Sind Sprachcomputer Schrott? Eure Erfahrungen interessieren mich!

Ich habe einen längeren Artikel über die Voice Days plus geschrieben direkt nach der Pressekonferenz der Veranstalter.
Bei dieser Fachkonferenz werden ja jedes Jahr die besten Sprachdialogsysteme im telefonischen Kundenservice ausgezeichnet. Ob die ausgezeichneten Anwendungen wirklich gut sind, konnte ich während des Pressegesprächs nicht testen. Der Jury-Vorsitzende Professor Wahlster vom DFKI jedenfalls äußerte sich kritisch. So ist jede zweite Sprachapplikation wohl totaler Schrott, da die Technologien teilweise zehn Jahr oder mehr auf dem Buckel haben.
Auf dem Blogjournalisten-Portal gab es zu meinen Ausführungen dann noch einen kritischen Kommentar eines Betroffenen:

„a) Telekom. Ja, das Ding mag der Telekom Mühe ersparen. Es verstand meine Nummer aber auch auf 5 Anläufe nicht. Ich kam mir vor wie bei Professor Hase. Daß man die Nummer auch eintippen kann, sagt es einem nicht. Wenn cih das nicht gemacht hätte, wär mein Telefon jetzt noch gestört, denn man kommt an diesen maschinen nicht vorbei.

b) Apothekenfinder: „FÜRN ARSCH EY!“.

Sorry, muß ich so direkt sagen.

Wir waren in der Klinik, hatten ein Rezept bekommen. Offene Apotheken gäbe es in X, Y und Z. Man könne aber nicht sagen, welche. Es gab nur diese 01805-Nummer des ärtzlichen Notdienstes, der aber vom Handy aus scheißteuer ist.

Na gut, fuhren wir halt in Y die Hauptstraße auf und ab, bis eine Apotheke in Sicht kommt. Da wird dann schon dranstehen, welche die ist, die Notdienst macht.

Denkste! Da hing ein leuchtroter Zettel mit der 22833 dran! :-(((

Wenn man da anruft, wird man erstmal 30 Sekunden gebührenpflichtig zugeplappert, was das doch für ein toller Service ist. Und dann muß man den Ort sprechen.

Ist „Seefeld“ so schwer zu verstehen?!?!?

Jedenfalls ging es nicht.

ich sollte dann die Postleitzahl eintippen.

Die stand aber an der ganzen Apotheke nirgends und woher soll ich die Postleitzahl eines mir unbekannten Ortes wissen? Muß man jetzt auch noch das Postleitzahlenbuch mit sich haben im Auto? Oder mit einem zweiten Handy einen Postleitzahlendienst anrufen? und versteht der dann „Seefeld“?

Am Schluß sind wir in Seefeld nochmal in die Klinik, die hatten dort eine Liste aller Apotheken, die habe wir dann mit dem Navi abgefahren und auch die offene gefunden.

Dafür hat mir 22833 eine komische SMS mit kryptischem Code geschickt – und die Rechnung kommt sicher auch bald. Aber sowas von untauglich! Warum können die Leute nicht wie früher an die Apotheke dranhängen, welche Notdienst hat? Bekommen die Provisionen von 22833? Und was machen Leute ohne Handy?“. Ende des Kommentars.

Den Dienst 22833 habe ich jetzt selbst getestet für Bonn-Duisdorf. Ergebnis war zufriedenstellend. Der Ansagetext nervt. Die Sache mit der Postleitzahl ist idiotisch, wenn man ortsfremd ist – auch richtig. Der Preis pro Minute liegt deutlich zu hoch, da wird besonders bei Mobilfunkdiensten zugeschlagen – ärgerlich. Und prinzipiell bieten die telefonischen Dienste, egal ob es sich um Automaten oder Menschen handelt, einen miserablen Kundenservice – von den aggressiven Call Center-Attacken bis zum Bürgertelefon 115. Auch das hat Wahlster bemängelt. Zu wenig Investitionen, kein Thema im Top-Management zu wenig Neuinvestitionen. Und es ist doch für uns Verbraucher mittlerweile sehr komfortabel, unsere “Kundenerfahrungen” über das Social Web zu kommunizieren und den Unternehmen Dampf unter dem Hintern zu machen. Eure Erfahrungen mit den telefonischen Services für Kunden interessieren mich. Nur wenn die Anbieter mit den realen Erlebnissen der Verbraucher konfrontiert werden, wird sich etwas verändern!

2 Gedanken zu “Sind Sprachcomputer Schrott? Eure Erfahrungen interessieren mich!

  1. Axel

    Unterirdisch sind die Systeme der Mobilfunker, komischerweise. Die müssten eigentlich Hightech vom feinsten bieten. Viele haben noch dämliche Ansagen drücken 1,2 oder 3. Am Schluss landet man doch bei einem Call Center-Agenten.

  2. Vorweg, ja, ich bin aus der Branche. Hält mich aber nicht ab, hierzu was zu schreiben.
    Ich habe den o.g. Apotheken Notdienst angerufen und es hat funktioniert. Das sollte natürlich nicht die Apotheken aus der Pflicht entlassen, wie bisher Schilder mit der nächstgelegenen Notfallapotheke an die Tür zu hängen!

    Ansonsten nutze ich auch privat regelmässig das Sparda Telefonbanking für schnelle Überweisungen und Kontostandsabfrage und manchmal den Sprachcomputer aus dem PAYBACK Service Center. Sehr gute Erfahrungen gemacht, beide Dienste sehe ich als Serviceerweiterung für mich!

    Aber Wahlster hat recht, es gibt zu viele alte oder schlecht bzw. lieblos gemachte Sprachdialogsysteme, die dann gerne als Negativbeispiele aufgegriffen und zitiert werden.
    Schliesslich wird (von der Presse) hochgejubelt oder niedergeschrieben, nur das bringt Auflage…

    Viele Grüße!!
    Jürgen Walther

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