Nach der iPad-Party startet das iPad-Bashing

Kaum hat Steve Jobs nach der Präsentation des iPads die Bühne verlassen, melden sich Analysten und Branchenexperten zu Wort, die das Wundergerät zerpflücken oder in den Himmel heben. Das ist auch bei der Einführung des Ipods und des iPhones so gewesen. Torpedos schießen vor allen Dingen Telco-Manager ab, die den Nutzen für Geschäftsanwendungen bezweifeln. Apple wollte vermeiden, mit dem iPad das eigene Geschäft mit iPhone und MacBook zu kannibalisieren. Das iPad sei weder ein Ersatz für ein Notebook noch ein Ersatz für ein Smartphone, sondern das „dritte Gerät“. Schleppt man auf Reisen drei Geräte mit drei Netzteilen herum, die alle auch noch eine Überlappung der Funktionalität haben? Eher nein, sagen Kritiker. Könne das iPad als „Muttergerät“ für andere digitale Geräte wie etwa Kameras oder auch Smartphones dienen? Nein, keine USB-Schnittstelle. Auch das Betriebssystem sei dafür nicht geeignet, da wäre eine Lite-Version des Mac OS-X besser.

Im Moment nicht zu beantworten sei nach Auffassung von Branchenexperten die Frage, wie performant die Hardware ist. Vermutlich, bei 10 Stunden Akku-Laufzeit, sei der 1 GHz Prozessor eher mit dem Snapdragon für Smartphones zu vergleichen, nicht aber mit dem Intel Atom. Deswegen wird vermutet, dass Apple eine Extra-Grafikeinheit integriert, die für Video optimiert ist. Da werde aber die allgemeine Rechenleistung deutlich hinter einem Intel Atom bestückten Notebook zurückbleiben. Also reiche die Leistung für die Ablösung eines Notebooks nicht aus.

Ein cooler und gewagter Wurf wäre es, mit dem iPad unter Einbeziehung von Cloud Computing das Notebook ganz zu ersetzen. Dazu müssten die Performance/Schnittstellen des Gerätes stimmen, und dann würde jeder Käufer automatisch „seinen Webspace“ bekommen, auf dem man seine Daten zentral speichern kann. Videobearbeitung oder andere rechenintensive Anwendungen könnten etwa von Servern abgearbeitet werden, das Frontend wäre dann nur ein Client. Das wäre aber ein wesentlich weitergehender Wurf als das, was Apple jetzt vorgestellt hat: das sei nur ein größer skalierter iPod Touch. Richtig gemacht – gut und langfristig aufgesetzt – könnte es wirklich ein Paradigmenwechsel sein, ein Gerät wie das iPad wäre nur der Client im Cloud Computing. Und die Cloud würde dem Anwender alle Probleme abnehmen, was Speicherpaltz, Rechenleistung, Sicherung und Datenkonvertierung/-weiterbearbeitung angeht. Geht aber nur standardisierten Schnittstellen und Prozessen, damit beim Wechsel des Endgerätes alles innerhalb der Cloud weiter verfügbar ist.

Soweit die Einwände. Eure Meinung würde mich zu diesen Punkten interessieren.

Entscheidend für den iPad-Erfolg werden wohl eher Content und Apps sein, Siehe auch: Was die Apple-Wundermaschine können sollte.
Anwenderberichte werden dann zeigen, was das Gerät wirklich drauf hat und welche nützlichen Programme, Spiele, News und sonstige Dinge über iTunes abrufbar sein werden. Hier ist Apple immer noch das Maß aller Dinge!

Siehe auch:
First Impressions of the New Apple iPad.

Memo to Apple: You Might Want to Dispatch an iPad Team to Stanford U ASAP!

Ipad – Coffeetable-Gagdet und iKlickhuren.

Jetzt rede ich! Das iPad antwortet seinen Kritikern.

Wenn Träume platzen: Das Apple iPad.

Finanzieren iPhone-Besitzer die iPad-Nutzer?

Kannibalisiert das Apple iPad den Netbooks-Markt?

