen von Reents zu verifizieren.“

    woher nimmst du deine forderungen? reents hat absolut korrekt gearbeitet. er hat seine quellen eindeutig benannt, nämlich die firmen. als journalist stellt man seine anfrage auch nicht an einen konkreten pressesprecher, sondern an die firma als solches. wer antwortet ist völlig egal, es ist lediglich wichtig, dass derjenige die firma nach außen vertreten darf.

    gleiches gilt bei gegenrecherchen. wer bezug auf firmenaussagen nimmt, benötigt nicht den pressesprecher sondern lediglich die quelle und das veröffentlichungsdatum der aussage. du hattest also alle infos die du gebraucht hättest um wirklich eine gegenrecherche durchzuführen, stattdessen beschwerst du dich, dass diese nicht in endbenutzerfreundlicher manier bereitgestellt werden. aber genau das macht den beruf des journalisten aus, von dem du absolut gar keine peilung hast. außerdem hätten deine chancen reichlich schlecht gestanden überhaupt eine auskunft zu bekommen. firmen sind bürgern nicht zu auskünften verpflichtet und sie sind auch nicht erpicht darauf. das hättest du sicher festgestellt, wenn du mal wirklich recherchiert hättest…

    es muss auch nicht der anspruch gestellt werden, alle firmen anrufen zu müssen. es genügt eine übertriebene darstellung um zu zeigen, dass hier auch nur mit wasser gekocht wird. stattdessen nennt reents etliche beispiele. aus journalistischer sicht wäre auch ein artikel, der eine auflistung aller arbeiten mit den 50 firmen auflistet, völlig unbrauchbar. es geht um eine kurze und knappe darstellung der selbstdarstellung durch kruses firma. alles weitere würde den rahmen des artikels sprengen und eher in ein schwarzbuch gehören.

    im übrigen werden solche recherchen schon wochen im voraus angestrengt. niemand macht so etwas mal schnell am nachmittag vor der wochenendausgabe. manchmal liegen solche infos schon ewig bereit und werden erst zu gegebener zeit eingesetzt.

    3. „Fraglich ist auch, ob Unternehmenssprecher von Konzernen überhaupt dazu in der Lage sind, über alle Beratungsprojekte der eigenen Organisation aus dem Stegreif Auskunft zu geben.“

    selbstverständlich können sie das. die vermittlung zwischen firma und öffentlichkeit ist deren einzige aufgabe. wenn sie dies nicht könnten, dann könnten sie nicht eine frage beantworten, oder woher denkst du haben die ihr wissen? wo steht, dass sie aus dem stegreif antworten? fast alle befragungen werden heut per email durchgeführt, was schon aufgrund von terminkonflikten kaum anders machbar ist. telefonbefragungen werden dagegen seltener und wer auf dezidierte informationen wert legt, der greift erst recht auf email zurück. es ist schneller, kostet weniger zeit, man hat die antwort schwarz auf weiss und man kann leichter zitieren.

    „Pressesprecher sind keine Controller oder Einkäufer von Leistungen für Unternehmensberatung, Webprojekten, Changemanagement, Personalentwicklung, Schulungen, Marktforschung und Informationstechnologie. Sie können das auf Knopfdruck gar nicht parat haben.“

    wie eben ausgeführt ist das auch gar nicht nötig. ausserdem überblickt ein erfahrener pressesprecher nach einiger zeit sehr wohl den betriebsablauf, oder kennst du eine firma, die wöchentlich ihre abläufe ändert? das wäre ein höchstmaß an ineffizienz…

    4. Wie hat Reents nachgefragt? Kennen Sie Herrn Kruse, den Internetguru? Arbeiten Sie mit der Firma nextpractice zusammen?

    es geht klar aus dem artikel hervor, dass er nach den geschäftsbeziehungen zwischen den angegeben firmen sowie nextpractice bzw kruse gefragt hat. einfach mal richtig lesen…

    „Hat er auch nach den drei weiteren Geschäftsführern gefragt (Andreas Greve, Frank Schomburg, Thorsten Schomburg)? Diese wichtigen Punkte hat der FAZler eher nicht in den Mittelpunkt seiner Recherchen gestellt – sonst wäre sein Artikel nicht so vernichtend ausgefallen.“

    warum? sind die für irgendwelche positiven umstände verantwortlich, die die monierten behauptungen auf kruses seite relativiert hätten? hat einer von denen vielleicht krebs geheilt, oder eine bedeutende erfindung herausgebracht? wenn nicht, so erschliesst sich mir diese logik nicht…

