Social Media im Dienst der Wissenschaft – Gemeinsam müssen wir nicht blöd sein!

Professor Fritz B. Simon stellte einmal die provokative Frage, ob wir gemeinsam nur blöd sein können. Da niemand die Zukunft kennt, ist auch nicht zu sagen, wer über das in Zukunft relevante Wissen verfügt. Der systemische Organisationsexperte Simon schlägt vor, das individuelle Wissen, die Fantasie, die Kreativität und Kompetenz in die Kommunikation einzubringen und intelligent zu organisieren. Das geschieht spontan nicht zuverlässig, da Kommunikationsmuster dazu neigen, das zu reproduzieren, was sowieso schon immer gedacht wurde. Je geschlossener die Organisation, je mehr Hierarchien existieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einseitig selektierte Informationen zu erhalten. Um diese Einbahnstraße zu verlassen, nutzt der Wissenschaftler Richard Feynman das Web. Bruce Sterling hat die Methodik erwähnt. Siehe auch den FAZ-Artikel
„Denken im Internet-Zeitalter – Unser quälendes Unbehagen“:

„Ich will Ihnen sagen, wie der zeitlose Richard Feynman an diese Aufgabe herangeht. Er ist kein großer Papierfreund, weil er in einer Netzkultur lebt.

Ihm geht also auf, dass er vielleicht ein Problem hat, vielleicht aber auch nicht.

1. Ich gebe das Problem in eine Suchmaschine ein, vielleicht hat es irgendjemand ja schon gelöst.
2. Ich beschreibe das Problem in meinem Blog und studiere die Kommentare mitsamt ihren Links.
3. Ich formuliere mein Problem mit nicht mehr als 140 Zeichen in Twitter – mal sehen, ob ich es so knapp zusammenfassen kann. Und ob es weitergetweetet wird.
4. Ich mache ein quelloffenes Problem daraus und füge einige Instruktionen hinzu, die zeigen, wie weit ich gekommen bin, und schaue dann, ob die Gemeinschaft es ein Stück weiter schafft.
5. Mit Hilfe von Ning starte ich ein soziales Netzwerk über mein Problem, benenne es nach ihm und warte ab, ob sich eine Gruppe um mein Problem bildet.
6. Ich mache ein Video über mein Problem, lade es bei Youtube hoch und warte ab, ob es sich viral verbreitet und ob sich eine Medienkonzentration um es bildet.
7. Ich mache einen Entwurf, der so tut, als wäre mein Problem schon gelöst, designe also irgendeinen Apparat, eine Anwendung, ein Produkt, das etwas mit meinem Problem zu tun hat, und schaue dann, ob jemand es wirklich baut.
8. Ich verschärfe oder vergrößere mein Problem mit einer interventionistischen taktischen Medienaktion.
9. und letztens: Ich suche im ‚Looking into the Past‘-Pool der Online-Fotoplattform Flickr (bei dem jeweils ein historisches Foto mit einer passenden aktuellen Aufnahme kontrastiert wird) nach ein paar hübschen Illustrationen.“

Ob dann etwas sinnvolles herauskommt, ist noch eine andere Frage. Aber Charme hat das Vorgehen schon.

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