15 Gedanken zu “Nach der iPad-Party startet das iPad-Bashing

  1. Die erste Version vom iPhone hatte auch noch schwächen gehabt – z.B. fehlte UMTS… Was mir beim iPad fehlt ist eine Kamera. Cloud computing ist mit Sicherheit ein nettes feature. Bereits jetzt kann das iPad auf die iTunes Library vom PC zugreifen.
    Ich vermute, dass sich das iPad zu einer gigantischen Fernbedienung entwickeln wird. Schließlich gibt es für alles eine App…

  2. Ralf Hofmann

    Ich halte den Titel „Wundergerät“ auf alle Fälle für verfrüht und momentan eher hysteriegeschwängert Sicher wird es so sein, dass Content und Apps über den Erfolg des iPad entscheiden – also Ruhe bewahren, Erfahrungsberichte abwarten und dann ganz schnell eins kaufen … So jedenfalls mein Plan!

  3. Ich glaub, beim iPad ist dringend mal ein Perspektivwechsel gefragt: Das Gerät ist nicht für die 17″ MacBook-Enthusiasten gemacht, die es gewohnt sind ihre Indesign Paletten auf mehrere Monitore zu verteilen, die Videoschnitt aus dem ff beherrschen, die nebenher auch noch mit Co-Autoren in Irland und Timbuktu via Cloud Computing am gemeinsamen Buch arbeiten und die während des Telefonats mit dem Kunden auch noch kurz ein Skribble auf den Screen malen möchten. Für solche Zeitgenossen gibt es richtige Computer.

    Das iPad hingegen wird all die begeistern, denen es davor graut auch noch am Feierabend vor einem Computer sitzen zu müssen. Weil das für den Bürojob steht, doof ist und nervt. Das sind in der Regel all die, die zwar theoretisch via Mail erreichbar sind, bei denen aber jeder weiss, das ein berittener Bote Nachrichten schneller zustellen würde als die ihre Malis abrufen. Es sind Menschen, die das Internet zwar nutzen aber keine Lust haben, sich nach Feierabend dafür extra vor einen Computer welcher Bauart auch immer zu setzen.

    Und um das mal all denen, die vor lauter High-Tech-Kraftmeierei und feuchten Star-Trek-Träumen kaum noch gerade gehen können, klar zu machen, hier sehr ein einfaches Bild:

    Stellt euch mal bitte eure Freundinnen oder/und Frauen vor, wie die Abends auf den Sofa sitzend das erste Mal in ihrem Leben mit Lust (also ohne an „eurem“ Computer hocken zu müssen und ohne eure hilfreichen Kommentare) in iTunes oder Youtube stöbern, ihren Freundinnen – im Schneidersitz auf der Couch kuschelnd – eMails senden, endlich mal die Urlaubsfotos sortieren, bei Amazon oder dem Apple iBook-Store ihre ersten Bücher herunterladen oder mit Pages for iPad genau die Dankeschön-Karte selbst gestalten können, um die sie euch schon x-mal gebeten haben.
    Ist das albern? Ist das chauvinistisch?

    Nein, Jungs, das ist einfach nur weniger technikverliebt.

    Und eines sag ich euch: Ihr seid die ersten, die artig bei euren Frauen anfragt, ob ihr das Teil auch mal benutzen dürft – spätestens, wenn es ne neue, spannende App gibt, die ihr unbedingt mal in 1024 x 768 Pixel ausprobieren wollt.

    Kurzum: Das iPad wird Menschen begeistern, die überhaupt nichts mit euch zu tun haben. Die noch nie etwas von Cloud Computing gehört haben, nicht auf die Idee kämen, eine Video-Chat mit ihren Freund(Inn)en abzuhalten, weil man sich „da ja niemals in die Augen schaut“ und die nie auf die Idee kämen, euer Urlaubsvideo selbst zu schneiden. Dafür haben sie schließlich euch.

  4. Das Ipad ist doch wirklich ein Witz. Ja gut es sieht sicher gut aus und ist flach und praktisch. Aber es hat doch nicht mehr zu bieten, als ein IPhone, außer, dass es größer ist. Die Kamera fehlt, es hat viel zu wenig Speicher und ein Flashplayer fehlt, was man zum surfen im Netz eigentlich braucht. Andere Produkte, die ähnlich aussahen, sind auch schon wieder vom Markt verschwunden. Es ist sinnlos.