    5. „Zumindest erfahren wir, dass man bei BASF, Daimler-Benz und Thyssen nach Tagen herausfand, dass es einmal eine Zusammenarbeit gab, über die jedoch nichts Näheres gesagt wird. Warum auch.“

    weil es für diese firmen sicherlich berichtenswert gewesen wäre, wenn diese zusammenarbeit besonderen wert gehabt hätte. immerhin sieht man ständig firmen, die partnerschaften in der öffentlichkeit betonen, schon um anleger positiv zu beeinflussen, also warum nicht auf bei nextpractice?

    dein mangel an logik lässt mich mittlerweile an deiner erfahrung im bereich wirtschaft zweifeln. dass dies aber genau kruses arbeitsbereich ist, dessen kompetenz einzuschätzen du dir ebenfalls zutraust, ist schon sehr offenbahrend. egal…weiter im text…

    6. „Wussten diese Firmen, dass sie indirekt als Zeugen für die „Gegenrecherche“ herhalten?“

    sicherlich…eine vorstellung des artikels gehört zur anfrage mit dazu. und selbst wenn dies nicht der fall wäre, so wüsste jeder normaler mensch worum es geht wenn er die frage liest. wenn ich mich bei jmd nach einer dritten partei erkundige, so steht wohl ausser frage, dass eben jene im fadenkreuz steht. viele pressesprecher rekrutieren sich aus den reihen der journalisten. diese sind logischerweise mit journalistischer vorgehensweise vertraut. sie hier als die armen dummen hinzustellen, die vom bösen reents ausgetrickst wurden, zeugt nur wieder von deiner unwissenheit.

    6. „Auch hier kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Fraktionschefs oder Ausschussmitglieder darüber Auskunft geben können, welche Dienstleister für den Aufbau von IT-Infrastrukturen aufgewählt wurden. Das Projekt wurde 2008 realisiert. Welche Fraktionschefs und Ausschussmitglieder hat Reents befragt? Die, aus der alten Legislaturperiode, die 2009 endete oder jene nach der Europawahl, die im vergangenen Jahr stattfand? Es soll ja doch die eine oder andere personelle Veränderung gegeben haben. “

    ist jetzt nicht dein ernst oder? SOO ignorant kann doch keiner sein….logischerweise geben fraktionschefs keine auskunft bzgl solcher fragen. auch dafür gibts pressestellen. hättest du auch rausgefunden, wenn du mal eine minute und zwei klicks investiert hättest:

    http://www.europarl.de/view/de/Presse.html

    allein die vorstellung, dass 750 parlamentarier, die sich um die geschicke von 300 mio eu-bürgern kümmern, solche lapidaren anfragen beantworten sollen, die nicht mal in ihren aufgabenbereich fallen ist an idiotie kaum zu überbieten. besonders, wenn dann solche anfragen aus anderen eu-ländern kommen, oder denkst du der italienische parlamentarier, der zu importen deutschen mülls befragt wird, lernt schnell deutsch, oder besorgt sich schnell nen übersetzer? das ganze parlament würde bei solch einem vorgehen kaum die zeit haben zu tagen….

    7. „Kennt Reents nicht den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Analysen?“

    hier macht er offensichtlich einen fehler, was aber seine anderen aussagen dadurch nicht invalidiert. im übrigen könnte ich dagegen halten, dass du nicht mal über simple allgemeinbildung in bezug auf die funktionsweise unseres europäischen parlaments verfügst. gleiches gilt für die luftnummern, die kruse in seinem vortrag rausgehauen hat. kritikwürdig sind alle diese dinge, jedoch passt das natürlich nicht ins reents-bashing…

    8. „Selbst ein Journalist, der Germanistik, Publizistik und Philosophie studiert hat“

    hier lehnste dich mal wieder sehr weit ausm fenster…ich habe journalistik und germanistik studiert. vielleicht kannst du mir erklären was die unterschiedlichen auswertungsansätze bei umfragen mit germanistik zu tun haben? das ist nicht mal annähernd ein kompatibler fachbereich. gleiches gilt für philosophie. publizistik ist kein studiengang, du ach so intelligenter fachmann… was für studiengänge haste denn noch so auf lager? wie wärs mit arzt, oder fachmann? lol

