Die geräuschlose NRW-Justiz

Kaum hatte ich die merkwürdigen Umstände des Selbstmordes eines Bonner Gerichtspräsidenten beleuchtet, da werde ich auf einen Focus-Bericht hingewiesen, der in dieser Woche erschienen ist. Nur durch Zufall kam der versuchte Kindesmissbrauch eines Staatsanwalts im vergangenen Jahr heraus. „Als Herbert P. seinen Rechner verschrotten wollte, entdeckte ein Techniker des Computer-Shops auf der Festplatte Pornobilder und -filme mit acht bis zehn Jahre alten Mädchen. Die Bonner Staatsanwaltschaft filzte daraufhin Büro und Arbeitsplatz des Kölner Kollegen und entlarvte ihn als regen Sexkontakter hinter Spitznamen wie ‚Sentimentaler‘ oder ‚Cock 49‘. Mit Sprüchen wie ‚Du siehst süß aus‘ oder ‚Hammergeil deine Page‘ hatte Lolita-Lover P. jahrelang im Netz junge Chatterinnen angebaggert“, schreibt Focus.

NRW-Justiz schickte den straffälligen Staatsanwalt geräuschlos in Pension – Geräuschlosigkeit bei Verfehlungen von Vertretern der Judikative scheint also ein Markenzeichen in meinem Bundesland zu sein. „Der Skandal war perfekt. Doch in der Causa P. übte die NRW-Justiz kollegiale Nachsicht: Geräuschlos ging der Beamte zum Jahresanfang mit vollen Bezügen vorzeitig in den Ruhestand. Auf Antrag der Bonner Ermittler erließ das Amtsgericht einen Strafbefehl über etwas mehr als 14000 Euro“, so Focus weiter.

In der Juristenarithmetik würde die Geldstrafe zwar sechs Monaten Haft entsprechen, der Deal verschafft dem Ex-Finanzstrafverfolger aber deutliche Vorteile: „Erst bei Haftstrafen über zwölf Monaten kann der Dienstherr Beamte feuern. Herbert P., dem die vollständige Pension bleibt, gibt sich damit aber noch nicht zufrieden. Per Anwalt legte er Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Sein Verteidiger will diese Angelegenheit nicht kommentieren“, berichtet Focus. Hm, auch dieser Fall hat ein Geschmäckle.

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