  5. stephan_as

    Ich applaudiere hiermit dem Vorkommentator. Das genau könnte die Zielgruppe des ipads sein. Mir fällt auch nix Besseres ein. Befragt nach den eigenen Bedürfnisse, wüsst ich nicht, wo ichs einsetzen sollte.
    Hoher Anspruch an Usability, laientauglicher Input und ein (wie immer) schickes Design zeigen, wohin die Reise geht: Wie Jobs sagt, ins Wohnzimmer eben. „make it simple, stupid“ …
    Alternativ haben es die Apple-Strategen wohl auch auf das IT-affine Publikum abgesehen. Einige Features lassen jedenfalls darauf schließen. Zum Statussymbol allein scheint die „digitale Schiefertafel“ nicht gemacht. Noch nicht: Die eher karge Ausstattung verbunden mit einem für Apple-Produkte verhältnismäßig günstigen Preis könnten das ipad in seiner ersten Version wohl zum Testläufer auf der Suche nach DER Kundschaft bestimmt haben. Gemessen an der Geschichte der Tablet-PC’s ist dies nachvollziehbar.

  6. Steve Jobs ist kein dümmlicher Techno-Freak, der seine Produkte mit Funktionen, Leistungen und Anwendungen überfrachtet, die keine Sau bedienen kann. Natürlich geht alles besser, schneller, perfekter, multifunktionaler. Viel entscheidender ist das Prinzip der Einfachheit und die Schaffung neuer Anwendungsszenarien und kein idiotischer Featurismus, die auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau sind. Faktum ist, dass beispielsweise die Telcos nicht in der Lage waren, UMTS mit Leben zu füllen. Da musste erst Apple mit dem iPhone kommen, um vorzumachen, wie es geht. Das hat Ibrahim Evsan heute in der FAZ sehr gut beschrieben. „Bevor das iPhone kam, schien es undenkbar, dass man sich als Handybesitzer Software herunterlädt. Software und ihre Installation waren vielen ein Greuel, jetzt lernen wir, dass uns Apps das Leben erleichtern“. Ähnliches wird das iPad bewirken und neue Erlebnissen für Spiele, Bücher, News etc. schaffen – die eigentlichen Inhalteproduzenten, vor allen Dingen Verleger, sind dazu nicht in der Lage.

  7. stephan_as

    Steve Jobs als Nerd hinzustellen, war nicht die Absicht, ganz im Gegenteil. Vielmehr folge ich der Argumentation von Andreas Frank. Gerade der intuitive Umgang mit Apple-Produkten, der seine Philosphie widerspiegel, beweisen das Gegenteil. Im Falle des ipads ist m.M. nach die konzeptionelle Entwicklung noch nicht abgeschlossen.

  8. almamy

    Bei allen Lobgesängen auf Apples Anwender- und Marktverständnis sollte man nicht übersehen:
    1. das iPhone war nicht das Killerfrontend für 3G, denn am Anfang hatte es ja gar kein UMTS. Ohne UMTS war das iPhone der 1. Generation nicht wirklich durchdacht.
    2. iPhone und iPod Touch waren zunächst mal ohne Jailbreak regelrecht kastriert. Ich hatte Anfang 2008 einen iPod Touch erworben, und den Jailbreak vorzunehmen war schon ein komplizierteres Unterfangen. Die Apps im iTunes-Store kamen erst als Reaktion auf die Repositories der Installer, die über Jailbreaks auf die Geräte kamen. Den kostenlosen Apps als Freeware hat Apple dann die kostenpflichtigen über iTunes entgegengesetzt.
    3. OS-X ist nichts anderes als ein weiterentwickeltes NextStep (hat Apple ja von Steve’s Frma Next eingekauft) und somit ein Unix-Abkömmling, der aber versucht, dem Anwender wie auch dem Administrator den Zugang zum System zu versperren.
    4. Im Grunde ist die Kernphilosophie von Apple, die Endgeräte als Plattform fürs eigene Content./Applikationsgeschäft zu nutzen. Daher dürfen die Geräte nur das können, was Apples Geschäft dienlich ist.

    Insofern kann ich Apple Hochachtung vor dem Geschäftsmodell entgegenbringen, aber als Kunde und Anwender ziehe ich Systeme mit deutlich größeren Freiheitsgraden vor.