    9. „Selbst eine Google-Suchanfrage hätte Sie schlauer machen können.“

    wer im glashaus sitzt…

    10. „Sind empirische Arbeiten nur aussagekräftig, wenn sie mit Stichproben von 1.000 oder 2.000 Befragten arbeiten?“

    ja verdammt nochmal! kruse selbst teilt seine nutzer in 5 altersgruppen ein. dazu kommen noch die geschlechter. das macht 10 gruppen auf 190 befragte und das soll eine prognose über milliarden von internetnutzern erlauben??
    10 nutzergruppen reichen nicht einmal aus. in jedem kulturkreis sieht das nutzerverhalten anders aus. dazu kommen noch andere externe umstände, wie zb soziale stellung, einkünfte etc. kruse erwähnt auch mit keinem wort woher die befragten stammen. wer schon einmal an wissenschaftlichen umfragen teilgenommen hat, der weiss wie wenig aussagekräftig 190 mann sind. selbst die einschaltquoten für unsere nur 80 mio bundesbürger wird mit über 10000 teilnehmern getestet und da gestaltet sich das angebot nicht annähernd so vielfältig wie das des internets. kruse kommt mit einem 50stel der leute daher und versucht rückschlüsse auf eine 30 mal grössere nutzergruppe… autsch…

    10. „Haben Sie sich mit der wirklich ausführlich mit der Studie von Kruse beschäftigt, Herr Reents?“

    hat er das behauptet? nein. er hat sich auf dessen vortrag bezogen, der auf laien ausgerichtet war, oder mutiert diese blogger-convention jetzt plötzlich zum forschersymposium?

    11. „Konnte Frau Dehm einen Blick auf die Methodik der qualitativen Interviews werfen?“

    irrelevant. die frage zielte eindeutig auf die anzahl der befragten ab, wofür die studie wohl kaum benötigt wird. selbst wenn, fraum dehm ist eine erwachsene frau und kann ohne weiteres auf eine meinungsabgabe verzichten, wenn sie sich ausser stande sieht eine einschätzung abzugeben. du tust grad so, als hätte man ihr die pistole auf die brust gesetzt. echt lächerlich…

    12. „Ebenso essentiell ist die Qualität des Fragebogens? Das alles bleibt im Dunkeln.“

    richtig. immerhin klärt kruse die zuschauer auch nicht auf. wie also sollte reents es da können? nicht mal auf nextpractice.de gibts dazu infos. lediglich die folien des vortrags kann man sich dort ansehen und über mehr als die zusammensetzung der befragten geben die auch keine auskunft.

    13. „Die Thesen von Kruse zum Web 2.0, seine Reden und Interviews können kritisch reflektiert werden. Das steht bei Reents aber gar nicht im Vordergrund. “

    falsch… reents benutzt zynik und sarkasmus um kruse von seinem hohen podest herunterzuholen auf das er sich teils selbst stellt und teils von fanboys wie dir gehoben wird. das kann man für unfein halten wie man will, der stil wird in der gesamten medienwelt benutzt, besonders wenn man solche einflussreichen schwergewichte relativieren will. ansonsten argumentiert reents sehr einleuchtend und logisch. komischerweise finden sich bis auf deine wenigen fehlinterpretationen keine stellungnahmen dazu. immerhin hantiert reents nicht nur mit expertenmeinungen (zb jürgen kuri von der c’t), sondern eben auch mit scharfsinniger logik. was hat denn nun kruses erfahrung in der psychologie mit seiner internetkompetenz zu tun, so wie er fragt? gar nichts. es dient kruse lediglich, um sich als experte zu etablieren, auch wenn dies jeglicher logik entbehrt.

    zu meiner person: ich bin journalist und it-profi. ich war schon zu zeiten von btx und fidonet online. ich bin also nach kruses kategorisierung ein heavy user, der sich aber in dessen schubladensystem nicht wiederfindet. so gehts auch ner ganzen reihe von kollegen, was auch nicht weiter verwunderlich ist…bei nur 191 befragten…

    prinzipiell finde ich es gut wenn rezipienten sich kritisch mit den medien auseinandersetzen. traurig ists nur, wenn das ganze in eine richtung abdriftet und so auch nur wieder partei ergriffen wird. damit macht ihr euch alle derselben einseitigkeit schuldig, wie ihr sie reents und der faz vorwerft. kruse selbst quatscht genügend blödsinn, oder präsentiert in der tat alte hüte in überkandidelter komplexität um unerfahrene zu beeindrucken. das heisst nicht, dass seine aussagen vollkommen unnütz sind, jedoch braucht es auch hier den nötigen abstand um brauchbares von unbrauchbarem zu trennen. diese vorgehensweise findet sich komischerweise bei kaum einem kruserezipienten.

  41. @xiaopang333 Nur kurz eine Replik, ich backe gerade den Geburtstagskuchen für meine Freundin und muss noch die Geschenke einpacken – mal wieder alles auf dem letzten Drücker. Die Intention von Reents beschreibst Du ja recht gut. Er will Kruse vom hohen Podest herunterholen. Warum eigentlich? Ist das Journalistenpflicht? Ich kenne Kruse nicht persönlich und möchte auch nicht in Rechtfertigungslyrik abgleiten. Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Beruflich hatte ich auch mit empirischer Sozialforschung zu tun und daher auch einige Fachaufsätze von Kruse gelesen. Ich halte ihn für kompetent. Dann noch ein Punkt, der mich von Anfang an stutzig machte:

    Hat Reents nun alle Pressesprecher befragt? Er schreibt: „Die Nextpractice-Homepage führt eine „Kundenliste“ mit mehr als fünfzig bekannten Firmen, von Agfa und BASF über Media Markt bis hin zu Obi und VW. Hört man sich dort jedoch um, so ist nicht ein einziger Pressesprecher auf Anhieb in der Lage, Auskunft zu geben; niemand unter den Pressesprechern hat von dieser Firma oder deren Leiter jemals etwas gehört“.

    Über fünfzig Firmen. Kein einziger Pressesprecher auf Anhieb in der Lage, Auskunft zu geben. Niemand hat von dieser Firma oder deren Leiter jemals etwas gehört.“ Reents müsste also alle Referenzfirmen angerufen haben.

    Dazu hat ein ehemaliger Mitarbeiter Stellung bezogen:

    http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/05/18/professor-kruse-und-seine-firma-nextpractice-wichtige-hinweise-fur-weitere-recherchen-zur-faz-gegenrecherche/

    Und ich könnte Dir auf Anhieb auch Projekte nennen, an denen Kruse mitgewirkt hat (Telekom etc.).
    Da reicht eine einfache Google-Recherche.

    Die Aussagen des früheren Mitarbeiters sollten eigentlich genügen. Jetzt muss ich zum Backofen, sonst wird es mit dem Kuchen nichts. Gute Nacht.

  42. Wer in erste Linie Menschen und ihre Reputation angreift – und nicht deren Aussagen – vermeidet die sachliche Auseinandersetzung. In Online-Foren und den Kommentarbereichen von Blogs hat sich für solche Menschen der Begriff Troll eingebürgert. Auch in dieser Diskussion hier konnte man wieder einige Trolle miterleben.

    Trolle gibt es aber nicht erst, seit es das Internet (oder die etwas ältere Mailbox-Kultur) gibt. Bei einigen Journalisten oder ganzen Publikationen gehört es zum typischen Stil, so etwas zu tun und es liest sich offensichtlich für eine große Gruppe von Menschen angenehm. Beim Spiegel – den ich ansonsten sehr schätze – gehört das seit vielen Jahrzehnten zur besonderen Duftmarke. Und „Haßprediger“ haben nicht nur in der islamistischen Variante weltweit eine große Gefolgschaft. Es gibt sie in allen Kulturen und in allen politisch/religiösen Ausrichtungen.

    Menschen in den Dreck zu ziehen, wenn man ihre Argumente nicht mag, ist – so sind wir Menschen nun mal gebaut – auch leider sehr effektiv. Rational ist das aber schwer zu begründen. Tatsächlich kann im Einzelfall auch ein hochintelligenter, schwer sympathischer Mensch absoluten Blödsinn von sich geben. Und ein erfolgloser Kotzbrocken kann gute Ideen haben.

    Ich persönlich finde, dass Schirrmacher in Payback einige durchaus diskussionswürdige Punkte zu den Auswirkungen des Internets auf unsere Kultur zusammengetragen hat. Ob die nun alle empirisch belegt sind, lasse ich mal dahingestellt. Wo ich ganz anderer Ansicht bin als Schirrmacher ist die Bewertung dieser Auswirkungen. Schirrmacher empfindet die sich ergebenden Änderungen – als „Konservativer“, der er ist – vorwiegend als negativ. Ich sehe sie als teils positiv, teils neutral.

    Kruse sagt im Grunde Ähnliches, in dem er darauf aufmerksam macht, dass Schirrmacher diese Entwicklungen primär als Außenstehender betrachtet und als solcher die positiven Auswirkungen nicht wirklich auf der subjektiv/emotionalen Ebene wahrnimmt. Und letztere ist für eine „Bewertung“ eben entscheidend. Da sollten wir uns keinen Illusionen hingeben.

    Ich denke, die beiden wäre sogar in der Lage, darüber sachlich zu diskutieren.

    Wem zu so etwas die intellektuelle Flughöhe fehlt, wer durch starke Emotionen nicht mehr in der Lage ist, seine durchaus vorhandenen intellektuellen Potentiale zu nutzen, oder, wer eine Anhängerschaft zu bedienen hat, der es Freude macht, zuzusehen, wie jemand niedergemacht wird – wählt stattdessen Angriffe gegen die Person.

  43. Pingback: Tweets that mention Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse « Ich sag mal -- Topsy.com

Kommentar verfassen