  9. Meister almamy, jetzt sollten wir aber mal zur Sache kommen. Es gab mal kluge Experten, die die Unfähigkeit der TK-Branche kritisiert haben, mit UMTS vernünftige Dienste und entsprechende Endgeräte zu starten. In Wahrheit waren die Telcos nicht in der Lage, ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, um das Kerngeschäft der Sprachtelefonie und den Zufallstreffer SMS zu ergänzen oder auszuweiten. Wie war das mit WAP, wie war das mit MMS – alles Flops. Da musste erst ein branchenfremdes Kerlchen wie Steve Jobs kommen, um zu zeigen, was möglich ist. Und auch das iPhone der ersten Generation ohne UMTS war schon in den Möglichkeiten unendlich viel weiter als die Angebote der Mobilfunkbubis. Und es ist doch eine Tatsache, Mister almamy, dass mit dem ersten 3G-iPhone und der Öffnung der Entwicklungsplattform für Apps die Entfaltung des mobilen Webs begonnen hat. Warum war die Mobilfunkbranche auf der Mobile World in Barcelona so geschockt? Siehe: http://gunnarsohn.wordpress.com/2008/06/25/geschockte-mobilfunkmarkte-elektronische-helfer-und-die-omniprasenz-des-internets/
    Warum kopieren alle Konkurrenten das App-Store-Konzept? Siehe: http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/11/27/nokia-und-der-verzweifelte-kampf-gegen-das-religiose-kultgerat-iphone/
    Wenn die Mobilfunker und übrigens auch die Musikindustrie zu blöd sind, extrem nutzerfreundliche und gut durchdachte Geräte und Dienste auf den Markt zu bringen, ist es doch ein Witz, Steve Jobs dafür zu kritisieren, dass er geschlossene Welten etabliert. So etwas nennt man die schöpferische Zerstörung des Wettbewerbs, wenn etablierte Konzerne zu verkrustet sind, neue Ideen und Innovationen zu kreieren. Die schauen dann halt dumm aus der Wäsche. Warum läuft denn der MP3-Player Zune von MS nicht? Warum kaufen sich die Verbraucher normale MP3-Abspielgeräte nicht mehr? Weil schlichtweg die Plattformen grottenschlecht waren, um Musik herunterzuladen. Zudem profitiert ja nicht nur Apple von der explosiven Entfaltung der Mulimedia-Welt. Was ist mit Firmen wie Bose, JBL oder Belkin. Das wäre ohne den Erfolg des iPods und der Plattform iTunes nicht möglich gewesen.
    Siehe auch: http://www.amazon.de/Apple-iPod-Zubeh%C3%B6r/s/qid=1264871652/ref=sr_pg_2?ie=UTF8&rs=13408551&bbn=13408551&rh=n:562066,n:!569604,n:569866,n:316857011,n:16233271,n:13408551&page=2

    Ich fühle mich nicht als Gefangener der Apple-Welt. Im Gegenteil. Ich sehe die digitale Welt, die Steve Jobs hervorgebracht hat, als Bereicherung. Selbst meine alte Yamaha-Musikanlage läuft über das Airport-System von Apple. Und ich müsste ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn ich mich jetzt mit anderen Anbietern ins Bett legen würde, die nur dilettantische Produkte und Dienste auf den Markt schmeißen.

  10. den ollen Schumpeter sollten die Mobilfunker intensiver lesen. Er lehrte ja auch in Bonn. Da gibt es in den Archiven noch einiges zu entdecken.

  11. @ Gunnar: „den ollen Schumpeter sollten die Mobilfunker intensiver lesen.“

    Tun sie aber nicht. Denn warum sollte ein angestellter Geschäftsführer / Vorstand, der sowieso nur auf absehbare Zeit zur Optimierung der Erträge angeheuert wird, darüber nachdenken, wie man mit etwas ganz Neuem vielleicht noch besser Geld verdienen kann (besser, weil wir Kunden das besser finden).
    Steve Jobs ist zwar theoretisch/juristisch betrachtet auch „nur“ angestellter CEO. Aber er agiert völlig anders – nämlich als Unternehmer.

  12. @Andreas In den Chefetagen sitzen in der Regel eben auch nur mediokre Persönlichkeiten, die in Board-Meetings vorgefertigte Charts mit Bullit-Points an die Wand schmeißen und ihre dick dotierten Fünfjahres-Verträge verwalten. Bei Stevie ist das anders. Er ist Mitgründer von Apple. Das ist sein Baby.

  13. Party

    Hi, ich finde das iPad schon ganz lustig, stellt Euch mal vor einer telefoniert mit dem Ding^^! Gab bei Youtube nen cooles Video dazu, wurde aber leider runtergenommen…

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